Dienstag, 26.März

Heute haben
Edward Bellamy * 1850
Robert Frost * 1874
Tennessee Williams * 1911
Erica Jong * 1942
Patrick Süskind * 1949
Wolfgang Hegewald * 1952
Ernst-Wilhelm Händler * 1953
Geburtstag
und es sind die Todestage von Walt Whitman, Raymond Chandler, B.Traven und Tomas Tranströmer
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Walt Whitman
This Day, O Soul

THIS day, O Soul, I give you a wondrous mirror;
Long in the dark, in tarnish and cloud it lay—
But the cloud has pass’d, and the tarnish gone; …
Behold, O Soul! it is now a clean and bright mirror,
Faithfully showing you all the things of the world.
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Claudia Wiltschek empfiehlt:

Joanna Bator: „Bitternis
Aus dem Polnischen von Lisa Palmes
Suhrkamp Verlag € 34,00

Niederschlesien im Jahr 1938, hier begegnen wir Berta, die mutterlos mit ihrem Vater, einem Fleischermeister, aufwächst. Ein karges Leben, aus dem sich Berta in Liebesromane flüchtet und von einem Leben im goldenen Prag träumt, in das sie mit ihrem vermeintlichen Liebhaber flüchten will.
Dann gibt es Barbara, die elternlos aus dem Waisenhaus von einem armen polnischen Paar aufgenommen wird. Sie hat ein neues Zuhause, wird behüte , aber ihre Adoptiveltern können ihr keine echte Liebe geben.
Nun kommt Violetta, die mit Tand und Gloria durchs Leben rauschen will, Wolkenschlösser baut und sich immer wieder vom Zerfall dieser erholen muss.
Die letzte im Bunde ist Kalina, die sich auf die Spuren dieser drei Frauen (Berta ist die Urgroßmutter) macht.
Vier Frauen, die für ihre Freiheit und ihr Lebensglück aufs Ganze gehen. Von ihren Triumphen und Niederlagen handelt Joanna Bartos‘ deutsch-polnische Generationsgeschichte, die im Jahr 1938 einsetzt und bis heute reicht. 800 Seiten, die ich verschlungen habe, keine Zeile zuviel und es hätten noch mehr sein können. Ein grandiose Buch!

Leseprobe
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Freitag, 8.März / Weltfrauentag


Heute haben
Kenneth Grahame * 1859
Heinar Kipphardt * 1922
Walter Jens * 1923
Juri Rytcheu * 1930
Jeffrey Eugenides * 1960
Geburtstag
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Robert Frost
A Minor Bird

I have wished a bird would fly away,
And not sing by my house all day;

Have clapped my hands at him from the door
When it seemed as if I could bear no more.

The fault must partly have been in me.
The bird was not to blame for his key.

And of course there must be something wrong
In wanting to silence any song.
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Unser Buchtipp:


„Good Night Stories for Rebel Girls“
100 junge Frauen, die die Welt voranbringen
Hanser Verlag € 25,00

Band 5 der Bestseller-Reihe „Good Night Stories for Rebel Girls“ stellt mutige und inspirierende Rebellinnen unter 30 vor.

In diesem Band der Rebel Girls-Stories präsentieren die Autorinnen 100 außergewöhnliche Frauen unter 30, die engagiert für eine bessere Welt kämpfen. Wir begegnen bekannten Klimaaktivistinnen wie Lilly Platt und Luisa Neubauer, Prominenten wie Billie Eilish, die sich für Nachhaltigkeit engagiert, oder Model Sara Nuru, die Kleinkredite an äthiopische Frauen vergibt. Zudem gibt es Lebensgeschichten noch unbekannter junger Frauen zu entdecken: die Erfinderin Riya Karumanchi, die einen intelligenten Gehstock für Sehbehinderte entwickelt hat, oder Xóchitl Guadalupe Cruz López, die recycelte Materialien verwendet, um solarbetriebene Warmwasserbereiter für Familien zu bauen. Ganzseitige Porträts ergänzen jede Geschichte – gestaltet von 80 jungen Künstlerinnen unter 30.

Leseprobe
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Dafür versammeln wir uns am Freitag, den 8. März, um 15.30 Uhr bei den Sedelhöfen.
Wir werden durch die Ulmer Straßen ziehen und uns den Platz nehmen, der uns zusteht. Wir werden laut sein und dafür protestieren, dass sich die Welt für uns zu einem besseren Ort entwickelt. Denn: Weltfrauentag ist feministischer Kampftag! Unter diesem Aufruf möchten wir euch zu unserer Demo einladen.
Bitte beachtet, dass Parteisymbole und Nationalflaggen nicht willkommen sind.
Bei Fragen dürft ihr natürlich jederzeit auf uns zukommen.
Flinta* Kollektiv Ulm
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Wolfgang Schukraft schreibt:

Liebe Theaterfreundinnen und Theaterfreunde!
Das nenne ich Glück! Zwei Produktionen aus unserer „Wundertüte“ stehen auf dem Spielplan und beide sind durchaus beliebt und wir freuen uns mit dem Publikum darüber.
„Frau Einsteins Nobelpreis“ 
und nun auch seit dem 1.März
„Ich bin ein unverbesserlicher Optimist“

Hier Presse-Zitate über die Premiere
Wie sich Schukraft mit der Figur Leopoldis verbindet und dessen Lieder nuancenreich darzubieten weiß, ist eine Schau. Eine Schau, die man besser nicht verpassen sollte, egal ob man Leopoldi schon kennt oder nicht.
Florian Arnold, Neu-Umer-Zeitung

Der alte Theaterfuchs spielt sein Handwerk gekonnt aus: Er überwienert nicht und setzt den Schmäh in kleinen Dosen ein. … . Der Titel „Ich bin ein unverbesserücher Optimist“ ist denn auch ein doppelbödiger. … Humor mit Widerhaken, ein vielbeklatschter Abend im Kunstverein.
Uli Landthaler, Südwestpresse 

Wir spielen nur noch bis Ende April! Ich würde mich freuen, wenn ich Sie begrüßen drüfte

Freundliche Grüße
Ihr Wolfgang Schukraft

N.B.: Achtung, wir haben an zwei Sonntagen eine Spielplanänderung. Bitte beachten!

Spielplan: (21.4. u. 28.4. geändert!)
Do. 07.03._19 Uhr, Kunstverein/Schuhhaussaal,  Frau Einsteins Nobelpreis 
Frei.08.03._19 Uhr, Kunstverein/Schuhhaussaal, „Ich bin ein unverbesserlicher Optimist“ 
Son. 10.03._19,„Ich bin ein unverbesserlicher Optimist“ 
Do. 14,03._19 Uhr, Frau Einsteins Nobelpreis
Frei.15.03._19 Uhr, Ich bin ein unverbesserlicher Optimist
Son.17.03._19 Uhr, Ich bin ein unverbesserlicher Optimist 
Do. 21.03._19 Uhr, Frau Einsteins Nobelpreis
Fr.22.03._19 Uhr, Ich bin ein unverbesserlicher Optimist
April
Do.11.04 19.01. _19, Uhr Frau Einsteins Nobelpreis
Frei. 12.04._19 Uhr, Ich bin ein unverbesserlicher Optimist 
So. 14.04._19 Uhr, Ich bin ein unverbesserlicher Optimist
Frei. 19.04._19 Uhr Ich bin ein unverbesserlicher Optimist 
Sa, 20.04._19 Uhr, Frau Einsteins Nobelpreis
So.21.04._19 Uhr,  Frau Einsteins Nobelpreis (statt „Ich bin ein unverbesserlicher Optimist)
Frei. 26.04._19 Uhr, zum letzten Mal: Ich bin ein unverbesserlicher Optimist 
Sa, 27.04. _19 Uhr,  zum letzten Mal: Frau Einsteins Nobelpreis
So., 28.04._19 Uhr  Frau Einsteins Nobelpreis (statt „Ich bin ein unverbesserlicher Optimist“)

Donnerstag, 29.Februar


Robert Frost
Fire and Ice

Some say the world will end in fire;
Some say in ice.
From what I’ve tasted of desire
I hold with those who favor fire.
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Gerade ist eine Neuausgabe der beiden Jim Knopf-Bücher erschienen.
Es gibt darin sowohl textliche, als auch illustratorische Veränderung, was das Thema Rassismus anbelangt.
Das ist gelungen, wie man am neuen Erscheinungsbild von Jim Knopf sehen kann.


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Diese vier Bücher stellen wir am kommenden Dienstag an der „Ersten Seite“ bei uns in der Buchhandlung vor. Es liest Clemens Grote und wir beginnen pünktlich um 19 Uhr.


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Ich bin ein unverbesserlicher Optimist
ein humoristisch-kabarettistischer Abend
Couplets und Lieder von Hermann Leopoldi
mit Wolfgang Schukraft
und Magnus Schneider am Klavier

Premiere ist am Freitag, 1.März um 19 Uhr im Kunstverein Ulm.
Die nächste Vorstellung dann am Sonntag, 3.März.
Karten im Vorverkauf gibt es bei uns in der Buchhandlung (Barzahlung)
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Dienstag, 26.März

share

Heute haben
Robert Frost * 1874
Tennessee Williams * 1911
Erica Jong * 1942
Patrick Süskind * 1949
Geburtstag
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Robert Frost
A Minor Bird

I have wished a bird would fly away,
And not sing by my house all day;

Have clapped my hands at him from the door
When it seemed as if I could bear no more.

The fault must partly have been in me.
The bird was not to blame for his key.

And of course there must be something wrong
In wanting to silence any song.
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Susanne Link empfiehlt:

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Raffaella Romagnolo: „Bella Ciao“
Aus dem Italienischen von Maja Pflug
Diogenes Verlag  €  24,00

Höre oder lese ich die Worte „Bella Ciao“, kommt mir direkt die Melodie der
Hymne der italienischen Partisanen aus den 40er Jahren in den Sinn.
Beeindruckend erzählt Raffaella Romagnolo von zwei Freundinnen, die sich aus
den Augen verlieren, zwei Weltkriege miterleben (Giulia schon in den USA und
Anita im Piemont)und sich 1946 wiedertreffen. Dieses halbe Jahrhundert erleben
wir intensiv mit.
I
ch habe das Buch einfach nur verschlungen. Wer Ähnlichkeiten mit Ferrantes vierteiliger Saga fürchtet, wird belohnt: diese ist viel besser.

Ostersamstag, 26.März

Heute haben
Robert Lee Frost * 1874
Tennessee Williams * 1911
Patrick Süskind * 1949
Geburtstag

Robert Frost

When I go up through the mowing field,
The headless aftermath,
Smooth-laid like thatch with the heavy dew,
Half closes the garden path.

And when I come to the garden ground,
The whir of sober birds
Up from the tangle of withered weeds
Is sadder than any words

A tree beside the wall stands bare,
But a leaf that lingered brown,
Disturbed, I doubt not, by my thought,
Comes softly rattling down.

I end not far from my going forth
By picking the faded blue
Of the last remaining aster flower
To carry again to you.
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Jenny Offill:Lucky!
Illustriert von Chris Appelhans
Aus dem Englischen von Sophie Birkenstädt
Aladin Verlag € 12,95
Bilderbuch ab 4 Jahre

Auf geht es zur großen „Fabelhaften Faultierschau“.
Aber bis es so weit kommt, dauert es noch ein wenig.
Das Mädchen im Bilderbuch wünscht sich nämlich ein Haustier. Entweder einen Vogel, ein Kaninchen, oder einen dressierten Seehund. Aber ihre Mutter ist gegen alle drei Vorschläge. Sie sitzt schreibend am Tisch und lässt sich erst nach einem Monat bitten und betteln erweichen, wenn man das Hautier nicht ausführen, wenn es nicht gebadet und gefüttert werden muss. Das lässt sich die kleine Tochter gleich mal schriftlich geben und bestellt sich ein Faultier, nachdem sie sich in der Bibliothek intensiv schlau gemacht hat, welches Tier denn passen könnte. (Nebenbei lernen wir, dass Faultier auf lateinisch Folivora heisst).
Ihre Mutter ist gar nicht begeistert. Aber versprochen ist versprochen und so landet Lucky (der im amerikanischen Original Sparky = lebhaft heisst) auf einem Ast, von dem er sich fast das ganze Buch nicht mehr herunterbewegt und seine Zeit im Dämmerschlaf verbringt.
Jenny Offil, deren Roman „Amt für Mutmaßungen wir schon auf unserem Blog vorgestellt haben, erzählt eine wunderbare Geschichte über eine große Freundschaft, zwischen zweien, die unterschiedlicher nicht sein könnten und von denen einer der beiden (eigentlich) den Erwartungen des anderen überhaupt nicht erfüllt.
Die Illustrationen von Chris Appelhans sind großartig. Es ist sein erstes Bilderbuch. Er arbeitet sonst für Walt Disney.
Wie die Freundin des Mädchen auf das Faultier reagiert und ob das was mit der großen Faultierschau wird, erfahren Sie im zweiten Teil des Bilderbuches.
Da kann ich nur viel Vergnügen bei den Verhandlungen um ein neues Haustier wünschen.


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Morgen gibt es die Sonntagsskizzen (29) von Detlef Surrey
Impressionen von Ostern auf Rügen

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Donnerstag

Die Römer wissen, wie es geht
Die Römer wissen, wie es geht

Heute haben
Robert Frost * 1874
Tennessee Williams * 1911
Erica Jong * 1942
Patrick Süskind * 1949
Geburtstag
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Robert Frost
A Minor Bird

I have wished a bird would fly away,
And not sing by my house all day;

Have clapped my hands at him from the door
When it seemed as if I could bear no more.

The fault must partly have been in me.
The bird was not to blame for his key.

And of course there must be something wrong
In wanting to silence any song.


A Boundless Moment

He halted in the wind, and – what was that
Far in the maples, pale, but not a ghost?
He stood there bringing March against his thought,
And yet too ready to believe the most.

‚Oh, that’s the Paradise-in-bloom,‘ I said;
And truly it was fair enough for flowers
had we but in us to assume in march
Such white luxuriance of May for ours.

We stood a moment so in a strange world,
Myself as one his own pretense deceives;
And then I said the truth (and we moved on) .
A young beech clinging to its last year’s leaves.
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Heute kommt der Buchtipp von Mitarbeiter Rasmus Gabriel Schöll:

1

Matthew Thomas: „Wir sind nicht wir“
Aus dem Amerikanischen von Astrid Becker und Karin Betz
Berlin Verlag € 24,99
als EBook € 18,99
Im Original: „We Are Not Ourselves“ € 16,00

Bei diesem Buchtipp gibt es eine Gebrauchsanweisung.
1. Sie vertrauen mir, lesen die ersten Zeilen des Blogeintrags bis zur Inhaltsangabe, kaufen das Buch, lesen es ohne den Klappentext und das Drumherum zu beachten. Und haben sicherlich ein Leseerlebnis, wie es der Autor wollte.
Oder, 2., Sie machen einfach, was Sie wollen.
Also, am liebsten würde ich bei diesem Buch gar nicht verraten, um was geht. Aber als Buchhändler ist das wahrscheinlich keine so gute Idee. Als ich vor einigen Monaten das Leseexemplar mit nach Hause genommen hatte, habe ich gar nicht groß hinten und vorne rumgelesen, sondern mich einfach in die ersten Seiten gestürzt.
Und das war gut so.
Denn es ist eines dieser Bücher, die einen zu überraschen vermögen, wenn man nicht weiß, was kommt. Mich hat es sofort in den Bann geschlagen, wenn auch zu Beginn etwas schleichend, beginnt es schnell an Fahrt zu gewinnen und lässt einen bis
zur letzten Seite nicht mehr los.
Mit „Wir sind nicht wir“ hat Matthew Thomas in den USA sein Erstling vorgelegt und hat sogleich für ordentliches Aufsehen gesorgt. Er wird mit Jonathan Franzen verglichen und das sicherlich nicht zu Unrecht. “ Wir sind nicht wir“ ist ein fulminantes drei Generationen umspannendes Familienepos. Zu Beginn wird die Geschichte von Eileen erzählt. Sie kommt aus einer Familie irischer Einwanderer und wächst im New York der 1940er-50er Jahre auf. Ihre Mutter ist eine Trinkerin und Ihr Vater der stärkste Mann von ganz Queens. Doch schon mit 10 Jahren ist für Eileen nichts wichtiger als ein besseres, angeseheneres Leben, als das ihrer Eltern zu erreichen. Sie heiratet den jungen Wissenschaftler Ed. So langsam beginnt Sie auf der Gesellschaftsleiter nach oben zu steigen. Das junge Ehepaar zieht in eine bessere Gegend und in ein schöneres Haus. Aber Eileens Träume wachsen und wachsen. Wir kennen das, von Dingen, die wir uns lange gewünscht haben und wenn wir sie endlich haben, ist ihr Zauber bald auch wieder verflogen. Wa,s wenn unsere Träume sich erfüllen, aber wir nicht glücklich werden? Doch für Eileen ist diese Suche nach dem Zauber, nach dem Glück eine Art materalistischer Traum; es müssen immer bessere Wohngegenden und Häuser her. Sie zieht stundenlang mit einer Immobilienmaklerin umher, um sich Häuser anzusehen, die sie nicht braucht und auch nicht leisten kann. Langsam, beinahe unmerklich verdunkelt sich der Himmel und Eds scheinbarer Burnout entpuppt sich mehr und mehr als eine sehr schwere Erkrankung. Mit existenzieller Gewalt, wie ein Hammer splittert die Frage ins Buch: Was ist wirklich wichtig im Leben? Wer sind wir, wenn wir nicht mehr wir sind?
Eileen, Ed und ihr Sohn Connell wachsen mit zunehmender Seitenzahl an ihren Aufgaben und dem Leben. Obwohl eine große Zeitspanne über 900 Seiten an uns vorüber zieht, 2. Weltkrieg, Irakkrieg, 11. September und was sonst noch alles in den letzten 100 Jahren wichtiges in der Menschheit passiert ist, spielen diese Ereignisse kaum eine Rolle. Der Roman erreicht eine schier physisch greifbare Intensität, indem er sich auf die drei Hauptpersonen konzentriert. Und geht es uns nicht auch so? Die Weltgeschichte ist der mal lauter, mal leiser rauschende Hintergrund unseres ureigensten Kosmos, der nur von Bedeutung wird, wenn er uns höchstperönlich betrifft. Oft werden Geschichten von schwer erkrankten Menschen als Ausschnitt dieser Krankheit erzählt, als sei die Zeit der Kranheit das Leben dieser Menschen. Doch Matthew Thomas erzählt die ganze Geschichte, das ganze Leben. Wir leben ein normales Leben, meist weit entfernt von dem, was tatsächlich wichtig wäre und auf einmal stürzt uns ein Ergeinis aus unseren Tagträumen und wir wachen auf, erkennen, spüren, was wirklich zählt.
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Morgen Abend um 19 Uhr berichtet Thomas Thiel über seine Zeit als Militärpfarrer in Afghanistan

Am darauffolgenden Dienstag gibt es ab 19 Uhr eine weite Ausgabe von „Literalotto„.
Spass und Literatur mit Florian Arnold und Rasmus Schöll.

2

Mittwoch

Heute haben
Edward Bellamy * 1850
Robert Frost * 1874
Tennessee Williams * 1911
Gregory Corso * 1930
Erica Jong * 1942
Patrick Süskind * 1949
Ernst-Wilhelm Händler * 1953
Geburtstag
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Nächsten Dienstag, den 1.April gibt es wieder unsere „Erste Seite“.
Clemens Grote liest aus diesen vier neuen Romanen:

Echenoz_24500_MR1.inddHohlMorrisonWolkenbruch

Der Beginn ist wie immer pünktlich um 19 Uhr.
Der Eintritt ist kostenlos.
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Mozer

Tassilo Mozer:Gartenkunst & Künstlergärten
Ein Führer durch Umbrien, Latium und die Toskana
Land Art, Skulpturen-Parcours, Künstlergärten und historische Gartenkunst aus zwei Jahrtausenden im Herzen Italiens
Parthas Verlag € 38,00
470 Seiten, mit 350 farbigen Abbildungen und ausführlichem Serviceteil, Karten und GPS-Daten, Klappenbroschur

Was verbindet Niki de Saint-Phalle und Daniel Spoerri mit dem Renaissancefürsten Vicino Orsini und dem antiken Kaiser Hadrian? Sie alle haben in räumlicher Nähe zueinander einen Garten gestaltet.
Kenntnisreich und unterhaltsam zugleich beschreibt Tassilo Mozer in diesem umfangreichen Band neunzig herausragende Denkmale aus der Geschichte der Gartenkunst, von der römischen Antike über das Mittelalter bis in unsere heutige Zeit. Er beginnt jedoch zu Beginn mit einem geschichtlichen Gang durch die Gartenkunst Europas von den Hängenden Gärten, die römischen Garten und die des Islams, bis er im Barock endet und seinen ersten Garten vorstellt. Es ist der Pinocchio Garten in Collodi. (Nach dieser Stadt hat sich der Autor des Pinocchios umbenannt. Auch ne Möglichkeit. Und so zieht Tassilo Mozer weiter durch Umbrien, die Toskana und das Latium. Jeder Garten ist liebevoll besprochen, mit Fotos unterlegt und im Serviceteil gibt es exakte Hilfen, wie Telefonnummern, Öffnungszeiten, die Sprachen der Führungen und genaue GPS-Angaben.
Das Ganze ist nun kein großformatiger Bildband, sondern ein großartiger, handlicher, fadengehefteter Ziegelstein, den Sie jedoch sehr gut mit in den Italienurlaub mitnehmen können und jetzt schon richtig anmacht, beim nächsten Italienurlaub sich den einen oder anderen Garten anzuschauen.

Tassilo Mozer wurde 1963 in Ulm geboren. Nach einigen Semestern Kunstgeschichte, Italienisch und Soziologie in Heidelberg studierte er Kunst an den Akademien in Florenz und Bologna. 1992 schloss er mit dem Diplom in Bildhauerei an der Accademia di Belle Arti in Bologna ab. Seitdem arbeitete er als freier Künstler und führte kunstinteressierte Reisegruppen in der italienischen Renaissancemetropole Florenz zu bekannten und weniger bekannten Orten. Für seine Skulpturen erhielt er zahlreiche Auszeichnungen und Stipendien, mehrfach stellte er in Galerien und Museen in Deutschland und Italien aus.

Mozer 1

Mozer 2

Mozer 3

Mozer 4

Mozer 5

Die Website von Tassilo Mozer

Am Sonntag, den 11.Mai findet im
Ulmer Stadthaus um 11 Uhr
die offizielle Buchpräsentation statt.
Herzlich willkommen.

Dienstag

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Alles sehr winterlich heute am 26.März.
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Heute hat
Robert Frost * 1874
Geburtstag und der andere ganz große Lyriker
Walt Whitman ist 1892 gestorben.
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Robert Frost
Fire and Ice

Some say the world will end in fire;
Some say in ice.
From what I’ve tasted of desire
I hold with those who favor fire.
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Hier ein weiterer Text aus:

Bernd Schmitt: „Lückentexte“
mit Illustrationen von Dorothea Grathwohl
Gerhard Hess Verlag € 9,95

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Dr obre Beck
Er pflegte alle Leute zu duzen, die jünger waren als er und das waren eigentlich alle, die seinen Laden betraten, um sich mit Brot und Wecken, Brezeln oder Kuchen für die Woche einzudecken.
Vor allem wohlgekleidete Damen mittleren Alters und nichtschwäbischen Idioms zu brüskieren, schien ihm ein wirkliches Anliegen. „Wa witt?“ wurde den verdutzten Kundinnen an den Kopf geworfen als Frage nach ihrem Begehr. Und während diese belustigt oder unter mühsam bewahrter Selbstbeherrschung, je nach dem, ihre Wünsche stammelten, wischte sich der dicke Bäcker verächtlichen Blickes seine mehligen Hände an der Bauchschürze ab und knallte ihnen das Verlangte auf die Theke, sozusagen vor den Latz.
Der weiß bestäubte Alte knurrte dann, ohne dass man ihn die Einzelposten hätte addieren sehen, einen Preis und begingen die Kundinnen jetzt den Fehler nach Kleingeld zu kramen, herrschte er sie mit schlecht verhohlener Freude an, als hätte er wie Jago auf das Taschentuch, just auf diesen Moment gewartet, dass sie ihre Pfennige behalten könnten, er hätte eine ganze Schublade voll davon. Und wirklich zog er eine Lade auf und zeigte seinem verwirrten Gegenüber, das nun nicht wusste, ob es lachen oder zahlen sollte, einen Haufen Kupfermünzen, dessen Menge sicher beeindruckender war als sein monetärer Gegenwert.
Mit dem gleichen selbstzufriedenen Gesicht mit dem der Teigwart die Verunsicherung seiner Kundinnen zur Kenntnis genommen hatte, strich er beim abendlichen Kartenspiel im Gasthaus „Zum Rössle“ die gewonnenen Pfennige ein, seinen Schatz zu mehren, um anderntags, als Dorf-Dagobert, seine nichtsahnenden Zufallskundinnen umso treffsicherer aus dem Konzept bringen zu können.

„Das vorliegende Büchlein beschäftigt sich mit Lücken. Dort, wo mich die Welt anlächelte mit dem Milchzahngebiss eines Schulanfängers oder dem letzten Zahn einer verwundeten Greisin, sah ich Platz für einen Text. Dabei war es völlig unerheblich, ob es sich um die reale Welt handelte wie in den Portraits verschwundener Menschen und Orte oder die literarische Welt wie in einem von Shakespeare nicht notierten Gespräch zwischen Herrn und Frau Macbeth, ob es sich auf die Vergangenheit bezog, auf die Gegenwart oder die Zukunft, ob einer Person zu gedenken war – der blinden Usche, dem oberen Beck – oder ein Ort zu beschreiben – der Hasensaal, der alte Steinbruch, die Bushaltestelle – ob ich einen vergessenen Dialog nachzuliefern hatte – was hätten Kaspar und Agathe im Freischütz sich nicht zu sagen gehabt – oder einer ewig stummen Figur meine Stimme leihen wollte, wie in den fiktiven Briefen des Augsburger Bäsles an Mozart.
Ausschlaggebend einen Text zu schreiben, war der Mangel, den ich empfand, die fragenden Augen, die ich sah und in denen ich die Bitte um Wort und Stimme zu lesen glaubte.“ (Bernd Schmitt)

Die skurrilen Zeichnungen Dorothea Grathwohls schaffen eine phantastische Gegenwelt, zu der oft zärtlich-schrägen Sicht auf die Menschen und die Dinge in den Texten von Bernd Schmitt.

Bernd Schmittt wurde 1962 in Jungingen bei Ulm geboren. Er studierte in Stuttgart Klarinette und bildete sich, u.a. bei Ruth Berghaus weiter zum Regisseur. Er arbeitet vorwiegend im Bereich Oper und Sprecher, sowie als Autor. Außerdem ist er Dozent an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart. Bernd Schmitt lebt in Weinstetten.

Dorothea Grathwohl wurde am 23. Januar 1968 in Biella / Piemont, Oberitalien geboren. Sie studierte Zeichnen bei Albrecht Vogel in Schwäbisch Gmünd. U.a. arbeitet D. Grathwohl in der Erwachsenenbildung für reduziertes Aquarell und Aquarellcomic, begleitet Mappenarbeit für Kunststudenten und gestaltet Konzertplakate und Buchcover; seit 2002 Ausstellungstätigkeit in Einzel- und Gruppenausstellungen. Dorothea Grathwohl lebt und arbeitet als freischaffende Künstlerin und Grafikerin in Ulm.
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Moni Port: „Das mutige Buch
Klett Kinderbuch Verlag € 13,95

Im gleichen Format wie das Wörterbuch, das ich vor ein paar Tagen hier vorgestellt habe und genauso packend, obwohl es eine ganz andere Thematik hat.
Die Illustratorin Moni Port widmet sich dem Thema Angst. Und das in einer sehr eigenwilligen Art und Weise.

Angst ist wichtig. Alle kennen sie. Alle haben sie. Besonders Kinder erfahren am eigenen Leib: Angst gehört zum Leben dazu. Angsthaben kann auch lustvoll sein. Oder hilfreich, wenn sie uns davor bewahrt, etwas Gefährliches zu tun. Und es ist gut zu wissen, wie man dafür sorgt, dass sie nicht überhandnimmt.
Das tiefe, erregende Thema Angst – hier wird es mit einer Flut von Imaginationen für Kinder ausgelotet. Moni Ports Zusammenstellung aus Assoziationen, Fotos, Collagen, altbekannten und ungewohnten Eindrücken ist kein Gruselkabinett, sondern eine stärkende Wanderung durch unsere Gefühlslandschaften, begleitet von einem knappen, freundlich-sachlichen Text. Und gerade weil beschwichtigende Töne à la „Du brauchst doch keine Angst zu haben“ hier fehlen, wirkt „Das mutige Buch“ enorm ermutigend und befreiend.
Angst vor Spinnen und vor der Dunkelheit kennt jeder.
Es gibt auch Ängste die man Kindern einredet: „Der liebe Gott sieht alles!“.
Lösungsvorschläge wie: „Gegen Vampire hilft Knoblauch“ und „Gegen böse Geister hilft eine Rassel im Kinderbett“, gibt es genauso. Auch die Angst vor einem Auftritt, das Lampenfieber: „Manchmal kostet es eine Riesenüberwindung. Wenn du es geschafft hast, kannst du sehr stolz auf dich sein!“, kommt vor. Auch mit den „Bravo“-Rufen der Zuschauer.
Aber auch sich verkleiden und andere damit gruseln taucht im Buch auf und auf der rechten Seite ist dann ein verkleideter Vampir zu sehen. Wirklich sehr gruselig. Angst lernt man auch von den Eltern, wenn die Mama zum Beispiel hysterisch auf Wespen reagiert. Manchmal hören wir etwas, was uns beunruhigt, oder wir machen uns Gedanken über Dinge, die in Wirklichkeit ganz anders sind.
Wieder ein besonderes Bilderbuch, das vielleicht nicht für die Kleinen zum Alleineangucken ist. Aber zusammen kuscheln und blättern, das ist glaube ich, genau das Richtige.

Hier können Sie ins Buch blättern.
Leider sind ein Teil der Bilder verpixelt, dass sie wohl nicht verwendet werden können.
Im Buch sind die natürlich anders.
Noch’n Grund mehr in den Buchladen zu kommen.

Montag

Heute haben
Carlo Goldoni * 1707
Anthony Burgess * 1917
Franz Xaver Kroetz * 1946
Geburststag.
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Passend zum Wetter bringt mein Lyrikkalender ein Gedicht von

Robert Frost
Fire and Ice

Some say the world will end in fire,
Some say in ice.
From what I’ve tasted of desire
I hold with those who favor fire.
But if it had to perish twice,
I think I know enough of hate
To say that for destruction ice
Is also great
And would suffice.

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Gestern hatte ich endlich Zeit, das Buch von Albertine Sarrazin zu lesen, das vor ein paar Tagen im Hanser Berlin erschienen ist. Ich muss gestehen, ich habe es überhaupt nur wegen des Nachwortes von Patti Smith bestellt und jetzt auch mit nach Hause genommen. Und dieses Nachwort war auch das erste, was ich gelesen habe. Sie schreibt über ihre Erfahrungen mit diesem Buch, das sie sich für 99 Cent in New York gekauft hatte. In einer Zeit, in der sie kein Geld hatte und von Robert Mapplethorpe verlassen worden war. „Ich frage mich wirklich, ob ich ohne sie die geworden wäre, die ich bin.“ Sie verschlingt dieses Buch, trägt es ihr ganzes Leben mit sich herum, getraut sich aber erst vor kurzem (auf einer Tournee) das Buch wieder herauszuziehen. Sie liest es wieder in einer Nacht.
Was hat es mit diesem Buch auf sich? Was hat es mit der Autorin auf sich?

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Albertine Sarrazin: „Astragalus
übersetzt von Claudia Steinitz
Hanser Berlin Verlag € 19,90
als eBook € 15,99

„Der Himmel war mindestens zehn Meter weiter weg. Ich blieb sitzen, nur keine Eile. Der Aufprall hatte wohl die Steine erschmettert, meine rechte Hand tastete überKiesel. Mit jedem Atemzug dämpfte die Stille die explodierenden Sterne, deren Funken noch in meinem Schädel prasselten. Die weißen Flächen der Steine leuchteten schwach in der Dunkelheit. Meine Hand löste sich vom Boden, strich über den linken Arm hinauf bis zur Schulter, über Rippen hinunter bis zum Becken: nichts. Ich war unversehrt, ich konnte weiter. Ich stand auf. Als es mich mit ausgebreiteten Armen, das Gesicht voran, in die Dornensträucher katapultierte, fiel mir ein, dass ich versäumt hatte, auch meine Beine zu kontrollieren.“

So beginnt dieser Roman und Sie merken schon, dass er genau das Leben der jungen Albertine erzählt. Aber wie sie das macht, ist schon ein kleines Meisterwerk. Sie schildert diese Nacht, dieses sich Fortschleppen. Sie schreibt auf, wie sie (sie nennt sich im Roman Anne, in Anlehnung an ihren richtigen Namen, der ihr im Heim weggenommen worden ist) von Julien auf dem Motorrad mitgenommen und zu ihm nach Hause gebracht worden ist.
Ihre Zeit dort mit dem gebrochenen Knöchel (Astragalus heisst der Knochen), bis sie endlich ins Krankenhaus kommt und dort in letzter Sekunde operiert wird.
Albertine Sarrazine schreibt unglaublich gut und ich verstehe, warum sich viele Schriftstellerinnen für sie stark gemacht haben. Ich denke, dass das nicht nur ein Biografie-, Knast-Bonus war. Viel mehr mag ich über diesen Roman nicht schreiben, um Ihnen den vollen Genuss dieser hochinterssanten und für mich sehr fremden Welt nicht zu nehmen.
Ich mache mich auf jeden Fall auf die Suche, ob ich noch an ihre andere Bücher von Albertine Sarrazine auf deutsch herankomme. Ganz vorne rechts auf unserem Tisch im Laden liegt dieses Buch.

Hier geht es zur Leseprobe, bei der eventuelle die Umlaut fehlen.