Montag, 26.Juli


Heute haben
André Maurois * 1885
George Bernard Shaw * 1856
Aldous Huxley * 1984
Ana Maria Matute * 1925
Geburtstag
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Ricarda Huch
Nicht alle Schmerzen

Nicht alle Schmerzen sind heilbar, denn manche schleichen
Sich tiefer und tiefer ins Herz hinein,
Und während Tage und Jahre verstreichen,
Werden sie Stein.

Du sprichst und lachst, wie wenn nichts wäre,
Sie scheinen zerronnen wie Schaum.
Doch du spürst ihre lastende Schwere
Bis in den Traum.

Der Frühling kommt wieder mit Wärme und Helle,
Die Welt wird ein Blütenmeer.
Aber in meinem Herzen ist eine Stelle,
Da blüht nichts mehr.
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Unser Bilderbuchtipp:


Pete Oswald: „Berg
Ein Tag mit Papa
Von Hacht Verlag € 14,00
Bilderbuch ohne Text ab 4 Jahren

Das Kind liegt noch im Bett, mit der Katze auf der Decke und den vielen Utensilien, die für eine Bergtour wichtig sind, im Zimmer verteilt, als der Vater mit einer heissen Tasse Kaffee ans Bett tritt und es weckt. Es dauert ein weiteres Bild, auf dem der Vater aus dem Zimmer geht, bis das Kind die Augen weitaufreisst und voller Tatendrang und Erwartung auf den tollen Tag aus dem Bett springt und dabei die Katze erschreckt.
So beginnt das wunderbare, wortlose Bilderbuch von Pete Oswald, in dem die beiden auf eine Wald-Berg-Wander-Tour gehen. In vielen kleinen Bilder in ganz bestimmten, dazupassenden Farbtönen gemalt, können wir den Tag mit den beiden erleben. Und finden Sie abends saumüde auf dem Sofa wieder. Schon eingenickt, die Köpfe aber voller Erinnerungen und sichtlich zufrieden.
Ein sehr besonderes, liebevolles Bilderbuch, mit dem wir viel vorlesen können und uns selber Abenteuergeschichten ausdenken und dann gemeinsam die Augen zumachen.
Toll.

Leseprobe
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Mehr Informationen unter https://augustriseup.de/

Freitag, 11.September

Heute haben
O.Henry * 1862
D.H.Lawrence * 1885
Theodor W.Adorno * 1903
Joachim Fernau * 1909
Geburtstag
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Ricarda Huch
September

September, geliebter, breitest bläuliche Schleier
Über Fluren und Berge leicht,
Und zärtlich darüber streicht
Zuweilen ein Perlenton deiner silbernen Leier.

Was singst du für Lieder? Süß verschwebende Laute,
Dem Ohr kaum vernehmbarer Hauch,
Wie wenn die Rose vom Strauch,
Die sterbende, Blatt für Blatt hernieder taute.
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Auf der Auswahlliste zum Deutschen Buchpreis 2020:



Valerie Fritsch: „Herzklappen von Johnson & Johnson“

Suhrkamp Verlag € 22,0

Das dritte Buch von Valerie Fritsch hat mich umgehauen. So ein genialer Umgang mit Sprache, das Fließen durch die Seiten, Formulierungen, die ich noch nie gelesen habe, haben die Lektüre zu einem ausgewöhnlichen Erlebnis gemacht.
Es könnte alles so banal sein.
Alma ist zu Beginn ein kleines Mädchen und ihre Eltern stehen im Mittelpunkt des ersten Teils. Darauf folgt der Groß- und danach die Großmutter. Als Alma sich in Friedrich verliebt und sie ihr Kind Emil bekommen, stehen natürlich diese beiden Männer im Mittelpunkt, bis sich der Kreis wieder zu den Großeltern schließt.
Valerie Fritsch versteht es gekonnt, die Sprachlosigkeit des Großvaters zu beschreiben, der im Krieg Opfer und Täter war und darüber nicht spricht, wenn er das überhaupt noch tut. Ganz im Gegenteil dazu seine Frau, die ketterauchend Alma immer und immer wieder Geschichten aus ihrem Leben erzählt und sich dabei öfters auf das Wohl der Verstorbenen einen genehmigt.
Der Schmerz der Sprachlosigkeit, der Schmerz des wiederholten Erzählenmüssens spiegelt sich in Almas Kind Emil, der schmerzunempfindlich ist und somit besonderer Fürsorge durch die Eltern bedarf. Nicht leicht für Alma, nach ihren langen Depression nach der Geburt.
Emil muss den Schmerz erlernen, sich aneignen, ein Etwas vortäuschen, das er nicht kennt. Er führt ein Leben zwischen Superman und oftmaligen Klinikbesuchen.
Valerie Fritsch verbindet, verknüpft, baut sich und uns ein Kammerspiel zusammen, schlägt einen großen weiten Bogen, bis sich der Kreis schließt.
Alma findet ihren Frieden. Weit weg, aber in Gemeinschaft mit ihrem Mann Friedrich und ihrem Sohn Emil.
Ein großartiges Buch. Bitte lassen Sie sich nicht von der langen Inhaltsangabe verwirren. Es ist ein schmales Buch, bei der die Sprache uns durch die Geschichten trägt, wie wenn sie „Zugvögel unter der Haut“ hätte.

Leseprobe
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Freitag, 11. September 2020, 17.30 h, Ulm, Münsterplatz

Eine längst fällige Agrar- und Ernährungswende:
Agrar- und Lebensmittelpolitik muss Klima und Arten schützen!

Aus den Erfahrungen der letzten Monate fordern BUND, GREENPEACE und GENFREI-BÜNDNIS eine radikale Erneuerung von Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion.

Die Corona-Zeit hat uns nochmal verdeutlicht: Billigfleisch widerspricht der Achtung vor Tier, Mensch und Umwelt. Lange Transportwege mit Schlachtvieh oder gentechnisch- und pestizidverseuchten Futtermitteln aus zerstörten Regenwaldgebieten müssen dringend gestoppt werden. Landwirtschaftliche Überproduktion für den Export sowie Massentierhaltung führen zur Überdüngung und gefährdet unser Trinkwasser. Die Produktion von Billigfleisch und Milch zu Weltmarktpreisen drängt die Bauern wirtschaftlich und gesellschaftlich ins Aus.

All das kostet uns die Zukunft.

Diesen Herbst wird die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU neu aufgesetzt – gültig bis 2027! Wir brauchen im Zuge einer ökologischen Agrarwende eine Umlenkung der Agrarsubventionen zugunsten einer insgesamt nachhaltigen Landwirtschaft – mit fairen Erzeugerpreisen. Es geht jetzt um eine Konzentration auf regionale Kreisläufe und eine neue Preispolitik der Lebensmittel. Viele Bäuerinnen und Bauern sind längst bereit, klimaschonenden Ackerbau zu betreiben und ihre Tiere artgerecht zu halten. Ebenso sind viele Konsumenten längst bereit, qualitätsbewusst und zukunftsorientiert Bio-Lebensmittel zu kaufen. Die Politik muss handeln und unterstützen!

Organisation: BUND RV Donau Iller / GREENPEACE Ulm/Neu-Ulm / Bündnis für eine agrogentechnikfreie Region (um) Ulm
Unterstützer: BUND Ulm, Bündnis für eine agrogentechnikfreie Region (um) Ulm, Extinction Rebellion Ulm, Fridays For Future Ulm/Neu-Ulm, Gemeinwohl-Ökonomie Ulm, lokale agenda ulm 21, Parents4Future Ulm/Alb-Donau-Kreis, Solidarische Landwirtschaft Ulm/Neu-Ulm, Ulmer Netz für eine andere Welt e.V., Umweltgewerkschaft Gruppe Ulm/Neu-Ulm.
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Donnerstag, 30.Januar

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Heute haben
Adalbert von Chamisso * 1781
Richard Brautigan * 1935
und Barbara Wood * 1947
Thomas Brezina * 1963
Geburtstag
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Ricarda Huch
Uralter Worte kundig

Uralter Worte kundig kommt die Nacht;
Sie löst den Dingen Rüstung ab und Bande,
Sie wechselt die Gestalten und Gewande
Und hüllt den Streit in gleiche braune Tracht.

Da rührt das steinerne Gebirg sich sacht
Und schwillt wie Meer hinüber in die Lande.
Der Abgrund kriecht verlangend bis zum Rande
Und trinkt der Sterne hingebeugte Pracht.

Ich halte Dich und bin von Dir umschlossen,
Erschöpfte Wandrer wiederum zu Haus;
So fühl ich Dich in Fleisch und Blut gegossen,

Von Deinem Leib und Leben meins umkleidet.
Die Seele ruht von langer Sehnsucht aus,
Die eins vom andern nicht mehr unterscheidet.
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Attenberg_Nicht_mein_Ding

Jami Attenberg: „Nicht mein Ding“
Aus dem Englischen von Barbara Christ
Schöffling Verlag € 22,00

Jami Attenbergs neues Buch ist gestern auf deutsch erschienen. Immer etwas komisch bei Übersetzungen, denn in den USA erscheint demnächst ihr nächster Roman, der dann auch wieder seine Zeit braucht, bis er auf deutsch zu lesen ist.
Bekannt geworden ist Jami hier durch ihren Roman „Die Middlesteins“. Danach erschien ein älteres Buch von ihr, dann „Saint Mazie“ und jetzt „Nicht mein Ding“, das allerdings im Original doch anders heisst („All Grown Up“)
Zum Inhalt:
Andrea lebt in New York, Brooklyn, Williamsburg, ist 39, Single und kinderlos, also genau so, wie und wo Jami selbst lebt und wohnt. Ihre Wohnung hat Sicht auf das Empire State Buildung, das sie täglich in allen Varianten abzeichnet, skizziert, malt. Ja, malen sollte sie, aber sie bekommt es nicht mehr auf die Reihe. Und als ihr dann noch dieser unglaubliche Anblick dieses weltberühmten Gebäudes verbaut wird, ist es wieder ein kleines Steinchen, das aus ihrer Biografie fällt.
Was wird aus ihrem Leben mit Ende 30? Warum muss sie sich dauernd rechtfertigen? Vor ihrer Mutter, vor ihrem Bruder mit seiner todkranken Tochter?. Was ist so besonders daran, allein zu leben, keine feste Beziehung zu haben. Allerdings ist Andrea genau danach auf der Suche. Sie trinkt manchmal zuviel, kauft immer wieder Drogen, nimmt nach langen Nächten in verschiedenen Clubs, Männer mit nach Hause, um danach festzustellen, dass dies alles nicht der richtige Weg ist, den sie sucht.
Die kurzen Kapitel sind mit Frauennamen überschrieben und sollen die Sträke dieser Frauen herausstellen, so Jami Attenberg. Und das gelingt ihr diesesmal mit noch mehr Witz, als in den Vorgängerbücher. Sie bringt die Probleme in kurzen Sätzen auf den Punkt. Andrea ist frech, laut und gleichzeitig auch sehr nachdenklich, verletzlich, freundlich und charmant. Ob dieses Buch nun in Williamsburg oder in Berlin spielt, ist egal. Es sind überall die gleichen Probleme. Mit und ohne Empire State Buildung.
Jami Attenberg wird immer besser und steigert sich von Buch zu Buch.

Leseprobe

Jami Attenberg liest bei uns in der Buchhandlung.
Donnerstag, den 30.April um 19 Uhr.
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Wenn Sie sich jetzt schon den Attenberg-Termin aufnotiert haben, dann vermerken Sie noch unsere nächste „1.Seite“ am kommenden Dienstag, den 4.Februar um 19 Uhr.

Clemens Grote wird aus folgenden Büchern vorlesen:

Patrick Svensson: Das Evangelium der Aale
Katja Oskamp: Marzahn mon amour
George Saunders: Fuchs 8
und
Jami Attenberg: Nicht mein Ding

Wir freuen uns auf Ihr/Euer Kommen.