Montag, 3.Oktober


Heute haben
Alain Fournier * 1886
Carl von Ossietzky * 1889
Segej Jessenin * 1895
Louios Aragon * 1897
Thomas Wolfe * 1900
Gore Vidal * 1925
Klaus Merz * 1945
Alois Hotschnig * 1959
Leila Slimani * 1981
Geburtstag
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„Wir Anhänger des Friedens müssen immer wieder darauf hinweisen, dass der Krieg nichts Heroisches bedeutet.
Carl von Ossietzky
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Am Dienstag, 4.Oktober ab 19 Uhr gibt es bei uns wieder ein Shortlistlesen.
Clemens Grote liest aus folgenden Büchern und wenn wir Lust haben, stimmen wir ab, welches der Bücher unser Favorit ist.

Mittwoch, 28.September


Heute haben
Prosper Mérimèe * 1803
Albert Vigoleis Thelen * 1903
Ellis Peters * 1913
Siegfried Unseld * 1924
Donna Leon * 1942
Helen Oyeyemi * 1984
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„Groß ist, wer im gegebenen Augenblick ein Wort sprechen kann, das zum geflügelten wird.“
Albert Vigoleis Thelen
(Autor des unglaublich tollen Buches „Die Insel des zweiten Gesichts“)
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Ein besonderer Fotobildband:


Stefan Zwinge: „Rund auf spitz“ € 35,00

Dies schreibt der Fotograf und Autor Stefan Zwinge:

Nach vielen Streifzügen durch die Ulmer Metropole mit meiner Leidenschaft der 360 Grad Panoramafotografie, suchte ich eine Möglichkeit, diese besonderen Fotografien den Ulmerinnen und Ulmern zu präsentieren.
Dies gelang mir im Jahre 2019 mit der Ulmer Kulturnacht. Dort bekam ich die Möglichkeit, bei einer Ulmer Rechtsanwalts Kanzlei einige meiner Werke der Öffentlichkeit zu präsentieren.
Um nun andere spannende Fotografien von mir, den Bewohnern der Stadt Ulm und den Gästen, die Jahr für Jahr nach Ulm kommen zu präsentieren, habe ich diesen Bildband erstellen. Um die Stadt Ulm aus einer anderen Perspektive erleben zu lassen.
Die digitale Art und Virtual Reality verschmelzen in meinen Fotografien zu einem analo-digitalen Gesamterlebnis.
Ulmer Architektur und Zeitgeschichte erzeugen durch die 360 Grad Panoramasicht eine Perspektive, die bisher im Verborgenen blieb. Im Digitaldruck wird diese Rundumsicht für den Betrachter lebendig.
Dieses Fotoband gibt Ihnen die Möglichkeit für einen besonderen Blick auf Ulm und seine Geschichte.

Fotos: Fischerplatz, Klosterhof in Söflingen, Münsterplatz
Das Buch liegt bei uns aus und Sie können diese 360 Grad Aufnahmen darin bestaunen.

trievismedia
Photography & Design
Mail: stefan.zwinge@trievis.de
Internet: www.trievismedia.de
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Unsere nächsten Veranstaltungen:

Freitag, 30.September , 19 Uhr
Ralph Hammerthaler: „Kurzer Roman über Hooligan Til
Eintritt € 8,00

Hooligan Til gibt es wirklich und Ralph Hammerthaler hat über ihn, seine Clique, sein Leben im Privaten und im Stadion einen sehr intensiven Roman geschrieben. Til ist nicht nur ein Großkotz und Wochenendschläger, sondern hat auch seine angenehmen und sympatischen Züge. Dies ist kein Enthüllungsroman, sondern beschreibt sehr angenehm über einen Menschen, der in zwei Welten lebt und nach einer Nacht, nach der im Krankenhaus landet, eine Entscheidung trifft.
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Dienstag, 4.Oktober, 19 Uhr
„Die erste Seite“
Diesmal mit einem Shortlistlesen aus den nominerten Büchern zum Deutschen Buchpreis.
Es liest Clemens Grote
Eintritt frei

Dienstag, 27.September


Heute haben
Grazia Deledda * (Nobelpreis 1926)
Franz Hodjak * 1944
Irvine Welsh * 1958
Wolfgang Hermann * 1961
Tanja Kinkel * 1969
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Max Dauthendey
Regen

Da draußen regnet es weit und breit.
Es regnet graugraue Verlassenheit.
Es plaudern tausend flüsternde Zungen.
Es regnet tausend Erinnerungen.
Der Regen Geschichten ums Fenster rauscht.
Die Seele gern dem Regen lauscht.

Der Regen hält dich im Haus gefangen.
Die Seele ist hinter ihm hergegangen.
Die Insichgekehrte ist still erwacht,
Im Regen sie weiteste Wege macht.
Du sitzt mit stummem Gesicht am Fenster,
Empfängst den Besuch der Regengespenster.
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Neues aus der Insel-Bücherei:


„Freundinnen“

Ein Lesebuch
Herausgegeben von Marie Bernhard
Illustriert von Annabelle von Sperber
Insel-Bücherei € 14,00


„Wie schade, dass wir uns so spät erst gefunden haben“
Rosa Luxemburg

Ist es nicht schön, eine beste Freundin zu haben, oder zu sein? Oder etwa auch geniale Freundinnen, wie in den Romanen von Elena Ferrante? Freundinnen, die aus ihrem Alltag berichten, von schönen und schrecklichen Momenten schreiben, über ihren Kummer und ihre Sehnsucht. Und Anne Frank denkt sich eine beste Freundin aus.
Marie Bernhard hat aus der Weltliteratur Tagebuchaufzeichnungen, Briefe, Gedichten, Teile von Erzählungen und Romanen zusammengetragen und so finden wir hier u.a. Sappho, Nelly Sachs, Rosa Luxemburg, Isabel Allende, Charlotte Bronte, Sarah Kirsch, Rahel Varnhagen, Elke Heidenreich, Erika Mann, Hanna Arendt, Karoline Günderrode und Alice B.Toklas, die Gertrude Stein ein Plätzchenrezept schickt, das hier abgedruckt ist.
Zusammen mit den herrlichen Illustrationen ist das Buch wieder ein kleines Kunstwerk geworden.


Leseprobe
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Unsere nächsten Veranstaltungen:

Freitag, 30.September , 19 Uhr
Ralph Hammerthaler: „Kurzer Roman über Hooligan Til
Eintritt € 8,00

Hooligan Til gibt es wirklich und Ralph Hammerthaler hat über ihn, seine Clique, sein Leben im Privaten und im Stadion einen sehr intensiven Roman geschrieben. Til ist nicht nur ein Großkotz und Wochenendschläger, sondern hat auch seine angenehmen und sympatischen Züge. Dies ist kein Enthüllungsroman, sondern beschreibt sehr angenehm über einen Menschen, der in zwei Welten lebt und nach einer Nacht, nach der im Krankenhaus landet, eine Entscheidung trifft.
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Dienstag, 4.Oktober, 19 Uhr
„Die erste Seite“
Diesmal mit einem Shortlistlesen aus den nominerten Büchern zum Deutschen Buchpreis.
Es liest Clemens Grote
Eintritt frei

Dienstag, 1.Oktober

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Heute haben
Inge Merkel * 1922
Günter Wallraff * 1942
Geburtstag
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Heute auf dem Lyrikkalender:

Christian Morgenstern

Der Schnupfen

Ein Schnupfen hockt auf der Terrasse,
auf daß er sich ein Opfer fasse

– und stürzt alsbald mit großem Grimm
auf einen Menschen namens Schrimm.

Paul Schrimm erwidert prompt: „Pitschü!“
und hat ihn drauf bis Montag früh.
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index

„Capernaum“

Stadt der Hoffnung
DVD € 16,95
Libanon/Frankreich, 2018
FSK ab 12 freigegeben
Drama, 122 Min.
Regie: Darsteller: Zain Al Rafeea, Yordanos Shiferaw, Boluwatife Treasure Bankole, Kawthar Al Haddad, Fadi Kamel Youssef, Nour el Husseini, Cedra Izam

„Capernaum“ hat einen biblischen Ursprung und bedeutet einen Ort voller Chaos und Unordnung. Und genau diesen Ort zeigt uns die libanesische Regisseurin Nadine Labaki auf über zwei Stunden. Von der Vogelperspektive tauchen wir in die Slums von Beirut, dort wo in unendlichen Gassen und Winkeln, Hinterhöfen, Blechhütten und zerfallenen Mehrfamilienhäusern die Rechtlosen, Namenlosen, Staatenlose wohnen.
Der Junge Zain ist 12 Jahre alt. Das erfährt er aber erst, als er von einem Amtsarzt im Gefängnis untersucht wird. Er hat keine Papiere, keinen Ausweis und seine Eltern wissen auch nicht, wann er auf die Welt gekommern ist. Zain steht vor Gericht, weil er sich gegen eine große Untergerechtigkeit mit dem Messer gewehrt hat. Dem Richter gegenüber verklagt er seine Eltern, weil sie ihn auf die Werlt gebracht und sich nicht um ihn gekümmert haben.
Der Film wird in Rückblenden erzählt und hat mich von der ersten Minuten gefesselt. Die Regisseurin hat allein zwei Jahre nach den passenden Laiendarstellern gesucht. Gedreht hat sie an Originalschauplätzen, ohne diese abzusperren. Wir sind mitten drin in einer Welt voller Ungerechtigkeit, Überlebenskampf, Betrug und Gewalt, aber auch unglaublicher Liebe und Zuneigung und Hoffnung in einer hoffnungslosen Welt. Nadine Labaki filmt dies mit solch einer Empathie, wie ich es selten gesehen habe. Zwei Erzählstränge fließen nebeneinander und gemeinsam durch den Film und wenn wir die zwei Stunden geschafft haben, werden wir mit zwei unglaublich, zu Tränen rührenden Sequenzen belohnt.
Fassungslos war ich nach diesem Film und habe mir gedacht, in welchem Elfenbeinturm lebe ich eigentlich? Was sind das für Probleme, die ich habe?

Der Film wurde in Cannes vorgestellt, danach mit 12 Minuten stehenden Beifall beklatscht und mit dem Preis der Jury ausgezeichnet. Er war für einen Oscar für den besten nichtamerikanischen Film nominiert.

Hochinteressant ist der Wikipediaeintrag zu diesem Film.


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Heute abend ab 19 Uhr:
„Shortlistlesen“
mit Clemens Grote.

Dienstag, 18.September

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Heute haben
Truman Capote * 1924
Élie Wiesel * 1928
Dorothee Sölle * 1929
Jurek Becker * 1937
und Cecelia Ahern * 1981
Geburtstag.
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Friedrich Hebbel
Der heilige Wein

Es schlichen zwei schlimme Gesellen
sich in die Kapelle hinein:
in Kannen, in goldnen, geweihten,
stand dort der heilige Wein.

Da spricht der eine mit Lachen
zum andern in sündigem Mut:
„Komm, willst du dich mit mir berauschen
in Christi eigenem Blut?“

Der andere greift nach der Kanne
und setzt sie flugs an den Mund;
sie trinken und trinken und trinken,
doch kommen sie nicht auf den Grund.

Sie trinken und trinken und trinken
und treiben viel frostigen Scherz,
doch steigt keine Glut auf die Wangen,
doch flammt keine Lust durch das Herz.

Sie trinken und trinken und trinken,
die Kanne bleibt voll, wie sie war,
da packt sie ein innersten Grausen,
sie stürzen hin zum Altar.

Sie rufen: „Er blutet aufs neue,
wer stillt des Blutes Lauf!
Er zeigt uns die offenen Wunden,
o weh uns, wir rissen sie auf!“

Nun schauen sie ewig den Heiland,
ein blasses, blutendes Bild;
er blickt sie an, nicht finster,
ach, so unendlich mild“
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9783455003468

Mimi Beaven, Anja Dunk, Jen Goss:Einmachen
Tempo bei Hoffmann & Campe € 12,00

In der Taschenbuchreihe „Do“, in der schon Titel wie Anpflanzen, Imkern, Erzählen, Bestimmen, Design, … erschienen sind, können wir jetzt das Einmach-Buch dringend gebrauchen. Die Bäume hängen voll mit Zwetschgen, Birnen und kleinen Äpfeln. Wohin damit? Vor dem Laden haben wir immer wieder Tüten mit Zwetschgen verschenkt, zu Hause Marmelade gekocht, Mus im Backofen gebrutzelt und zum ersten Mal Birnen eingemacht. Da kommt mir das kleine Buch gerade recht. Die Rezepte sind einfach, vielfältig und ohne Firlefanz.
Hier lernen wir zuerst etwas über die Grundlagen und Methoden des Einmachens. Gerade auch über Handwerkzeug und Zutaten, die man zu Anfang braucht. Es folgt ein Kapitel über: Zucker Essig, Alkohol, Öl und Salz, die besten Haltbarmacher der Natur.
Und los geht’s. Über 100 Rezepte mit einer wunderbaren Bandbreite, von Rhabarberkompott mit Orange und Kardamom, Strudel mit Apfelfüllung, Grünem Tomaten Chutney bis Erdbeer Gin Fizz.
Das Buch passt in jedes Küchenregal und sieht wahrscheinlich nach kurzer Zeit komplett Zerlesen aus mit vielen Eselsohren und Einlegezettelchen. Gut so.
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index

Heute haben liest Clemens Grote aus den sechs Bücher der Shortlist zum Deutschen Buchpreis vor.
María Cecilia Barbetta: Nachtleuchten
Maxim Biller: Sechs Koffer
Nino Haratischwili: Die Katze und der General
Inger-Maria Mahlke: Archipel
Susanne Röckel: Der Vogelgott
Stephan Thome: Gott der Barbaren

Der Beginn ist pünktlich um 19 Uhr.
Der Eintritt ist frei.
Bitte viel gute Laune für die Abstimmung mitbringen.

Mittwoch, 4.Oktober

Gefunden im Gedichte Kalender 2018

Christian Morgenstern
Der Mond

Als Gott den lieben Mond erschuf,
gab er ihm folgenden Beruf:

Beim Zu- sowohl wie beim Abnehmen
sich deutschen Lesern zu bequemen,

ein a formierend und ein z –
daß keiner groß zu denken hätt’.

Befolgend dies ward der Trabant
ein völlig deutscher Gegenstand.
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Heute haben
Jeremias Gotthelf * 1797
Anne Rice * 1941
Luis Sepúlveda * 1949
Geburtstag.
Aber auch Luis Trenker, Buster Keaton, Robert Wilson und Christoph Waltz
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Virginie Despentes:Das Leben des Vernon Subutex
Aus dem Französischen von Claudia Steinitz
Kiepenheuer & Witsch Verlag € 22,00

Die großen Zeitungen waren voll mit Besprechungen zu diesem Buch. Überall das größte Lob. Was ja an sich schon mit Vorsicht zu genießen ist. Immer wieder nahm ich das Buch in die Hand und legte es wieder weg. Dann gab es wieder neue Lobeshymnen. Als dann ein Kunde, ein Vielleser und eigentlich gar kein Vernon Subutex-Typ mit erzählte, dass er gerade diesen Roman gelesen habe und es der beste seit Monaten gewesen wäre, war es für mich klar: Jetzt möchte ich auch.
Die paar Tage Urlaub waren genau richtig für die 400 Seiten und ich wurde nicht enttäuscht. Doch, doch, eine große Verwunderung gab es schon, als ich, mitten im Lesen, erfahren habe, dass es nicht bei den 400 Seiten bleiben würde, sondern dass noch zwei weitere Bände folgen würden. Mist, wie und wann soll ich das denn schaffen?
Zurück zu Band eins. Virginie Despentes, eine französische Autorin, die mit ihrem ersten Roman, den sie auch selbst verfilmte, für ordentlich Krawall gesorgt hat, deren Verfilmung aus den Kinos genommen worden ist und nur noch in Pornokino gezeigt werden konnte, ist hier viel gefälliger geworden. Sprache und Handlung sind dem Mainstream angepasst und gleichzeitig aber immer hart an der Grenze. Frech, witzig, durchgeknallt, politisch unkorrekt, sehr aktuell und mit dem Finger auf die französische Gesellschaft gelegt, erzählt die Autorin aus dem Leben des Vernon Subutex. (Vernon war das Pseudonym von Boris Vernon und Subutex ist ein Antischmerzmittel und Opiat). Subutex hatte eine Plattenladen, war im Zentrum des Musikgeschehens und musste seinen Laden schließen. Zuerst machte er sich keine Sorgen, verkaufte später seine Reste und Musikdevotionalien, bis nix mehr übrig blieb. Danach begann der richtige Absturz. Und hier beginnt die Autorin. Subutex sucht im Freundeskreis nach Übernachtungsmöglichkeiten, schwindelt ihnen wilde Geschichten vor, nur damit er ein Dach über dem Kopf hat. Despentes lässt aber um ihren Protagonisten noch weitere Figuren kreisen und entwickelt damit einen Kosmos der französischen (Neben)-Gesellschaft. Was bei „Sex and the City“ die High Society und irgendwie alles ganz nett war, ist hier erdig, direkt, und nicht unbedingt vorabendtauglich.
Subutex und sein Umfeld hat die Autorin in einem großen Wurf hingeschmissen. Was bei Ferrante Neapel, ist bei ihr Paris.
Ich bin gespannt auf die beiden weiteren Bände.

Leseprobe
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Nicht vergessen:
Heute abend ist Shortlistlesen mit Marion Weidenfeld und Clemens Grote.
Beginn: 19 Uhr.
Pünktlich!

Dienstag, 26.September

Heute haben
Truman Capote * 1924
Élie Wiesel * 1928
Dorothee Sölle * 1929
Jurek Becker * 1937
und Cecelia Ahern * 1981
Geburtstag.
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Friedrich Nietzsche
Der Herbst

Dies ist der Herbst:
der – bricht dir noch das Herz!
Fliege fort! fliege fort!
Die Sonne schleicht zum Berg
Und steigt und steigt
Und ruht bei jedem Schritt.

Was ward die Welt so welk!
Auf müd gespannten Fäden spielt
Der Wind sein Lied.
Die Hoffnung floh –
Er klagt ihr nach.

Dies ist der Herbst:
der – bricht dir noch das Herz!
Fliege fort! fliege fort!
O Frucht des Baums,
Du zitterst, fällst?
Welch ein Geheimnis lehrte dich
Die Nacht,
Daß eisiger Schauder deine Wange,
Die Purpur-Wange deckt? –

Du schweigst, antwortest nicht?
Wer redet noch? – –

Dies ist der Herbst:
der – bricht dir noch das Herz!
Fliege fort! fliege fort!
Ich bin nicht schön
– so spricht die Sternenblume –,
Doch Menschen lieb ich
Und Menschen tröst ich –

Sie sollen jetzt noch Blumen sehn,
Nach mir sich bücken
Ach! und mich brechen –
In ihrem Auge glänzet dann
Erinnerung auf,
„Erinnerung an Schöneres als ich: –
– ich seh’s – und sterbe so.“ –

Dies ist der Herbst:
der – bricht dir noch das Herz!
Fliege fort! fliege fort!
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Claudia Wiltschek empfiehlt:

Paolo Cognetti: „Acht Berge
DVA € 20,00

Pietro lebt mit seinen Eltern in Mailand, eine Stadt, in der sich sein Vater, aber auch seine Mutter nicht zurechtfinden, sind sie doch beide in den Bergen aufgewachsen. So oft wie möglich wird in die Berge gefahren, der Vater schnürt die Wanderschuhe und stürmt jeden nur möglichen Gipfel. Mit sieben Jahren ist auch Pietro soweit und möchte mit und damit beginnt ihre gemeinsame Zeit der grossen Bergtouren und Gipfeleroberungen. In Grana, einem kleinen Bergdorf im Aostatal wird eine kleines primitives Haus gemietet , in dem Mutter und Sohn den ganzen Sommer verbringen, der Vater kommt dazu, wenn es die Arbeit erlaubt. In Grana leben nur noch 14 Menschen, früher waren es einmal hundert und einer davon ist Bruno, das einzige Kind in diesem Dorf.
Bruno ist ganz anders als der gleich alte Pietro, meist sich selbst überlassen und muss die Kühe seines Onkels hüten. Nach anfänglichem Fremdeln freunden die beiden sich an, täglich sind sie gemeinsam unterwegs, streifen an endlosen Sommertagen durch schattige Wälder und folgen dem Wildbach bis zu seiner Quelle, oder erklimmen zusammen mit Pietros Vater die Gipfel.
„Acht Berge“ folgt dem Leben der Freunde über drei Jahrzehnte, aus der Perspektive von Pietro erzählt. Als der Vater stirbt, hinterlässt er seinem Sohn ein Grundstück bei Grana und nach vielen Jahren und ganz verschiedenen Lebenswegen treffen sich beiden wieder.
Man schlägt „Acht Berge“ auf und ist sofort in der Höhe, geniesst die Gipfel und die Natur und möchte nicht mehr absteigen. Ein stilles, berührendes Buch, das uns nicht nur in die Berge führt, sondern auch ganz feinfühlig über Freundschaft, Familie und den Lauf des Lebens erzählt.
Paolo Cognetti, 1978 in Mailand geboren, verbringt die Sommermonate immer in seiner Hütte im Aostatal auf 2000 Metern Höhe. Er hat Mathematik studiert, die Filmhochschule in Mailand besucht und gemeinsam mit einem Freund eine Produktionsfirma für Dokumentarfilme geleitet. Paola Cognettis neuestes Buch „Acht Berge“ stand wochenlang in den Top Ten der italienischen Bestsellerliste.

Leseprobe

Interview mit Paolo Cognetti
Im Gespräch mit Paolo Cognetti über Männerfreundschaften, Berge und die Sehnsucht nach einem einfachen Leben
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Liebe Leserinnen und Leser des Jastramblogs.
Ich verabschiede mich für eine Woche in den Urlaub.

Bitte nicht vergessen:

Am Mittwoch, den 4.Oktober findet unser Shortlistlesen statt.
Es lesen Marion Weidenfeld und Clemens Grote.
Bitte reservieren Sie sich rechtzeitig Plätze,
Beginn ist, wie immer, um 19 Uhr

(Die Erste Seite am Dienstag, den 3.Oktober fällt aus)

Mittwoch, 28.September

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Heute haben
Prosper Mérimée * 1803
Albert Vigoleis Thelen * 1903
Ellis Peters * 1913
Siegfried Unseld * 1924
Donna Leon * 1942
Geburtstag.
Aber auch Brigitte Bardot, Marcello Mastroianni, Max Schmeling und Caravaggio.
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Heutiges Fundstück aus dem Harenberg Gedichte Kalender 2017

Heinrich Leuthold (1827-1879)
Vorahnung

Wie vor schweren Ungewittern
Bange Ahnung lähmt das Leben,
Fühl‘ ich mit geheimem Beben
Diesen bittern
Schmerz durch meine Seele zittern.
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kirchhoff_widerfahrnis_cover

Bei unserem gestrigen Shortlistlesen zum Deutschen Buchpreis hat Bodo Kirchhof mit seinem Roman „Widerfahrnis“ gewonnen.
Jetzt warten wir auf das offizielle Ergebnis.
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Die FAZ druckte gestern diese Rede ab. Ich habe sie in voller Länge übernommen.
(Alle Rechte bei der FAZ)

Rede zum Schirrmacher-Preis Houellebecq: „Ich bin ein halber Prophet“

Am Montagabend hat der französische Schriftsteller Michel Houellebecq in Berlin den Frank-Schirrmacher-Preis erhalten. In seiner Dankesrede ging er der Frage nach: Wenn der Islam eine religiöse Macht ist – was sind dann wir?

Ich würde gerne sagen können: „Ich freue mich, den Preis der Frank-Schirrmacher-Stiftung entgegenzunehmen, denn es handelte sich bei Frank Schirrmacher um den Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, und diese ist eine sehr gute Zeitung.“ – Leider spreche ich kein Deutsch.

Gäbe ich eine solche Erklärung ab, wäre das trotzdem nicht völlig absurd, denn es gibt Interviews. Wenn man ein Interview gibt, erlaubt schon die Qualität der Fragen des Journalisten sich eine recht genaue Vorstellung vom Endergebnis zu bilden. Das ist ein Indiz, das niemals trügt.

 

In allen europäischen Ländern, die ich kenne, existiert je eine dominante Zeitung, ein Referenzblatt, wie man das nennt, im Besitz echter intellektueller Autorität über das gesamte Mediensystem. In Spanien ist das „El País“, in Italien der „Corriere della Sera“. In Frankreich ist es „Le Monde“. In Deutschland die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Ich habe gute Beziehungen zu „El País“, zum „Corriere della Sera“ und zur Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Dagegen ist mein Verhältnis zu „Le Monde“ fürchterlich. Um die Wahrheit zu sagen, ist das einzige Wort, das meine Beziehung zu „Le Monde“ passend beschreiben würde, ganz einfach das Wort „Hass“.

Neuer Progressivismus

Es ist mir klar, dass die wechselseitige Aggressivität zwischen den französischen Medien und mir, von außen betrachtet, einigermaßen bestürzend wirken muss. Die Aggressivität dessen, was man in Frankreich als „öffentliche Debatte“ bezeichnet, die aber einfach eine Hexenjagd ist, muss jemanden von außen wirklich befremden. Und sie nimmt immer noch zu, die Zahl der Beleidigungen steigt. Es gibt viele französische Journalisten, die sich über meinen Tod ganz ernsthaft freuen werden.

Ich meinerseits gebe die Hoffnung nicht auf, solange ich lebe, zum Bankrott gewisser Zeitungen beizutragen. Das wird sehr schwierig, denn in Frankreich werden die Zeitungen vom Staat unterhalten – in meinen Augen übrigens eine der am wenigsten gerechtfertigten, ja eigentlich skandalösesten öffentlichen Ausgaben dieses Landes. Unmöglich erscheint es mir dennoch nicht. Alle linken Medien, das heißt fast alle französischen Medien befinden sich in einer schwierigen Lage – es fehlen ihnen Leser. Allgemeiner gesprochen, ist die Linke in Frankreich allem Anschein nach dabei zu sterben, ein Prozess, der sich seit dem Amtsantritt von François Hollande noch beschleunigt hat. Aus diesem Grund vor allem ist die Linke immer aggressiver und bösartiger geworden. Es handelt sich um den klassischen Fall des in die Enge getriebenen Tiers, das Todesangst verspürt und gefährlich wird.

An dieser Stelle halte ich es für nützlich, ein wenig zu präzisieren, was genau es ist, das durch meine Existenz und den Erfolg meiner Bücher in Gefahr gebracht wird, und zwar so sehr, dass wir bei einem glaubhaften Todeswunsch angekommen sind. Sehr häufig verwendet man dafür den Ausdruck „Politische Korrektheit“, aber stattdessen würde ich gern ein etwas anderes Konzept einführen, das ich den „Neuen Progressivismus“ nennen möchte.

Der „Neue Progressivismus“ hat seinen perfekten und vollständigen Ausdruck mit einer Publikation im Jahr 2002 erreicht – einem schmalen Band von Daniel Lindenberg von wenig mehr als siebzig Seiten mit dem Titel „Aufruf zur Ordnung“ und dem Untertitel „Untersuchung der Neuen Reaktionäre“. Ich war einer der Hauptangeklagten, einer der vordersten in der Reihe der Neuen Reaktionäre. Der Untertitel machte den Eindruck, der Autor wollte ausdrücken, dass die neuen Reaktionäre sich eines Aufrufs zur Ordnung schuldig gemacht hätten. Tatsächlich schien es mir aber, ich selbst sei es, der zur Ordnung gerufen werden sollte: „Achtung, Sie haben vergessen, sich der Linken zuzuschlagen, aber Sie können das noch korrigieren.“

Ein unvorstellbares Sperrfeuer

Zu Beginn des Jahres 2016 ist eine Neuauflage des Büchleins erschienen. Auf dem Umschlag gibt es nun einen roten Streifen, auf dem es heißt „Die Vorhersage“, und es gibt ein unveröffentlichtes Nachwort des Autors, aus dem ich Ihnen jetzt einen Auszug vorlese, um Ihnen zu zeigen, in welchem Ausmaß er mit sich selbst zufrieden ist. „Ein unvorstellbares Sperrfeuer hat 2002 das Erscheinen dessen begleitet, was andere verächtlich ein Pamphlet genannt haben. Seither ist viel Wasser unter den Brücken hindurchgeflossen. Die Thesen, die ich, umgeben von allgemeiner Skepsis, damals aufstellte, werden heute als fruchtbar betrachtet.“

Lindenberg hat recht, wenn er sagt, sein Buch sei 2002 schlecht aufgenommen worden. Man hat ihm vorgeworfen, alles durcheinanderzuwerfen und unter dem Etikett „Neue Reaktionäre“ Leute zusammenzufassen, deren Meinungen auf nichts dergleichen zu schließen erlaubten. Da muss ich ihn paradoxerweise verteidigen. Es stimmt: Er subsumiert Menschen, deren Gedanken nichts damit zu tun haben. Aber wenn die Neuen Reaktionäre derart verschieden voneinander sind, derart unterschiedlich, dass sie definitiv nichts miteinander gemein haben, dann ist dies so, weil ihre Gegner, die neuen Progressivisten, ein enger denn je definierter, äußerst kleiner und äußerst anspruchsvoller Kreis sind.

Zum ersten Mal kann man beispielsweise, Lindenbergs Buch zufolge, Reaktionär sein, nicht weil man rechts ist, sondern weil man zu links ist. Ein Kommunist oder jeder, der sich den Gesetzen der Marktökonomie als letztem Ziel widersetzt, ist ein Reaktionär. Jeder, der strikt gegen die Auflösung seines Landes in einem föderalen europäischen Raum ist, ist ein Reaktionär. Jemand, der den Gebrauch der französischen Sprache in Frankreich verteidigt oder jeder anderen Nationalsprache in ihrem jeweiligen Land und der sich der universellen Verwendung des Englischen entgegenstellt, ist ein Reaktionär. Jemand, der der parlamentarischen Demokratie und dem Parteiensystem misstraut, jemand, der dieses System nicht als die Ultima Ratio politischer Organisation begreift, jemand, der es gerne sähe, dass der Bevölkerung öfter das Wort erteilt wird, ist ein Reaktionär. Jemand, der dem Internet und den Smartphones wenig Sympathie entgegenbringt, ist ein Reaktionär. Jemand, der Massenvergnügungen so wenig mag wie organisierten Tourismus, ist ein Reaktionär.

„Ich lehne die Bescheidenheit ab“

Das Kurioseste an Lindenbergs Schrift ist, dass die Hauptangeklagten, die „Neuen Reaktionäre“, die am häufigsten und ausgiebigsten Zitierten, streng genommen nicht etwa die Intellektuellen waren. Es handelte sich um Maurice Dantec, Philippe Muray und mich. Ich habe den Eindruck, dass weder Maurice Dantec noch Philippe Muray im deutschsprachigen Raum sehr bekannt sind. Das bedauere ich, aber ich werde gleichwohl von ihnen sprechen, denn ich finde Lindenbergs Wahl ganz vortrefflich. Die Ideen von Muray und Dantec verdienen Verbreitung, sehr viel mehr als jene der meisten Intellektuellen und auch mehr als meine.

Das ist keine Bescheidenheit; ich weiß, was ich als Autor wert bin, ich war noch nie bescheiden, und ich lehne die Bescheidenheit auch ab. Das ist vielmehr eine Tatsache: Ich betrachte Muray und Dantec als mir intellektuell leicht überlegen.

Zunächst: Wen würde man in Frankreich als Intellektuellen bezeichnen? Soziologisch gesprochen, ist das eine ganz präzise Sache. Es ist jemand, der fleißig studiert hat, am besten an der École Normale Supérieure, mindestens aber an einer Universität, Fachbereich Literatur oder Geisteswissenschaften. Es ist jemand, der ab und zu Essays veröffentlicht. Der einen hinreichend wichtigen Platz in einer Zeitschrift besetzt, die sich den intellektuellen Debatten widmet. Und dessen Name regelmäßig unter Meinungsstücken zu Ideendebatten steht, in den entsprechenden Rubriken der wichtigsten Tageszeitungen.

Weder Dantec noch Muray oder ich erfüllen auch nur eines dieser Kriterien. Wir wären eher als Schriftsteller zu bezeichnen, was eine davon verschiedene soziologische Kategorie ist. In Wirklichkeit gibt es sogar nur ganz wenig Berührung zwischen Intellektuellen und Schriftstellern. Vor dem Erscheinen von Lindenbergs Buch kannte ich keinen der zitierten Intellektuellen persönlich, ich hatte niemals Gelegenheit gehabt, ihnen zu begegnen. Dagegen kannte ich Muray und Dantec sehr gut.

Gottes tragische Koinzidenzen

Mitunter werde ich betrachtet wie eine Art Prophet, während es mir doch offensichtlich erscheint, dass meine prophetischen Fähigkeiten weit geringer ausgebildet sind als die meiner zwei Kameraden. Was diese Illusion erzeugt hat, ist, dass es manchmal seltsame Koinzidenzen gibt zwischen dem Erscheinen meiner Bücher und anderen weitaus dramatischeren Ereignissen. Es stimmt, mein Roman „Soumission“ (Unterwerfung) ist in Frankreich am Tag der Anschläge auf „Charlie Hebdo“ erschienen. Weniger bekannt ist, dass ich der „New York Times“ ein Interview über „Plattform“ gegeben hatte – ein Interview, in dem der Journalist übrigens fand, ich übertriebe wahrscheinlich die islamistische Gefahr. Nun – dieses Interview ist in der „New York Times“ vom 11. September 2001 erschienen. Kurzum, es scheint, dass Gott (oder das Schicksal oder eine andere grausame Gottheit) sich damit amüsiert, unter Benutzung meiner Bücher tragische Koinzidenzen zu erzeugen.

Aber wenn man das größere Bild betrachtet, was genau habe ich da prophezeit? In „Unterwerfung“ die Machtergreifung eines moderaten Islams, dem sich ein Europa, das seinen Werten abgeschworen hat, die ihm im Grunde nicht mehr passen, unterwerfen würde.

Im Augenblick könnte man ja nicht sagen, wie sich in Europa der gemäßigte Islam manifestiert. So gesehen, könnte man sagen, ich wäre ein schlechter Prophet gewesen. Es gibt da nur diese kleinen Anzeichen, die sich langsam bemerkbar machen. Zunächst – und tatsächlich wie in meinem Buch – wäre da die Biegsamkeit des Rückgrats der europäischen Universitäten, insbesondere der französischen: die Leichtigkeit, mit der sie gleich welche Konzession machen, sobald wichtige Finanzierungen, die aus den Golf-Monarchien stammen, auf dem Spiel stehen. Da entdeckt man sie wieder, die natürliche Eignung der Franzosen zur Kollaboration.

Dann der Umstand, dass junge Mädchen in vielen Stadtteilen mehr und mehr davon absehen, sich sexy oder provozierend zu kleiden, damit sie in Ruhe gelassen werden. Tatsache ist, und das fiel mir neulich wieder ein, dass die jungen Mädchen heute, verglichen mit meiner Jugend, sehr viel weniger aufregend gekleidet sind. Zu beurteilen, ob das nun eine schlechte Sache ist oder nicht, ist übrigens eine ambivalente Frage für mich – mir scheint, man könnte aus meinen Büchern radikal entgegengesetzte Schlüsse ableiten, mit gleicher Plausibilität.

Maurice Dantec verstand

Kurz, man könnte sagen, ich bin ein Prophet im halben Sinn des Wortes, ein Prophet, dessen Vorhersagen sich nur sehr langsam realisieren. Und jetzt zu Maurice Dantec – was hat er vorhergesagt? Vor allen anderen: das Auftreten des Djihadismus. Das Wiedererscheinen eines angreifenden, gewalttätigen Islams, angetrieben von Welteroberungsplänen, eines Islams, der Attentate durchführt und die ganze Welt mit Bürgerkrieg überzieht. Was hat Dantec in den Stand versetzt, diese unglaubliche Intuition zu entwickeln? Unbestreitbar die Tatsache, dass er während des Balkan-Krieges nach Bosnien gegangen ist – nach Bosnien, das eines der ersten Länder war, in denen der internationale Djihadismus seine Leute ausbildete. Das war es: Maurice Dantec ist nach Bosnien gefahren, und er hat verstanden, was dort gerade geschah. Er war der Einzige.

Aber am faszinierendsten ist, welche Position Maurice Dantec daraufhin eingenommen hat. Die Haltung unserer Regierungen – insbesondere der französischen – war doch, grob gesagt, diese: „Wir werden siegen, denn unsere Werte sind die stärkeren: Die Trennung von Kirche und Staat, die Demokratie, der Liberalismus, die Menschenrechte et cetera.“ Und noch dazu (aber davon sprechen sie nicht) sind wir die besser Bewaffneten.

Es gibt einen kaum bekannten Text von Philippe Muray, der 2002 unter dem Titel „Liebe Djihadisten“ veröffentlicht wurde und von einer sehr dunklen Ironie durchtränkt ist. Lassen Sie mich Ihnen einen Auszug daraus vorlesen: „Liebe Djihadisten! Fürchtet den Zorn des Mannes in Bermudashorts! Fürchtet die Wut des Konsumenten, des Reisenden, des Touristen, des Urlaubers, der aus seinem Wohnwagen steigt! Ihr stellt Euch vor, wie wir uns suhlen in unseren Freuden und Vergnügungen, die uns haben verweichlichen lassen.“ An anderer Stelle mokiert er sich sanft über Salman Rushdie, der über die Islamisten schreibt: „ Sie wollen uns alle guten Dinge des Lebens nehmen: Schinkensandwiches und Miniröcke . . .“ Wieder an anderer Stelle bezeichnet er „Le Monde“ als „quotidien de révérence“, also als Tageszeitung der Verneigung (statt référence, Referenzblatt im eingangs erwähnten Sinne; die Red.), oder als „quotidien de déférence“ (Journal der Ehrerbietung).

Maurice Dantec selbst definiert sich als „gläubigen und zionistischen Kämpfer“. Was er von uns im Westen verlangt, ist, wieder zu denen zu werden, als die uns die Djihaddisten zu Unrecht beschreiben: uns wieder in Gekreuzigte zu verwandeln. Einzig eine spirituelle Macht wie das Christentum oder das Judentum wäre seiner Meinung nach imstande, mit einer anderen spirituellen Macht wie dem Islam zu kämpfen.

Paradoxer Hoffnungsschimmer

An dieser Stelle bin ich versucht, sehr weit auszuholen, weil ich gerade Lamartines „L’histoire des Girondins“ lese, die recht eigentlich eine Geschichte der Französischen Revolution ist. Was einen zuallererst verwundert in diesem Buch, ist der Glaube, der die französischen Revolutionäre beseelt, ein Glaube, der sie unsinnige Akte des Heldentums hat vollführen lassen und der es ihnen erlaubt hat, das verbündete Europa militärisch zu besiegen, und das, während im Land selbst mehrere Bürgerkriege tobten. Haben wir heute, wir anderen liberalen Demokraten zu Beginn des 21. Jahrhunderts, denselben republikanischen Glauben? Die Frage zu stellen heißt, sie schon zu beantworten.

Was allerdings auch erstaunt, ist die monströse Grausamkeit der französischen Revolutionäre. Man kann verstehen, wenn Joseph de Maistre die Französische Revolution als eine vollständig satanische Veranstaltung ansieht. Alle vier oder fünf Seiten bei Lamartine werden auf Lanzen aufgespießte abgeschlagene Köpfe herumgetragen. Und ohne Unterbrechung diese abscheulichen Geschichten. Da gibt es die berühmteste, jene der Prinzessin von Lamballe, deren Vulva an ihrem Leichnam zerschnitten wurde – von einem Aufrührer, der sich einen falschen Bart daraus machte. Da sind die abgeschlagenen Köpfe, die man zum Kegeln benutzte. Die Kinder, die ihren Eltern das Grab schaufeln mussten. Wiederholte Szenen, in denen der Helfer des Henkers einen von der Guillotine herabgefallenen Kopf zurückholt, um ihn unter den Anschuldigungen des Publikums zu ohrfeigen. Neben den französischen Revolutionären erscheinen die Menschen des „Islamischen Staates“ beinahe zivilisiert.

An diesem Punkt gibt es einen Zweifel, den ich mit Ihnen teilen möchte: einen pascalschen sinistren Zweifel, der aber paradoxerweise einen Hoffnungsschimmer bergen kann. Die herkömmliche Idee ist, dass das menschliche Wesen zum Heldentum wie zur Grausamkeit fähig wird, weil es durch einen Glauben beseelt ist; meistens religiös, mitunter revolutionär. Der pascalsche Zweifel meint, dass der Mensch mitunter von einer Trunkenheit der Gewalt, der Grausamkeit, des Gemetzels ergriffen wird und dass er dann als Vorwand irgendeinen beliebigen Glauben verwendet, am häufigsten einen religiösen, um seine Taten zu rechtfertigen.

Das Schicksal der anderen

Also, die Grausamkeit und das Gemetzel breiteten sich aus und verzehrten das Land. Und dann, mit einem Schlag, hört das auf. Warum hat die Französische Revolution ein Ende genommen? Warum wurden die Menschen mit einem Schlag dieser Blutorgie überdrüssig? Darüber wissen wir nichts. Mit einem Mal, ohne ersichtlichen Grund, ließen die Menschen nach, und die Gier nach Blut verschwand. Und vielleicht wird einfach so, ohne wirklichen Grund, auf konfuse Weise und wenig spektakulär auch der „Islamische Staat“ enden.

Von dieser grausamen, gewalttätigen männlichen Welt spricht Philippe Muray sehr wenig. Wovon er uns vor allem berichtet, ist eine ermüdete westliche Welt, wehleidig und ängstlich, und auch da haben sich seine Vorhersagen verblüffend genau erfüllt.

Aber bevor ich weiter über Philippe Muray spreche, möchte ich Ihnen eine berühmte Stelle von Tocqueville vorlesen, denn es ist immer ein Vergnügen, so viel Intelligenz gepaart zu sehen mit einer solchen stilistischen Eleganz. „Ich will mir vorstellen, unter welchen neuen Merkmalen der Despotismus in der Welt auftreten könnte: Ich erblicke eine Menge einander ähnlicher und gleichgestellter Menschen, die sich rastlos im Kreise drehen, um sich kleine und gewöhnliche Vergnügungen zu verschaffen, die ihr Gemüt ausfüllen. Jeder steht in seiner Vereinzelung dem Schicksal aller andern fremd gegenüber: Seine Kinder und seine persönlichen Freunde verkörpern für ihn das ganze Menschengeschlecht; was die übrigen Mitbürger angeht, so steht er neben ihnen, aber er sieht sie nicht; er berührt sie, und er fühlt sie nicht; er ist nur in sich und für sich allein vorhanden, und bleibt ihm noch eine Familie, so kann man zumindest sagen, dass er kein Vaterland mehr hat. Über diesen erhebt sich eine gewaltige bevormundende Macht, die allein dafür sorgt, ihre Genüsse zu sichern und ihr Schicksal zu überwachen. Sie ist unumschränkt, ins Einzelne gehend, regelmäßig, vorsorglich und mild. Sie wäre der väterlichen Gewalt gleich, wenn sie wie diese das Ziel verfolgte, die Menschen auf das reife Alter vorzubereiten; statt dessen aber sucht sie bloß, sie unwiderruflich im Zustand der Kindheit festzuhalten; es ist ihr recht, dass die Bürger sich vergnügen, vorausgesetzt, dass sie nichts anderes im Sinne haben, als sich zu belustigen. Sie arbeitet gerne für deren Wohl; sie will aber dessen alleiniger Betreuer und einziger Richter sein; sie sorgt für ihre Sicherheit, ermisst und sichert ihren Bedarf, erleichtert ihre Vergnügungen, führt ihre wichtigsten Geschäfte, lenkt ihre Industrie, ordnet ihre Erbschaften, teilt ihren Nachlass; könnte sie ihnen nicht auch die Sorge des Nachdenkens und die Mühe des Lebens ganz abnehmen?“

Prostitution als Korrektiv der Ehe

Das wurde 1840 veröffentlicht, im zweiten Teil von Tocquevilles Meisterwerk „Über die Demokratie in Amerika“. Das ist schwindelerregend. Was die Ideen betrifft, so enthält diese Passage praktisch mein gesamtes geschriebenes Werk. Ich habe dem nur eines hinzuzufügen gehabt: dass das Individuum, welches bei Tocqueville noch Freunde und eine Familie hat, sie bei mir nicht mehr hat. Der Prozess der Vereinzelung ist abgeschlossen.

Was die Ideen betrifft, enthält diese Stelle auch praktisch die gesamten Schriften von Philippe Muray. Philippe hat ihm nichts als eine Präzisierung hinzugefügt, und zwar, dass jene Macht keine väterliche Macht ist, sondern in Wirklichkeit nichts anderes als die mütterliche Macht. Mit den von Philipp Muray angekündigten neuen Zeiten ist ganz einfach die Rückkehr des Matriarchats in neuer Form gemeint, in Staatsform. Die Bürger werden in einem Zustand fortgesetzter Kindheit gehalten, und der erste Feind, den unsere westliche Gesellschaft versucht auszurotten, ist das männliche Zeitalter, ist die Männlichkeit selbst.

In diesem Sinn hat die Entwicklung der französischen Gesellschaft seit Philippe Murays Tod und insbesondere seit der Rückkehr der Sozialisten an die Macht seine Prophetien in atemberaubendem Ausmaß bestätigt – mit einer Rasanz, die ihn selbst, glaube ich, erstaunt hätte. Die Tatsache, dass Frankreich nach Schweden das zweite Land der Welt sein könnte, dass die Kunden von Prostituierten bestraft, das, so glaube ich, wäre selbst Philippe Muray schwergefallen zu glauben, er wäre entsetzt zurückgeschreckt vor der Perspektive. Nicht so früh. Nicht so schnell. Nicht in Frankreich. Die Prostitution abschaffen heißt, eine der Säulen der sozialen Ordnung abzuschaffen. Das heißt, die Ehe unmöglich zu machen. Ohne die Prostitution, die der Ehe als Korrektiv dient, wird die Ehe untergehen und mit ihr die Familie und die gesamte Gesellschaft. Die Prostitution abzuschaffen, das ist für die europäischen Gesellschaften einfach ein Selbstmord.Also ja: Man kann dieser ältesten, aus dem späten Mittelalter wieder aufgetauchten Formel, dem salafistischen Islam, eine große Zukunft voraussagen. Und also ja: Ich bleibe bei meiner Prophetie, auch wenn die Ereignisse mir im Moment unrecht geben. Der Djihadismus wird ein Ende finden, denn die menschlichen Wesen werden des Gemetzels und des Opfers müde werden. Aber das Vordringen des Islams beginnt gerade erst, denn die Demographie ist auf seiner Seite und Europa hat sich, indem es aufhört, Kinder zu bekommen, in einen Prozess des Selbstmords begeben. Und das ist nicht wirklich ein langsamer Selbstmord. Wenn man erst einmal bei einer Geburtenrate von 1,3 oder 1,4 angekommen ist, dann geht die Sache in Wirklichkeit sehr schnell.

Muray und Dantec

Unter diesen Umständen sind die unterschiedlichen Debatten, die von den französischen Intellektuellen geführt werden, über die Trennung von Kirche und Staat, den Islam et cetera, von gar keinem Interesse, weil sie den einzigen relevanten Faktor, den Zustand des Paars, der Familie, gar nicht einbeziehen. Also kann es auch nicht überraschen, dass im Verlauf der letzten zwanzig Jahre die einzigen Personen, die einen interessanten und bedeutsamen Diskurs über den Zustand der Gesellschaft geführt haben, nicht die Berufs-Intellektuellen waren, sondern Leute, die sich für das wirkliche Leben von Menschen interessieren. Das heißt: die Schriftsteller.

Ich hatte das große Glück, Philippe Muray und Maurice Dantec persönlich zu kennen und so unmittelbaren Zugang zu ihrem Denken zu haben in dem Moment, in dem es sich vollzog. Heute sind sie tot, und ich habe nichts mehr zu sagen.

Das heißt nicht, dass ich am Ende bin. In einem Roman sind Ideen nicht essentiell, noch weniger in einem Gedicht. Und um den Fall eines genialen Romanciers zu nehmen, bei dem die Ideen eine Hauptrolle spielen, so kann man doch nicht sagen, dass die „Brüder Karamasow“ im Vergleich zu den „Dämonen“ mehr Ideen lieferten. Man kann sogar, mit ein wenig Übertreibung, sagen, dass alle Ideen von Dostojewski bereits in „Verbrechen und Strafe“ enthalten waren. Dennoch ist sich der Großteil der Kritiker einig, dass der Roman „Die Brüder Karamasow“ den Höhepunkt des Dostojewskischen Werkes darstellt. Persönlich muss ich gestehen, dass ich mir eine kleine Schwäche für die „Dämonen“ bewahre, aber vielleicht habe ich unrecht, und das ist auch eine andere Debatte.

Man kann auf jeden Fall behaupten, dass es angesichts meines Alters wenig wahrscheinlich ist, dass ich in meinen zukünftigen Werken noch einmal fundamental neuen Ideen Ausdruck verleihen werde. Ich befinde mich also hier vor Ihnen in einer seltsamen Lage, da meine einzigen wahrhaftigen Gesprächspartner gestorben sind. Es gibt in Frankreich noch begabte Schriftsteller, es gibt in Frankreich noch schätzenswerte Intellektuelle, aber mit ihnen ist es nicht das Gleiche wie mit Muray oder Dantec. Heute interessiert es mich zwar, was die anderen schreiben, aber es fasziniert mich nicht wirklich. Es passiert mir, dass ich mich frage, warum ich noch am Leben bin.

Befreiung des Denkens

Ist das eine Frage der literarischen Begabung? Ja, sicher, das spielt mit, aber im Grunde ist es nicht wesentlich. Muray und Dantec besaßen große literarische Begabung, ein seltenes Talent, aber was noch seltener ist: Sie schrieben, ohne jemals an Anstandsregeln oder Konsequenzen zu denken. Sie scherten sich nicht darum, ob sich diese oder jene Zeitung von ihnen abwandte, sie akzeptierten es gegebenenfalls, vollkommen allein dazustehen. Sie schrieben einfach, und einzig und allein für ihre Leser, ohne jemals an die Begrenzungen und Befürchtungen zu denken, die die Zugehörigkeit zu einem Milieu einschließt. Mit anderen Worten: Sie waren freie Männer.

Und ihre Freiheit war befreiend. Dank ihnen sind die französischen Intellektuellen heute in einer neuen Lage, so neu, dass sie sie noch gar nicht ganz ermessen haben: Sie sind frei. Sie sind frei, denn sie sind befreit aus der Zwangsjacke der Linken. Und sie sind auch deshalb frei, weil sie nicht mehr leiden (oder jedenfalls weniger leiden) unter der Art von Faszination, von heiligem Zauber, der auf ihre Vorgänger ausgeübt wurde durch die vorgeblich großen Denker des voraufgegangenen Jahrhunderts. Mit anderen Worten: Die heiligen Kühe sind tot. Der Erste, der von diesem scheinbar unhintergehbaren Horizont des Denkens verschwand, war Marx. Eine ganze Weile später ist Freud ihm ins Grab gefolgt. Das ist noch ganz und gar nicht der Fall bei Nietzsche, aber ich bin guter Dinge, dass auch dies in nicht allzu langer Zeit geschehen wird.

Man kann nicht sagen – darauf bestehe ich -, dass die französischen Intellektuellen „sich befreit hätten“. Die Wahrheit ist: Wir waren es, die sie befreit haben, wir haben mit dem gebrochen, was sie hemmte, und ich bin einigermaßen stolz, an der Seite von Philippe Muray und Maurice Dantec mein Teil dazu beigetragen zu haben. Keiner von uns dreien ist meiner Meinung nach das gewesen, was man einen großen Denker nennen könnte, dazu waren wir wahrscheinlich zu sehr Künstler, aber wir haben das Denken befreit. Jetzt ist es an den Intellektuellen, sich ans Denken zu machen. Und wenn sie ein neues Denken hervorbringen können, das dann auch zu tun.

 Aus dem Französischen von Wiebke Hüster.

Dienstag, 27.September

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Heute haben
Grazia Deledda * 1871 (Nobelpreis 1926)
Tanja Kinkel * 1969
Geburtstag.
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Barthold Hinrich Brockes
Die Welt ist allezeit schön

Im Frühling prangt die schöne Welt
In einem fast smaragdnen Schein.
Im Sommer glänzt das reife Feld
Und scheint dem Golde gleich zu sein.

Im Herbste sieht man als Opalen
Der Bäume bunte Blätter strahlen.

Im Winter schmückt ein Schein, wie Diamant
Und reines Silber, Flut und Land.

Ja kurz, wenn wir die Welt aufmerksam sehn,
Ist sie zu allen Zeiten schön.
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Claudia Wiltschek empfiehlt:

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Steven Herrick: „Wir beide wussten, es war was passiert
Übersetzt von Uwe-Michael Gutzschhahn
Thienemann Verlag € 14,99
ab 13 Jahren

Billy hält es mit seinem immer betrunkenen, gewalttätigen Vater nicht mehr aus und geht. Mit seinen 16 Jahren macht er sich mutig, ohne Geld und Perspektive auf den Weg. Nach ziellosem Umherfahren findet er eine Bleibe im Waggon eines verlassenen Güterzuges, wo er auf Old Bill trifft, der schon länger im Waggon nebenan lebt und seine traurige Vergangenheit mit Alkohol zu vergessen glaubt. Die beiden Heimatlosen finden zueinander und helfen sich gegenseitig das Leben zu bewältigen. Als Billy wieder einmal hungrig Essensreste bei McDonald’s von den Tischen klaut, lernt er Caitlin, die dort arbeitet, kennen. Caitlin wiederum stammt aus reichem Hause, möchte aber von Ihren Eltern unabhängig sein und neben der Schule selbst Geld verdienen. Erst ist sie irritert über sein Verhalten, verrachtet ihn aber nicht und, wir ahnen es schon , Billy verliebt sich in sie. Caitlin besucht unsere zwei Gestrandeten immer wieder, versorgt sie mit Essen und es entwickelt sich eine wunderschöne ungewöhnliche Freundschaft zwischen den Dreien.
Der Stil des Buches ist fremd für ein Jugendbuch. Die Geschichte wird in Strophen erzählt (gut für Lesemuffel, denen viel Text Mühe macht ). Anfangs gewöhnungs-bedürftig, löst sich aber nach den ersten Seiten in Wohlgefallen auf.
Für mich eines der schönsten Jugendbücher bei den Neuerscheinungen, ein modernes Märchen,von liebevollen ungewöhnlichen Menschen, die uns ans Herz wachsen und uns über etliche Vorurteile stolpern lässt.

Leseprobe

Auf der Empfehlungsliste „Die 7 besten Bücher für junge Leser“ im August 2016, Jugendbuch des Monats.
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Werner Färbers Ungereimtheit der Woche
Der Wiedehopf CXCIII

Der Wiedehopf, der Wiedehopf,
trägt seinen Schnabel vorn am Kopf.
Trüg er den Schnabel am Gesäße,
blieb ihm verborgen, was er fräße.
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Heute abend um 19 Uhr „Shortlistlesen„.
Das nur als kleine Erinnerung.

Samstag, 24.September

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Heute haben
F.Scott Fitzgerald * 1896
Walter Kappacher * 1938
Geburtstag
und auch der Filmemacher Pedro Almodóvar.
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Die Shortlist für den Deutschen Buchpreis ist bekannt und wir veranstalten am kommenden Dienstag in unserer Buchhandlung das traditionelle „Shortlistlesen“.
Clemens Grote wird uns kurze Kostproben aus den Romanen vorlesen und wir stimmen ab, welches Buch wir als Sieger hätten.
Hier folgen schon mal alle Bücher mit passenden Leseproben, damit Sie gut vorbereitet am Dienstagabend bei uns aufkreuzen können.

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Reinhard Kaiser-Mühlecker: Fremde Seele, dunkler Wald

Alexander kehrt von seinem Auslandseinsatz als Soldat in die Heimat zurück. Seine Unruhe treibt ihn bald wieder fort. Sein jüngerer Bruder Jakob führt unterdessen den elterlichen Hof. Als sich sein Freund aufhängt, wird Jakob die Schuldgefühle nicht mehr los. Der Vater fabuliert von phantastischen Geschäftsideen, während er heimlich Stück für Stück des Ackerlandes verkaufen muss. Die Zeit vergeht, und es geschieht scheinbar nichts. Und doch ereignet sich das gesamte Drama der Existenz dieser Menschen, die durch das Land, Verwandtschaft, Gerede und ihre Sehnsüchte miteinander verbunden sind.

Leseprobe

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Bodo Kirchhoff: Widerfahrnis

Reither, bis vor kurzem Verleger in einer Großstadt, nun in einem idyllischen Tal am Alpenrand, erhält überraschend abendlichen Besuch. In sein Leben tritt Leonie Palm, zuletzt Besitzerin eines Hutgeschäfts. Sie hat ihren Laden geschlossen, weil es der Zeit an Hutgesichtern fehlt, und er seinen Verlag, weil es zunehmend mehr Schreibende als Lesende gibt. Gemeinsam begeben sie sich auf eine Reise ohne Ziel, die sie nach Sizilien führt. Unterwegs teilen sie Geschichten aus ihrer Vergangenheit und lassen die Zukunft neu auf sich zukommen. Dabei begegnet ihnen ein Mädchen, das sich ihnen stumm anschließt.

Leseprobe

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André Kubiczek: Skizze eines Sommers

1985, Potsdam, große Ferien. Doch der sechzehnjährige René bleibt dieses Jahr zu Hause. Die Mutter ist tot, der Vater in der Schweiz; er lässt René tausend Mark da, die er brüderlich mit seinen Freunden Dirk, Michael und Mario teilt. Dies ist, und das spüren sie alle vier, ein Sommer, wie es ihn nie wieder geben wird für sie. Die Jungs streifen durch die heiße, urlaubsleere Stadt und sitzen in Cafés herum, während sie darum wetteifern, besonders geistreich zu sein. Bei alledem geht es doch vor allem um eines: darum, das richtige Mädchen zu finden.

Leseprobe

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Thomas Melle: Die Welt im Rücken

Thomas Melle leidet seit vielen Jahren an einer manischen Depression, auch bipolare Störung genannt. Nun erzählt er davon, erzählt von persönlichen Dramen und langsamer Besserung, und gibt einen außergewöhnlichen Einblick in das, was in einem Erkrankten vorgeht.

Leseprobe

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Eva Schmidt: Ein langes Jahr

Benjamin lebt mit seiner Mutter allein, die Wohnung in der Siedlung am See ist klein, den Hund, den er gerne hätte, kriegt er nicht. Eines Tages begegnet Benjamin Herrn Agostini, einem alten Mann aus der Nachbarschaft. Ihm leistet der Hund „Hemingway“ Gesellschaft. Aber Herr Agostini ist nicht mehr gut auf den Beinen, er weiß nicht, was aus »Hem« werden soll. Ähnlich wie Karin, die gerne wüsste, wer sich um ihren Hund kümmert, wenn ihr was zustößt, wie sie sagt. Eva Schmidt erzählt davon, wie wir leben, allein und miteinander, und wie wir uns dabei zuschauen.

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Philipp Winkler: Hool

Jeder Mensch hat zwei Familien. Die, in die er hineingeboren wird, und die, für die er sich entscheidet. Heikos Leben, das sind die HOOLS. Als einer von ihnen nach einem Spiel zusammengeschlagen wird und sich aus der Szene verabschieden will, ist das für Kolbe wie Verrat. Denn der Kampf gegen die Erzrivalen aus Braunschweig steht direkt bevor: Pokalhalbfinale. Philipp Winkler führt uns ein eine fremde Welt, die doch nebenan liegt, deren Sprache rau ist, deren Sitten roh sind, voller Gefallener und Fallender.

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