Samstag, 23.März

Unser Tipp:

Michael Hampe: „Wozu?
Eine Philosophie der Zwecklosigkeit
Hanser Verlag € 25,00

Von der Geburt bis zum Tod: Was weiß die Philosophie über die Stationen unseres Lebens?

Was bedeutet es, auf die Welt zu kommen? Wir treffen Unterscheidungen und Bewertungen, noch bevor wir Begriffe bilden, sprechen und urteilen. Wir verlieben uns und begreifen, dass das Leben endlich ist. All das kann man philosophisch untersuchen: Entsteht da ein Subjekt? Warum braucht es einen „Sinn“? Wozu das alles? Kann man ein Leben mit all seinen Erfahrungen und Emotionen überhaupt in Worte fassen? Wenn wir uns aber nur über Ausschnitte unseres Lebens austauschen können, geraten Regeln und Zwecke ins Wanken, weil sie nur einen Teil unserer Existenz betreffen. Damit ist der Weg frei für eine Selbsterkundung, die eine größere innere Freiheit verspricht als die Jagd nach Zielen und die Suche nach Sinn.

Leseprobe
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UNESCO-Weltwasserbericht
2,2 Milliarden Menschen ohne sauberes Trinkwasser

Sauberes Trinkwasser ist eine überlebenswichtigste Ressource – zu der weltweit noch immer mehr als zwei Milliarden Menschen keinen Zugang haben. Aus Sicht der UN droht Wasserknappheit zunehmend Konflikte zu schüren.
Die Vereinten Nationen haben sich zum Ziel gesetzt, dass bis 2030 alle Menschen weltweit Zugang zu sauberem Trinkwasser und zu einer sanitären Grundversorgung bekommen sollen. Doch noch liegt dieses Ziel in weiter Ferne: Zahlen des aktuellen Weltwasserberichts der UNESCO zufolge leben nach wie vor etwa 2,2 Milliarden Menschen ohne eine sichere Versorgung mit sauberem Trinkwasser. Circa 3,5 Milliarden Frauen, Männer und Kinder können keine sauberen Sanitäranlagen benutzen.
„Aus heutiger Sicht werden wir die Nachhaltigkeitsziele für die Wasser- und Sanitärversorgung verfehlen“, warnte Ulla Burchardt, Vorstandsmitglied der deutschen UNESCO-Kommission mit Blick auf diese Zahlen. Derzeit leidet laut dem Bericht mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung zumindest saisonal unter Wasserknappheit. Ein Viertel aller Menschen sei einem „extrem hohen Wasserstress“ ausgesetzt, da sie mehr als 80 Prozent des jährlichen erneuerbaren Süßwasservorrats in ihrer Region verbrauchen. Und der Verbrauch an Süßwasser nimmt weltweit zu – Schätzungen der UNESCO zufolge pro Jahr um knapp ein Prozent. Dabei entfällt der höchste Verbrauch mit etwa 70 Prozent des aus dem natürlichen Kreislauf entnommenen Süßwassers auf die Landwirtschaft. Allerdings sind es vor allem die Industrie mit aktuell etwa 20 Prozent und die privaten Haushalte mit zehn Prozent, die immer mehr Süßwasser verbrauchen. …

https://www.tagesschau.de/ausland/europa/unesco-weltwasserbericht-100.html

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Umweltverschmutzung auf Bali
Müllberge statt Traumstrände

Dass an Balis Stränden Müll aus dem Ozean angeschwemmt wird, ist kein neues Phänomen. Doch jetzt scheint das Problem außer Kontrolle zu geraten. Verantwortung dafür trägt auch die Bevölkerung.
Bali leidet seit Jahren unter einem enormen Müllproblem. Doch die Abfallflut, die viele Strände und Flussufer seit einigen Tagen überrollt, ist selbst für die indonesische Urlaubsinsel erschreckend – und macht in örtlichen Medien und auf sozialen Netzwerken Schlagzeilen. Besonders schlimm betroffen seien die Strände Kedonganan und Jimbaran in der bei Surfern beliebten Gegend rund um Kuta, sowie der Ort Pecatu mit dem berühmten „Dreamland Beach“, berichtete die Zeitung „Bali Sun“.
Durch heftige Westwinde werden regelmäßig ganze Abfallteppiche aus dem Meer und von Schiffen an Balis Küsten gespült. Die Müllabfuhr habe zusammen mit freiwilligen Helfern seit Mittwoch bereits 100 Tonnen Unrat eingesammelt, hieß es im Zeitungsbericht weiter. Und es gebe „noch jede Menge mehr“. Besonders Plastikmüll macht den Menschen auf Bali zu schaffen. Auch viele Feriengäste beteiligen sich laut „Bali Sun“ an den Sammelaktionen an besonders verdreckten Stränden. …

https://www.tagesschau.de/ausland/asien/bali-umwelt-muell-100.html

Dienstag, 7.Februar


Heute haben
Thomas Morus * 1477
Charles Dickens * 1812
Sinclair Lewis * 1885
Ernst Ginsberg * 1904
Paul Nizon * 1905
Herbert Eisenreich * 1925
Doris Gercke * 1937
Geburtstag
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Wilhelm Hey (1789-1854)
Kind und Buch

Komm her einmal, du liebes Buch;
Sie sagen immer, du bist so klug.
Mein Vater und Mutter, die wollen gerne,
Dass ich was Gutes von dir lerne;
Drum will ich dich halten an mein Ohr;
Nun sag mir all‘ deine Sachen vor.

Was ist denn das für ein Eigensinn,
Und siehst du nicht, dass ich eilig bin?
Möchte gern spielen und springen herum,
Und bleibst du immer so stumm und dumm?
Geh, garstiges Buch, du ärgerst mich,
Dort in die Ecke werf‘ ich dich.
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Aus der Reihe „100 Seiten“ des Reclam Verlages:


Anna-Lisa Dieter: „Susan Sontag
Reclam Verlag € 10,00

Um Susan Sontag gibt es fast keinen Weg herum. Für Generationen von Studierenden ist die New Yorker Intellektuelle ein Vorbild, ihre Essays zu Politik und Popkultur, aber auch zu Philosophie, Fotografie, Literatur und Sexualität sind bewusstseins- und stilprägend. Sie wollte als Romanschriftstellerin berühmt werden (berühmt werden wollte sie auf jeden Fall und das schon in sehr jungen Jahren), ihre Essays sind es aber, die sie legendär gemacht haben. Ihr bewegtes Leben (und Liebesleben) an der Seite zahlreicher Berühmtheiten – von Andy Warhol bis Annie Leibovitz – hat ebenfalls zum Mythos Sontag beigetragen. Erhellend dazu sind ihre Tagebuchaufzeichnungen und biografischen Bücher von Bekannten und von ihrem Sohn. Wenn es auch zu kontroversen Ansichten zu einzelnen Themen kommt.
Susan Sontag ist eine Ikone des Denkens, die sich ganz bewusst gekonnt in Szene setzen konnte und damit provozierte und für Aufmerksamkeit sorgte.
Anna-Lisa Dieter hat hier auf 100 Seiten das Leben und Denken von Susan Sontag so gekonnt auf den Punkt gebracht und Lust auf mehr Originaltexte gemacht.
Da Susan Sontag ein Fan von Listen war, hat der Reclam Verlag eine Liste von Musikstücken mit einem QR-Code verknüpft. Hier können Sie gleich mal hören, welche Musik Susan Sontag wichtig war.
Playlist

Anna-Lisa Dieter ist Literaturwissenschaftlerin und Kuratorin am Naturkundemuseum BIOTOPIA in München. Sie schreibt als freie Autorin für das Feuilleton verschiedener Zeitungen und konzipiert und moderiert Gesprächsreihen am Deutschen Hygiene-Museum in Dresden.

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Heute, Dienstag, 7.Februar, 19 Uhr
Die Erste Seite

Wir stellen wieder neue Bücher vor.

Claire Keegan: „Das dritte Licht“
H. W. Richter: „Geschichten aus Bansin“
Milena Michiko Flasar: „Oben Erde, unten Himmel“
Adi Hübel & Dietmar Herzog präsentieren ihr Buch: „Bei Anruf Wort“

Es liest Clemens Grote

Mittwoch

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Heute haben
Jacinto Benavente * 1866 (Nobelpreis 1922)
Alfred Kantorowicz * 1899
Karl Mickel * 1935
Stefano Benni * 1947
Hans-Ulrich Treichel * 1952
Geburtstag.
Und es ist der Todestag von Thomas Mann (+ 1955)

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Byung-Chul Han: „Die Errettung des Schönen“
S.Fischer € 19,99
als eBook € 18,99

Han bleibt mit diesem neuen Buch seinem Thema treu. Er ist ein großer Kritiker der neuen Medienwelt und misstraut dem allzu Glatten, dem Sauberen und rechnet dazu auch die Informationen und Texte, die durchs digitale Netz schwirren.
Augangspunkt diesmal ist die Kunst Jeff Koons, die mit extrem glatten Flächen aufwartet, in denen sich der Zuschauer spiegeln kann und über die man so gerne streicheln würde, wäre da nicht das aufmerksame Wachpersonal. Alles, was Jeff Konns von den Zuschauern seiner Werke hören will ist ein lautes „Wow“, so zitiert in Han. Mehr nicht. Glatt sind auch unsere iPhones und Tablets. Keine Kanten, keine Ecken. Sogar leicht geformt tauchen sie auf, damit sie besser in die hintere Hosentasche passen. Dies wird uns als schön vorgestellt. Und auch das, was wir uns als Email, über WhatsApp, oder Facebook schicken, sind glatte Botschaften, Nichtigkeiten. Wir sind scharf darauf, möglichst viele dieser Likes zubekommen und formulieren dementsprechend unsere Kurztexte. Informationen aus dem Netz entsprechen dieser Art von Text und lassen meist keine Doppeldeutigkeit der Worte und Formulierungen zu, wie es in einem Roman oft der Fall ist.
Han zitiert Brecht und misstraut der Schönheit, die uns ohne Brechung und Riss vorgestellt wird. Schönheit entsteht erst durch eine Art der Verhüllung. Sonst, so Han, sind wir auf einer Ebene der Pornografie. Erotik entsteht dort, wo sich eine Kleinigkeit offenbart und unsere Phantasie angeregt wird. Diese Begriffe der Pornografie und Erotik verwendet Han in den verschiedensten Bereichen und nicht nur für Fotos und Filme.
Han kramt in den Werken von Roland Barth, Adorno und Hegel, zitiert Heidegger und Kant und belegt mit vielen Zitaten seine These. So sagt Hegel, dass kein Gegenstand des Konsums schön sein kann, weil ihm die Freiheit fehlt. Und Han schreibt, dass es die Aufgabe von Schriftstellern ist, sich zu poetisieren, denn die Schönheit ist ein Beziehungsereignis. Schönheit hat ein Nachleuchten und alles was wir mit einem „Wow“ begrüßen,verschwindet auch schnell wieder aus unserem Gedächtnis.
Han vergelicht das Digitalschöne mit dem Naturschönen, geht auf den Begriff des Desasters ein, schreibt über die Wahrheit des Schönen und das pornographische Theater, das der Grund war, warum Botho Strauss keine Theaterstücke mehr schreibt. Pornographie auch hier in dem Sinne, dass nichts mehr verborgen bleibt, dass plakativ auf der Bühne agiert wird und dem Zuschauer keine Unstimmigkeiten mehr zugemutet werden, über die er grübeln kann.
„Verweilen am Schönen“ und „Schönheit als Reminiszenz“ nennt er noch eine der letzten Kapitelüberschriften seines Buches.
Han zeigt uns auf seinen etwas 100 Seiten einen Querschnitt durch das Thema Schönheit in unserer modernen Welt, schreibt, wie dieser Begriff in der Antike gesehen worden ist, und bleibt ein Kritiker der schnelllebigen Welt, in der uns Konsumgegenstände als das einzig Wahre, Gute, Schöne vorgegaukelt werden.

Byung-Chul Han, geboren 1959, studierte zunächst Metallurgie in Korea, dann Philosophie, Germanistik und katholische Theologie in Freiburg und München. Nach seiner Habilitation lehrte er Philosophie an der Universität Basel, ab 2010 Philosophie und Medientheorie an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe, und seit 2012 Kulturwissenschaft an der Universität der Künste in Berlin.
Im S. Fischer Verlag ist zuletzt erschienen „Psychopolitik. Neoliberalismus und die neuen Machttechniken“ (2014).

Zwölf Seiten Leseprobe, die sich lohnen.

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