Samstag

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Banana

Banana Yoshimoto: „Der See“
Aus dem Japanischen von Thomas Eggenberg
Diogenes Verlag € 19,90

In Japan schon 2005 erschienen, können wir den Roman jetzt (wieder) lesen. Ich weiss nämlich nicht, ob es diesen Roman schon einmal in deutsch gab. Banana Yoshimoto ist hier wohl die bekanneste Autorin nach Haruki Murakami und hat schon viele Bücher, die alle im Diogenes Verlag erscheinen, veröffentlich. Ihr bekanntestes dürfte wohl „Kitchen“ sein. Dieser schmale Band, den ich gestern gelesen habe, erinnerte mich stark an den neuen Roman von Murakami. Vielleicht liegen diese Themen in Japan in der Luft und in den Herzen der Menschen, oder Murakami hat einfach diesen Roman vor langer Zeit gelesen und in irgendeiner Form abgespeichert.
Die junge Frau Chihiro hat ihre Mutter verloren. Sie starb noch nicht alt im Krankenhaus. Chihiro hat sie dort dort begleitet, zusammen mit ihrem Vater. Ihre Eltern waren nie verheiratet; sie leitete eine Nachtbar, er übernahm die Firma seines Vaters. Chihiro lebt nach dem Verlust der Mutter allein, studiert Kunstgeschichte, hat gerade eine Affäre beendet und steht kurz davor einen schönen Auftrag (eine öffentliche Wandmalerei) zu bekommen. Sie genießt ihre Wohung und steht öfters am Fenster und schaut über die Stadt hinweg. Ihr gegenüber wohnt ein junger Mann, der die gleiche Angewohnheit hat. Nakajima scheint ein sehr ordentlicher Mensch zu sein. Während ihre Wäsche im schief und krumm auf der Leine hängt, sieht es bei ihm sehr akurat aus. Die beiden kommen sich näher, er übernachtet sogar bei ihr, ohne dass es zu einer körperlichen Annäherung kommt. Irgendein Geheimnis scheint in dem dünnen Mann zu stecken. Ist er schwul, denkt Chihiro sich. Banana Yoshimoto erzählt dies alles in einer sehr einfachen Sprache, schreibt von Mama und Papa, wenn sich Chihiro an ihre Eltern erinnert und schafft es dadurch, oder trotzdem eine zarte Atmosphäre um die beiden jungen Menschen zu spinnen, die in ihrer Vergangenheit etwas dramatisches erlebt haben müssen. Das ist es, was mich an den neuen Murakami erinnert hat. Junge Menschen, Verluste, Ortswechsel, Zerbrechen von Freundschaften, Geheimnisse in der Jugend oder Kindheit. Dazu eine einfache Sprache, eine fremde Welt, die aber doch sehr allgemein scheint. Die Beiden leben sozusagen zusammen und so langsam öftet Nakajima sich. Auch er hat seine Mutter verloren, mit der er eine sehr intensive Beziehung hatte. Warum, wird am Ende des Buches erklärt. Sie schlafen zusammen und beginnen sich über ihre Verluste, über ihre Kindheit auszutauschen. Nakajima schlägt Chihiro vor mit ihm an einen See zu fahren. Dort wohnen Freunde von ihm. Erst auf Nachfragen, was denn das für Freunde seinen, da er doch sonst niemand sonst um sich herum ertragen könne, erzählt er ihr von diesem Geschwisterpaar, die zurückgezogen in einem Teil eines Tempels wohnen. So beginnt ein neuer Teil dieser Freundschaftsgeschichte, in der wir fast in eine andere Welt eintauchen und das Geheimnis von Nakajima erfahren. Dieses Geschwisterpaar erscheint Chihiro zunächst sehr fremd, sie fährt jedoch etwas später alleine nochmals dorthin und nach diesem zweiten Besuch kommt sie gestärkt zurück und blickt gefasst in eine neue Zukunft. Mehr mag ich nicht erzählen, um die Spannung hochzuhalten.
Banana Yoshimotos Buch „Der See“ liest sich leicht, manchmal etwas zu leicht, lässt uns aber tief in das Innenleben dieses jungen Paares schauen. Und irgendwie komme ich nicht umhin, ob dieser Roman und der neue von Murakami nicht auch Geschwister sind.

Leseprobe
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Hier noch etwas zum Streit zwischen Papier und E-Buch:

Und_off-

Jajajajaja!