Dienstag, 2.August

Heute haben
Thomas Mofolo * 1875
Philippe Soupault * 1897
Joseph Hayes * 1918
James Baldwin * 1924
Isabel Allende * 1942
Bei Dao * 1949
Caleb Carr * 1955
Geburtstag
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Not everything that is faced can be changed, but nothing can be changed until it is faced.
James Baldwin
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„Die erste Seite“
Heute abend ab 19 Uhr

Bei uns in der Buchhandlung
Eintritt frei

Diese vier Bücher stellen wir heute abend vor.
Ralf Grimminger erzählt über sein Buch „Kleinstadthelden“.
Clemens Grote liest aus den anderen drei Romanen.


Milena Busquets: Meine verlorene Freundin, Suhrkamp Verlag € 22,00
Ralf Rothmann: Die Nacht unterm Schnee, Suhrkam Verlag € 24,00
Ralf Grimminger: Kleinstadthelden, Gmeiner Verlag € 20,00
Amor Towles: Lincoln Highway, Hanser Verlag € 26,00

Wir freuen uns auf Ihr/Euer Kommen.

Donnerstag, 28.Juli

Türstoppertigerente mit Tigerentenbuch

Heute haben
Beatrix Potter * 1866
Malcolm Lowry * 1909
John Ashbery * 1927
Remco Campert * 1929
Beat Brechbühl * 1939
Oleg Jurjew * 1959
Geburtstag
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Heinrich Heine
Sie liebten sich beide, doch keiner

Sie liebten sich beide, doch keiner
Wollt’ es dem andern gestehn;
Sie sahen sich an so feindlich,
Und wollten vor Liebe vergehn.

Sie trennten sich endlich und sahn sich
Nur noch zuweilen im Traum;
Sie waren längst gestorben,
Und wußten es selber kaum.
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Unser Taschenbuchtipp:

Gianrico Carofiglio: „Drei Uhr morgens
Aus dem Italienischen von Verena von Koskull
Unionsverlag € 13,00

Gianrico Carofiglio kennen wir als Autoren der Bari-Krimis. Das ist lange her. Krimis veröffentlicht er immer noch, aber auch Romane, wie diesen. Eine sehr intensive Vater-Sohn-Geschichte mit der Stadt Marseille als Fundament. Vielleicht ist Marseille auch die heimliche Hauptperson, um die sich die beiden Männer drängeln.
Antonio lebt bei seiner Mutter, sein Vater wohnt schon sehr lange nicht mehr mit den beiden zusammen. Bei Antonio wird eine bestimmte Art von Epilepsie festgestellt. Als Therapie schlagen die Ärzte vor: laute Orte meiden, kein Sport, früh ins Bett und zahlreiche Medikamente. Dieses hat natürlich auch Nebenwirkungen auf den jugendlichen Antonio und so verfällt er öfter in Depressionen. Als sein Vater einen Spezialisten für Epilepsie in Marseille auftut, treten die beiden, sich entfremdeten Männer, eine Reise dorthin an. In Marseille angekommen einigen sie sich zu dritt auf ein Experiment. Vater und Sohn dürfen 48 Stunden nicht schlafen. Danach gibt es wieder ein Treffen mit dem Arzt. Ab diesem Moment tauchen wir in Marseille ein. Dort unterhalten sich die beiden, erzählen aus ihrem Alltag. Der Vater versucht zu erklären, wie er seine Mutter getroffen hat und warum er nicht mehr bei Antonio wohnt. Dadurch kommen sie sich näher. Ihr Erzählen ist rückwärts gewandt, die Stadt nimmt sie jedoch mit in die intensive Gegenwart.
Carofiglios Roman hätte noch 200 Seiten mehr haben können und wäre nicht langweilig geworden. Er hat ein Zweipersonenstück geschrieben, bei dem wir gerne wissen wollen, ob es Vater und Sohn nach dem Zuschlagen des Buches heiterhin gut miteinander geht.
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Nach unserer Veranstaltung mit Helmut Gotschy und seinem dritten Ulm-Krimi, möchten wir Sie am kommenden Dienstag zu unserer „1.Seite“ einladen.

Wir stellen wieder vier neue Bücher.
Clemens Grote liest aus:
Milena Busquets: Meine verlorene Freundin
Ralf Rothmann: Die Nacht unterm Schnee
Amor Towles: Lincoln Highway

und
Ralf Grimminger stellt sein eigenes Buch „Kleinstadthelden“ vor.

Dienstag, 2.August ab 19 Uhr
bei uns in der Buchhandlung

Eintritt frei

Montag

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Heute haben
Wilhelm von Humboldt * 1767
Erich Maria Remarque * 1898
Anne Morrow Lindbergh * 1906
Francois Lelord * 1953
Dan Brown * 1964
Melinda Nadj Abonji * 1968
Geburtstag

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Ralf Rothmann: „Im Frühling sterben“
Suhrkamp Verlag € 19,95
Auch als eBook erhältlich
Hörbuch 6 CDs, 450 Minuten € 19,99
Gelesen von Thomas Sarbacher

Es ist Frühjahr 1945, die beiden Melkerlehrlinge Walter und Fiete machen sich auf zu einem vermeintlichen Freibierausschank in einem Dorfgasthof in Norddeutschland. Beide sind noch keine 18 Jahre alt, sie wissen um das nahende Ende des Krieges, ohne dass sie dazu „Feindsender“ anhören müssen. Sie wissen, wo die Amerikaner und die Russen stehen und blicken auf eine neue, andere, ungewisse Zukunft. Da sich das Fest in der Kneipe als Zwangsrekrutierung herausstellt, ändert sich die Lage der beiden Jungs und der anderen anwesenden Männer schlagartig. Wer sich nicht freiwillig zur Waffen-SS meldet, solle doch bitte die Hand heben. Dass dies jedoch niemand macht, ist klar, da die Schlägertrupps der SS im Saal versammelt sind.
Walter und Fiete werden nach Ungarn verlegt und erleben dort die Grausamkeit des Krieges, die sadistische Brutalität an der Zuvilbevölkerung und geraten mitten in mörderischen Kämpfe. Mit Durchhalteparolen, Druck von oben und den vielen Reden über Ehre und Vaterland, versucht man diesen jungen Soldaten ihre Individualität zu nehmen und sie als pures Material für den Krieg umzuerziehen.
„Immer wieder brachen die knapp spurbreiten Pässe weg, und Wagen voller Verwundeter kippten um oder stürzten in die Schluchten. Oft entstanden Staus, deren Auflösung bis in die hellen Morgenstunden dauern konnte, und dann boten die an sich dichten, im März aber noch kaum begrünten Eichenwälder wenig Deckung vor den Fliegern. Langsam fuhr Walter den Wagen an einer vernichteten Nachschubkolonne vorbei. Reifen qualmten, tote Soldaten hingen aus den Führerhäusern, Berge von Brot zerfielen im Regen. Immer wieder musste er bremsen und zurücksetzen, um den Dreitonner durch enge Kurven zu manövrieren, wobei er manchmal ins Rutschen kam und gegen Bäume oder Felsvorsprünge stieß. Dann hörte er die Verletzten auf der Ladefläche stöhnen, und obwohl es kühl war an dem späten Abend, brach ihm der Schweiß aus.“
Der Ich-Erzähler beginnt seinen Roman jedoch mit der Beschreibung seines Vaters nach dem Krieg. Ein Mann, der von allen hochangesehn war, dem aber auch niemand kumpelhaft auf die Schulter geklopft hat. Ein Mann, der nie viel redete, der von Norddeutschland ins Ruhrgebiet gezogen ist und dort 30 Jahre unter Tage gearbeitet hat. Dadurch hat er sein Gehör verloren und starb mit knapp 60 Jahren an den Folgen dieser brutalen Arbeit, wie so viele seiner Kumpel. Eine Vertraulichkeit zwischen den Eltern hat der Erzähler nie gesehen, nur immer wieder Streitereien, wenn der Vater wieder zuviel getrunken hatte, was immer öfter vorkam. Angesprochen auf die Zeit während des Krieges, bekam der Sohn keine Antwort. Die Kladde, die er seinem Vater kaufte, um selbst diese Zeit als junger Soldat in den letzten Kriegsmonaten aufzuschreiben, blieb leer, bis auf ein paar wenige Kritzeleien. „Er sei doch der Schriftsteller. Er solle doch …“, meinte der Vater dazu. Als der Vater dann auf dem Sterbebett liegt und seine Ehefrau ihn in den letzten Stunden begleitet, phantasiert er wieder und die Mutter sagt, dass er jetzt wieder im Krieg ist. Ein Zustand, den die Mutter wohl öfters nachts bei ihrem Partner erlebt hat. Nun ist der Vater tot und der Ich-Erzähler macht sich selbst auf die Reise in dessen Vergangenheit.
Ralf Rothmann hat einen Roman geschrieben, dem ich eine große Leserschaft wünche, ein Roman, der als Schullektüre Einzug halten sollte. Der Autor gehört zur Nachkriegsgeneration (Jahrgang 1953), die dieses Sprachlosigkeit der Väter miterlebt hat und gleichzeitig in der eigenen Biografie nie Not und Elend erleben mussten. Er bringt dieses Nichtwissen um die Ängste, Alpträume der Väter zu Papier und gibt ihm in seiner großartigen Sprache ein plastisches Gesicht.

Leseprobe
Ralf Rothmann liest aus seinem Roman in 3sat.

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Werner Färbers: UNGEREIMTHEIT DER WOCHE

NACHBARSCHAFTSSTREIT

Es steht ein Baum in einem Garten.
Weil er sehr hoch und Licht abhält,
umliegende Nachbarn warten
darauf, dass man ihn doch bald fällt.

Die Baumeigner im Nachbarstreit
stellen sich nicht mal die Frage,
ob sie zur Baumfällung bereit –
sie pflanzten ihn am Hochzeitstage!

Nach fünfzig Jahren Eheglück
das Baumbesitzerpaar verreist.
Total entspannt kehr’n sie zurück.
Ihr Garten jedoch ist verwaist.

Wer flüchtig hinschaut, sieht es kaum:
sehr gründlich war die Nachbarschaft.
Rollrasen liegt, wo einst der Baum,
welchen sie heimlich weggeschafft.

DER FLOH AM PO

Es springt ein klitzekleiner Floh
auf einen nackten Kinderpo.
Wie’s halt bei Flöhen üblich is‘,
folgt auf die Landung gleich ein Biss,
welcher auslöst fieses Jucken.
Beinah‘ zeitgleich sieht man zucken
des Po-Besitzers flinke Hand,
die heftig klatscht aufs Hinterland.
Während das Jucken hält noch an,
der Floh nie wieder beißen kann!

Werner Färber ist bei uns der Buchhandlung, liest aus seinen Ungereimtheiten, aus seinem, noch nicht erschienen Buch, über Morde in Ulm und ist tagsüber in Ulmer Schulen.
Mittwoch, 1 Juli um 19 Uhr bei uns in der Buchhandlung.
Sie sind herzlich eingeladen.

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