Mittwoch, 18.Januar


Heute haben
Franz Blei * 1871
Arno Schmidt * 1914
Peter Stamm * 1963
Geburtstag
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„Was soll ich in New York – ich war schon zweimal in Hannover.“
Arno Schmidt
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Heute wird Peter Stamm 60 Jahre alt.


Peter Stamm: “ In einer dunkelblauen Stunde
S.Fischer Verlag

Ein großer Almauftrieb für den Schweizer Autor. Und das ist gut so.
Seit Jahren begleitet er uns in der Bücherwelt, bei Veranstaltungen und als Schullektüre.
Heute wird er also 60 Jahre alt und ein Filmteam hat ihn über einen längeren Zeitraum, bei der Entstehung seines neuen Romanes, begleitet.
Peter Stamm nutzt die Gelegenheit und vermischt Realität und Fiktion. Er baut genau dies in seinen Roman ein und lässt die junge Dokumentationsfilmerin Andrea auf den Schriftsteller Richard Wechsler (allein schon der Name) los. Ein gekonntes Verwirrspiel, wie wir es vonPeter Stamm kennen, beginnt und der Autor geht damit sehr spielerisch um. Also keine Nabelschau, keine Selbstbespiegelung, sondern eine Weiterführung des gegebenen Zustandes, in der er die Dokumentarfilmerin immer wieder in die Irre führt, Fallstricke auslegt und Vieles im Unklaren lässt.
Eine gekonnt gute Unterhaltung, wie wir es von Peter Stamm kennen und dieses Mal mit viel Humor locker unterfüttert.

Gratulation, lieber Peter Stamm, zu dem neuen Roman, zu den 60 Jahren und alles Gute, nicht nur für das neue Lebensjahr.
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Wärmerekord in der Nordsee gemessen
Der vergangene Sommer war für die Nordsee laut dem Bundesamt für Seeschifffahrt der heißeste seit 25 Jahren. Auch die Zahl der Sturmfluten bezeichnete das Amt in seinem Jahresrückblick als“ungewöhnlich hoch“.
Für die Nordsee war der vergangene Sommer der wärmste seit 1997. Die Oberflächentemperaturen lagen insgesamt mehr als ein Grad über dem langjährigen Mittel, die der Ostsee großflächig sogar 1,5 Grad, wie das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Hamburg mitteilte.
– Hitzewellen in Nord- und Ostsee
– Sturmfluten haben zugenommen

Der komplette Artikel auf tagesschau.de

Donnerstag, 12.Januar


Heute haben
Charles Perrault * 1628
Johann Heinrich Pestalozzi * 1746
Jakob Michael Reinhold Lenz * 1751
Jack London * 1876
Daniil Charms * 1905
Alice Miller * 1923
Haruki Murakami * 1949
David Mitchell * 1969
Geburtstag
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Jakob Michael Reinhold Lenz
Gute Laune

Gute Laune, Lieb und Lachen
Soll mich hier
Unaufhörlich glücklich machen,
Und die ganze Welt mit mir.
Auf dem Sammt der Rosen wiegen
Sich die Weisen nur allein.
Liebe? ist sie nicht Vergnügen?
Nur die Treue macht die Pein.
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Unser Tip:


Julia Voss: „Hilma af Klint“
S.Fischer Verlag € 32,00

„Jenseits des Sichtbaren“
Hilma af Klint

Regie: Halina Dyrschka
DVD 2020 € 17,99

Die Kunstgeschichte muss umgeschrieben werden. Diese Äußerung fiel vor ein paar Jahren, als KunstgeschichtlerInnen die schwedische Malerin Hilma af Klint (1862-1944) entdeckten. Aus allen Wolken sei sie gefallen, sagt Julia Voss, dass sie während ihres Kunstgeschichte-Studiums nie diesen Namen gehört hat. Über 1.500 abstrakte Bilder hinterließ die Künstlerin und sie war es, die vor Kandinsky abstrakt malte. Doch niemand nahm dies war. Kunst war und ist immer noch eine Domäne der Männer.
Die außergewöhnliche Gedankenwelt der Hilma af Klint reicht dabei von Biologie und Astronomie über Theosophie bis hin zur Relativitätstheorie und umspannt einen faszinierenden Kosmos aus einzigartigen Bildern und Notizen.
Vor zwei Jahren erschien bei S.Fischer die Biografie von Julia Voss und jetzt gibt es einen Dokumentarfilm auf DVD.

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Abfahrt am Bahnhof Ulm um 4:47

Mittwoch, 4.Januar


Heute haben
Jakob Grimm * 1785
Gao Cingijan * 1940
Geburtstag
und es ist der Todestag von
Henri Bergson, Albert Camus, T.S.Eliot, Christopher Isherwood und Aharon Appelfeldt.
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T.S.Eliot (1888-1965)
Morning at the Window


They are rattling breakfast plates in basement kitchens,
And along the trampled edges of the street
I am aware of the damp souls of housemaids
Sprouting despondently at area gates.

The brown waves of fog toss up to me
Twisted faces from the bottom of the street,
And tear from a passer-by with muddy skirts
An aimless smile that hovers in the air
And vanishes along the level of the roofs.
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Unser Buchtipp:


Marilynne Robinson: „Jack
Aus dem Amerikanischen von Uda Strätling
S.Fischer Verlag € 26,00
Amerikanisches TB € 13,90

Die 80jährige US-amerikanische Autorin Marilynne Robinson schreibt ihre „Gilead“-Trilogie weiter.
Gilead, ein biblisches Land aus dem Alten Testament und eine fiktive Stadt in den USA ist der Ort, aus dem sie ihre Geschichten schreibt. So wie Sherwood Anderson, William Faulkner und auch Elizabeth Strout sammelt die Autorin ihre Figuren an diesem Ort, der sie dann auch nicht mehr loslässt. Angelegt als Trilogie, ausgezeichnet mit dem Pulitzer Preis, taucht Jack wieder auf, der schon in einem Vorgängerroman eine Rolle spielt. Dieser Vorgänger spielt allerdings nach diesem aktuellen.
Jack ein Herumtreiber, ein Gefallener, ein Verstoßener. Sein Vater ist Priester und er ist weiß.
Er stolpert über Della Miles, eine engagierte schwarze Lehrerin, und es entsteht eine Liebesgeschichte der besonderen Art. Denn in Gilead in Iowa der 50er Jahre herrscht der alltägliche Rassismus.
Marilynne Robinson erzählt wieder ein weiteres Stück amerikanische Geschichte. Nicht aus den Metropolen heraus, sondern aus einer Kleinstadt im Irgendwo. Sie schreibt über die Sehnsüchte und Hoffnungen der beiden Protagonisten, über die Schranken und Stolpersteine in den Familien und in der Gesellschaft und über den Begriff Heimat und Zuhause.

Leseprobe
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Gestern auf tagesschau.de

Von Leila Boucheligua, Nina Kunze und Lena Schmidt, SWR

Erreger aus Permafrostboden

Es ist nicht der Yeti, der tief im Eis als Gefahr lauert. Einem internationalen Forschungsteam gelang es, Viren, die jahrtausendelang vom Permafrost konserviert waren, zu reaktivieren. Ihre Untersuchungsergebnisse zu sogenannten „Zombieviren“ veröffentlichten sie vor Kurzem in einer Preprint-Studie. Das Team um Jean-Marie Alempic von der Universität Marseille hatte bereits 2014 und 2015 zwei funktionsfähige Viren im Permafrostboden entdeckt. Nun veröffentlichten die Wissenschaftler ihren Forschungsstand zu 13 weiteren, bislang unbekannten Viren aus dem Eis.
Doch wie kann es sein, dass Viren, die seit prähistorischen Zeiten inaktiv waren, mehrere tausend Jahre später wieder aktiv werden? Permafrostböden sind wie eine natürliche Kühltruhe, erklärt Guido Grosse, Leiter der Sektion Permafrostforschung am Alfred-Wegener-Institut. Er war daran beteiligt, die Bodenproben aus Sibirien zu gewinnen, die nun in Marseille untersucht wurden.
Viele der arktischen Eisschichten bestehen schon seit der letzten Eiszeit. In einigen Regionen könne man sogar noch Überreste von Mammuts finden, erläutert Grosse: nicht nur Knochen, sondern auch konservierte Haare, Fleisch und Blut. Im Gegensatz zu tropischen oder gemäßigten Klimazonen wird das organische Material im gefrorenen Boden nicht zersetzt. Bakterien, die für den Verfallsprozess sorgen, werden erst aktiv, wenn der Permafrost taut.

Den ganzen Artikel finden Sie hier.

Donnerstag, 27.Oktober

Heute haben
Rudolf Leonhard * 1889
Dylan Thomas * 1916
Kasimierz Brandys * 1916
Sylvia Plath * 1932
Gerd Brandenberg * 1941
Zadie Smith * 1975
Geburtstag
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Eduard Mörike
Früh im Wagen

Es graut vom Morgenreif
In Dämmerung das Feld,
Da schon ein blasser Streif
Den fernen Ost erhellt;

Man sieht im Lichte bald
Den Morgenstern vergehn,
Und doch am Fichtenwald
Den vollen Mond noch stehn:

So ist mein scheuer Blick,
Den schon die Ferne drängt,
Noch in das Schmerzensglück
Der Abendnacht versenkt.

Dein blaues Auge steht,
Ein dunkler See vor mir,
Dein Kuss, dein Hauch umweht,
Dein Flüstern mich noch hier.

An deinem Hals begräbt
Sich weinend mein Gesicht,
Und Purpurschwärze webt
Mir vor dem Auge dicht.

Die Sonne kommt; – sie scheucht
den Traum hinweg im Nu,
Und von den Bergen streicht
Ein Schauer auf mich zu.
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Ab heute im Buchhandel:


Das Klima-Buch von Greta Thunberg
Übersetzt von Michael Bischoff, Ulrike Bischoff
S.Fischer Verlag € 36,00

Greta Thunberg hat ihr Klima-Buch in Zusammenarbeit mit über hundert Wissenschaftler:innen aus Geophysik, Mathematik, Ozeanographie, Meteorologie, Ökonomie, Psychologie und Philosophie zusammengestellt. Außerdem erzählt sie von ihren eigenen Erfahrungen, die sie sammeln konnte. Davon, wie sie das weltweit praktizierte Greenwashing aufgedeckt und somit gezeigt hat, wie sehr wir alle hinters Licht geführt wurden.
Was Greta Thunberg über Lügen und Greenwashing der Regierungen schreibt, können Sie im FREITAG diese Woche auf zwei Seiten nachlesen.

Auf über 500 Seiten durchgehend vierfarbig, mit zahlreichen Fotos, Schaubildern und Graphiken. 

Leseprobe

Dienstag, 20.September

Heute haben
Hedwig Dohm * 1831
Upton Sinclair * 1878
Joseph Breitbach * 1903
Hanss Cibulka * 1920
Adolf Endler * 1930
Paulus Böhmer * 1936
Javier Marías * 1951
Michael Wildenhain * 1958
Geburtstag
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„Gewiß, jeder hat das Recht, seine Meinung frei zu äußern; das Recht aber, diese Meinung mit der Wahrheit zu identifizieren und für den Andersdenkenden Scheiterhaufen zu errichten, das hat er nicht.“
Hedwig Dohm
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Extinction Rebellion in Berlin, 19.9.2022

Unser Buchtipp:


Jens Liljestrand: „Der Anfang von morgen
Aus dem Schwedischen von: Thorsten Alms, Karoline Hippe, Franziska Hüther, Stefanie Werner
S.Fischer Verlag € 24,00

Es brennt. Es brennt wie in Franziska Gänslers Roman „Ewig Sommer“, den wir vor ein paar Tagen hier vorgestellt haben. Die Wälder brennen und es wird danach viele Vermisste und Tote geben.
Jens Liljestrand will aber kein Weltuntergangsszenario beschreiben. Er will in seinem Buch die Blickrichtung auf die Menschen richten. Was machen Menschen in so einer Extremsituation? Wie verhalten sie sich? Wie reagieren sie auf andere Menschen in ihrem Umfeld? Liljestarnd lässt dabei vier Menschen zu Wort kommen, die auch von vier Personen übersetzt worden sind.
Da ist Didrik, der mit seiner Familie im Herzen Schweden in einer Waldhütte seinen Urlaub verbringt. Zu lange warten sie, bis sich entschließen, aufzubrechen. Dass dann das Auto, durch die Hitze, nicht mehr anspringt, macht die Situation noch gefährlicher. Daneben gibt es noch eine junge Influencerin, den Sohn einer Tennislegende und Didriks älteste Tochter Vilja, die am Ende des Romanes die Zügel in die Hand nimmt. Es sind die Jungen, die sich wehren, die kämpfen, die sich einsetzen und ihr Leben riskieren.

„Ich habe den Roman nicht geschrieben, damit Leute jetzt feststellen, dass es den Klimawandel gibt – das ist bekannt. Was mein Roman kann: helfen, die eigene Gefühlswelt auszudrücken – Verzweiflung oder Wut oder Trauer oder Resilienz. Das kann Kultur. Wir werden den Klimawandel nicht mit Kultur stoppen. Dafür brauchen wir Wissenschaft und Technologie. Aber Kultur lässt Menschen sich selbst und andere erkennen.“

„Der Anfang von morgen“ ist ein prallvoller Roman, über den ich noch seitenlang schreiben könnte, so viele Geschichten sind darin verwoben, in denen es um auch um Liebe und Betrug, politische Engagement und heftige Diskussionen geht.
Liljestrand möchte nicht erklären und physikalische Zusammenhänge aufdröseln. Er nimmt uns mittenhinein in ein mögliche Zukunft, die schon Wirklichkeit geworden ist. Wir hören es knistern und knacken, wir spüren die Hitze und das Brüllen der Feuersbrunst und meinen direkt neben den Personen zu stehen.

„Wenn Sie diesen Roman gelesen haben und mehr über den Klimawandel wissen wollen: Lesen Sie keine Romane. Informieren Sie sich lieber darüber, was Ihre Regierungen und Wissenschaftler dazu sagen.“

Leseprobe

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Heute abend um 19 Uhr bei uns in der Buchhandlung

Gérard Scappini: „Ankunft in der Fremde“
Lesung und Gespräch
Eintritt € 8,00

Man könnte Gérard Scappinis Roman „Ankunft in der Fremde“ lesen wie einen Zeitzeugenbericht. Wie sein Protagonist Pascal Napolitana stammt Scappini aus Toulon – und nachdem der Autor in den beiden Vorgängerbänden über Kindheit und Jugend Pascals in der südfranzösischen Stadt geschrieben hat, geht es nun ins Freiburg der Jahre 1966/67, wo der junge Mann, wie damals der Autor selbst, seinen 16-monatigen Militärdienst ableisten muss. In der Tasche hat er einen Gedichtband des Pazifisten Prévert, dafür keinen Schulabschluss, von Deutschland kennt er kaum mehr als „Goethe / Hitler / und Beckenbauer“.
Gérard Scappini wurde 1947 in Toulon geboren. 1966 kam er nach Freiburg, um seinen Militärdienst zu absolvieren und blieb danach in Deutschland. Er reiste viele Jahre als Verlagsvertreter durch den Buchhandel.

Donnerstag, 18.August

Heute haben
Elsa Morante * 1912
Alain Robbe-Grillet * 1922
Barbara Bronnen * 1938
Ulrich Woelk * 1960
Carolin Emcke * 1967
Geburtstag
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„Vielfalt und Differenz per se als eine Bedrohung zu begreifen, halte ich für eine erstaunlich schwächliche Selbstwahrnehmung.“
Carolin Emcke
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Unser Buchtipp:


Antje Rávik Strubel: „Es hört nie auf, dass man etwas sagen muss
Essays der Preisträgerin des Deutschen Buchpreises
S.Fischer Verlag € 24,00

Carolin Emcke hat heute Geburtstag und Antje Rávik Strubel, eine weitere kritische, kluge Stimme in Deutschland, hat einen Band mit Essays veröffentlicht. Dabei schaut sie uns und unserem Land genau auf die Finger, verknüpft die Gegenwart mit der Vergangenheit, beschäftigt sich u.a. mit Virginia Woolf, wie auch mit dem gendern in der Sprache und dem Verlust des „ß“.
Sprache ist für sie, als Schriftstellerin und Übersetzerin, sehr wichtig und sie sieht auch im Umgang mit ihr, wie sich unsere Gesellschaft verändert. Aber wir finden nicht nur Kritik an der Gegenwart, sondern auch einen Sprung in die Zukuft, in eine Utopie, die möglich sein kann, wobei ihr das Thema „Feminismus“ sehr am Herzen liegt.
Ein höchst interssante, differenzierte, kluge Mischung aus Reden und Essays.

Leseprobe

Dienstag, 10.Mai

Heute haben
Johann Peter Hebel * 1760
Friedrich Gerstäcker * 1816
Fritz von Unruh * 1885
Petra Hammesfahr * 19561
Ralf Rothmann * 1953
Geburtstag
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Johann Peter Hebel
Abendlied wenn man aus dem Wirtshaus geht

Jetzt schwingen wir den Hut.
Der Wein, der war so gut.
Der Kaiser trinkt Burgunder Wein,
Sein schönster Junker schenkt ihm ein,
Und schmeckt ihm doch nicht besser,
Nicht besser.
Der Wirt, der ist bezahlt,
Und keine Kreide malt
Den Namen an die Kammertür
Und hintendran die Schuldgebühr.
Der Gast darf wiederkommen,
Ja kommen.
Und wer sein Gläslein trinkt,
Ein lustig Liedlein singt
Im Frieden und mit Sittsamkeit
Und geht nach Haus zu rechter Zeit,
Der Gast darf wiederkehren,
Mit Ehren.
Des Wirts sein Töchterlein
Ist züchtig, schlank und fein,
Die Mutter hält’s in treuer Hut,
Und hat sie keins, das ist nicht gut,
Musst’ eins in Strassburg kaufen,
Ja kaufen.
Jetzt, Brüder, gute Nacht!
Der Mond am Himmel wacht;
Und wacht er nicht, so schläft er noch.
Wir finden Weg und Haustür doch
Und schlafen aus im Frieden,
Ja Frieden.
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Eine interessante Neuerscheinung:


Christian Uhle: „Wozu das alles?
Eine philosophische Reise zum Sinn des Lebens
S.Fischer Verlag € 26,00

Christian Uhle, Jahrgang 1988, ist Philosoph und berät dazu große Firmen, wie die BVG, die Deutsche Bahn, sogar das Bundesverkehrsministerium und betreute die Arte-Serie „Streetphilosophy“.
Der Titel zeigt direkt, worin es in diesem Buch geht. Ja, aber gibt es eine so einfache Erklärung für den Sinn des Lebens? Nein, sonst wäre er schon nach 30 Seiten fertig gewesen. Die meisten Menschen stehen im Laufe ihres Lebens vor Sinnfragen – bei Begegnungen mit dem Tod, dem Schicksal, in Krisenzeiten wie der Pandemie oder ganz handfest am Arbeitsplatz: Wozu das alles? Was ist wirklich wertvoll und macht ein gutes Leben aus?
Christian Uhle wandelt von alten Philosophen zu den Problemen der Gegenwart und Zukunft, zeigt die verschiedenen Arten und Ansichten von Sinn aus Sicht der Philosophie, Soziologie und Psychologie. Je nach Betrachtungsweise ergibt sich ein anderer. Und wenn er mich dann zu einem schlüssigen Punkt gebracht hat, fängt das neue Kapitel damit an, dass wir ja diesen einen Aspekt noch nicht betrachtet haben und schon ist es wieder Schluss mit einer einfachen Antwort.
Der Autor hat kein Wohlfühlbuch geschrieben, sondern regt zum Nachdenken an.
Herrlich, in diese philosophischen Ansätze einzutauchen und sich Zeit dafür zu nehmen.
Die braucht man nämlich auch dafür.

Leseprobe

rbb Kultur stellt den Autoren und sein Buch vor.
Hier geht es zum Bericht.
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Fast 650 Kilometer haben wir schon erstrampelt und wir sind erst bei der Hälfte des Zeitrahmens. Das Team „Jastram radelt“ hat Lust auf mehr.

Mittwoch, 23.Februar


Heute haben
Samuel Pepys * 1633
Wilhelm Grimm * 1786
Erich Kästner * 1899
Elisabth Langgässer * 1899
César Aira * 1949
Geburtstag
und es ist der Todestag von John Keats, der am 23.2.1821 in Rom gestorben ist.
Er liegt auf dem Nichtkatholischen Friedhof in Rom bei der Pyramide und auf seinem Grabstein stehen die weltberühmte Worte:
„Here lies One Whose Name was writ in Water“
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Winfried Hermann Bauer

Stumm
Liegt der See
Felsen frieren am Ufer
Eisschollen starren
Gen Himmel
Während die Sonne
Über den Horizont späht
Hineinhorcht
Und auf das Seufzen wartet
Im Eis
Auf mildes Wehen
Auf Bersten und Krachen
Auf tauende Kanten
Und der Welt
Erwachen
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Nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse 2022


Katerina Poladjan: „Zukunftsmusik
S.Fischer Verlag € 22,00

Ein auffälliger Buchumschlag, der zum Hingreifen anregt. (Es ist ein Motiv auf einer russischen Streichholzschachtel, wie Katerina Poladjan gestern auf einem Zoom-Abend des S.Fischer Verlages erzählte) Und das genau empfehle ich auch.
Katerina Poladjans neuer Roman erzählt nur von einem Tag in einer Kommunalwohnung im Osten der Sowjetunion. Es ist der 11.März 1985, im Radio läuft Trauermusik, da der Staats- und Parteichef Tschernenko am Vortag verstorben ist. Die Mitbewohner:innen wissen noch nicht, dass Gorbatschow der neue Vorsitzende wird und mit ihm eine neue Zeit beginnt.
Auf engem Raum wohnen die unterschiedlichsten Menschen und Familien in dieser umgebauten großbürgerlichen Wohnung. Dort, wo früher eine Familie wohnte, lebt nun in jedem Zimmer eine Familie, die sich die Küche, das Bad und die Toilette teilen.
In einem der Zimmer wohnen vier Generationen von Frauen.
Warwara, die Großmutter, ist Mitte 60 und arbeitet immer noch aushilfsweise als Hebamme in der städtischen Klinik. Maria ist 45 Jahre alt, lebt getrennt und arbeitet als Museumswärterin. Ihre 20-jährige Tochter Jalka ist seit einiger Zeit selbst Mutter. Sie arbeitet in einer Glühbirnenfabrik Fabrik im Schichtdienst. An diesem Abend möchte sie ein Küchenkonzert in der Kommunalka geben, in der Hoffnung, dadurch der Enge entfliehen zu können, da sich auch ein Musikmanager angekündigt hat. Und es gibt noch Jalkas kleine Tochter, die noch in den Kindergarten geht.
Katerina Poladjan erzählt mit viel Humor über diese Lebensgemeinschaft. Eigenwillige Mitbewohner:innen treffen sich in der Küche, in der immer etwas Unbekanntes auf dem Herd köchelt, in der ein Tisch zwei Zentimeter länger, als der andere ist und somit abgesägt werden soll. Es gibt verschlosssene Zimmer, Menschen, die nie jemand zu Gesicht bekommt.
Poladjan Sprache ist leicht, verspielt und trifft doch den Punkt genau, so dass wir uns sehr gut die Hoffnungen und die Hoffnungslosigkeit in diesem System, die Sehnsüchte und Verzweiflungen dieser Menschen vorstellen können.

Für mich eines der besten deutschsprachigen Bücher des Frühjahrs und zurecht auf der Shortlist für den Preis der Leipziger Buchmesse 2022 im Bereich Literatur.

Leseprobe

Montag, 3.Januar


Die aktuellen Corona-Bestimmungen schreiben vor:
2 G im Buchladen und das Tragen einer FFP2 Maske.
Bitte zeigen Sie uns Ihren digitalen Impfausweis und Ihre Identkarte.
Danke!!!
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Am Samstag, den 8.Januar haben wir ganztätig wegen Inventur geschlossen.
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Heute haben
J.R.R.Tolkien * 1892
Maxie Wander * 1933
Geburtstag
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Ein neuer Tag, eine neue Woche, ein neuer Monat, ein neues Jahr
Anke Raums Küken freuen sich darauf.

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Lessie Sachs (1896-1942)
Ich möchte leise sein

Ich richte meine Sehnsucht an ein unbekanntes Ziel.
Und manchmal ist der Klang von einem Lied,
Das sanft vorüberstreicht, und dann entflieht,
Mir schon zuviel.

Ich möchte leise sein; da war ein Ziel, das mir entfiel.
Man sehnt sich … Doch die süsse Stille sieht
Mich zärtlich an, die nun mich einbezieht,
In Traum und Spiel.
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Katerina Poladjan: „Zukunftsmusik
S.Fischer Verlag € 22,00

Anna Yeliz Schentke: „Kangal
S.Fischer Verlag € 21,00

Fatma Aydemir: „Dschinns
Hanser Verlag € 24,00

Freuen Sie sich auf diese drei Neuerscheinungen, die demnächst, bzw. im März, erscheinen.
Drei junge deutschprachige Autorinnen erzählen von ihren Ländern, in denen ihre Eltern gelebt haben, in denen sie selbst aufgewachsen sind.
Die Romane geben interessante Einblicke in eine etwas vergangene Zeit, aber auch auf aktuelle, politische Situationen der jeweiligen Länder in Verbindung zu Deutschland.
Starke Literatur von Autorinnen, deren Vorgängerbücher hochdekoriert worden sind.

Mittwoch, 29.Dezember

Heute haben
William Gaddis * 1922
Brigitte Kronauer * 1940
Geburtstag
und es ist Rilkes Todestag.

Gestern kam die Meldung, dass am 24.12.2021 Birgit Vanderbeke im Alter von 65 gestorben ist. Hinter dem Link finden Sie einen alten Text von ihr, den sie für unsere Buchhandlung geschrieben hat. Vielen Dank dafür und gute Reise liebe Birgit.

https://www.birgitvanderbeke.com/single-post/2002/05/07/Melusine-Huss-in-memoriam
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Emanuel Geibel (1815-1884)
Leichter Sinn

Und wie wär‘ es nicht zu tragen,
Dieses Leben in der Welt?
Täglich wechseln Lust und Plagen,
Was betrübt, und was gefällt.
Schlägt die Zeit dir manche Wunde,
Manche Freude bringt ihr Lauf;
Aber eine sel’ge Stunde
Wiegt ein Jahr von Schmerzen auf.

Wisse nur das Glück zu fassen,
Wenn es lächelnd dir sich beut!
In der Brust und auf den Gassen
Such‘ es morgen, such‘ es heut.
Doch bedrängt in deinem Kreise
Dich ein flüchtig Mißgeschick,
Lächle leise, hoffe weise
Auf den nächsten Augenblick.

Nur kein müßig Schmerzbehagen!
Nur kein weichlich Selbstverzeihn!
Kommen Grillen, dich zu plagen,
Wiege sie mit Liedern ein.
Froh und ernst, doch immer heiter
Leite dich die Poesie,
Und die Welle trägt dich weiter,
Und du weißt es selbst nicht wie.
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Unser Tipp des Tages:


Arundhati Roy: „Azadi heißt Freiheit
Aus dem Englischen von Jan Wilm
S.Fischer Verlag € 24,00

Bekannt geworden ist die indische Autorin mit ihrem Roman: „Der Gott der kleinen Dinge“. Ungefähr zehn Jahre später folgte „Das Ministeriums des äußersten Glücks“. Mit diesem Buch habe ich sie im Literaturhaus Stuttgart erlebt und war schwer bewegt von der klugen, freundlichen, politisch engagierten Frau.
In den Jahren zwischen den beiden Romanen schrieb sie viele politische Texte.
„Azadi“ besteht aus Essays aus den Jahren 2018 bis 2021, die Jahre, in denen der indische Ministerpräsident Modi zum zweiten Mal gewählt worden ist und Indien in einen rein hinduistischen und, wie Frau Roy schreibt: einen faschistischen, Staat umbauen will.
Dies versucht er mit allen Mitteln und unterdückt alle kritischen Stimmen mit vehementer Gewalt.
Dagegen schreibt Arundhati Roy an und bringt viele Tatsachen ans Licht, die hier nicht durchgesickert sind. Schonungslos untersucht sie Umweltzerstörung, Ausbeutung und Überwachung und das inmitten der Corona-Pandemie.

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