Mittwoch, 6.September

Heute hat
Edith Sitwell * 1887
Geburtstag.
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Eduard Mörike
Septembermorgen

Im Nebel ruhet noch die Welt,
Noch träumen Wald und Wiesen:
Bald siehst du, wenn der Schleier fällt,
Den blauen Himmel unverstellt,
Herbstkräftig die gedämpfte Welt
Im warmen Golde fließen.
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Unser Bilderbuchtipp der Woche:

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Britta Teckentrup:Oskar und Mo
Prestel Verlag € 12,99
Bilderbuch ab 3 Jahren

Unermüdlich und mit immer neuen Ideen ist Britta Teckentrup unterwegs. Gerade hat sie für ihr Ei-Buch einen weiteren Preis erhalten.
Und jetzt ist Oskar zurück und bringt seine Freundin Mo mit. Nach dem ersten Band „Oskar liebt“, liebt Oskar nicht nur Dinge, sondern halt auch Mo. Und: Mo liebt Oskar. Sie lieben es gemeinsam in den Sonnenuntergang zu fliegen, sich an stürmischen Tagen aneinander festzuhalten, im Regen miteinander zu tanzen, den gleichen Schal zu tragen, sich gegenseitig zu helfen und kleine Geschenke zu machen. Zusammen schaffen sie es auf die höchsten Berge. Und wenn so ein langer, voller Tag zuende geht, dann legen sie sich gemeinsam unter eine Decke. Wie das kleine Raben halt so machen.
Britta Teckentrup schafft es auch hier mit einfachen Mitteln uns mit ihrer Geschichte gefangen zu nehmen. Bei ihr braucht es nicht viel Drumherum. Es sind die klaren Formen und Gesten, die uns überzeugen.
Ihr ist eine große Liebeserklärung gelungen, die nicht nur für die Kleinen ihre Gültigkeit hat.

Schauen Sie doch bitte in die Leseprobe.

Freitag, 30.September

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Heute haben
Ferdinand von Saar * 1833
Truman Capote * 1924
Élie Wiesel 1928
Jurek Becker * 1937
Werner Schmidli * 1939
Cecilia Ahern * 1981
Geburtstag
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„Lesen ist eine ernste Angelegenheit, doch einsam oder gelangweilt sind Leser selten, denn Lesen ist eine Zuflucht und eine Erleuchtung, eine Erfahrung, die zuweilen offen zutage tritt. Mir kommt es immer vor, als ginge vom Gesicht eines lesenden Menschen etwas Strahlendes aus.“
Paul Theroux

Steve McCurry. „Lesen
Eine Leidenschaft ohne Grenzen
Mit einer Einführung von Paul Theroux
Prestel Verlag € 29,85
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Der Magnum Fotograf Steve McCurry hat magische Momente des Lesens, diese Versunkenheit abgelichtet. Rund um die Welt, mit den verschiedensten Menschen. Ob alt oder jung, arm oder reich. Egal, sie alle haben ein Buch, eine Zeitung in der Hand. Ob auf der Kühlerhaube, oder an einen kleinen Elefanten gelehnt – sie lesen und sind ihrer Welt entrückt. Und das macht ja das Lesen aus. Etwas Ver-rückt zu sein, etwas aus der Welt gefallen. Nicht alles besser zu wissen und zu allem einen Kommentar abzugeben. Nein, wir überlassen uns den Autoren. Ob dicker Roman, oder ein Fußballbericht. Wir lesen und verschwinden hinter den Worten, die dort stehen. Dieser Moment wird auf den Fotografien deutlich sichtbar.
Gut, es ist ein Coffeetable Buch, eines, das wir hin und wieder durchblättern. Aber jede Wette, wenn Sie es auf einem Tisch liegen lassen, Ihre richtigen Freunde werden anfangen darin zu blättern und ein paar Minuten still sein. Bis ein Schrei zu hören ist. „Ah, diese Stelle kenne ich! Da war ich auch schon.“ Und sei es nur in einem Roman.

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Das hervorragende Vorwort von Paul Theroux zeigt den Autoren nicht nur als begeisternden Leser und Weltreisenden, sondern auch als genauen Beobachter.
Gelesen wird immer und überall. Es gibt fast nichts Wichtigeres, als dass alle Menschen lesen können, denn nur dann können sie sich selbst ein Bild von dem machen, was um sie herum geschieht und müssen nicht nur das glauben, was ihnen gesagt wird.

Von Rom bis Kyoto, Marrakesch bis Los Angeles – überall auf der Welt lesen Menschen – lautet die schlichte wie überaus erfreuliche Nachricht dieses Bildbandes und überall gibt es Buchhandlungen. Große und kleine, egal, auf den „Inhalt“ kommt es an.
Kathrin Passig hat in ihrem Vortrag in der Ulmer Stadtbibliothek erwähnt, dass der Buchhandelsverband mitgeteilt hat, dass der stationäre Buchhandel noch 100 Jahre hätte, bis er verschwunden ist. Kathrin Passig geht von 50 Jahren aus. Aber: Wer denkt schon so weit. Jetzt im Moment gibt es eine schöne Auswahl an unabhängigen, engagierten Buchhandlungen. Nutzen Sie dies aus.
Aber wem sage ich das, Sie machen das ja eh schon.
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Wenn ich schon dabei bin:
Bitte nicht vergessen.
Dienstag, 4.Oktober ab 19 Uhr
Jastrams „Erste Seite“ mit vier neuen Büchern und Clemens Grote als Vorleser.
Bei uns in der Buchhandlung

Freitag

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Heute haben
Robert Musil * 1880
Michael Cunningham * 1952
Karin Fossum * 1954
Geburtstag
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Eintritt frei!
Heute geht’s in’s Museum.

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Jo Nelson:Das Museum der Weltkulturen
Mit Illustrationen von Richard Wilkinson
Sachbilderbuch ab 9 Jahren
Großes Format mit vielen Abbildungen
Prestel Verlag € 24,99 (also doch nicht ganz umsonst)

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Oh, was für ein großes Format. Das Buch passt in kein Regal.
Soll es auch gar nicht, denn viel schöner ist es, wenn es aufgeschlagen herumliegt und immer einsatzbereit.
„Eintritt frei!“, wirbt der Verlag. Und was gibt es Schöneres, als in solchen Büchern zu Blättern, zu Schmökern, zu Suchen und zu Finden. Und wenn Sie als Erwachsene nicht immer wieder „Ach, so ist das also“ sagen, dann haben Sie ein wenig geschummelt.
Das Buch trägt über 150 Exponate aus allen Museen der Welt zusammen. Wir müssten somit ganz schön um die Welt reisen, um so eine umfangreiche Auswahl vorzufinden. Hinzu kommt noch die besondere Art der Illustration, die sehr genau und doch nicht super wirklichkeitsnah ist. Gerade das regt die Fantasie noch mehr an, so denke ich.
Die Verfasserin Jo Nelson schreibt im Vorwort über Zusammenhänge der Exponate. Was haben ein mesopotamisches Brettspiel und ein altägytisches Bäckermodell gemeinsam? Beide waren Grabbeilagen und beide Exponate finden wir in diesem Museum aus Papier. Was steckt hinter Scherben, die 70.000 Jahre alt sind und was lässt sich daraus auf die Geschichte der Menschheit schließen?

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Wir finden Ausstellungsstücke, die mit Ritualen und Religion, Tod und Bestattung, Schmuck und Schauspiel, Schrift und Geschichten, Alltag und Arbeit, Krieg und Macht in Verbindung stehen. Beim Schlendern durch das Museum können wir verschiedene Zivilisationen vergleichen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede entdecken.
Eine Zeittafel von 1.000.000 vor Christus bis in die nahe Vergangenheit zeigen die Ausstellungsstücke, wie sie parallel in Afrika, Amerika, Asien, Europa, im Nahen Osten und Ozeanien gefunden worden sind.
Hereinspaziert in dieses Museum der Weltkulturen. Sie werden es nicht bereuen.

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