Samstag, 27.Februar


Heute haben
Henry Wadsworth Longfellow * 1807
John Steinbeck * 1902
Lawrence Durrell * 1912
Elisabeth Borchers * 1926
Geburtstag
_________________________________

Henry Wadsworth
Nature

LongfellowAs a fond mother, when the day is o’er,
   Leads by the hand her little child to bed,
   Half willing, half reluctant to be led,
   And leave his broken playthings on the floor,
Still gazing at them through the open door,
   Nor wholly reassured and comforted
   By promises of others in their stead,
   Which, though more splendid, may not please him more;
So Nature deals with us, and takes away
   Our playthings one by one, and by the hand
   Leads us to rest so gently, that we go
Scarce knowing if we wish to go or stay,
   Being too full of sleep to understand
   How far the unknown transcends the what we know.
________________________________________

Neu ausgepackt und passend zu der gestrigen Aktion von Fridays for Future und Extinction Rebellion:


Mark Lynas: „6 Grad mehr
Die verheerenden Folgen der Erderwärmung
Übersetzt von Barbara Steckhan, Carolin Schiml, Karola Bartsch

Der Wissenschaftsjournalist Mark Lynas spielt durch, was passieren wird, wenn die Erde sich weiter global erwärmt. Für jedes Grad Erderwärmung schreibt er ein Kapitel, zitiert aus aktuellen Studien und benutzt wissenschaftliche Zukunftsmodelle. Er beschreibt Dürren, ausbleichende Korallen, Verwüstungen durch schmelzende Gletscher, zunächst geografische Verschiebungen, später das Verschwinden von fruchtbarem Land und ultimativ die Gefahr, dass alles Leben auf der Erde endet.
Allein schon das Kapitel mit 1 Grad mehr, zeigt, wie wir mitten drin stecken im Klimawandel, in einer Klimakatastrophe, die wir hier in Ulm nicht merken, aber gleich um die Ecke spürbar ist.
Wieder ein Buch mehr, das uns vor Augen führt, dass es demnächst zu spät ist, wenn wir nicht zumindest die formulierten Klimaziele umsetzen.

Leseprobe
_______________________________________________

Gestern in Stuttgart. 50 Menschen von Fridays for Future und Extinction Rebellion treffen sich vor der Stuttgarter CDU Parteizentrale und erklären den Platz davor zum Klima Tatort.

Montag, 25.Januar

Heute haben
Daniel Casper von Lohenstein * 1635
D.Wordsworth * 1855
Virginia Woolf * 1882
Eva Zeller * 1923
Silvio Blatter * 1946
David Grossman * 1954
Alessandro Baricco * 1958
Geburtstag
_____________________________________________

Daniel Casper von Lohenstein
Dies Leben ist ein Kürbs

Dies Leben ist ein Kürbs, die Schal ist Fleisch und Knochen,
Die Kerne sind der Geist, der Wurmstich ist der Tod;
Des Alters Frühling malt die Blüte schön und rot,
im Sommer, wenn der Saft am besten erst soll kochen,

So wird die gelbe Frucht von Käfern schon bekrochen,
Die morsche Staude fault, der Leib wird Asch und Kot;
Doch bleibt des Menschen Kern der Geist aus aller Not,
Er wird von Wurm und Tod und Krankheit nicht gestochen.

Er selbst verursacht noch, daß eine neue Frucht,
Ein unverweslich Leib aus Moder, Asch und Erde
Auf jenen großen Lenz im Himmel wachsen werde.

Warum denn, daß mein Freund mit Tränen wieder sucht
Die jetzt entseelte Frau? Die Seel ist unvergraben,
So wird er auch den Leib dort schöner wieder haben.

Der Hoffnungs-Bau ist das Feld, wo unser Mut uns blühet.
Wenn man den Ehrenzweck beim Lichten recht besiehet,
Hat Erde, Sand und Sarg uns so viel Müh gekost.
____________________________________________

Neben Brotbacken ist auch Kochen schwer angesagt. Naja, wir wissen warum.
Wenn Sie schon alle Kochbücher durchhaben und trotzdem mehr über bestimmtes Obst, Gemüse, Gewürze wissen wollen, dann finden Sie in den „Kleinen Gourmandisen“ aus dem Mandelbaum Verlag genau die richtigen Bücher.


Ein Ersatz für die Schule sind die Heftchen und Blöcke nicht. Aber sie machen einfach Spaß.

Endlich wieder lieferbar:


Colum McCann: „Apeirogon“
Aus dem Amerikanischen von Volker Oldenburg
Rowohlt Verlag € 25,00

Rami Elhanan und Bassam Aramin haben beide ihre Töchter verloren.
Rami ist Israeli, Bassam Palästinser. Rami und Bassam gibt es wirklich. Ramis Tochter wurde 1997 im Alter von dreizehn Jahren von einem palästinensischen Selbstmordbomber vor einem Jerusalemer Buchladen getötet. Bassams Tochter starb 2007 zehnjährig mit einer Zuckerkette in der Tasche vor ihrer Schule durch die Kugel eines israelischen Grenzpolizisten.
Beide Männer wurden Freunde, reisen um die Welt, halten Vorträge und kämpfen für den Frieden in diesem Krisen/Kriegsgebiet.
Für Elke Heidenreich war dieser Roman das beste Buch des Jahres 2020. Recht hat sie. „Apeirogon“ ist ein unglaublich starker Roman, der auf den ersten Blick verstört, durch seine z.T. kürzesten Kapitel. Und doch sind Sie gefangen in diesen Seiten, auf denen McCann die ganze Welt packt. Unglaublich, welche Bezüge er herstellt, wie er immer wieder auf bestimmte Momente aus den Leben der beiden Männer zurückkommt und sie von verschiedenen Seiten beleuchtet. Was hat der Vogelflug, die John Cage Musik in Halberstadt, befreundete Zahlen, der Drahtseilartist Petit (den wir schon aus einem früheren Roman von McCann kennen) mit der Ermordung der beiden Mädchen zu tun? McCann schafft das und legt hier ein Meisterwerk vor.

Apeirogon“ ist ein Hybrid-Roman, in dem das meiste erfunden ist, eine Erzählung, die wie jede Erzählung Spekulation, Erinnertes, Tatsachen und Phantasie verwebt.,
schreibt Colum McCann im Nachwort.

Freitag, 28.August

Heute haben
Johann Wolfgang Goethe * 1749
Ernst Weiß * 1884
Liam O´Flaherty * 1896
Janet Frame * 1924
Jurij Trifonow * 1925
Arkadi Strugatzki * 1925
Mian Mian * 1970
Geburtstag
____________________________________

Johann Wolfgang Goethe
Dem aufgehenden Vollmonde

Willst du mich sogleich verlassen?
Warst im Augenblick so nah!
Dich umfinstern Wolkenmassen,
Und nun bist du gar nicht da.

Doch du fühlst, wie ich betrübt bin,
Blickt dein Rand herauf als Stern!
Zeugest mir, daß ich geliebt bin,
Sei das Liebchen noch so fern.

So hinan denn! hell und heller,
Reiner Bahn, in voller Pracht!
Schlägt mein Herz auch schmerzlich schneller,
Überselig ist die Nacht.
_________________________________________

Sarah Wiltschek empfiehlt:

Rutger Bregman: „Im Grunde gut „
Einen neue Geschichte der Menschheit
Rowohlt Verlag € 24,00

Im Zweifel für das Gute. Auch so könnte das neue Buch von Rutger Bregman heißen. Darin behauptet der niederländischen Historiker, dass wir im Grunde nichts lieber tun, als einander zu helfen, zu teilen und ein sozialverträgliches Leben zu führen. Die bisher geltende Annahme, dass wir, einmal in eine Konflikt- oder Krisensituation gekommen, nur die eigenen Bedürfnisse befriedigen, hamstern, rauben und töten, stellt Bregman radikal in Frage. Und findet dafür allerorts anschauliche Beweise. Etwa mit dem Phänomen der Solidaritätswelle nach den Wirbelsturm Katrina 2005 oder der zutiefst humanen Geste während der Twin Tower-Katastrophe: Hier ließen sich die Menschen in den Treppenhäusern gegenseitig den Vortritt.

Bregman ruft dazu auf, uns von einem grundsätzlich negativen Menschenbild zu verabschieden. Was zur Folge hätte, dass wir auch unsere zivilen Institutionen wie Schulen, Gefängnisse und Sozialämter in einer ganz anderen Weise strukturieren und gestalten müssten: Gefängnisse, die den Insass*innen mit Respekt und Wohlwollen begegneten und damit die Rückfallquote überdurchschnittlich senkten, Schulen, die den Schüler*innen ein eigenständiges Lernen (fürs Leben) zutrauten, ohne Repressalien und Leistungsdruck und sie damit leistungsfähiger und krisensicherer machten, Jobcenter, die sich wirklich um das Wohl und die gesellschaftliche Wiedereingliederung seiner Klient*innen kümmerten und darum auch ein bedingungsloses Grundeinkommen befürworten würden.

Schließlich kommt er immer wieder auf seine Kernthese zurück: wir bekommen das, wovon wir ausgehen. Begegnen wir unseren Mitmenschen stets mit Argwohn und Misstrauen, werden wir weiter zu einer Gesellschaft beitragen, die genau dieses Gegeneinander fördert. Unterstellen wir unseren Mitmenschen jedoch gegenseitige Solidarität und Mitgefühl, kann daraus eine Gesellschaft erwachsen, in der das Sorgen füreinander und das Teilen unserer sozialen Ressourcen und materiellen Gemeingüter zum höchsten Gut werden.

Anhand wissenschaftlicher und historischer Belege, zeigt Bregman, dass kein Mensch aus eigenem Antrieb töten oder anderen Leid zufügen will. Dazu schaut er sich vergangene Kriegszenarien an und stellt fest, dass Soldat*innen stets ihr Mögliches tun, um nicht schießen zu müssen. Anhand einer wahren Geschichte wiederlegt er denn auch die „Herr der Fliegen“-These, laut der selbst Kinder und Jugendliche niederträchtig, brutal und zu Mördern werden, wenn sie die Zivilisation hinter sich lassen. Die echten Schiffbrüchigen, auf deren Geschichte Bregmann stößt, haben sich hingegen vom ersten Tag an solidarisch und demokratisch organisiert. Nur so konnten sie überleben, bis sie nach über einem Jahr gerettet wurden.

Der Autor bezieht die Leser*innen in den eigenen Erkenntnisprozess mit ein. Er veranschaulicht zunächst die geltenden Erkenntnisse wissenschaftlicher Studien, um anschließend hinter die Kulissen der Versuchsanordnungen und der tatsächlichen Situationen zu schauen. Was dann zum Vorschein kommt sind oftmals von Medien verzerrte Bilder, denen die tatsächlichen Ereignisse zu sensationsarm sind. Menschen, die sich friedlich und einvernehmlich arrangieren, sind weniger medienrelevant als solche, die sich bekriegen und beleidigen. Hier macht der Autor gleichsam eine Bestandaufnahme unserer Medienkultur, die sich überproportional auf Katastrophen und Dystopien fokussiert und den Menschen stets als potentiell böswillig zeigt.

Rutger Bregmann wichtigste Erkenntnis: bis zum Beginn der Zivilisation hat stets das Solidarische unser Überleben gesichert. Seine eigene Evolutionstheorie bezeichnet Bregman daher auch folgerichtig als „Survival of the Friendliest“.

Im Grunde gut ist ein leicht und humorvoll zu lesendes Sachbuch und eine großartige Einladung an uns alle: glaubt an das Gute und handelt danach!