Sonntagsskizzen (44) – Barcelona


Reiseskizzen von Detlef Surrey

Barcelona
Seit einer Woche bin ich in Barcelona und treffe hier auf eine auf eine kreative und begeisterte Zeichnerszene. Jeden Tag treffen sich Sketcher an unterschiedlichen Orten um zusammen zu Zeichnen oder Workshops zu halten. Ich wurde herzlich empfangen – und es fällt nicht leicht, mich wieder von der beeindruckend schönen Stadt zu trennen…

Hier einige Skizzen der ersten Woche

Der Blick von der Terrasse des Parc Güell über die Stadt

Die Plaça del Pí

In der Sagrada Familia

Am Strand in Badalona – Dibujantes, amantes y una sirena (Zeichner, Verliebte und eine Sirene)

Carrer del Carme

Auf der Plaça del Diamant

La Plaça de la Virreina

Links

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Detlef Surrey ist Illustrator und Comiczeichner in Berlin.

Skizzen: skizzenblog.surrey.de 

 Blog: detlefsurrey.de
Web: www.surrey.de 

 Facebook: www.facebook.com/detlef.surrey.sketches/

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Samstag

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Heute haben
Philip Roth * 1933
Kirsten Boie * 1950
Geburtstag.
Aber auch Max Reger, Hans Küng, und Glenn Close.
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Rasmus Schöll empfiehlt:

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Ivan Vladislavic:Double Negative
Mit einem Vorwort von Teju Cole
Übersetzt von Thomas Brückner
A1 Verlag € 19,80

In dem wunderbaren Indie Verlag A1 ist letztes Jahr  ein ganz famoses Buch erschienen, „Double Negative“ von Ivan Vladislavić.
Wir finden uns im Johannesburg der 80er Jahre wieder. Die  Apartheid liegt in ihren letzten Zügen. Der junge Ich-Erzähler Neville Lister, ein junger Studienabbrecher, lotet seine eigenen Grenzen aus, er möchte das wahre Leben, das Leben der Schwarzen kennenlernen und heuert  als Strassenmarkierugsarbeiter an. Es ist eine harte Arbeit, dennoch erscheint es nur als Episode, wie eine Art Ferienarbeit, wenn auch gleich Neville mit seinem feurigen und ungestümen Wesen durchaus ernst zu nehmen ist.
Nevilles Vater schlägt ihm nebenbei vor, mit Saul Auerbach, einem berühmten Fotografen und Freund der Familie, den Tag zu verbringen. Neville willigt halbherzig ein. Auerbach eine eigenbrötlerische Persönlichkeit, der stundenlang auf das richtige Licht wartet, fährt mit ihm und einem befreundeten Journalisten durch die Straßen von
Johannesburg. Irgendwann landen die Drei auf den Hügeln, mit Weitblick über die Stadt. Vor ihnen leuchten die Dächer und die Krümmungen der Wellblechhüten im Licht der Sonne, wie Miniaturen einer entfremdeten Stadt und fremder Leben zwischen Raufaser und Wand. Es sind ruhige Beobachtungen derselben und wenige Worte die dazwischen eingestreut werden, beim Lesen entwickelt der Text an dieser Stelle schon eine beinah kontemplative Stimmung. Doch die brauchbaren Stunden des Fotografen sind die des Lichts und die sind bekanntlich endlich, als der britische Journalist ein Spiel vorschlägt, dass jeder sich ein Haus von hier oben aussucht und sie dann zu diesen Häusern fahren und das verborgene Leben erkunden. Als die Sonne den Horizont küsst haben sie zwei Häuser geschafft und die Fotos und Geschichten, die aus diesem Spiel entstanden sind, werden zu den berühmtesten von Saul Auerbach, doch ein Haus bleibt unbesucht, unerforscht und unbelichtet zurück.
Jahre später, Neville ist mittlerweile selbst Fotograf und die Apartheid gehört der Vergangenheit an, kehrt er aus seinem selbsterwählten Exil aus England zurück nach Johannesburg, um dieses letzte Haus auf Papier zu bannen. Es beginnt eine Suche, nicht nur nach diesem letzten Haus, sondern auch nach seinem eigenen Platz in diesem neuen Südafrika.
Ivan Vladislavić lebt und arbeitet in Johannesburg und hat dieser Stadt ein grandioses Porträt geschrieben. Zugleich ist es ein Roman der großen Nebensächlichkeiten, vollgespickt mit präzisen, schneidenden Metaphern, „…die Überwachungskameras sitzen wie Krähen auf den Mauern“. Es sind die tausend und abertausend Kleinigkeiten die unser Leben zu dem machen, was es ist und genau hier liegt die Größe dieses Buches, Vladislavić ist ein Meister dieser doppelten Spiegelung, indem sich das Kleine im Großen und das Große im Kleinen spiegelt.
Über die Sprache des Romans bin ich ganz aus dem Häuschen geraten.Sie entwickelt einen ganz eigenen Sog, so dass ich das Buch wie eine Droge, nach immer mehr dürstend, nicht mehr aus den Händen legen konnte.

Ivan Vladislavić, geboren 1957 in Pretoria, studierte afrikaanische und englische Literatur an der University of the Witwatersrand und lebt seit Anfang der siebziger Jahre in Johannesburg. Seit 1989 arbeitet er als freier Lektor und Schriftsteller. Er gab Werke zu zeitgenössischer Kunst und Architektur heraus, schrieb Texte für Bücher der Fotografen David Goldblatt und Roger Palmer und verfasste Essays, Romane und Erzählungen. Für seine Werke wurde er mehrfach ausgezeichnet, 2015 erhielt er den mit 150.000 Dollar dotierten Windham-Campbell-Preis.

Auf Platz 4 der litprom-Bestenliste WELTEMPFÄNGER 29 / Winter 2015

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Morgen gibt es die 28.Sonntagsskizzen von Detlef Surrey.
Bremen 2“ nennt er sie und nimmt uns mit auf einen Spaziergang durch diese Stadt.

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Samstag, 23.Januar

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Heute haben
Stendhal * 1783
Sergej Eisenstein * 1898
Derek Walcott * 1930 (Nobelpreis 1992)
Geburtstag

Aber auch Jeanne Moreau, Humphrey Bogart und Éduard Monet.

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Unser heutiger Buchtipp:

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Oliver Sacks: „Dankbarkeit
Mit Fotos von Oliver Sacks‘ Lebensgefährten Bill Hayes
Aus dem Englischen von Hainer Kober
Rowohlt Verlag € 8,00
als eBook € 7,99

„Ich habe den Tod vor Augen, aber mit dem Leben noch nicht abgeschlossen“

Oliver Sacks ist uns durch seine neurologischen Fallgeschichten bekannt geworden. Seine Bücher wurden große Bestseller, verfilmt und werden auch jetzt noch, viele Jahre nach Erscheinen, nachgefragt. Kurz vor seinem Tod im Sommer 2015 erschien seine Biografie, die auch bei uns im Buchladen auf großes Interesse stieß. Sacks wusste, dass er Krebs hat, meinte die Krankheit im Griff zu haben, als im mitgeteilt wurde, dass er Metastasen in der Leber habe. Ihm bleibe nicht mehr viel Zeit, sagten ihm die Ärzte. Statt nun zu verzweifeln und mit dem Leben, oder besser mit dem Tod zu hadern, setzt er sich hin und schreibt ein paar Essays, die in der New York Times veröffentlicht wurden. Er macht sowohl seine Homosexualität öffentlich (in der Biographie „On The Move“), als auch seine Krankheit und sein bevorstehender Tod durch diese kurzen Zeitungstexte.

„Ich kann nicht behaupten, ohne Furcht zu sein. Doch mein vorherrschendes Gefühl ist das der Dankbarkeit. Ich habe geliebt und wurde geliebt, ich habe viel bekommen und wenig zurückgegeben. Vor allem war ich ein fühlendes Wesen auf diesem Planeten, und schon das allein war ein wunderbares Privileg und Abenteuer.“

„Dankbarkeit“ heisst das schmale, schön gemachte Büchlein und das spiegelt sich auch in den vier kurzen Texten. Er ist dankbar für sein erfülltes Leben, das nicht immer einfach war. Er ist dankbar für seinen Freundeskreis. Er ist dankbar, dass er in seinen letzten Wochen noch so klar im Kopf ist, um über sich und sein Leben zu refelktieren und dies auch noch so treffend aufs Papier zu bringen.
Wir sollten ihm dankbar sein, dass wir diese Texte in Händen halten dürfen.
Sacks war Forscher, Arzt und lebte in dieser Wissenschaftswelt. Er schreibt, dass er es vermisst, nicht gereist zu sein. Nicht mehr von der Welt gesehen zu haben. Seine Welt waren seine Patienten, seine wissenschaftlichen Arbeiten. Dass dies zu solchen Besonderheiten führte, dass er seine Lebensjahre der Nummerierung der chemischen Elemente zuordnete, finde ich wunderbar. Davon habe ich noch nie gehört, aber gleich mal nachgeschaut und gefunden, dass mein neues Lebensjahr mit der Zahl 57 im Periodensystem korrespondiert und dass Lanthan sich dahiner versteckt. Das habe ich sofort für ein kleines Spielchen benutzt: Sam Lanthan Wiltschek.
Oliver Sacks schreibt über seine jüdisch orthodoxe Familie in „Sabat“ und die Enge in England. Er schreibt jedoch auch über sein großes Glück, dass er den Weg von dort hinaus in die neue Welt gefunden hat.
Er schreibt über Freunde, Bekanntschaften und wir finden immer wieder wunderbare Sätze, Zitate und Bemerkungen, die sehr tröstlich sind. Nicht nur, wenn es an das Lebensende geht.
Wie schön, dass ich nicht tot bin“, ruft er laut an einen schönen Tag und erinnert sich an einen Satz von Samuel Beckett, der bei einem Spaziergang durch Paris auf die Frage eines Freundes: „Sind Sie an einem solchen Tag nicht glücklich, dass Sie leben?“, antwortete: „So weit würde ich nicht gehen.“

Das Buch passt in jede Tasche, ist schnell gelesen und wartet darauf, nochmals gelesen, oder verschenkt zu werden. Es gibt diese Ausgabe auch als eBook, kostet einen (1!) Cent weniger und hat dafür überhaupt gar nichts, aber auch gar nichts von der Schönheit dieses kleinen blauen Büchleins mit goldgeprägtem Texten auf dem Umschlag.
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Morgen gibt es wieder Detelf Surreys Sonntagsskkizzen.
Skizzen vom „Bar Sketchen“ am Montag. Diesmal aus dem „Scotch & Sofa“ in Berlin Prenzlauer Berg.

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