Freitag, 19.August

Kräutergarten in Einkaufswagen am Judenhof
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Heute haben
Samuel Richardson * 1689
Arnolt Bronnen * 1895
Jerzy Andrzejewski * 1909
Frank McCourt * 1930
Barbara Bronnen * 1938
Geburtstag
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Max Dauthendey
Sommer, der so fröhlich war

Sommer der so fröhlich war,
Er entlässt der Vögel Schaar,
Tausend Stare weiter ziehn,
Tausend Lieder jetzt entfliehn.

Auf der Wiese, die verblüht,
Noch der Himmel einsam glüht,
Wie die Sehnsucht, die nie stirbt
Und um neue Lieder wirbt.

Sitzt das Herz am rechten Fleck,
Fällt’s nicht wie ein Herbstblatt weg.
Wechselt auch der Baum sein Kleid,
Lieb kennt keine Jahreszeit.
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Exakt vor einem Jahr auf unserem Blog und jetzt als Taschenbuch:


Alex Schulman: „Die Überlebenden
Aus dem Schwedischen übersetzt von Hanna Granz
dtv Verlag € 13,00

Ein Sommerhaus in Schweden. Hier treffen sich die drei Brüder Benjamin, Pierre und Nils nach Langem wieder zum ersten Mal gemeinsam. Viele Sommer haben Sie hier mit ihren Eltern verbracht. Sommer voller langer Tage, Gemeinsamkeiten und immer wieder der Kampf um die Liebe der Mutter, die abweisend und grob und dann doch wieder voller Zärtlichkeit war. Nach ihrem Tod kehren sie hierher zurück, um ihren letzten Wunsch zu erfüllen, die Asche im See zu verstreuen. Fremd sind sie sich geworden, viel Unausgesprochenes schwebt in der Luft und alte Erinnerungen holen Sie ein. Ein Unfall, der nie richtig aufgeklärt wurde, lässt Benjamin bis heute nicht los. Jeder von ihnen trägt eine andere Erinnerung hiervon mit sich. Dieser Ort, der immer noch so verwunschen und unberührbar von der Außenwelt scheint, wirft sie zurück in die Kindheit. Alles ist so nah, als wäre die Zeit stehen geblieben.

Leseprobe

Donnerstag, 11.August

Heute haben
Enid Blyton * 1896
Louise Bogan * 1897
Alex Haley * 1921
Fernando Arrabal * 1932
Wolfgang Holbein * 1953
Geburtstag
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Thekla Lingen (1866-1931)
Sommer

Sieh, wie sie leuchtet,
Wie sie üppig steht,
Die Rose –
Welch satter Duft zu dir hinüberweht!
Doch lose
Nur haftet ihre Pracht –
Streift deine Lust sie,
Hältst du über Nacht
Die welken Blätter in der heißen Hand …
Sie hatte einst den jungen Mai gekannt
Und muß dem stillen Sommer nun gewähren –
Hörst du das Rauschen goldener Ähren?
Es geht der Sommer über’s Land …
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Nach den Bienen und den Bäumen jetzt ein neues Meisterwerk:

Piotr Socha, Monika Utnik-Strugala: „Das Buch vom Dreck
Eine nicht ganz so feine Geschichte von Schmutz, Krankheit und Hygiene

Übersetzt von Dorothea Traupe
Gerstenberg Verlag € 30,00
Großformatiges Sachbilderbuch ab 10 Jahren


Nach dem Bienen- und dem Bäume-Buch folgt jetzt eines über Dreck. Naja, das ist ein bisschen frech formuliert, denn es geht um die ewig alte Geschichte von Schmutz, Krankheit und Hygiene. Und das betrifft nicht nur unser Körper, sondern auch unsere Sprache. Deshalb beginnt das Buch auch mit negativen Formulierungen, die wir aus dem Schmutz abgeleitet haben. So z.B. „Scheisse“, aber auch der „Dreckspatz“, usw.
Wieso duschen und baden wir eigentlich? Wie waschen sich Astronauten im Weltall?
Wann wurden Toiletten erfunden? Und wann die Berliner Kanalisation? Wer hat entdeckt, wie es zu Epidemien wie Pest oder Cholera kommt? Und wer, was man dagegen tun kann?
Wir wandern durch Jahrtausende der Weltgeschichte und rund um den Erdball.
Gibt es doch in Namibia das Volk der Himba, die sich ohne Wasser „waschen“. Wie? Ja, das erfahren wir auch hier. Toiletten mit Wasser und ohne, mit Elektronik und einfach nur so mit Loch. Und wie war das denn am Hofe von Ludwig XIV? Viel Pomp, Perücke und Puder, aber mit der Hygiene war es nicht weit her. Und Zahnreinigung? Fehlanzeige. Dementsprechend sahen die hübschen Damen wohl auch aus und haben ihre Münder hinterm Fächer versteckt. So malt es zumindest Piotr Socha auf Seite 139.
Ein weiteres Meisterwerk und ein unendliches Nachschlagewerk und Bilderbuch in einem.

Blick ins Buch

Montag, 8.August

Heute haben
Nina Berberowa * 1901
Jostein Gaarder * 1952
Birgit Vanderbeke * 1956
Ralf König * 1960
Geburtstag
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Johann Wolfgang von Goethe
Sommer

Der Sommer folgt. Es wachsen Tag und Hitze,
und von den Auen dränget uns die Glut;
doch dort am Wasserfall, am Felsensitze
erquickt ein Trunk, erfrischt ein Wort das Blut.

Der Donner rollt, schon kreuzen sich die Blitze,
die Höhle wölbt sich auf zur sichern Hut,
dem Tosen nach kracht schnell ein knatternd Schmettern;
doch Liebe lächelt unter Sturm und Wettern.
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Frisch ausgepackt:


Steffen Mensching: „Hausers Ausflug
Wallstein Verlag € 22,00

David Hauser hatte eine tolle Idee, mit der er viel Geld verdient: Seine Firma AIRDROP stellt sogenannte Rückführboxen her, in denen Asylbewerber, deren Aufenthaltsgenehmigung abgelehnt worden ist, mittels eigens hierfür entwickelter Flugzeuge in ihre Herkunftsregionen zurückbefördert werden.
Dass er nun selbst in so einer Box sitzt und irgendwo in einer wüstenähnlichen, unwirtlichen Gegend abgeworfen wird, versteht er nicht. Ist es ein Versehen? Will ihn jemand loswerden? Das ganze Programm hat ja viele Gegner, unter anderem auch sein Vater. Aber wer kommt auf so eine Idee? Er trägt eine ihm fremde Kleidung, er hat einen arabischen Pass in der Tasche. Klar wird ihm auf jeden Fall sehr bald, dass die Nahrung, die er in der Box vorfindet, nicht lange anhalten wird. Doch es kommt noch schlimmer. Kaum kann er sich aus der Box befreien, wird er angegriffen und gefesselt. Der Angreifen spricht nicht und nimmt ihn mit in eine Höhle. Steckt hinter allem eine großangelegte Entführung? Geht es um Lösegeld?
Ein spannender Roman, der u.a. ein brandaktuelles Thema aufgreift und unsere Abschiedepraktiken auf literarische Weise hinterleuchtet.

Aus einem Interview mit dem Steffen Mensching:

Wie ist überhaupt die Idee dazu entstanden? 

Steffen Mensching: Mich beschäftigt schon lange die weit verbreitete Illusion, unser Leben würde sich in sicheren Bahnen bewegen, alles wäre planbar, berechenbar, solange man nur über die notwendigen finanziellen Mittel verfügt. Das Leben ist aber eher eine ständige Gefahrenkonstellation. Der Auslöser für die konkrete Story war ein zweistündiger Flug von Wien nach Tirana. Ich saß in der Maschine in der letzten Reihe neben einem Albaner, der während des Fluges keinen Blick mit mir wechselte, ganz zu schweigen von Worten. Als wir in Tirana landeten, blieb die Maschine auf dem Rollfeld stehen, ein Polizeiauto mit Blaulicht raste heran und ein Mann wurde in Handschellen aus dem Flugzeug begleitet: mein Sitznachbar. Er wurde abgeschoben und flog ins Gefängnis, ich hingegen in den Urlaub.

Freitag, 5.August

Heute haben
Guy de Maupassant * 1850
Per Wahlöö * 1926
Gunter Haug * 1955
David Baldacci * 1960
Georg M.Oswald * 1963
Geburtstag
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Friedrich Hölderlin
Sommer

Noch ist die Zeit des Jahrs zu sehn, und die Gefilde
Des Sommers stehn in ihrem Glanz, in ihrer Milde;
Des Feldes Grün ist prächtig ausgebreitet,
Allwo der Bach hinab mit Wellen gleitet.

So zieht der Tag hinaus durch Berg und Tale,
Mit seiner Unaufhaltsamkeit und seinem Strahle,
Und Wolken ziehn in Ruh`, in hohen Räumen,
Es scheint das Jahr mit Herrlichkeit zu säumen.
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Unser Buchtipp:


Lukas Maisel: „Tanners Erde
Rowohlt Verlag € 22,00

Es könnte alles immer so bleiben, wie es war. Bauer Tanner, in der Schweiz bei seinen Milchkühen, auf seinem Bauernhof , mit seiner Frau. Sehr bald merken wir aber, dass sich überall Haarrisse bilden, sich kleine Veränderungen auftun. Eine seiner Kühe hat eine Entzündung am Euter, mit seiner Frau lebt er kinder- und fast sprachlos zusammen. Körperkontakt findet fast nicht mehr statt.
Als er ein großes, tiefes Loch auf seinem Grundstück entdeckt, kann er das nicht zuordnen und versucht es durch Schweigen zum Verschwinden zu bringen.
„Als hätte ein Riese mit einem Bohrer hantiert. Tanner muss lachen, das kann nur ein Witz sein, jemand hat ihm einen Streich gespielt. Er schaut übers Land, ob da irgendwo ein Erdhaufen ist. Nichts.“
Dieses Ereignis bringt sein karges, einfaches Leben ins Wanken. Mit der Zeit verändert sich auch das Verhältnis seiner Nachbarn zu ihm, mit denen er sich hin und wieder im Gasthof trifft. Als er Hilfe benötigt, ist von Solidarität nicht mehr viel zu spüren.
Lukas Maisel hat in seinem schmalen Roman hinter die Kulissen einer heilen Welt voller glücklicher Küher geschaut und denkt sicher nicht nur an Bauer Tanner, sondern an uns alle, wenn er von Veränderungen schreibt, die nicht fassbar sind, aber unser Leben massiv beinträchtigen.
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Unsere Veranstaltungen finden Sie hier.

Sonntag, 19.Juni

Heute haben
Gustav Schwab * 1792
Salman Rushdie * 1947
Geburtstag
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“From the beginning men used God to justify the unjustifiable.”
Salman Rushdie aus: „
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Judith Zander: „im ländchen sommer im winter zur see
Gedichte
dtv € 20,00

Lange muss man auf Bücher von Judith Zander warten. Wenn dann aber etwas Neues, neue Gedichte auf dem Markt sind, lohnt sich auf jeden Fall ein Blick.
In Anklam geboren, ist es immer noch die brandenburgische Landschaft, die die Autorin nicht loslässt. Dieses Mal, in Verbindung mit schwarzweiss Landschaftsfotos, zeigt sie wieder, was für eine Sprachkünstlerin sie ist. Dieses Gewebe aus Liebes-, Landschaftslyrik und Anleihen aus der Geschichte in Verbindung mit ihrer Wortakrobatik, spiegelt ihr großes Können.

Leseprobe mit leider nur einem Gedicht
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Tag 23
131 km von Lochmaben über Moffat nach Kirkliston bei Queensferry

Ja, so könnte natürlich gerne jeder Tag beginnen: mit einem köstlichen Frühstück wie dem von Fionna, u.a. mit leckerem Porridge nach traditionellem Hausrezept. Den hier obligatorischen Bacon zum Frühstück konnte ich als Vegetarier in letzter Sekunde grade noch „verhindern“. War mega wohltuend, hier Gast sein zu dürfen und mit dem Plaudern hat es doch auch ganz prima geklappt, trotz schottischem Slang. 
Und die „fehlenden“ Kilometer von gestern konnte ich heut recht locker wieder reinradeln, auch wenn es danach am Morgen noch gar nicht aussah. Da hab ich mich erst mal prompt 4 km verradelt und dann hat mich auch noch der drehende Westwind geärgert und immer mal wieder gehörig ausgebremst.
Aber ich darf absolut nicht klagen, denn am Nachmittag hat der Wind alles wieder wettgemacht und mich gehörig angeschubst. Das war manchmal so ein bisschen wie „sailing in the wind“.
Jedenfalls bin ich jetzt wieder exakt im Etappenplan vom Buch. 14 Tagesetappen insgesamt von Land’s End to John o Groats und morgen steht dann schon Nr.10 bei mir an.
Nett sind auch die Begegnungen mit anderen End to End – Radler. Meist sind es ja die, die einem entgegenkommen, also die Strecke von Nord nach Süd radeln. Ein kurzes „Hallo“ und „wie geht’s “ gehört schon dazu, wenn sich zwei Radfahrer begegnen.
Diese Tour  ist unter Radlern sehr beliebt und bekannt und sollte eigentlich schon von jedem einmal im Leben zurückgelegt werden. Und weil es heut gar so gut lief, dachte ich, gönne dir doch im Pub in Burnside noch ein Bier. Doch kaum drin, bekam ich auch schon eines spendiert und war inmitten einer illustren, netten Gesellschaft.
Ja doch, Schottland gefällt mir.
Ach ja, vielleicht noch ein kurzer Temperaturvergleich:
bei mir um die 15 Grad bei sehr bewölktem Himmel und bei Westwind in kräftigen Böen.

Donnerstag, 15.Juli

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Heute haben
Walter Benjamin * 1892
Iris Murdoch * 1930
Jacques Derrida * 1930
Jörg Fauser * 1944
Geburtstag
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Annette von Droste-Hülshoff
Sommer

Du gute Linde, schüttle dich!
Ein wenig Luft, ein schwacher West!
Wo nicht, dann schließe dein Gezweig
So recht, dass Blatt an Blatt sich presst.

Kein Vogel zirpt, es bellt kein Hund;
Allein die bunte Fliegenbrut
Summt auf und nieder übern Rain
Und lässt sich rösten in der Glut.

Sogar der Bäume dunkles Laub
Erscheint verdickt und atmet Staub.
Ich liege hier wie ausgedorrt
Und scheuche kaum die Mücken fort.

O Säntis, Säntis! läg‘ ich doch
Dort, – grad‘ an deinem Felsenjoch,
Wo sich die kalten, weißen Decken
So frisch und saftig drüben strecken,
Viel tausend blanker Tropfen Spiel;
Glücksel’ger Säntis, dir ist kühl!
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Unser Lyrik-Tipp:

Mara-Daria Cojocaru: „Buch der Bestimmungen
Gedichte
Schöffling Verlag € 20,00

Wie in einem Notizbuch, einem Bestimmungsbuch, geht Mara-Daria Cojocarus mit ihren neuen Gedichten um. Sie notiert Koordinaten nach den Überschriften, dort wo sie wohl ihre beschriebenen Tiere (Katzen, Füchse, Waschbären, Rehe) entdeckt hat und beginnt dann mit ihren Aufzeichnungen. Das liest sich für mich wie Gedankensplitter und Assoziationen und entwickelt dadurch einen ganz eigenen, eigenartigen Kosmos. Sie schreibt über unser Verhältnis zur Tier- und Pflanzenwelt , über Phänomene, die wir nicht wahrnehmen, oder vielleicht sogar nicht mehr existieren und über Zwischenmenschliches.
Ich habe aus dem „Buch der Bestimmungen“ die Rechte bekommen, die drei untenstehenden Gedichte hier auf dem Blog veröffentlichen zu dürfen. Danke dafür. Diese passen irgendwie zu unserer Großwetterlage.
Auf der Leseprobe können Sie die ersten Seiten des Buches entdecken.

Mara-Daria Cojocaru, geboren 1980 in Hamburg, lebt als Schriftstellerin und Philosophiedozentin in England und widmet sich vor allem tierethischen und -politischen Themen. Für ihre vielfach übersetzten Gedichte erhielt sie 2017 den Kunstförderpreis Bayern in der Sparte Literatur, 2021 erreichte sie den zweiten Platz (Alfred-Gruber-Preis) beim Lyrikpreis Meran und wurde mit dem Deutschen Preis für Nature Writing ausgezeichnet.

Leseprobe

Lichtkeimer

Bring die Sonne nach Berlin
Komm
Lass uns Ringbahn fahren
Die gibt es seit
Wann schieben sich diese beiden
Riesen übers Eis? Übers Gleis
Vertreibt ein Winterwind
Gewaltsam diese Zeit
Hinkt ein ersprießliches
Milchschnittenbindenschnipsel
Zum Club der Mittelalterlichen
Werd Viertel, Käse, eimerweise Gift
bekreuz dich südlich
Bring das Licht vor
Mit Gewicht
Halt’s ganz fest
Hab’s nicht eilig mit der
Sonne in Berlin


Und dann fällt der Regen

Und
Wir lieben
Die, die, verwegen, uns das Versprechen
Geben, verwurzelöt in der Welt zu sein
Von wegen
Und dann fällt der Regen und wie wir
Da stehen, neien, eigentlich gehen, sind
Wir
Bewegt und
Wurzellos, wir schützen uns
Vor dem Wolkenbruch
Du und ich, ganz nah am Stamm
Doch immerzu
Der Regen – ungewunden
Ich renne los; wir
Versprechen uns, uns
Zu sehen, bestimmt und
Sicher
Mein Leben – doch
Jetzt fällt erst einmal der Regen


Gegen Mittag ist mit Turbulenzen zu rechnen

Es ist wieder so heiß
Dass die Fliegen
Den Riss in der Mitte jedes Raums umkreisen

Mit über hundert Flügenschlägen pro Sekunde
Lässt sich fast alles flicken
In jeder Mitte vier bis sieben Fliegen

Taumelnd, traumgewiss gegen die Hitze
In der wir immer kleiner, klebrig, überheblich
Werden, patroullierend

Copyright:
Mara-Daria Cojocaru, Buch der Bestimmungen © Schöffling & Co.Verlagsbuchhandlung GmbH, Frankfurt am Main 2021, S. 31, 41 und 59


Freitag, 25.Juni

Heute haben
George Orwell * 1903
Ingeborg Bachmann * 1926
Eric Carle * 1929
Yann Martel * 1963
Geburtstag
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Johann Wolfgang von Goethe
Sommer

Der Sommer folgt. Es wachsen Tag und Hitze,
und von den Auen dränget uns die Glut;
doch dort am Wasserfall, am Felsensitze
erquickt ein Trunk, erfrischt ein Wort das Blut.
Der Donner rollt, schon kreuzen sich die Blitze,
die Höhle wölbt sich auf zur sichern Hut,
dem Tosen nach kracht schnell ein knatternd Schmettern;
doch Liebe lächelt unter Sturm und Wettern.
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Unser Bilderbuchtipp:


Tina Oziewicz:Die Freude springt aufs Trampolin
Illustrationen von Aleksandra Zajac
Aus dem Polnischen von Thomas Weiler
Knesebeck Verlag € 15,00
Kinderbuch ab 4 Jahren

Wie können Gefühle dargestellt werden? Speziell für Kinder.
Mit Farben kennen wir schon. Geht das auch in grau?
Kaum zu glauben, aber es funktioniert.
Aleksandra Zajac lässt die Neugier auf Schornsteine klettern, die Freude auf dem Trampolin springen, die Dankbarkeit strickt einen Pulli und verbreitet Wärme. Die Furcht sitzt in der dunkelsten Ecke, die Fantasie beschreitet neue Wege. Die Freiheit setzt Segel und die Freundlichkeit besänftigt den Sturm. Haha, die Begeisterung hat ein Buch gefunden. Ich auch!
Und jedes Mal ist es ein anderes liebenswertes Monsterchen, das sich die Illustratorin zu jedem Gefühl ausgedacht hat.
Aber: Wo sind diese Gefühle zu Hause?
Na ganz einfach: In uns.
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Ausstellung: „Was ihr nicht seht!“
📅 21.06. – 18.07.21 ⌚ ganztägig 📌 Hafenbad 18 & 18/1, Ulm 💬 deutsch

„Was wir erlebt haben, wissen viele sicher nicht, weil man es nicht sieht. Daher der Name „Was ihr nicht seht!“. Ich will mit dem Projekt Menschen zum Nach- und Umdenken bringen. Ich hoffe, dassweiße Menschenverstehen – und hoffentlich gemeinsam mit uns für eine anti-rassistische Zukunft kämpfen.“

Die Ausstellung zeigt die Arbeit „Was ihr nicht seht!“ von Dominik Lucha. Gemeinsam mit hunderten Schwarzen Menschen in Deutschland macht Dominik sichtbar, was oft ungesehen bleibt: „Was ihr nicht seht!“ thematisiert auf eindrückliche und zugängliche Weise den Alltagsrassismus, den Schwarze Menschen und People of Color in Deutschland erleben.

Im Juni 2020, nach der Ermordung George Floyds und den BlackLivesMatter-Protesten, startete Dominik Lucha das Projekt auf Instagram und es hat mittlerweile über 130 Tsd. Follower:innen. Auf dem Insta-Kanal können Schwarze Menschen anonym über ihre Rassismus-Erfahrungen in Deutschland berichten — und weiße Menschen können lernen, antirassistisch zu werden.

Mit „Was ihr nicht seht!“ wurde eine Plattform geschaffen, die Rassismus in Deutschland bezeugt und unübersehbar verdeutlicht, dass diese Erfahrungen eben so viel mehr sind, als individuelle Einzelschicksale. Mit Ausstellungen im Garten des StadtPalais – Museum für Stuttgart sowie an drei Orten in Biberach und einer Medieninstallation in den Ravensburger Schaufenstern, wurden die die tausend Zitate auch offline und im städtischen Raum sichtbar. Nun ist die Ausstellung von 21.06. – 18.07.2021 im Hafenbad 35 in Ulm zu sehen.

Dominik Lucha, kommt aus Ravensburg, lebt in Berlin und arbeitet hauptberuflich als Produzent in der Medienbranche. Mit dem Account kamen zahlreiche Anfragen und weiterführende Projekte, die „Was ihr nicht seht!“ langfristig weiterentwickeln.

Zusätzlich zu Instagram wurde nun dieses Ausstellungsformat entwickelt, das als fertige Box weiter gegeben werden kann, damit die Erfahrungen an möglichst vielen verschiedenen Orten Deutschlands zu lesen sind. Wir freuen uns über Unterstützer:innen, die @wasihrnichtseht in ihre Stadt, Büroräume, Praxen, Schaufenster oder Schulen bringen: au*********@wa*************.org
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Lesung von Brigitte Heidebrecht: Fernreise daheim. Von Flüchtlingen, Kulturen, Identitäten und anderen Ungereimtheiten
📅 25.06.21 ⌚ 19:00 📌 Online 💬 deutsch

5 Jahre nach Wir-schaffen-das: Die vertrackten kulturellen Unterschiede…

Wer mit Flüchtlingen zu tun hat – sei es beruflich, ehrenamtlich oder privat – wird sicherlich eine Erfahrung teilen: das gelegentliche Stolpern über kulturelle Unterschiedlichkeiten.
Darüber hat die Autorin Brigitte Heidebrecht, selbst seit 2015 ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe aktiv, ein Buch geschrieben. In kurzen, prägnanten Geschichten gibt sie detaillierte und verblüffende Einblicke in das, was Flüchtlingshelfer*innen, Deutschunterrichtende, Sozialarbeiter*innen, Arbeitgeber*innen und andere bisweilen ratlos macht.
Mit zwei Themen setzt sie sich dabei besonders auseinander: mit unterschiedlichem Zeiterleben und mit dem unterschiedlichen Verständnis der Rollen von Mann und Frau. Wer es nervig findet, terminlich versetzt zu werden, findet hier sensible Analysen und bedenkenswerte Erklärungsversuche. Wer sich manchmal die Haare rauft wegen des Frauenbilds männlicher Flüchtlinge, bekommt in diesen Geschichten intime Einblicke in Denk- und Gefühlswelten junger Moslems.
Mit Empathie und Humor beleuchtet die Autorin das allmähliche innere Ankommen von Geflüchteten in unserer Gesellschaft – und ihren eigenen Lernprozess, was interkulturelles Verstehen angeht. Entstanden sind Texte, die unter die Haut gehen, Selbstverständliches in Frage stellen, Existenzielles ins Licht rücken – globale Herausforderung, gespiegelt im Alltäglichen. Konkret und lebendig vermittelt das Buch interkulturelle Aha-Erlebnisse. Ein vielschichtiger Beitrag zu der Frage: Wie schaffen wir das?


Über die Autorin:
Brigitte Heidebrecht publizierte seit den 1980er Jahren eine Reihe vielgelesener Lyrik- und Prosabände. Sie lebt heute als Tanzpädagogin und Beraterin (Mediatorin, Supervisorin und Coach) in Ludwigsburg.

Link zur Veranstaltung:

uni-ulm.zoom.us/j/6831655221

Meeting-ID: 683 165 5221
Kenncode: FCLR2021


Donnerstag, 24.Juni

Heute haben
Ambrose Bierce * 1842
Bruce Marshall * 1899
Yves Bonnefoy * 1923
Anita Desai * 1937
Gerhard Roth * 1942
Eugen Ruge * 1954
Geburtstag
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Georg Trakl
Sommer

Am Abend schweigt die Klage
des Kuckucks im Wald.
Tiefer neigt sich das Korn,
der rote Mohn.

Schwarzes Gewitter droht
über dem Hügel.
Das alte Lied der Grille
erstirbt im Feld.

Nimmer regt sich das Laub
der Kastanie.
Auf der Wendeltreppe
rauscht dein Kleid.

Stille leuchtet die Kerze
im dunkeln Zimmer;
eine silberne Hand
löschte sie aus;
windstille, sternlose Nacht.
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Oswald Egger: „Entweder ich habe die Fahrt am Mississippi nur geträumt, oder ich träume jetzt
Suhrkamp Verlag im Großformat € 28,00

Was ist das denn für ein Gesamtkunstwerk? Ein Gedankenspiel, ein Wunderwerk von Worterfindungen. Eine Reise am großen Fluss in Amerika entlang und ein Gedankenfluss der besonderen Art. Es ist eine Reise in die Vergangenheit mit den österreichischen Auswanderen über den Ozean, eine Reise während der Corona-Pandemie von einem Autoren, der in der Raketenstation in Hombroich wohnt und nach den Sternen greift. Im Kopf, mit dem Stift und seinen Zeichnungen auf dem Papier und mit seiner Sprache. Egger mäandert durch Zeit und Raum und ist trotzdem extrem strukturiert, denn seine fast 400 kurzen Abschnitte sind exakt 17 Zeilen lang und je zwei auf einer Seite.
Dass Egger ein Worterfinder, ein Wortausgraber und Sprachverdreher ist, können Sie in der Leseprobe feststellen. Lassen Sie sich überraschen. Und: ich glaube, wir können die Texte auch in anderer Reihenfolge lesen. Ein Versuch wäre es wert.
„Ich springe wie ein Gespinst zwischen Bucht und Ufer, und ich vernähe sie. Faulschlammschwämme grub ich mit der Pfote aus dem Lehm und klopfte sie zu zweien, beide Böden: Wie ein Schwingsieb pendelte der Rieselsand Bahnen. Und solche Auskolkungen vertiefen sich.“

Leseprobe
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Berichtsentwurf des Weltklimarats
„Das Schlimmste kommt erst noch“

tagesschau.de: 23.06.2021 09:09 Uhr

Mehr Hitzewellen, mehr Hunger, Überschwemmungen, Artensterben – Experten des Weltklimarats zeichnen ein düsteres Bild für den Fall, dass es nicht gelingt, die Erderwärmung einzudämmen: Sie sehen die Menschheit in Gefahr.

Der komplette Artikel unter tagsschau.de.
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Freitag, 31.Juli

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Heute haben
Emily Bronte * 1818
Dominique Lapierre * 1931
Renate Feyl * 1944
Geburtstag
und der Nobelpreisträger Patrick Modiano.
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Wilhelm Busch
Im Sommer

In Sommerbäder
Reist jetzt ein jeder
Und lebt famos.
Der arme Dokter,
Zu Hause hockt er
Patientenlos.

Von Winterszenen,
Von schrecklich schönen,
Träumt sein Gemüt,
Wenn, Dank ihr Götter,
Bei Hundewetter
Sein Weizen blüht.
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Hansjörg Ransmayr: „Islandeering Deutschland“
Entdecke die kleinen und großen Inseln in Deutschlands Meeren, Flüssen und Seen
Haffmans&Tolkemitt € 22,95

Hansjörg Ransmayr scheint nicht mehr aus dem Wasser zu kommen. Er schwimmt in ganz Deutschland, dann nimmt er sich die Alpen vor und jetzt gibt 60 klein(st)e und große Inseln quer durch die Republik. Aber nicht von Nord nach Süd, oder von Ost nach West. Nein: alphabetisch. Und deshalb kommt die Bierinsel vor der Gerichts- und der Weininsel.  Wie Sie dort hinkommen, beschreibt der Schwimmer/Autor haarklein. Zu Fuß, mit dem Rad, oder dem Paddelboot. Wenn Sie gar keine Insel brauchen und nur etwas Kühles, dann empfehle ich ein Bad in der Donau. Hinuntertreibenlassen mit Münsterblick. Herrlich.

Samstag, 18.Juli

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Heute haben
Iwan Gontscharow * 1812
Mirjam Pressler * 1940
Paul McCartney * 1942
Richard Powers * 1957
Geburtstag
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Friedrich Hölderlin
Der Sommer

Noch ist die Zeit des Jahrs zu sehn, und die Gefilde
Des Sommers stehn in ihrem Glanz, in ihrer Milde;
Des Feldes Grün ist prächtig ausgebreitet,
Allwo der Bach hinab mit Wellen gleitet.

So zieht der Tag hinaus durch Berg und Tale,
Mit seiner Unaufhaltsamkeit und seinem Strahle,
Und Wolken ziehn in Ruh`, in hohen Räumen,
Es scheint das Jahr mit Herrlichkeit zu säumen.

Mit Unterthänigkeit
Scardanelli

d.9ten Merz
1940

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Jetzt ist das neue Buch von Nadia Budde auch bei uns gelandet.

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Nadia Budde: „Eine Woche drin“
in einer limitierten Auflage im Selbstverlag für € 13,00
Mit Kindermaske zusammen € 20,00

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In diesem Pappbilderbuch sind die bekannten Budde-Monsterchen für eine Woche drin. Sie dürfen nicht raus und hängen auf dem Sofa ab. Nur gut, dass es solche Kindermasken gibt, mit denen Mund und Nase verdeckt werden und wir die anderen nicht so schnell anstecken.

Zimmerzauser, Budenstoffel, Stubenschreck und Couchkartoffel,
Hüttenkoller, Sesselspin, heute sitzen alle drin.

Nadia Budde hat dieses neue Kinderbuch im Selbstverlag herausgebracht und wir freuen uns riesig, dass die lustigen Kerle wieder zwischen unseren Beinen herumwuseln. Obwohl wir sie meist gar nicht bemerken.
Ein großer Spaß für die Kleinen und eine Herausforderung für die Vorlesenden und ihre Zungen – bei den lustigen Namen.