Freitag, 26.Februar

Heute haben
Victor Hugo * 1802
Hermann Lenz * 1913
Elizabeth George * 1949
Leon de Winter * 1954
Michel Houellebecq * 1958
Atiq Rahimi * 1962
Geburtstag
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Klabund
Selbstvergessenheit

Der Strom – floß,
Der Mond vergoß,
Der Mond vergaß sein Licht – und ich vergaß
Mich selbst, als ich so saß
Beim Weine.
Die Vögel waren weit,
Das Leid war weit,
Und Menschen gab es keine
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Gestern ausgepackt:


Jahrbuch der Lyrik 2021
Herausgegeben von Christoph Buchwald & Carolin Callies
Schöffling Verlag € 22,00, 264 Seiten

Seit über 40 Jahren erscheint das „Jahrbuch der Lyrik“, in dem von SchriftstellerInnen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz aktuelle Texte zu finden sind. In dieser Ausgabe ist Carolin Callies mit dabei, die selber erfolgreich Lyrik veröffentlicht.
Gemeinsam mit Christoph Buchwald hat sie aus den eingesandten Texten von über 600 Lyrikerinnen und Lyrikern, jungen und alten, bekannten und unbekannten, die besten Gedichte ausgewählt und in thematischen Kapiteln zusammengestellt.
So ist wieder eine einzigartige Zusammenstellung enstanden, in der wir vieles entdecken können. Texte, die zum Teil hochaktuell mit unserer Pandemie umgehen und das Verhältnis Mensch-Natur bearbeitet haben

Leseprobe

Freitag, 5.Februar

Heute haben
Joris-Karl Huysmans * 1848
George Saiko * 1892
Henriette Hardenberg * 1894
William Burroughs * 1914
Richard Yates * 1926
Sandra Paretti * 1935
Inka Parei * 1967
Terézia Mora * 1971
Geburtstag
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Johann Wolfgang Goethe
Ein großer Teich war zugefroren

Ein großer Teich war zugefroren;
Die Fröschlein in der Tiefe verloren,
Durften nicht ferner quaken noch springen,
Versprachen sich aber, im halben Traum,
Fänden sie nur da oben Raum,
Wie Nachtigallen wollten sie singen.
Der Tauwind kam, das Eis zerschmolz,
Nun ruderten sie und landeten stolz
Und saßen am Ufer weit und breit
Und quakten wie vor alter Zeit.
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Neue Taschenbücher, frisch ausgepackt:

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Susanne Link empfiehlt:


Mirko Bonne: „Seeland Schneeland
Schöffling Verlag € 24,00

Lange habe ich gewartet auf Mirko Bonnes neuesten Roman und es hat sich gelohnt.
Ein langes freies Wochenende ist gefüllt mit dieser prall erzählten Geschichte, die im Februar/März 1921 spielt.
Eine junge Waliserin, die nach Amerika auswandern möchte und recht spontan ihre Heimatstadt Newport („wir sagen Casnewydd“) verlässt. Ein junger Mann, der mit der Shackleton im Eis war. Ein amerikanischer Millionär, der ohne Gin nicht leben/überleben kann Ein ehemals deutsches Schiff und ein gigantischer Schneesturm sind die Protagonisten dieser mitreißenden und doch oft stillen Geschichte, die mich an die Hand genommen hat und mir das Leben vor fast genau einhundert Jahren aufzeigt. So verzweifelt und leer es auch zu sein scheint, es geht weiter und bleibt doch offen.
Absolut lesenswert.

Leseprobe

Dienstag, 28.Januar

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Heute haben
Colette * 1873
Hermann Kesten * 1900
Hermann Peter Piwitt * 1935
David Lodge * 1935
Anselm Glück * 1950
Arnuldur Indridason * 1961
Geburtstag
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Kuechenmeister-Nadja-Unter-dem-Wachholder

Nadja Küchenmeister: „Unter dem Wacholder“
Gedichte
Schöffling Verlag € 18,95

Am Samstag fiel mir in der Buchhandlung dieser Lyrikband in die Hände. Er ist keine Neuheit. Erste Auflage 2014. Kaum habe ich angefangen zu blättern und zu lesen, war ich gefesselt. Nadja Küchenmeister hat in ihren Gedichten einen Ton, der mich berührt, der mich trifft. Ihre Texte lassen kleine Momente des Glücks, der Sehnsucht und der Trauer aufkommen. Sie ist auf der Suche nach dem, was ihr Leben ausmacht, nach dem, was sie/man nicht greifen, aber vielleicht begreifen kann, auch wenn die Situation schon längst vorbei ist.
Im Kopf entsteht eine Melodie, was vielleicht damit zu tun hat, dass sie Kleinschreibung benutzt und die Texte über die Zeilenumbrüche hinweg zu lesen sind. Bei ihren längeren Gedichten entstehen dadurch kleine Romane, Träume, Filmsequenzen.
Eine Wohltat dieses Buch in unserer verrückten Welt.

die blumen des bösen

nur ein schneerest, der noch leuchtet.
die reihe laternen kann nicht erhellen
was unter den füßen an boden verschwimmt.

wir sind erschöpft und kaum zu sehen
und hängen einander am arm, stumm verzagt.
es führen wohl wege von hier in die irre.

wir hören davon. wir fragen nicht nach. so
schmilzt auch die wolke im nächtlichen himmel
und was wir uns sagen, da blüht schon der tag.


nur damit du bescheid weisst

ich habe das handtuch genommen
das im badezimmer hing. du wolltest
es sicher in die wäsche tun. verzeih mir
es war herrlich, so feucht und so kühl.


müde wie ich

die tür stand offen: füsse badeten im licht, das bei den
knien langsam auslief, die oberschenkel kaum mehr
streifte und müde war, müde wie ich. der himmel klar

die luft so frisch: satt vom sommer. noch nicht herbst
was wundernahm, besah man die finger, die rau und
ineinander verflochten, müde waren, müde wie ich

jeder schritt ein schritt zurück: tiere brachen aus
dem laub, während auch diese stunde verstrich, nun, da
man blumen niederlegte, die müde waren, müde wie ich.

Nadja Küchenmeister, geboren 1981 in Berlin, lebt dort. Sie studierte Germanisitik und Soziologie an der Technischen Universität in Berlin sowie am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Diverse Lehrtätigkeiten, u.a. am Deutschen Literaturinstitut sowie an der Kunsthochschule für Medien in Köln. Für den Rundfunk schreibt sie Hörspiele, Features und Rezensionen. Ihre Gedichtbände wurden vielfach ausgezeichnet.