Dienstag, 20.September

Heute haben
Hedwig Dohm * 1831
Upton Sinclair * 1878
Joseph Breitbach * 1903
Hanss Cibulka * 1920
Adolf Endler * 1930
Paulus Böhmer * 1936
Javier Marías * 1951
Michael Wildenhain * 1958
Geburtstag
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„Gewiß, jeder hat das Recht, seine Meinung frei zu äußern; das Recht aber, diese Meinung mit der Wahrheit zu identifizieren und für den Andersdenkenden Scheiterhaufen zu errichten, das hat er nicht.“
Hedwig Dohm
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Extinction Rebellion in Berlin, 19.9.2022

Unser Buchtipp:


Jens Liljestrand: „Der Anfang von morgen
Aus dem Schwedischen von: Thorsten Alms, Karoline Hippe, Franziska Hüther, Stefanie Werner
S.Fischer Verlag € 24,00

Es brennt. Es brennt wie in Franziska Gänslers Roman „Ewig Sommer“, den wir vor ein paar Tagen hier vorgestellt haben. Die Wälder brennen und es wird danach viele Vermisste und Tote geben.
Jens Liljestrand will aber kein Weltuntergangsszenario beschreiben. Er will in seinem Buch die Blickrichtung auf die Menschen richten. Was machen Menschen in so einer Extremsituation? Wie verhalten sie sich? Wie reagieren sie auf andere Menschen in ihrem Umfeld? Liljestarnd lässt dabei vier Menschen zu Wort kommen, die auch von vier Personen übersetzt worden sind.
Da ist Didrik, der mit seiner Familie im Herzen Schweden in einer Waldhütte seinen Urlaub verbringt. Zu lange warten sie, bis sich entschließen, aufzubrechen. Dass dann das Auto, durch die Hitze, nicht mehr anspringt, macht die Situation noch gefährlicher. Daneben gibt es noch eine junge Influencerin, den Sohn einer Tennislegende und Didriks älteste Tochter Vilja, die am Ende des Romanes die Zügel in die Hand nimmt. Es sind die Jungen, die sich wehren, die kämpfen, die sich einsetzen und ihr Leben riskieren.

„Ich habe den Roman nicht geschrieben, damit Leute jetzt feststellen, dass es den Klimawandel gibt – das ist bekannt. Was mein Roman kann: helfen, die eigene Gefühlswelt auszudrücken – Verzweiflung oder Wut oder Trauer oder Resilienz. Das kann Kultur. Wir werden den Klimawandel nicht mit Kultur stoppen. Dafür brauchen wir Wissenschaft und Technologie. Aber Kultur lässt Menschen sich selbst und andere erkennen.“

„Der Anfang von morgen“ ist ein prallvoller Roman, über den ich noch seitenlang schreiben könnte, so viele Geschichten sind darin verwoben, in denen es um auch um Liebe und Betrug, politische Engagement und heftige Diskussionen geht.
Liljestrand möchte nicht erklären und physikalische Zusammenhänge aufdröseln. Er nimmt uns mittenhinein in ein mögliche Zukunft, die schon Wirklichkeit geworden ist. Wir hören es knistern und knacken, wir spüren die Hitze und das Brüllen der Feuersbrunst und meinen direkt neben den Personen zu stehen.

„Wenn Sie diesen Roman gelesen haben und mehr über den Klimawandel wissen wollen: Lesen Sie keine Romane. Informieren Sie sich lieber darüber, was Ihre Regierungen und Wissenschaftler dazu sagen.“

Leseprobe

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Heute abend um 19 Uhr bei uns in der Buchhandlung

Gérard Scappini: „Ankunft in der Fremde“
Lesung und Gespräch
Eintritt € 8,00

Man könnte Gérard Scappinis Roman „Ankunft in der Fremde“ lesen wie einen Zeitzeugenbericht. Wie sein Protagonist Pascal Napolitana stammt Scappini aus Toulon – und nachdem der Autor in den beiden Vorgängerbänden über Kindheit und Jugend Pascals in der südfranzösischen Stadt geschrieben hat, geht es nun ins Freiburg der Jahre 1966/67, wo der junge Mann, wie damals der Autor selbst, seinen 16-monatigen Militärdienst ableisten muss. In der Tasche hat er einen Gedichtband des Pazifisten Prévert, dafür keinen Schulabschluss, von Deutschland kennt er kaum mehr als „Goethe / Hitler / und Beckenbauer“.
Gérard Scappini wurde 1947 in Toulon geboren. 1966 kam er nach Freiburg, um seinen Militärdienst zu absolvieren und blieb danach in Deutschland. Er reiste viele Jahre als Verlagsvertreter durch den Buchhandel.

Donnerstag, 18.August

Heute haben
Elsa Morante * 1912
Alain Robbe-Grillet * 1922
Barbara Bronnen * 1938
Ulrich Woelk * 1960
Carolin Emcke * 1967
Geburtstag
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„Vielfalt und Differenz per se als eine Bedrohung zu begreifen, halte ich für eine erstaunlich schwächliche Selbstwahrnehmung.“
Carolin Emcke
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Unser Buchtipp:


Antje Rávik Strubel: „Es hört nie auf, dass man etwas sagen muss
Essays der Preisträgerin des Deutschen Buchpreises
S.Fischer Verlag € 24,00

Carolin Emcke hat heute Geburtstag und Antje Rávik Strubel, eine weitere kritische, kluge Stimme in Deutschland, hat einen Band mit Essays veröffentlicht. Dabei schaut sie uns und unserem Land genau auf die Finger, verknüpft die Gegenwart mit der Vergangenheit, beschäftigt sich u.a. mit Virginia Woolf, wie auch mit dem gendern in der Sprache und dem Verlust des „ß“.
Sprache ist für sie, als Schriftstellerin und Übersetzerin, sehr wichtig und sie sieht auch im Umgang mit ihr, wie sich unsere Gesellschaft verändert. Aber wir finden nicht nur Kritik an der Gegenwart, sondern auch einen Sprung in die Zukuft, in eine Utopie, die möglich sein kann, wobei ihr das Thema „Feminismus“ sehr am Herzen liegt.
Ein höchst interssante, differenzierte, kluge Mischung aus Reden und Essays.

Leseprobe

Dienstag, 10.Mai

Heute haben
Johann Peter Hebel * 1760
Friedrich Gerstäcker * 1816
Fritz von Unruh * 1885
Petra Hammesfahr * 19561
Ralf Rothmann * 1953
Geburtstag
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Johann Peter Hebel
Abendlied wenn man aus dem Wirtshaus geht

Jetzt schwingen wir den Hut.
Der Wein, der war so gut.
Der Kaiser trinkt Burgunder Wein,
Sein schönster Junker schenkt ihm ein,
Und schmeckt ihm doch nicht besser,
Nicht besser.
Der Wirt, der ist bezahlt,
Und keine Kreide malt
Den Namen an die Kammertür
Und hintendran die Schuldgebühr.
Der Gast darf wiederkommen,
Ja kommen.
Und wer sein Gläslein trinkt,
Ein lustig Liedlein singt
Im Frieden und mit Sittsamkeit
Und geht nach Haus zu rechter Zeit,
Der Gast darf wiederkehren,
Mit Ehren.
Des Wirts sein Töchterlein
Ist züchtig, schlank und fein,
Die Mutter hält’s in treuer Hut,
Und hat sie keins, das ist nicht gut,
Musst’ eins in Strassburg kaufen,
Ja kaufen.
Jetzt, Brüder, gute Nacht!
Der Mond am Himmel wacht;
Und wacht er nicht, so schläft er noch.
Wir finden Weg und Haustür doch
Und schlafen aus im Frieden,
Ja Frieden.
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Eine interessante Neuerscheinung:


Christian Uhle: „Wozu das alles?
Eine philosophische Reise zum Sinn des Lebens
S.Fischer Verlag € 26,00

Christian Uhle, Jahrgang 1988, ist Philosoph und berät dazu große Firmen, wie die BVG, die Deutsche Bahn, sogar das Bundesverkehrsministerium und betreute die Arte-Serie „Streetphilosophy“.
Der Titel zeigt direkt, worin es in diesem Buch geht. Ja, aber gibt es eine so einfache Erklärung für den Sinn des Lebens? Nein, sonst wäre er schon nach 30 Seiten fertig gewesen. Die meisten Menschen stehen im Laufe ihres Lebens vor Sinnfragen – bei Begegnungen mit dem Tod, dem Schicksal, in Krisenzeiten wie der Pandemie oder ganz handfest am Arbeitsplatz: Wozu das alles? Was ist wirklich wertvoll und macht ein gutes Leben aus?
Christian Uhle wandelt von alten Philosophen zu den Problemen der Gegenwart und Zukunft, zeigt die verschiedenen Arten und Ansichten von Sinn aus Sicht der Philosophie, Soziologie und Psychologie. Je nach Betrachtungsweise ergibt sich ein anderer. Und wenn er mich dann zu einem schlüssigen Punkt gebracht hat, fängt das neue Kapitel damit an, dass wir ja diesen einen Aspekt noch nicht betrachtet haben und schon ist es wieder Schluss mit einer einfachen Antwort.
Der Autor hat kein Wohlfühlbuch geschrieben, sondern regt zum Nachdenken an.
Herrlich, in diese philosophischen Ansätze einzutauchen und sich Zeit dafür zu nehmen.
Die braucht man nämlich auch dafür.

Leseprobe

rbb Kultur stellt den Autoren und sein Buch vor.
Hier geht es zum Bericht.
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Fast 650 Kilometer haben wir schon erstrampelt und wir sind erst bei der Hälfte des Zeitrahmens. Das Team „Jastram radelt“ hat Lust auf mehr.