Montag, 3.Mai

B.Traven * 1890
Jehuda Amichai * 1924
Tatjana Tolstaja * 1951
haben heute Geburtstag
und es ist der Todestag von
William Shakespeare + 1616
Günter Herburger + 2018
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Winfried Hermann Bauer
Lichthunger

Wenn der Lichthunger nagt
Reicht weder die Sonne des Südens
Noch der aufgehende Morgen
Ihn zu stillen
Es sind die leuchtenden Himmel des Nordens
Auf die meine Kompassnadel zeigt
Und der schrille Gesang der Samen
Der mich hinauf treibt bis zum letzten Kap

Unwissend wahrhaftig

Bis ein Stern in das Crescendo
grätscht
Ein wildweiser Bote aus den Tiefen des Alls
Der meinen Magnetpol
verschiebt
Und den Nachthimmel erglühen lässt
Grün wie das Werden selbst
Und ich frage mich

Ob mein Sterben vielleicht auch ein neuer Anfang ist
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Jacqueline Woodson: „Alles glänzt
Aus dem Amerikanischen von Yvonne Eglinger
Piper Verlag € 22,00
Red At The Bone“ € 13,00

„Ein wirklich magisches Buch. Woodson gehört zu den wenigen Schriftstellerinnen, die einem das Gefühl geben, dass man alles schaffen kann – und darum alles versuchen sollte.“
Ocean Vuong

Unglaublich, dieses Buch. Von Zeile zu Zeile, von Seite zu Seite, von Kapitel zu Kapitel erzählt Jacqueline Woodson die Geschichte zweier schwarzer Familien in Brooklyn. Aber nicht, wie wir es gewohnt sind. Gleich zu Beginn springt sie in die Erzählung, die eigentlich weit ans Ende gehört. Immer wieder wechselt sie die Perspektiven, lässt andere Personen zu Wort kommen, würfelt Zeiten, Ereignisse und Menschen durcheinander. Mal sind es sehr zärtliche, liebevolle Momente, die dann aber auch sofort kippen können. Es ist die Lust auf das Leben, das Zufriedensein, mit dem, was ist und der starke Wille etwas ganz anderes zu tun.
Mit „Ein anderes Brooklyn„, das vor Jahren auf deutsch erschienen ist, hat mich die Autorin überzeugt und wir haben damals das Buch auch an einer „Ersten Seite“ vorgestellt. Dieser Roman ist noch stärker, noch kraftvoller, noch atmosphärischer. Ich möchte diesen Roman gleichsetzen mit Werken von Toni Morrison und Alex Baldwin. Und alle, die gerne „Mädchen, Frau, etc.“ von Bernardine Evaristo gelesen haben, werden hier das gleiche Lesevergnügen haben.

Jacqueline Woodson, geboren 1963, zählt zu den bedeutendsten Jugendbuchautorinnen der USA. Sie hat mehr als zwanzig Jugendbücher geschrieben. Für ‚Brown Girl Dreaming‘ wurde ihr 2014 der renommierte National Book Award zugesprochen, 2018 erhielt sie mit dem Astrid-Lindgren-Gedächtnis-Preis die weltweit höchstdotierte Auszeichnung für Kinder- und Jugendliteratur. 2020 wird Jacqueline Woodson mit dem Hans-Christian-Andersen-Preis geehrt, der auch der ‚kleine Nobelpreis‚ genannt wird. Woodsons Jugendbücher erscheinen regelmäßig auf der New York Times-Bestsellerliste. Wichtige Themen ihres Schreibens sind die afroamerikanische Geschichte, Klassenverhältnisse und Geschlechterhierarchien.
Jacqueline Woodson lebt mit ihrer Familie in Brooklyn, New York.
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Nach zwei Tagen Stadtradeln Ulm machen 739 Personen mit, wurden 26.327 Kilometer geradelt und
4 Tonnen CO2 vermieden.
Aber Hallo!!!



Dienstag, 13.April

Heute haben
Roda Roda * 1972
Samuel Beckett * 1906
Stephan Hermlin * 1915
Seamus Heaney * 1939
G.Le Clezio * 1940
Geburtstag
und es ist der Todestag von
Giorgio Bassani, Eduardo Galeano und Günter Grass.
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„Wenn man nach einem Festessen die Gastgeberin auf beide Wangen küsst,
erspart man sich die Serviette.“
Roda Roda
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Nicolas Mathieu: „Wie später ihre Kinder
Aus dem Französischen von André Hansen und Lena Müller
Piper Taschenbuch € 12,00
Prix Concourt 2018

In den Sommern zwischen 1992 und 1998 erzählt uns der Autor, im Zweijahresrhythmus, Geschichten aus Lothringen. Aus dem Teil Frankreich, in dem die Fabriken stillstehen, die Arbeitslosigkeit hoch ist und die Chance, aus diesem Umfeld herauszukommen, gering.
Er schreibt über die Jugendlichen, ihre Träume und Hoffnungen und ihre versoffenen Väter.
Es geht um Gewalt, Drogen, Freiheit und die Sehnsucht nach Liebe und Zuneigung.
Die Schranken zwischen den Gesellschaftsschichten sind hoch und, fast wie das Kastenwesen in Indien, unüberbrückbar.
Was bleibt also noch von diesem langen Leben, das vor diesen jungen Menschen liegt, wenn sie sehen, was aus ihren Vätern und Müttern geworden ist?
Nicolas Mathieu zeigt auf, dass die „Gelbwesten“ schon lange da waren, bevor sie im Fernsehen eine Öffentlichkeit bekamen. Front National zu wählen und wie in Deutschland die AfD, ist schon fast normal.
Trotz allem schafft es der Autor einen spannenden Roman zu schreiben, in dem er so viel Hoffnung heineinpackt, dass wir bis auf die letzten Seiten gebannt in der Lektüre hängenbleiben.
Nicht umsonst hat er 2018 dafür den wichtigesten Literaturpreis Frankreich erhalten und reiht sich nahtlos in die Bücher von Didier Eribon, Annie Ernaux und Pierre Bourdieu ein.
Eine geniale Lektüre.
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Mitmachen. Spaß dabei haben und mit der Radar-App die Verwaltung darauf hinweisen, wo es im Stadtgebiet Schwachstellen, Handlungsbedarf im Radwegenetz hat.

Wir haben ein Team: „Jastram radelt“

Anmelden, App herunterladen und losgehts.
Wer kein Handy hat, kann uns die gefahrenen Kilometer durchgeben und wir tragen sie dann ein.

Los geht’s!

Mittwoch, 14.September

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Heute haben
Theodor Storm * 1817
Michel Butor * 1926
Ivan Klima * 1931
Eckhard Henscheid * 1941
Uli Becker * 1953
Geburtstag
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Theodor Storm
Abseits

Es ist so still; die Heide liegt
Im warmen Mittagssonnenstrahle,
Ein rosenroter Schimmer fliegt
Um ihre alten Gräbermale;
Die Kräuter blühn; der Heideduft
Steigt in die blaue Sommerluft.

Laufkäfer hasten durchs Gesträuch
In ihren goldnen Panzerröckchen,
Die Bienen hängen Zweig um Zweig
Sich an der Edelheide Glöckchen,
Die Vögel schwirren aus dem Kraut –
Die Luft ist voller Lerchenlaut.

Ein halbverfallen niedrig Haus
Steht einsam hier und sonnbeschienen;
Der Kätner lehnt zur Tür hinaus,
Behaglich blinzelnd nach den Bienen;
Sein Junge auf dem Stein davor
Schnitzt Pfeifen sich aus Kälberrohr.

Kaum zittert durch die Mittagsruh
Ein Schlag der Dorfuhr, der entfernten;
Dem Alten fällt die Wimper zu,
Er träumt von seinen Honigernten.
– Kein Klang der aufgeregten Zeit
Drang noch in diese Einsamkeit.
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Jetzt als Taschenbuch:

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Adelle Waldman:Das Liebesleben des Nathaniel P.
Aus dem Amerikanischen von Klaus Timmermann und Ulrike Wasel
Piper Verlag € 10,00

Adelle Waldman hat mit ihrem Buch in den USA, in New York, in Brooklyn für Aufsehen gesorgt. Es wurde als das beste Debut des Sommers 2013 ausgezeichnet. Naja, Auszeichnungen gibt es. Ich bin über diesen schmalen Roman über diverse Blogs gestolpert und dachte, dass mir dieses Buch gefallen könnte. Und das hat es auch. Adelle Waldmans Protagonist Nathaniel, genannt Nate, ist einer dieser vielen Mitdreißiger, die durch die Großstädte tigern. Er hat vor Jahren ein erfolgreiches und schwer beachtetes Buch geschrieben und hält sich in den letzten Jahren mit Buchbesprechungen über Wasser. Seine Wohnung könnte eine Aufräumaktion gut vertragen, doch bekommt er für vieles sein Hinterteil nicht hoch. So läuft er auf dem Weg zu einer Party seiner Ex über den Weg und der Roman nimmt seinen Lauf. Nate verliebt sich schnell. Leider nicht immer in die Richtige. Und so entsteht eine kleine Ansammlung von Frauen, wie wir sie auf dem Umschlag sehen. Na, so viele sind es nun auch wieder nicht, da Adelle Waldman ihren Focus auf ein Jahr legt. Es wird viel geredet, viel getrunken. Große Diskussionen über Nichtigkeiten. Große Hoffnungen auf neue Buchprojekte. Neid und Getratsche gehören hier genauso zum Alltag dieser Jungdynamischen, wie schon bei den Romanen von Charlotte Bronte. Es wird viel über Schuld geredet, aber unser Nate versucht nicht gerade aktiv an seiner Situation etwas änden. Adelle Waldman erzählt mit großer Nähe über diesen kleinen Freundeskreis, wie er auch in Paris, Berin und Ulm sein könnte. Und trotzdem behält sie genau die richtige Distanz und überlässt uns als Leser die einzelnen Typen zu bewerten. Mit ihrem Witz, der sich hinter dem Text versteckt, gibt sie der Handlung Schwung und lässt uns die vorgestellten Menschen mit einer guten Portion Ironie betrachten.

Leseprobe

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Am Freitag liest Fee Katrin Kanzler bei uns in der Buchhandlung aus ihrem neuen Roman.

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2.Teil der Leseprobe

Noch bevor seine Fußspitze die erste Treppenstufe berührte, zuckte er zusammen, erstarrte mitten in der Bewegung und ein erstickter Laut drang aus seiner Kehle.
Ein knotiger Schatten, ein vielbeiniges Tier regte sich neben ihm, schmiegte sich in der Dunkelheit an den Putz. Der Schemen sog Henrys blauäugigen Blick in sich hinein und ließ ihn nicht mehr los. In der Fensternische saß ein Mädchen mit wild ab stehenden Dreadlocks. Ihre Umrisse weckten in Henry ein Gefühl von Sturz und Festhaltenwollen, als sei er ausgeglitten und fiele in einen tiefen Brunnen. Von draußen kroch etwas Nachtlicht auf ihre Lippen, die von Gänsefett glänzten. Die Schweigende betrachtete den Gebannten, erst teilnahmslos, dann amüsiert. Ein Biss in die Geflügelkeule, um deren Schaft sie eine Serviette gewickelt hatte, ein Kauen, Schlucken, Lippenlecken.
Henry versuchte, seine angeknackste Contenance mit einem Räuspern zu kitten, mit einem flotten Spruch, mit Smalltalk. Hätte er gewusst, dass dieses Mädchen ihm bald übel mitspielen würde, um kein einziges Wort hätte er gerungen, hätte all seine Neugier und Brunnensturzgefühle an den Mast gebunden, wäre schleunigst weitergesegelt. Aber er wusste nichts, wollte nichts außer dem Arbeiten seines Herzens und diesem schwarzen Gänseblümchen, das vor ihm saß. Er wollte es beeindrucken.
»Gestatten, Henry Jean-Toussaint Einstein«, stellte er sich vor.
»Joe«, sagte das Mädchen.