Dienstag, 14.Mai

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Heute haben
Arthur Schnitzler *1862
Katherine Anne Porter * 1890
Max Frisch * 1911
Michael Lentz * 1964
Judith Hermann * 1970
Geburtstag
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Arthur Schnitzler
Wie wir so still …

Wie wir so still an einem Tische saßen,
Als hätten wir uns früher nie gesehn,
Und ganz geruhig unsern Spargel aßen,
Als wäre gar nichts zwischen uns geschehn,

Und wie sie mir – als wenn ich es nicht wüßte! –
Im Flüsterton erzählten, wer du bist,
Und ich zum Abschied dir das Händchen küßte,
Als hätt‘ ich deinen Nacken nie geküßt ..!
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Ich und meine Mutter von Vivian Gornick

Vivian Gornick: „Ich und meine Mutter“
Aus dem Englischen von pociao
Penguin Verlag € 20,00

Vivian Gornick wurde 1935 in der New Yorker Bronx als Kind jüdischer Einwanderer geboren. 1987 erschien dieser Roman in den USA. Jetzt, über 30 Jahre später, gibt es endlich eine deutsche Übersetzung. Aktueller könnte es gar nicht sein. Der Roman passt in unsere Zeit, in der Bücher von Didier Eribon und Annie Ernaux große Erfolge feiern. Freichlich  ist es schon verwunderlich, dass es das Buch nicht schon lange in diversen Auflagen hier zu lesen gibt.

Vivian Gornick beschreibt auf mehreren Ebenen, was es heisst als jüdisches Mädchen in einem Wohnhaus aufzuwachsen, in dem gewaltätige Männer und frustierte Frauen verschiednester Nationalitäten wohnen. Die jüdische Religion bestimmt den Alltag und ein entkommen aus dieser Enge fast unmöglich. Und gäbe es nicht den Zusammenhalt der Frauen, sähe es noch schlimmer aus. Gornick schreibt über ihr Heranwachsen, ihre sich entwickelnde Sexualität und ihre Emanzipation hin zu einem kämpferischen Feminismus. Parallel dazu begibt sie sich auf viele Spaziergänge mit ihrer alten Mutter durch Teile von Manhattan. Hier erfährt die Autorin vieles, was ihr als Kind verborgen geblieben ist. Die beiden unterschiedlichen Lebensentwürfe bleiben auch Jahrzehnte später unvereinbar. Und doch merkt die erwachsene Tochte, wie ähnlich sie in manchen Dingen ihrer eigenwilligen, zum Vergessen neigenden Mutter ist.

„Ich und meine Mutter“ ist ein starker, direkter, brutal offener Lebensrückblick.

Interview in der ZEIT

Leseprobe
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Mittwoch, 15.Mai ab 19 Uhr
Das Theater Ulm zu Besuch: Wortreich
IM DICKICHT DER STADT – LITERATUR AUS BERLINS ASPHALTDSCHUNGEL

Eintritt € 8,00. Bei uns in der Buchhandlung.

Die Gesellschaft im Umbruch und die Künste auf der Suche nach einer Sprache für die chaotischen Zeitläufte: Viele Dichter wählten die Großstadt Berlin als (Zerr-)Spiegel und Brennglas ihrer Beobachtungen: Mit Georg Kaiser und seinem Stück »Von morgens bis mitternachts« steht einer der bedeutenden Wegbereiter von Expressionismus und Neuer Sachlichkeit in der Literatur der 1910er- und 20er-Jahre auf dem Spielplan des Theaters. »Wort-Reich« bringt Werke dichtender Zeitgenossen zu Gehör, die in ihren Erzählungen, Gedichten und Romanen ebenfalls das Dickicht der Stadt durchqueren und die Lebenswirklichkeit ausdrucksstark abbilden – von Gottfried Benn und Else Lasker-Schüler bis Alfred Döblin und Hans Fallada.

Donnerstag, 14.Juni

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Heute haben
Arthur Schnitzler *1862
Katherine Anne Porter * 1890
Max Frisch * 1911
Michael Lentz * 1964
Judith Hermann * 1970
Geburtstag
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Weltgeschichte ist eine Verschwörung der Diplomaten gegen den gesunden Menschenverstand.

Arthur Schnitzler
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Peter Stangel & Cornelia von Seidlein:
Was macht das Horn im Wald?
Die Instrumente stellen sich vor
Midas Verlag € 18,90

»Was macht das Horn im Wald?« ist Bilderbuch, Hörbuch und (Vor-)Lesebuch in einem; und das für alle Altersstufen. Schon im Kindergarten kann damit gearbeitet werden und wer selbst reinspickeln, können wir auch noch etwas lernen. Peter Stangel, Autor und Dirigent aus München, stellt die zwanzig wichtigsten Instrumente eines Sinfonie-orchesters vor und Cornelia von Seidlein illustriert brav aber treffend Spieler und Instrumente.
So erfahren wir, dass Trompeten bei Soldaten für Kommados benutzt worden sind und aus Mundstück, Rohr, Ventilen und Schallbecher bestehen. Es wird uns auch erklärt, warum das Horn Horn heisst, wo es doch aus Metall hergestellt ist. Früher bestand das Intrument tatsächlich aus Stierhörnern und wurde u.a. bei der Jagd benutzt, um den Jägern u.a. mitzuteilen, wo ein Fuchs gesehen worden ist und ob der Hirsch erlegt ist.
Bei der Geige gibt es eine Schnecke und Wirbel. Wo? Na, das steht im Buch. Auch wird erklärt, warum die Öffnungen in der Geige, F-Löcher heissen.
Pizzicato heisst kneifen. Aber was bedeutet das bei der Geige, oder den anderen Streichinstrumenten?
Und welches Orchesterinstrument hat eine Säule? Natürlich das, das auch über Pedale verfügt. Erraten? Lösung auf Seite 48.
Der Dirigent darf nicht fehlen. Zusätzlich gibt es alle Instrumente mit ihren Spielern als Poster zum Aufhängen und eine CD, auf der wir jedes vorgestellte Instrument hören können. Verbunden mit einem Ausschnitt aus einem bekannten Musikstück, wie zum Beispiel „Der Elefant“ aus dem „Karneval der Tiere“ von Camille Saint-Saens.

Wer ein solches Plakat haben will, kann sich melden. Wir haben ein paar vom Verlag dazugelegt bekommen.
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Anja Kampmann liest am Montag, den 18.Juni ab 19 Uhr bei uns in der Buchhandlung. Hinter dem untenstehenden Link versteckt sich ein Interview mit der Autorin auf der Leipziger Buchmesse zu ihrem Buch: „Wie hoch die Wasser steigen„, das auf der Shortlist zum Leipziger Buchpreis stand.

https://www.zdf.de/kultur/filme-dokus-kabarett/anja-kampmann-am-3sat-stand-100.html

Dienstag

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Wenn Bücher schlafen
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Heute haben
Karoline von Günderode * 1780
Else Lasker-Schüler * 1869
Georg Hirschfeld * 1873
Irène Némirovsky * 1903
Maryse Condé * 1937
Frank Schulz * 1957
Geburtstag
und es ist der Todestag von
Sylvia Plath + 1963
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Karoline von Günderode
Liebe

O reiche Armuth! Gebend, seliges Empfangen!
In Zagheit Muth! in Freiheit doch gefangen.
In Stummheit Sprache,
Schüchtern bei Tage
Siegend mit zaghaftem Bangen.
Lebendiger Tod, im Einen sel’ges Leben
Schwelgend in Noth, im Widerstand ergeben,
Genießend schmachtend,
Nie satt betrachten
Leben im Traum und doppelt Leben.


Liebst du das Dunkel

Liebst du das Dunkel
Tauigter Nächte?
Graut dir der Morgen,
Starrst du ins Spätrot,
Seufzest beim Mahle,
Stößest den Becher
Weg von den Lippen?
Liebst du nicht Jagdlust,
Reizet dich Ruhm nicht,
Schlachtgetümmel?
Welken die Blumen
Schneller am Busen,
Drängt sich das Blut dir
Pochend zum Herzen?


Zwei Augen wie Sterne

Zwei Augen wie Sterne
Die sähen so gerne
Das wonnige Licht,
Und dürfen es nicht;
Die hellen Karfunklen
Die könnten verdunklen
Das sonnige Licht,
Und dürfen es nicht.
O Liebesverlangen!
In Kerker gefangen,
Sind die Augen so minniglich,
Die Lippen so wonniglich,
Die Worte die milden,
Die Locken so gülden,
Es bricht mir das Herz
Vor Leidmuth und Schmerz.
Ich sehe bis an den Tod
Die Lippen rosinroth
Und sollt ich nimmer genesen,
Dächt ich doch an ihr minniglich Wesen,
An ihr Blicken so mild,
An das schönste Frauenbild,
Und sollt ich Schmach und Tod erwerben
Das Mägdlein minnt ich und sollt ich sterben.
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kandel

Eric Kandel: „Das Zeitalter der Erkenntnis
Die Erforschung des Unbewussten in Kunst, Geist und Gehirn von der Wiener Moderne bis heute
Aus dem Englischen von Martina Wiese
Mit zahlreichen farbigen Abbildungen
Siedler Verlag € 39,99

Eric Kandel, der den Nobelpreis für Medizin erhalten hat, nimmt uns mit diesem Buch mit nach Wien um 1900. Dieses Gemisch von Naturwissenschaft, Medizin und Kunst (Malerei, Musik, Literatur) setzte eine Revolution in Gang, die den Blick auf den menschlichen Geist und seine Beziehung zur Kunst für immer verändern sollte. Siegmund Freud, Gustav Klimt, Arthur Schnitzler sind nur Beispiele dafür, wie vernetzt das damalige Wien mit seiner bedeutendsten Universiät war. Sie kannten sich, haben zum Teil mit einander gearbeitet, sich aneinander gerieben und sich gegenseitig befruchtet. Das war wir vielleicht heute mit dem schnellen Zugang an Informationen im Netz haben, ist dort auf kleinstem Raum geschehen. So setzte Klimt Maßstäbe mit seinen neuen Bildern. Aber auch Mahler, der einen Weg fand weg von Beethoven und Co. Und Arthur Schnitzles „Frl.Else“ zeigt uns sehr eindringlich das Innenleben einer traumatisierten jungen Frau bis zum tragischen Ende.
Eric Kandel musste als Wiener Jude aus der Stadt fliehen, ging in die USA und arbeitet an der Columbia Universität in New York City. Er hat diesen Weg nach Wien nicht nur in seinem Buch gemacht, sondern ging tatsächlich zurück und besuchte die Stätten seiner Jugend. Darüber gibt es einen Film, der mir, genauso wie das Buch, von vielen Seiten empfohlen wird. Leider ist es so, dass immer wenn ich Lust und Zeit zum Schauen hätte, ein Kunde mir den Film wegschnappt. So auch gestern. Also gedulde ich mich noch ein wenig.
Aber zurück zum Buch.
Der erste Teil des Buch ist mit dem Titel: „Eine psychoanalytische Psychologie und Kunst der unbewussten Gefühle“ überschrieben und zeigt, dass das emporstrebende Wien sich zu einem Sammelbecken verschiedenster besonderer Menschen wurde. Es entstand auch ein enorme jüdische Gemeinde, die fast 10 % der Bevölkerung ausmachte. Dennoch war Wien klein mit seinen zwei Millionen Einwohnern. Man traf sich in Salons, in Zirkeln, saß eng aufeinander. Und so war ein Eintausch der Normalfall. Die Medizin war der Vorreiter dieser Revolution, so schreibt Kandel. Die Erforschung des Inneren nahm nun wissenschaftliche Züge an und Klimt und Schiele interessierten sich sehr dafür und nahmen an vielen Obduktionen teil, um mehr über den Körper zu sehen. Es ging also nicht nur um das Äußere in der Kunst, um das Porträt einer bedeutenden Person, seine Darstellung im öffentlichen Leben, sondern gleichzeitig auch um das Inneleben der Person. In der Kunst, war Monents Bild („Frühstück im Grünen“) mit den beiden angezogenen Männern und der nackten Frau, während sie im Park auf einer Decke essen und reden, laut Kandel der erste Schritt in diese Richtung. Die Musik ging weiter den Weg in die Zwölftonmusik und die Literatur fand den Weg zur Beschreibung des Innenlebens. Genauso wie Ibsens Nora oder Hedda, zwei Frauen, der Inneres sich nach aussen stülpt und nur in der Katastrophe enden kann. Nora muss heraus aus dem Puppenhaus, sie erträgt die Enge nicht mehr und wird zur Möderin ihres Ehemanns. Anders Hedda, die sich selbst umbringt.
Die Verknüpfung von Erotik, Aggression und Angst in der Kunst ist ein weiteres Kapitel in Kandels Buch und das sehen wir nicht nur bei Ibsen, sondern auch in vielen Abbildungen und Darstellungen im hier vorgestellten Buch.
Kandel geht dann weiter in der Neurowissenschaft, zeigt uns, wie unser Hirn funktioniert und passiert, wenn wir mit Kunst konfrontiert werden, wenn wir mit Kunst zu tun haben.
Ich habe die ersten 250 Seiten gelesen. Die in einem Rutsch, weil Kandel so flüssig schreibt, dass ich nicht mehr weggekommen bin. Dieser Blick auf das Wien dieser Zeit hat mich animiert, die Romane von Schnitzler nochmals herauszukramen. Das mit den Ibsen-Theaterstücken passte gerade richtig dazu. Den Rest des Buch hebe ich mir für später auf, die die Neuheiten für das Frühjahr sich lauthals zu Wort melden und drängelig auf dem Tisch aufs Gelesenwerden warten.

Leseprobe

Ein halbstündiges Interview mit Eric Kandel