Donnerstag, 23.März

Staatsoper Stuttgart

Heute haben
C.F.D.Schubart * 1739
William Morris * 1834
Dario Fo * 1926
Martin Walser  wird 90. * 1927
Peter Bichsel * 1935
Geburtstag.
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Christian Friedrich Daniel Schubart
An Tilla

Hier ist, o liebes Weibchen!
Ein kleiner Wunsch für dich.
Ich wünsche dir, mein Täubchen,
Ein kugelrundes Leibchen,
Und ach! – zum Autor – mich!
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Der schnelle Rätselspaß

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Matteo Civaschi: „Geflügelte Worte in 5 Sekunden
144 wortlose Bilderrätsel
S.Fischer Verlag € 12,00

Oh, jetzt wird es schwierig. Denn das Buch, das ich hier vorstelle, besteht nur aus Bildern, Graphiken, so wie Sie es auf dem Titelbild sehen können. Und eigentlich wollte ich Sie anhand einiger solcher Bilderrätsel (es gibt 144 Stück davon) raten lassen, welches Sprichwort, welche Redewendung, welcher Aphorismus sich dahinter versteckt. Jetzt ist es aber so, daß auf der Internetseite des Verlages keine weiteren Bilder veröffentlicht sind und rechtlich bekomme ich sicher Schwierigkeiten, wenn ich Abfotografiertes hier auf dem Blog veröffentliche.
Das heißt, daß ich den Spieß umdrehen muss und ich Ihnen mitteilen, daß wir hier u.a. „Reinen Tisch machen“ finden. Abgebildet ist ein Tisch, der mit einer Sprühflasche befeuchtet wird. Das blinde Huhn auf dem Titelbild haben Sie sicherlich erkannt.
– Ist die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse auf dem Tisch
– Der Mensch denkt, Gott lenkt
– Auf dem einen Ohr rein, auf dem anderen raus
– Lügen haben kurze Beine
sind weitere Rätsel und wir finden einen Mann, der von einer Wolke fällt und einen starken Mann, der in ein Wasserloch fällt.
Sofort erkenntlich ist vielleicht: „Gegen einen Wand reden“ oder „Einen Frosch im Hals haben“. Die machen Sie dann mit Ihren Kindern.
Jetzt ist nur noch die Frage, ob Sie die einzelnen Rätseln innerhalb von 5 Sekunden herausbekommen, oder ob Ihre Kinder schneller sind.

Dienstag

Heute haben
C.F.D.Schubart * 1739
William Morris * 1834
Dario Fo * 1926
Martin Walser * 1927
Peter Bichsel * 1935
Geburtstag
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Robert Macfarlane: „Karte der Wildnis“
Herausgegeben von Judith Schalansky
Aus dem Englischen von Andreas Jandl und Frank Sievers
Matthes&Seitz Verlag € 34,00

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Wie es ist, in den Wald zu gehen und auf einen Lieblingsbaum zuklettern, den man schon in der Kindheit kannte? Wie es sich anfühlt, dort oben auf die anderen Bäume herunterzuschauen und zu sehen, wie die Äste sich im Wind, hier sogar Sturm, wiegen. Damit beginnt der Autor seinen Essay-Roman, der im Englischen 2007 herauskam und mit zahlreichen Preisen überschüttet worden ist. W.G.Sebald hätte an dieser Art von Literatur seine große Freude. Die Sprache fließt wie ein großes Gedicht und nimmt uns mit in die Wildnis. Aber wo ist heute noch Wildnis? Unberührte Natur in England vor ca. zehn Jahren? Gar nicht so einfach zu finden. Oder vielleicht doch? Sind es nicht einfach auch nur die Ecken um’s Haus. Der Hinterhof, oder das Tal ein paar Kilometer weit entfernt? Gestern erzählte mir mein Nachbar beim Geburtstagsbier, dass er beim erstmaligen Übertritt der Grenze von der DDR in die BRD vom Grenzer einen Autoatlas ins Auto geworfen bekommen habe. Jedes Auto. Und das war nicht das einzig Verwunderliche. Auf dem Autoatlas waren die BRD, Österreich und die Schweiz zu sehen und nicht nur weisses Niemandsland, wie bisher in seinem Leben. Statt Wildnis also aufgezeichnete Straßen und Städte, Bahnlinien und Küsten. McFarlane sucht diese weissen Flecken und beginnt seine Reise ganz in der Nähe, zieht weiter zu Freunden und Bekannte, die ihm im Norden von England, auf Inseln Unberührtes empfehlen, zeigen, ihn dort hinführen. Und umso mehr er dorthinreist, die Gegenden abwandert, wandelt sich dieses Buch zu eine Reise ins Innere, in die Zeit und aus einem kleinen Flecken wird eine Philosophie des Lebens. Wobei ich wieder bei Sebald bin, der in seinen Erzählungen Biografien aufgreift, aufschreibt und uns einen riesigen Kosmos präsentiert, der Ort und Zeit zu sprengen scheint.
McFarlane zitiert aus einem Brief eines US-amerikanischen Historikers, der 1960 an einen Beamten schrieb, wie wichtig die Wildnis ist. Eine wilde Gegend sei bei Weitem mehr wert, als sich in der Kosten-Nutzen-Rechnung ihre ökonomischen Erholungswertes oder ihre Reichtums an Bodenschätzen errechnen ließe. Wir brauchen die Wildnis, so der Historiker weiter, weil sie uns an eine Natur erinnert, die außerhalb des Menschen liegt. Wälder, Ebenen, Prärien, Wüsten, Berge: Diese Landschaften zu erleben kann dem Menschen eine Ahnung von Größe geben, die über ihn hinausgeht und die wir in gewisser Weise verloren haben.
Am Ende entsteht diese Karte der Wildnis, die im Englischen: „The Wild Places“ heisst. Keine reale Karte, sondern eine Karte im Kopf von jedem von uns, auf der wir erkennen, wie nahe die Fremde und wie wild unsere Städte sind. Wir müssen es nur zulassen und die Wildnis nicht vergessen.
Vergessen sollten wir auch nicht, wie schön dieses Buch gestaltet ist. Die Naturkunden-Reihe, gestaltet von Judith Schalansky, zeigt sich hier wieder von seiner schönsten Seite und die Karte der Wildnis sticht aus dem Einheitsbrei der schnell produzierten Bücher wie ein großer Baum hervor.

Robert Macfarlane, geboren 1976 in Nottinghamshire, studierte Literaturwissenschaft in Cambridge, und begann schon als Kind mit dem Bergsteigen. Sein erstes Buch Mountains of the Mind (2003) erhielt zahlreiche Preise, darunter den Somerset Maugham Award. Nach einer wissenschaftlichen Arbeit über Plagiate im 19. Jahrhundert veröffentlichte er 2007 Karte der Wildnis. Es wurde von Kritik und Publikum gefeiert und zur Grundlage einer BBC-Dokumentation. 2012 erschien die Fortsetzung Old Ways. 2011 wurde Macfarlane, der auch als Essayist und Kritiker für den Guardian tätig ist, zum Mitglied der Royal Society of Literature ernannt.

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Nicht vergessen. Zwei Veranstaltungen, die wir in den nächsten Tagen in unserer Buchhandlung haben.

Freitag, 27.März um 19 Uhr
Thomas Thiel: Als Militärpfarrer in Afghanistan

Dienstag, 31.März um 19 Uhr
Literalotto
Spass und Literatur mit Florian Arnold und Rasmus Schöll