Dienstag, 9.April

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Heute haben
Charles Baudelaire * 1821
Ludwig Hohl * 1904
Lew Kopelew * 1912
Johannes Bobrowski * 1917
Carl Améry * 1922
Arnold Stadler * 1954
Geburtstag
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Heinrich Leuthold
Nacht

Der Westwind streichelt die Locken
Schauernder Bäume; wie Schnee
Hallen die Blüthenflocken…
Klänge der Abendglocken
Zittern über den See.

Oben im Wolkenlosen
Kreiset der Sterne Lauf;
Doch unter Küssen und Kosen
Gehen hier unten Rosen,
Rosen und Lieder auf.
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Unser Buchtipp:

9783835334380l

Davide Enia: „Schiffbruch vor Lampedusa“
Mit einem Nachwort von Albert Ostermaier
Aus dem Italienischen übersetzt von Susanne Van Volxem und Olaf Matthias Roth

„Das Baby ist winzig, die Mutter selbst noch ein halbes Kind. Sie sind da, fünf Meter von mir entfernt. Und direkt vor mir gehen drei Mann gleichzeitig unter. Wen soll ich also retten? Zu wem soll ich hin? Was tun? Rechnen – das ist alles, was man in so einer Situation tun kann. Mathematik. Drei sind mehr als zwei. Drei Leben sind ein Leben mehr.“

Davide Enia ist nach Lampedusa gefahren und beschreibt das, was er mit eigenen Augen sieht und von Helfern und Rettern berichtet bekommt.
Lampedusa, eine Insel, die durch die gesamte Weltliteratur geistert, hat in den letzten Jahren eine ganz andere Qualität bekommen. Sie wurde zur Anlaufstelle für viele Flüchtlingsboote mit unzähligen Menschen darin, die auf eine bessere Zukunft hoffen. Davide Enias Roman geht weiter als alle Nachrichtenmeldungen, die nur mit Zahlen hantieren. Er lässt Menschen reden, wir erfahren aus dem Leben von Flüchtlingen und über die Arbeit der vielen Helfen an Land auf auf den Rettungsbooten. Ein Arzt erzählt über die vielen Totenscheine, die er schon ausgestellt hat und ein Kapitän hält ein totes Kind in Händen, das so alt ist, wie seine Enkelin.
All dies schreibt Enia mit einer goßen Herzenswärme und verknüpft dies mit Sterben seines geliebten Onkels und dem Auftauen seines wortkargen Vaters.
Albert Ostermeiers Nachwort ist eine kraftvolle Aufforderung, dieses Buch in Schulen zu lesen, verbunden damit, dass er Worte wie „Wirtschaftsflüchtling“, „Flüchtlingswelle“ nicht mehr hören kann und mag und will.
„Schiffbruch vor Lampedusa“ ist eine Homage an das Mittelmeer, an Sizilien und die vielen Menschen, die dort wohnen und ein Gegenstück zu den vielen politischen Entscheidungen, die über menschliche Schicksale hinwegsehen.

Donnerstag

Heute haben
Alfred Tennyson * 1809
Paul Claudel * 1868
Christa Reinig * 1926
Geburtstag
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Die Baustelle in der Frauenstraße hat uns, wie viele andere Läden auch, vom normalen Verkehr abgeschnitten. Das Einrichtungshaus Pfaehler hat eine prima Anfahrtsskizze auf ihrer Website, die ich, mit Erlaubnis, kopiert habe. Sie sehen die Ein- und Ausfahrt über die Kornhausgasse und den Kringel um den Judenhof. Und wenn Sie beim weissen Punkt mit rotem Rand angekommen sind, stehen Sie praktisch auch vor unserer Buchhandlung.

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Gestern bekamen wir einen ganzen Stapel „Ostende“ als Taschenbuch-Neuerscheinung für den September in den Laden. Die Verlage liefern zum Teil sehr früh aus. Uns kann es recht sein.

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Volker Weidermann: “Ostende“
1936, Sommer der Freundschaft
btb € 8,99
als eBook € 15,99

Volker Weidermann ist Literaturredakteur, Feuilletonchef der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung und hat in den letzten Jahren interessante und erfolgreiche Bücher über Literatur und Literaten geschrieben. Zu Max Frischs Jahrestag erschien eine Biografie über den Autoren und die Jahre davor gab es die erfolgreichen Bücher zur deutschen Literatur “Das Buch der verbrannten Bücher” und “Lichtjahre”. Jetzt liegt wieder eines seiner schmalen Bände vor und er nennt es “Ostende”, gefolgt von der Jahreszahl “1936”. Weidermann bewegt sich in seinem neuen Werk genau in dieser Zeit zwischen den Weltkriegen, in einer Zeit, in der der Judenhass immer mehr aufflammte, in der Menschen schon ihr Hab und Gut zusammengerafft haben und ausgewandert sind. “Sommer der Freundschaft” heisst es weiter im Untertitel und jetzt kommen wir der Sache schon näher. Stefan Zweig und Joseph Roth, deren Beziehung, deren Freundschaft steht hier nämlich im Mittelpunkt und wir sind mit diesen beiden jüdischen Autoren mitten drin in der deutschen, europäischen Politik. Weidermann schafft es wieder einmal, dass wir sofort nach ein paar Seiten gefesselt sind und dass wir unsere diversen Büchstapel wegschieben und nur noch Stefan Zweig und hauptsächlich Joseph Roth lesen wollen, Bei mir ging es soweit, dass ich mich auf Irmgard Keun gestürzt habe. Sie taucht nämlich auch im Kurort Ostende auf. Sie ist laut, frech und jung. Zwischen dem “alten” Joseph Roth, der zu dieser Zeit schon schwerer Alkoholiker, mit allen körperlichen Gebrechen, die dazugehören, ist und der jungen Irmgard Keun funkt es. Beide sitzen zusammen, reden und lachen und trinken und trinken. Die Beschreibung dieser Nebenfigur im Ostende-Buch hat mich so fasziniert, dass ich sofort am PC nachgeschaut haben, was die Stadtbibliothek an Büchern von ihr vorrätig und ausleihbereit hat. Aber zurück zu Zweig und Roth. Die beiden sehr unterschiedlichen Charaktere haben es dem Autoren sichtlich angetan und diese Liebe bringt er genial rüber. Stefan Zweig, dessen Bücher hohe Auflagen haben, der weltweit gelesen wird, der Geld und Immobilien hat, ist mit Sekretärin (Geliebte) und Lektor unterwegs. Joseph Roth hat kein Geld, seine Bücher verkaufen sich schlecht und er lebt wochenlang von den Zuwendungen seines Freundes Zweig. Erkannt wird Roth nur in seiner Galizischen Heimat. Dort nennen ihn alle einen großen Autoren. Doch davon kann er schlecht leben. Weidermann erzählt u.a., wie Zweig bei einer Erzählung keinen Schluss findet und wie Roth ihm einen liefert, den er verändert übernimmt. Die beiden waren sich sehr nahe, obwohl sie doch unterschiedlich in verschieden Variationen waren.
Die knappen 150 Seiten sind voll von Informationen rund um diesen Sommer. Rund um Ostende, das sich zufälligerweise als Treffpunkt einiger Literaten war und ein Glücksfall für den Autoren, der sie alle beieinander hat und darüber schreiben kann. Weidermann blickt zurück und aber auch weiter. Er erzählt vom Leben in Wien, dem weiteren Exilleben, bis hin zu Zweigs Reise nach Brasilien. Es tauchen in diesem Badeort eine ganze Reihe von Autoren auf, die ebenfalls auf der Flucht sind. Toller, Kisch sollen hier als Beispiel genannt werden. Ich gehe jede Wette ein, dass Sie nach der Lektüre von “Ostende” vor Ihr Bücherregal stehen und schauen, was Sie von Zweig und Roth zu stehen haben.
Ein großes Lesevergüngen mit einem hohen Informationsgehalt.

Leseprobe

Volker Weidermann erzählt auf dem blauen Sofa über sein Buch und die Ideen dahinter
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Dienstag

Heute haben
John Milton * 1608
Ödön von Horváth * 1901
Wolfgang Hildesheimer * 1916
Michael Krüger * 1943
Anna Gavalda * 1970
Geburtstag.
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Gestern hatten wir Besuch aus Pescara. Sandra und Carmine betreiben dort seit Jahren eine Bäckerei mit feinen, guten gesunden Sachen. Und das haben sie uns mitgebracht. Vielen Dank.

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PANEssenza
Primo Alimento Naturale Essenziale
Via Aterno, 54 – 65128 Pescara
panessenza@libero.it
Auf facebook gibt es Bilder zusehen.
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Das Jastram-Scrabble ist in vollem Gange.
Wer hat noch Ideen?

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Das Beste vom Besten von 2014
Diesmal unser Tipp aus dem vergangenen März

ostende

Volker Weidermann:Ostende
1936, Sommer der Freundschaft
Verlag Kiepenheuer & Witsch € 17,99
als eBook € 15,99

Volker Weidermann ist Literaturredakteur, Feuilletonchef der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung und hat in den letzten Jahren interessante und erfolgreiche Bücher über Literatur und Literaten geschrieben. Zu Max Frischs Jahrestag erschien eine Biografie über den Autoren und die Jahre davor gab es die erfolgreichen Bücher zur deutschen Literatur “Das Buch der verbrannten Bücher” und “Lichtjahre”. Jetzt liegt wieder eines seiner schmalen Bände vor und er nennt es “Ostende” gefolgt von der Jahreszahl “1936”. Fast möchte man schon nachrechnen, was für ein Jubiläum dahintersteckt, wie bei Illies’ “1913”, oder all den Bücher zum Jahre 1914, wie z.B. Jean Echenoz’ “14”, das wir nächsten Dienstag in unserer Buchhandlung vorstellen werden. Weidermann bewegt sich in seinem neuen Werk genau in dieser Zeit zwischen den Weltkriegen, in einer Zeit, in der der Judenhass immer mehr aufflammte, in der Menschen schon ihr Hab und Gut zusammengerafft haben und ausgewandert sind. “Sommer der Freundschaft” heisst es weiter im Untertitel und jetzt kommen wir der Sache schon näher. Stefan Zweig und Joseph Roth, deren Beziehung, deren Freundschaft steht hier nämlich im Mittelpunkt und wir sind mit diesen beiden jüdischen Autoren mitten drin in der deutschen, europäischen Politik. Weidermann schafft es wieder einmal, dass wir sofort nach ein paar Seiten gefesselt sind und dass wir unsere diversen Büchstapel wegschieben und nur noch Stefan Zweig und hauptsächlich Joseph Roth lesen wollen, Bei mir ging es soweit, dass ich mich auf Irmgard Keun gestürzt habe. Sie taucht nämlich auch im Kurort Ostende auf. Sie ist laut, frech und jung. Zwischen dem “alten” Joseph Roth, der zu dieser Zeit schon schwerer Alkoholiker, mit allen körperlichen Gebrechen, die dazugehören, ist und der jungen Irmgard Keun funkt es. Beide sitzen zusammen, reden und lachen und trinken und trinken. Die Beschreibung dieser Nebenfigur im Ostende-Buch hat mich so fasziniert, dass ich sofort am PC nachgeschaut haben, was die Stadtbibliothek an Büchern von ihr vorrätig und ausleihbereit hat. Leider nicht das im Buch erwähnte “Um Mitternacht”, aber zwei, drei andere Bücher. Mein Buchwunsch sollte zwar im Regal stehen, die Bibliothekarin konnte es leider nicht finden. Einfach weg. Also habe ich es mir doch das Mitternach-Buch bestellt und warte, bis es im Buchladen eintrifft.
Aber zurück zu Zweig und Roth. Die beiden sehr unterschiedlichen Charaktere haben es dem Autoren sichtlich angetan und diese Liebe bringt er genial rüber. Stefan Zweig, dessen Bücher hohe Auflagen haben, der weltweit gelesen wird, der Geld und Immobilien hat, ist mit Sekretärin (Geliebte) und Lektor unterwegs. Joseph Roth hat kein Geld, seine Bücher verkaufen sich schlecht und er lebt wochenlang von den Zuwendungen seines Freundes Zweig. Erkannt wird Roth nur in seiner Galizischen Heimat. Dort nennen ihn alle einen großen Autoren. Doch davon kann er schlecht leben. Weidermann erzählt u.a., wie Zweig bei einer Erzählung keinen Schluss findet und wie Roth ihm einen liefert, den er verändert übernimmt. Die beiden waren sich sehr nahe, obwohl sie doch unterschiedlich in verschieden Variationen waren.
Die knappen 150 Seiten sind voll von Informationen rund um diesen Sommer. Rund um Ostende, das sich zufälligerweise als Treffpunkt einiger Literaten war und ein Glücksfall für den Autoren, der sie alle beieinander hat und darüber schreiben kann. Weidermann blickt zurück und aber auch weiter. Er erzählt vom Leben in Wien, dem weiteren Exilleben, bis hin zu Zweigs Reise nach Brasilien. Es tauchen in diesem Badeort eine ganze Reihe von Autoren auf, die ebenfalls auf der Flucht sind. Toller, Kisch sollen hier als Beispiel genannt werden. Ich gehe jede Wette ein, dass Sie nach der Lektüre von “Ostende” vor Ihr Bücherregal stehen und schauen, was Sie von Zweig und Roth zu stehen haben. Bei mir war es (wie gesagt) die Keun, die es mir angetan hat.
Ein großes Lesevergüngen mit einem hohen Informationsgehalt.
Der Verlag wirbt, dass das Buch auf Platz 7 der Spiegel Bestellerliste / Sachbuch steht.

Lesprobe

Volker Weidermann erzählt auf dem blauen Sofa über sein Buch und die Ideen dahinter
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