Samstag

Heute haben
Marie von Ebner-Eschenbach * 1830
Sherwood Anderson * 1876
J.B. Priestley * 1894
Roald Dahl * 1916
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Gestern abend haben wir beim shortlistlesen abgestimmt und sind zu einem eindeutigen Ergebnis gekommen.
Zwei Titel lagen abgeschlagen hinten, es gab ein starkes Mittelfeld mit Stimmengleichheit und ein Siegerbuch, das mit Abstand die meisten Stimmen unseres Publikums bekam.

Foto

Heinrich Steinfest:“Der Allesforscher“ wurde zum Sieger unseres shortlistlesens gewählt. Dieses Ergebnis leiten wir an die Jury des Deutschen Buchpreises weiter und warten gespannt, was sie am 6.Oktober offiziell verkünden.
Vielen Dank nochmals an die Vorleser Marion Weidenfeld und Clemens Grote, an die Helferlein und natürlich an die BesucherInnen.
Ach, bevor ich es vergesse: Das nächste shortlistlesen steht auch schon fest. Irgendwann vor der Leipziger Buchmesse im Frühjahr 2015. Aber bis dahin haben wir noch jede Menge Bücher gelesen und hoffen, dass auf der Auswahlliste zum Leipziger Buchpreis genauso gute Bücher vertreten sind, wie hier für den deutschen Buchpreis.
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HeuteWo wir benutztes Geschirr hinstellen von Peter Gruenlich

Peter Grünlich, Wanda Friedhelm: „Wo wir benutztes Geschirr hinstellen“
Männer und Frauen in überwiegend lustigen Grafiken
Noch mehr Neues von graphittiblog.de
Heyne Verlag € 9,99
als eBook € 8,99

Wie viele Grüntöne kann das weibliche Auge unterscheiden, wie viele das männliche? Was rührt Männer zu Tränen und was Frauen? Und welche Geschenke bekämen Männer gerne, wenn Frauen sagen, es gebe wirklich gar nichts, was man ihm noch schenken könnte? Nach den Bestsellerhits „Was wir tun, wenn der Aufzug nicht kommt“ und „Was wir tun, wenn es an der Haustür klingelt“ gibt es jetzt neue witzige Tortendiagramme und Grafiken, die uns die kleinen Unterschiede zwischen Männern und Frauen erklären .
Irgendwann beim Durchblättern beginnt man/frau einfach mit Lächeln, Lachen und Losprusten.

Themen sind u.a.: Exfreunde und Exfreundinnen sind genauso ein Opfer der Tortendiagramme, wie: Was sie ihm/er ihr erzählt und was wirklich dahintersteckt. Oder wann Paare wirklich glücklich sind. Na klar: Nicht nach 2 Wochen, nicht nach 7 Jahren, sondern wenn sie mit anderen Paaren zusammen sind. Wieviele Liebschaften Frauen und Männer hatten, in Wirklichkeit, in Gedanken und was sie jeweils ihren FreundInnen erzählen. Was Frauen meinen, wenn sie „Bitte?“ sagen. Was Männer verstehen, wenn Frauen „Bitte?“ sagen. „Mach doch, was du willst!“ bedeutet wirklich jeweils das Gegenteil.
Was tun bei offen herumliegende Handys – nicht beachten ode reinspickeln?  Die berühmte Klodeckel-Frage, Gesprächsthemen beim Essen, wenn sie gekocht hat und wenn er gekocht hat, wenn das Baby schreit, Ordnung auf dem Badezimmerregal, und wer den alten Opel Corsa zum TÜV fährt. Na, das ist einfach: Sie natürlich!

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(Bildrechte bei den Autoren. Noch mehr dieser Grafiken finden Sie in der Leseprobe)

Vita Peter Grünlich:

18% langweiliger Job
16% unschönes Familienleben
7% Exzesse mit Kumpels
3% lustige Buchprojekte
56% ermüdende Schul- und Studienjahre

Leseprobe

Freitag

Heute haben Marie von Ebner-Eschenbach * 1830
Sherwood Anderson * 1876
J.B.Priestley * 1894
Geburtstag
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Die Neuübersetzung von Sherwood Anderson: „Winesburg, Ohio“ von Eike Schönfeld bekam vor ein par Tagen den Christoph Martin Wieland-Übersetzerpreis.
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Wie versprochen gibt es ab heute kleine Lesehappen aus dem Buch:
„Restaurant Dalmatia“ von Jagoda Marinic, die am Do., den 26.9. bei uns in der Buchhandlung daraus vorlesen wird.

Buchmarinic_jagoda1

POLAROID Berlin
28. Januar 1985

Sie schleicht ins Schlafzimmer ihrer Eltern, zur Kommode an Mutters Bettseite, macht die oberste Schublade auf und wieder zu. Die Polaroid, die darin liegt, packt sie schnell in ihren Kinderrucksack, den sie letzte Nacht noch leerräumte. Ein Blick nach links, ein Blick nach rechts, und ab über die große Kreuzung vor ihrem Haus. Eis. Überall Eis. Sie setzt die Schritte in die Asphaltlücken. Mal kleine Schritte. Mal Ausfallschritte. Kurz sicher. Dann holprig. Ein riesiger Eisberg aus Altschnee, zur Pyramide gefroren, kreuzt ihren Weg. Sie holt die Polaroid aus dem Rucksack, wählt den Ausschnitt, den sie haben will und drückt ab. Das erste Bild fährt aus dem Schlitz. Ihre linke Hand öffnet sich. Schattierungen zeichnen sich ab, erste Formen. Sie fächert das Foto durch die Luft, genau so, wie es vor ein paar Nächten noch ihre Mutter getan hat. Nein, das hier ist keine Ohrfeige wert, denkt sie, als es entwickelt ist, geht weiter, die rechte Hand in der Schlaufe, die linke fest ums Gehäuse. Das erste Mal auf Berliner Straßen, ohne dass einer wüsste, wo sie ist, wohin sie will oder wann sie zurück sein wird. Ein Horn bläst. In ihrem Kopf? Sie beeilt sich, biegt um die Ecke, dorthin, wo sie das Horn, das eben noch in ihrem Kopf nachklang, vermutet. Es zittert unter ihr. Der Boden zittert, denkt sie. Sie fällt. Nach wenigen Sekunden kommt sie zu sich, vergewissert sich der Kamera, die sie mit der rechten Hand fest gegen den Bauch gepresst hält. Das zweite Bild noch, denkt sie, das zweite Bild! Sie fokussiert die Stelle, an der eben noch, hinter der Mauer, der Kirchturm umgefallen ist. Und drückt ab. Das Bild gleitet aus der Polaroid. Diesmal fächert sie es gleich durch die Luft, hastig, kann nicht lange warten. Eilt nach Hause, bevor sie es sich in Ruhe ansieht. In der Wohnung ist noch niemand. Die Polaroid verschwindet wieder in der Schublade, die Tür zum Schlafzimmer bleibt einen kleinen Spalt offen. Alles, wie es war. Nur das Bild liegt nun in einem ihrer Bücher.
Ihr Vater sitzt auf dem Sessel im Wohnzimmer und wartet wie jeden Abend auf die 20-Uhr-Nachrichten. Sie hockt vor ihm auf dem Boden, den Rücken an seine Beine gelehnt, den Kopf in der Lücke zwischen seinen Knien. Da! ruft sie, den Zeigefinger schon auf den Bildschirm gerichtet. Sie verschluckt den restlichen Satz gerade noch rechtzeitig, als ihr Vater ihre Hand aus seinem Sichtfeld schiebt. Die Versöhnungskirche sei gesprengt worden. Das Mädchen sieht die Kirche, all die Bilder bis zu jenem Moment, an dem sie um die Ecke bog. Sie wendet den Blick vom Bildschirm ab, liest im Gesicht ihres Vaters, der gebannt verfolgt, wie die Kirche in der Bernauer Straße in sich zusammenfällt. Was er da sieht, gefällt ihm nicht, glaubt sie. Im Gesicht ihres Vaters ist schwer zu lesen. Er zieht an seiner Zigarette. Das sicher. Der Rauch löst sich nur langsam über ihrem Kopf auf.
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Auf dem Filmfestival in Venedig wurde der Film „Sacro GRA“ über einen Autobahnring in Rom mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet.
Ich bin gespannt, ob er den Weg nach Ulm findet.


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Nach Rom, der alten Sehnsuchtsstadt, jetzt ein Buch über eine Sehnsuchtsstadt des 20.Jahrhunderts.

NY

Susanne Lehmann-Reupert:Von New York lernen
Mit Stuhl, Tisch und Sonnenschirm
Vorwort von Andres Lepik
Text von Susanne Lehmann-Reupert
Fotografien von Susanne Lehmann-Reupert
Gestaltung von Hannes Aechter
Hatje Cantz Verlag € 16,80

New York als Vorbild einer nachhaltigen Stadtentwicklung.
Der alternative Reiseführer in die Weltstadt.
Das Ganze kommt als broschürtes Taschenbuch daher. Wer also einen Bildband in der Art des Verlages Hatje Cantz erwartet hat, wird enttäuscht sein. Wer jedoch ein Buch über Veränderungen in einer großen Stadt lesen will, über Veränderungen zum Wohle der Menschen dort, der wird hier bestens bedient.
Ich habe mir das Buch vor Wochen vorbestellt, weil ich einen Reiseführer der anderen Art vorgestellt habe. Was ich dann aber zum Lesen bekommen habe, hat mich wirklich umgehauen. Immer wieder musste ich an Ulm denken, die Stadt, in der ich seit 30 Jahren arbeite. Mir fallen Veränderungen auf, die so ganz anders hätten verlaufen können, wenn ich an das Modell New York denke. Sie werde sagen, naja New York hat auch ein paar Einwohner mehr. Ja, das stimmt und deshalb stellt Susanne Lehmann-Reupert hinter jedes Kapitel den Satz: „Aber wie können wir denn von New York City lernen, wenn wir nicht New York City sind“ und führt dann spezielle Dinge aus, die sehr wohl auch in Ulm umsetzbar sind.
Die Architektin Susanne Lehmann-Reupert geht auf ihren Streifzügen, etwa von Dumbo über Brooklyn Bridge Park nach Red Hook und von der High Line bis zum Bryant Park, den Veränderungen im öffentlichen Raum nach. Sie entdeckt neue Erholungsflächen an Hudson und East River oder Dachgärten und Stadtfarmen und erkennt hinter den sichtbaren Qualitätsverbesserungen eine klare Strategie der Rückbesinnung auf die Tradition des bürgerschaftlichen Engagements. Gerade diese Verbindung von Privatem und Städtischem macht den Erfolg aus. So bekamen zwei Personen aus New York City einen Preis für ihr gemeinsames Engagemant zur Verbesserung der Stadt. Eine städtische Angestellte und eine Person aus einer Initiative. Ich denke, dass so etwas Neues, Gutes entstehen kann.
Wie schafft es New York City zum Beispiel hunderte von Kilomter von Redwegen hervorzubringen und wir hier in Ulm bekommen plötzlich weiße Striefen auf die Straße gemalt, die einen neuen Radweg anzeigen und einfach nur die Autowege verschmälern? Es wird aber nicht daran gedacht, dass Autos auf dieser Fahrbahn automatisch auf diese Radwege kommen und Radler so kanpp an parkenden Autos vorbeifahren müssen und jede aufgehende Autotür als Absprungschanze erleben.
Wie wird zum Beispiel aus dem Bryant Park, der vor Jahren noch von kriminellen berherrschat worden ist, ein Kleinod, wie ich es selten erlebt habe? Es sind ein paar wenige Tricks, die die Autorin anführt, die so klar auf der Hand liegen und aus dem Park wird eine Begegnungsstätte, auf der sich täglich tausende Menschen treffen und sich ausruhen.
Das, was wir mittlerweile urban gardening nennen, nimmt einen großen Teil des Buches ein. Sie schildert den Beginn der Stadtgarten-Bewegung, sie stellt ein paar Dachgärten vor. Wobei hier wirkliche Farmen, Bauerhöfen gemeint sind, die Flächen so große wie Fußballfelder haben und ihre Produkte professionell verkaufen. Greenmarkets, also unsere Wochenmärkte, schießen aus dem Boden und auch hier nennt sie ein schönes Beispiel: Verkauft werden hier Produkte, die nicht von weiter als 110 km herkommen. Somit werden die Anbauer aus der Region gefördert und wir bekommen eine wirkliche Alternative zu den Supermärkten.
Susanne geht auf’s Wasser und schreibt, dass dies zum sechsten Stadtteil der Stadt ernannt worden ist. Welche positiven Veränderungen damit einhergehen erfahren wir in einem extra Kapitel. Und über allem steht diese Verbindung zwischen persönlichem, privatem Engagement und der Stadtverwaltung. Ich denke, anders ist es auch nicht möglich, Veränderungen durchzusetzen, die dann auch in der Bevölkerung ankommen. Wie soll es sonst vorstelltbar sein, dass jeder Bürger in NYC innerhalb von 10 Minuten einen Park vorfinden soll. Es sind oft ganz einfache Dinge, die als Vorgaben dienen und die bei mir ein großes „Ja, genau! Wie schlau!“ hervorgerufen haben. So dürfen Bürokomplexe,oder Banken eine bestimmte Länge an der Straße nicht überschreiten und müssen durch kleine Läden, Bars, … unterbrochen werden. Worum? Es dient der Sicherheit, wenn wir nachts durch die Straßen gehen und alles ist dunkel. Wenn jedoch Lichter brennen, Menschen sich noch bewegen, ist einiges gewonnen.
Schön wäre es, wenn die entscheidenten Personen in der Stadtverwaltung dieses Buch in Händen halten würden und es auch lesen würden. So viele tolle Beispiel sind hier aufgeführt, dass ich noch seitenlang darüber schreiben könnte. Und wie einfach es gehen kann, zeigt schon allein der Untertitel: „Mit Stuhl, Tisch und Sonnenschirm“.            Kommen Sie einfach in den Laden und schauen Sie es sich an.

Im Buch blättern

Freitag

Das mit den Geburtsdaten haut nicht immer hin. Ich bin gestern schon wieder einen Tag weiter gewesen.
Also heute hat Julien Green Geburtstag.
Gestern hatten Christoph Martin Wieland * 1733
Heimito von Doderer * 1896
und Arthur Koestler * 1905
Geburtstag.
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Und jetzt wird mir auch klar, warum gerade gestern Dr.Horst Lauinger bei uns im Buchladen war.
Gestern wurde nämlich in Biberach der Christoph Martin Wieland-Übersetzerpreis 2013 an Eike Schönfeld für seine Übersetzung des amerikanischen KlassikersWinesburg, Ohiovon Sherwood Anderson überreicht. Das Buch ist im Manesse Verlag erschienen und Herr Lauinger ist der Verlagsleiter von Manesse.
Gratulation hier nochmals von unserer Seite.

AndersonDoderer

Und rechtzeitig zu Heimito von Doderers Geburtstag erschien im Beck Verlag eine gebundene Ausgabe derStrudlhofstiegeim Gewand der Erstausgabe.
Ein tolles Buch.

WIe es der Zufall so will: Beide Bücher haben ein Nachwort von Daniel Kehlmann.
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Ein weiterer Textabschnitt aus Stefan Plögers Buch: „Der Klang der Hingabe“

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III

Jan ging seiner Lieblingsbeschäftigung nach. Er saß in einem Straßencafé und beobachtete. Die Zeit war seine Verbündete. Sie öffnete ihm den Raum für seine Betrachtungen. Er war dabeinicht passiv. Sein Tun war keine Einbahnstraße. Er war sicher, dass ihn dieses Beobachten umso mehr verändern würde, je mehr er bereit war, sich denen, die er beobachtete, anzunähern. Er hatte nicht die Absicht, jemanden anzusprechen. Und trotzdem gab es Begegnungen, die ihre Spuren hinterließen. Selbst angesichts dieser Menschen, die bepackt mit Taschen und Tüten an ihm vorbeihasteten. Angestrengt und in Gedanken, wahrscheinlich das nächste Geschäft oder einen nächsten Termin vor Augen. Sein Tun war keine geringere Herausforderung. Er ließ sich auf die Passanten ein, beobachtete sie genau und suchte ihre Eigenart, ihre Einmaligkeit.

Sein Telefon klingelte. Claus meldete sich. Er wirkte nachdenklich und fragte Jan, ob er Zeit hätte. Nach wenigen einleitenden Worten kam er zu dem, was ihn beschäftigte. Die Begegnung im Museum und die Angst, die er dann erlebt hatte, ließen ihn nicht los. Er musste jemandem davon erzählen. Jan war jemand, der auf seine trockene Art viel Humor und Herz hatte. Claus war froh, ihn erreicht zu haben, und ließ seinen Gedanken freien Lauf. Er erzählte davon, dass ihm seit seiner Trennung von Lara der sichere Boden unter den Füßen verloren gegangen war. So lange er sich erinnern konnte, waren schwarze Gedanken wie ein kleiner Tod in sein Leben eingesickert. Aber jetzt war es anders. Die Trennung hatte ihm vor Augen geführt, dass die Realität seine Gedanken eingeholt hatte. Wie in einer Flucht nach vorne hatte er versucht, auf den Tod zu zugehen. Aber der Tod verstand keinen Spaß. Es gibt keinen halben Tod. Er bestimmt die Spielregeln. Claus erzählte Jan davon, dass hier irgendwie der Schlüssel lag, wie er sein Leben neu ausrichten könnte. Er musste sein Leben vom Tod her entwerfen.  (…)

„Du kannst mich unterstützen. Lass uns zusammen Musik machen“, sagte Claus. „Ich suche eine schöne Violinsonate aus, die wir zusammen spielen können. Bist du bereit? Ist deine Geige gestimmt?“

Die beiden hatten sich immer wieder mal an klassische Musikliteratur gewagt. Jan zögerte, aber Claus insistierte: „Das wäre doch etwas. Du hilfst mir immerhin, einen Anfang zu machen.“

Claus war klar, dass er mit diesem Gespräch keine Antwort auf seine Frage und keine Lösung für sein Problem bekommen hatte. Aber er hatte das Gefühl, dass es ein Schritt in die richtige Richtung war. Er nahm sich vor, wieder damit anzufangen, selbst Musik zu spielen. Es gehörte zu seinem Beruf, sich mit Musik theoretisch zu beschäftigen. Da war die Praxis eine willkommene Abwechslung. Und erst recht, wenn er gemeinsam mit Jan musizieren würde. Er hatte kürzlich eine Brahms-Violinsonate entdeckt, die ihn mit ihrer Materialfülle, ihrer engen Verzahnung der einzelnen Sätze, ja hauptsächlich mit ihrer Stimmung ansprach. Ja, er würde Jan zum gemeinsamen Spiel einladen.

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Alles nur geklaut von Austin Kleon

Austin Kleon: „Alles nur geklaut
10 Wege zum kreativen Durchbruch
Am Puls der Zeit
Originaltitel: „Steal like an Artist“
Aus dem Amerikanischen von Patrick Hutsch
Mosaik Verlag € 8,00

Endlich auf deutsch!
Vor Monaten habe ich die amerikanische Version auf diesem Blog vorgestellt, weil ich so fasziniert von dem kleinen, quadratischen Buch war. Ich finde den Beitrag allerdings nicht mehr, da ich viele Texte gelöscht habe. Ist ja auch egal. Jetzt gibt es ja die deutsche Variante.
Gestern schrieb ich noch über das Buch von Moshin Hamid, ob es ein Ratgeber sei. Nein, war es natürlich nicht. (Schauen Sie auf unseren Fotoblog, da sehen Sie, dass wir wirklich reich geworden sind, durch das Buch. Ha!) Aber heute präsentiere ich Ihnen wirklich einen Ratgeber. Wie werde ich kreativ? ist die große Frage dieses Buches. Wenn ich mir die Internetauftritte von Austin Kleon anschaue, dann weiss ich, was kreativ bedeutet.
Austen Kleons website
Austin Kleon auf flickr.com
Und das ist nur ne kleine Auswahl. Wenn Sie sich hier durchklicken wollen, dann sollten Sie sich Zeit nehmen. Zeit und Muße. Danach werden Sie entweder selbst kreativ, oder Sie werfen sofort die Flinte in’s Korn.
Aber wenn Sie € 8,00 investieren, bekommen Sie ein Handbuch mit, das nur so von Zitaten und Ideen sprudelt.
Pablo Picasso: „Kunst ist Diebstahl“
David Bowie: „Die einzige Kunst, mit der ich mich beschäftige, ist die, bei er ich klauen kann.
Aber auch der Basketballer Kobe Bryant sagt, dass er alle Moves von Kollegen geklaut hat und er ist damit zum besten Spieler der Welt geworden.
Deshalb heisst das erste Kapitel auch: „Das Beste ist geklaut„.
Kapitel drei: „Schreib das Buch, das du selbst lesen möchtest„. Bis hin zu Kapitel neun: „Sei langweilig. (Nur so kommst du mit deiner Arbeit voran)
Schaffe deine eigene Welt„, rät Austin Kleon und meint damit, das Telefon zugeklappt zulassen. Das Auto bleibt in der Garage, wir suchen uns einen Platz ohne WLAN. Wenn Sie zuhause sind, verkriechen Sie sich in Ihr Zimmer. Oder wenn Sie unterwegs sind, dann suchen Sie sich einen Laden mit langen Wartezeiten, und losgeht’s. Austin Kleon hat immer Stifte und Papier dabei. Ein Notizbuch zum Kritzeln. Somit schaffen Sie sich Ihre eigene Welt und lassen sich nicht irgendeine Welt von außen auf Ihre Ohren dröhnen.
Gustave Flaubert sagt: „Sei korrekt und ordentlich im Leben, so kannst du leidenschaftlich und originell in der Arbeit sein.
Kleon schreibt: „Du solltest davon ausgehen, dass du noch eine Weile leben wirst. (aus genau dem Grund rät Patti Smith jungen Künstlern, dass sie zum Zahnarzt gehen sollen.) frühstücke. Mach ein paar Push-ups. Unternimm lange Spaziergänge. Schlaf ausreichend.
Neil Young sang: „It’s better to burn out than to fade away.“ Ich sage, es ist besser langsam zu brennen und seine Enkel kennenzulernen.“
Und zum Thema Lesen und Bücher schreibt Kleon:
Lies ständig. Geh in die Bibliothek. Es hat etwas Magisches, wenn man von Büchern umgeben ist. Verliere dich in den Stapeln. Lies Bibliographien. Es geht nicht um das Buch, mit dem du anfängst, es geht um das Buch, zu dem dich dieses Buch führt.
Hei, nun bin ich aber vom Thema abgekommen. Was soll’s. Das Buch hat jede Menge Tipps, Anregungen und Geklautest auf ca. 150 Seiten.