Mittwoch, 18.Januar


Heute haben
Franz Blei * 1871
Arno Schmidt * 1914
Peter Stamm * 1963
Geburtstag
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„Was soll ich in New York – ich war schon zweimal in Hannover.“
Arno Schmidt
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Heute wird Peter Stamm 60 Jahre alt.


Peter Stamm: “ In einer dunkelblauen Stunde
S.Fischer Verlag

Ein großer Almauftrieb für den Schweizer Autor. Und das ist gut so.
Seit Jahren begleitet er uns in der Bücherwelt, bei Veranstaltungen und als Schullektüre.
Heute wird er also 60 Jahre alt und ein Filmteam hat ihn über einen längeren Zeitraum, bei der Entstehung seines neuen Romanes, begleitet.
Peter Stamm nutzt die Gelegenheit und vermischt Realität und Fiktion. Er baut genau dies in seinen Roman ein und lässt die junge Dokumentationsfilmerin Andrea auf den Schriftsteller Richard Wechsler (allein schon der Name) los. Ein gekonntes Verwirrspiel, wie wir es vonPeter Stamm kennen, beginnt und der Autor geht damit sehr spielerisch um. Also keine Nabelschau, keine Selbstbespiegelung, sondern eine Weiterführung des gegebenen Zustandes, in der er die Dokumentarfilmerin immer wieder in die Irre führt, Fallstricke auslegt und Vieles im Unklaren lässt.
Eine gekonnt gute Unterhaltung, wie wir es von Peter Stamm kennen und dieses Mal mit viel Humor locker unterfüttert.

Gratulation, lieber Peter Stamm, zu dem neuen Roman, zu den 60 Jahren und alles Gute, nicht nur für das neue Lebensjahr.
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Wärmerekord in der Nordsee gemessen
Der vergangene Sommer war für die Nordsee laut dem Bundesamt für Seeschifffahrt der heißeste seit 25 Jahren. Auch die Zahl der Sturmfluten bezeichnete das Amt in seinem Jahresrückblick als“ungewöhnlich hoch“.
Für die Nordsee war der vergangene Sommer der wärmste seit 1997. Die Oberflächentemperaturen lagen insgesamt mehr als ein Grad über dem langjährigen Mittel, die der Ostsee großflächig sogar 1,5 Grad, wie das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Hamburg mitteilte.
– Hitzewellen in Nord- und Ostsee
– Sturmfluten haben zugenommen

Der komplette Artikel auf tagesschau.de

Donnerstag, 2.September


Heute haben
Caroline Schelling * 1763
Joseph Roth * 1894
Geburtstag
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Gedichte sind Balsam auf Unstillbares im Leben
Caroline Schlegel
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September
Gedichte ausgewählt von Evelyne Polt-Heinzl und Christine Schmidjell
Reclam Verlag € 5,00

Und schon ist wieder ein neuer Monat angebrochen und der Sommer, der keiner war, ist endgültig vorbei. Die Tage werden kürzer, morgens brauche ich Licht zum Arbeiten und abends zum Lesen ist es das Gleiche. Rote Tomaten, Zwetschgen in allen Farben gibt es zu kaufen und die Blättern beginnen, bunt zu werden.
Der Bahnstreik hat meinen Urlaub auf der Raketenstation verkürzt. Auch ein Grund, warum es gestern keinen Blogeintrag gab. Dafür aber ein Käferbild von der danebenliegenden Insel Hombroich.


Rainer Maria Rilke
Herbsttag

Herr: Es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren
und auf den Fluren laß die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten reif zu sein
gib Ihnen noch zwei südlichere Tage
dräng sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Friedrich Hebbel
Herbstbild

Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
Und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
Die schönsten Früchte ab von jedem Baum.

O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält,
Denn heute löst sich von den Zweigen nur,
Was von dem milden Strahl der Sonne fällt.

Theodor Fontane
Herbstmorgen

Die Wolken ziehn, wie Trauergäste,
Den Mond still – abwärts zu geleiten;
Der Wind durchfegt die starren Äste,
Und sucht ein Blatt aus bessren Zeiten.

Schon flattern in der Luft die Raben,
Des Winters unheilvolle Boten;
Bald wird er tief in Schnee begraben
Die Erde, seinen großen Toten.

Ein Bach läuft hastig mir zur Seite,
Es bangt ihn vor des Eises Ketten;
Drum stürzt er fort und sucht das Weite,
Als könnt‘ ihm Flucht das Leben retten.

Da mocht  ich länger nicht inmitten
So todesnaher Öde weilen;
Es trieb mich fort, mit hastgen Schritten
Dem flüchtgen Bache nachzueilen.
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1. Welches Buch lesen Sie gerade?
2. Welches Buch empfehlen Sie unbedingt?
3. Welches Buch wollen Sie schon immer mal (wieder) lesen?

Peter Stamm (Schriftsteller, u.a. „Das Archiv der Gefühle„) empfiehlt:

1.Dag Solstad, „Armand V.„, ein Buch, das aus Fussnoten zu einem nie geschriebenen Roman besteht, die sich aber lesen wie ein Roman. Wie immer bei Dag Solstad fast ereignislos und dennoch spannend zu lesen.
2.Die Kurzgeschichten von Katherine Mansfield, die ich kürzlich wiederentdeckt habe, sehr gut geschrieben, frisch, humorvoll, sehr wagemutig und ihrer Zeit weit voraus.
3.“Der grüne Heinrich“ von Gottfried Keller. Ich habe ihn jung gelesen und sehr gemocht, aber ich glaube, heute würde er mir noch viel besser gefallen.

Vielen Dank und Grüße über den Bodensee.
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Zwei Meldungen auf tagesschau.de:

Ausläufer von Hurrikan „Ida“
Notstand wegen Starkregen in New York

Vollgelaufene U-Bahn-Stationen, Autos, die durch Straßen treiben und ein neuer Regenrekord: Ein historisches Unwetter hat in New York zu Überflutungen geführt. Bürgermeister de Blasio rief den Notstand aus.

Waldbrände in Kalifornien
Tausende Einsatzkräfte kämpfen gegen Feuer

In den USA wüten weiterhin heftige Waldbrände. Besonders betroffen ist der Bundesstaat Kalifornien. Mehr als 4100 Feuerwehrleute und Helfer versuchten am Lake Tahoe, ein Feuer unter Kontrolle zu bringen.

Donnerstag, 18.Januar

Heute haben
Franz Blei * 1871
Arno Schmidt * 1914
Peter Stamm * 1963
Geburtstag
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Zu lieben mag wohl eine Lust sein, aber ein Vergnügen ist es nie: genauso wie das Leben.
Franz Blei
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Heute gibt es gleich zwei Geburtstagskinder, die mit unserer Buchhandlung verbunden sind.

Den Mond untergehen sehen, über Wieseneinsamkeiten, ganz rot würde das silberne Wesen geworden sein, wenn es einsank in Dunstband und Kiefernborte …
Arno Schmidt

Arno Schmidt Foto von Alice Schmidt © Arno Schmidt Stiftung Bargfeld, in den 60er Jahren

Als »musivisch« oder löcherig bezeichnete Arno Schmidt unsere Wahrnehmung der Gegenwart. Er entwickelte in seiner frühen Prosa eine Erzähltechnik, die diesem Umstand gerecht werden sollte: Seine Romane setzen sich aus einer Kette von signifikanten Momentaufnahmen zusammen. In Brand’s Haide, Schwarze Spiegel, Aus dem Leben eines Fauns, Das steinerne Herz und Die Gelehrtenrepublik entsteht so ein plastisches Erzählen, das unmittelbar auf den Leser wirkt. Der Autor selbst erläutert diese Schreibtechnik so:

[…] man rufe sich am Abend den vergangenen Tag zurück, also die »jüngste Vergangenheit« (die auch getrost noch als »älteste Gegenwart« definiert werden könnte): hat man das Gefühl eines »epischen Flusses« der Ereignisse? Eines Kontinuums überhaupt?
Es gibt diesen epischen Fluß, auch der Gegenwart, gar nicht; Jeder vergleiche sein eigenes beschädigtes Tagesmosaik!
Die Ereignisse unseres Lebens springen vielmehr. Auf dem Bindfaden der Bedeutungslosigkeit, der allgegenwärtigen langen Weile, ist die Perlenkette kleiner Erlebniseinheiten, innerer und äußerer, aufgereiht. Von Mitternacht zu Mitternacht ist gar nicht »1 Tag«, sondern »1440 Minuten« (und von diesen wiederum sind höchstens 50 belangvoll!).
Aus dieser porösen Struktur auch unserer Gegenwartsempfindung ergibt sich ein löcheriges Dasein –: seine Wiedergabe vermittels eines entsprechenden literarischen Verfahrens war seinerzeit für mich der Anlaß zum Beginn einer weiteren Versuchsreihe (Typ Brand’s=Haide=Trilogie).
Der Sinn dieser »zweiten« Form ist also, an die Stelle der früher beliebten Fiktion der »fortlaufenden Handlung«, ein der menschlichen Erlebnisweise gerechter werdendes, zwar magereres aber trainierteres, Prosagefüge zu setzen.
(Ich warne besonders vor der Überheblichkeit, die hier vielleicht das dem Bürger naheliegende schnelle Wort von einem »Zerfall« sprechen möchte; ich stelle vielmehr meiner Ansicht nach durch meine präzisen, »erbarmungslosen«, Techniken unseren mangelhaften Sinnesapparat wieder an die richtige ihm gebührende biologische Stelle. Gewiß geht dabei der liebenswürdige Wahn von einem singulären überlegenen »Abbilde Gottes« wiederum einmal mehr in die Brüche; die holde Täuschung eines pausenlosen, »tüchtigen«, Lebens, (wie sie etwa Goethe in seinen Gesprächen mit Eckermann so unangenehm geschäftig zur Schau trägt) wird der Wirklichkeit überhaupt nicht gerecht. Eben dafür, daß unser Gedächtnis, ein mitleidiges Sieb, so Vieles durchfallen läßt, ist meine Prosa der sparsam=reinliche Ausdruck.)

Bargfelder Ausgabe der Werke Arno Schmidts III,3 S.167f.
© Arno Schmidt Stiftung, Bargfeld
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Freitag, den 18.Mai um 19 Uhr
Peter Stamm
Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt
Bei uns in der Buchhandlung, oder im Roxy.
Eintritt € 15,00

Samstag

Heute haben u.a.
Arno Schmidt  *1914
und Peter Stamm  * 1963
Geburtstag
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„Die Welt der Kunst und Fantasie ist die wahre, the rest is a nightmare.“
(Arno Schmidt)

Unter diesem Motto hatten wir gestern abend bei uns in der Buchhandlung eine sehr heitere Veranstaltung zu Arno Schmidts 100.Geburtstag, den er heute feiern könnte. Wahrscheinlich nörgelt er schon tagelang im Elysium herum und schimpft auf das viele Gedruckte, dass zu seinen Ehren veröffentlicht wird und ihm wieder keine Gelegenheit gibt, in Ruhe gelassen zu werden.

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Clemens Grote gab sein Bestes, las vor vollem Haus im Stehen und Sitzen „Kühe in Halbtrauer“, gestikulierte und hatte noch einen ganz wunderbare Zugabe mit einem sprachkünstlerischen Gedicht von Arno Schmidt vorbereitet. Grossartig. Vielen Dank!
Herr Seidel, der eine kleine Broschüre zu Arno Schmidt und Ulm produziert, erzählte, wie es dazu kam, dass Arno Schmidt an Ulm in die Räumlichkeiten der HfG eingeladen worden ist. Bense brachte ihn mit Bill zusammen, da die Hochschule jemanden suchte, der die Studenten zum Thema Sprache unterrichten solle. Schmidt und Bill saßen sich dann nach einem kurzen, heftigen Wortwechsel stumm gegenüber und damit war der Apfel gegessen. Wenn Sie mehr über diesen Besuch, die Hintergründe lesen wollen, die Brüschüre gibt es (nur) bei uns in der Buchhandlung für € 4,00.
Nach der Lesung gab es dann ein munteres Blättern in de
n vielen Büchern von und über Arno Schmidt, die auf unserem Tisch ausgebreitet waren. Ich konnte noch Fragen zum Werk und Leben von Arno Schmidt beantworten und auf die lieferbaren Bücher hinweisen, die einen Einstieg leicht machen. Schon schön, wie diese Texte immer noch begeistern.

Nicht vergessen wollen wir Peter Stamm, der heute seinen 51.Geburtstag feiert und noch ein langes Schriftstellerleben vor sich hat. Wir freuen uns auf einen weiteren Besuch von ihm bei uns in der Buchhandlung, oder irgendwo in Ulm.
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Nachtrag zur Vorstellung von Robert Seethalers Buch: „Jetzt wirds ernst„.
Ein Blogleser schrieb mir, dass dies gar nicht Seethalers neues Buch sei und vor dem „Trafikant“ erschienen ist. Recht hat er. Das Buch gibt es schon als Taschenbuchausgabe und liegt demnächst bei uns auf dem Büchertisch.
Vielen Dank für die Mithilfe.

Freitag

Heute haben
Martha Gellhorn * 1908
Peter Weiss * 1916
Geburtstag.

Und es ist der Todestag von Iwan Bunin (+ 1953).
Da wird sich kleine, feine Schweizer Verlag Dörlemann aber freuen, da er sowohl die Bücher von Frau Gellhorn, als auch das Gesamtwerk von Iwan Bunin im Programm haben.
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Stamm1
Der Autor, das Buch, die Schauspielerin

Die Südwestpresse Ulm berichtet über die Lesung von Peter Stamm im Ulmer ROXY.
„Jugendliche sind noch nicht so verbildet“

Stamm2
Der Autor, die Schauspielerin, der Buchhändler
(beide Fotos sind von Florian L.Arnold)

„Die Lebenskrise als rettende Kehrtwende“
Florian L.Arnold berichtet für die Neu-Ulmer Zeitung.
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Pires

António Meneses, Maria João Pires
„The Wigmore Hall Recital“
Deutsche Grammophon CD € 19,99

Maria Joao Pires zählt seit jahrzehnten zu den größten Pianistinnen. Nun hat sie zusammen mit dem Cellisten des Beaux Art Trios, Antonio Meneses, einen Kammermusikabend eingespielt. Die Wigmore Hall hat eine enorm gute Akustik, deshalb wohl der Grund, die Musik dort live einzuspielen.
Sie spielen Stücke der bedeutendsten romantischen Komponisten, wie Franz Schubert, Felix Mendelssohn und Johannes Brahms. Als Zugabe noch die Aria von Johann Sebastian Bach.
Was wollen wir mehr.
Nun bin ich kein großer Kenner von Musik und kann Ihnen nicht die Vorzüge gerade dieser Aufnahme aufzeigen. Mir gefällt die Zusammenstellung und das sehr klare, durchsichtige Spiel. Das Ganze hat auch etwas Beruhigendes in unserer schnellen, hektischen Zeit, gerade jetzt, wo wir uns auf der Schlussgerade des Jahres befinden. Die Hörproben lohnen sich und auch die Schubert Sonate, die ich als komplette Live-Einspielung im Netz gefunden habe.

Hier können Sie in die CD hineinhören.

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=rTd0cp-CKzo]

Franz Schubert: Arpaggione Sonate in A Moll / D 821

Mittwoch

Heute Hat Robert Musil Geburtstag (*1880), an dessen Roman „Der Mann ohne Eigenschaften“ ich mehrfach gescheitert bin.
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Gestern las Peter Stamm im Ulmer ROXY aus seinem neuen Buch „Nacht ist der Tag“

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Über einhundert Schüler aus dem Schubart Gymnasium hatten sich Plätze reserviert.

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Nach der sehr guten Lesung, gab es dann mehr Licht und Fragen aus dem Publikum.

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Lange Schlangen beim Signieren und viel Fotografieren.

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Während Peter Stamm las, spielte Sophie Ammann im Akademie Theater Ulm die Agnes.
Schöne Zusammenhänge. So trafen die beiden aufeinander und es stellte sich heraus, dass Peter Stamm seinen unbenannten Mann im Roman „Agnes“ für sich im Kopf „Walter“ nennt. Sophie Ammann kippte fast aus den Schuhen, da sie diese Person im Stück auch mit dem selben Namen versehen hat.
Das Akademietheater spielt „Agnes“ noch an diesem Wochenende und höchstwahrscheinlich wieder im neuen Jahr.
Hier geht es zu deren website inkl. eines Probenvideos.

Mittwoch

Heute haben
Lena Christ * 1881
Ezra Pound * 1885
Georg Heym *
Agotá Kristóf * 1935
Geburtstag
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Georg Heym
Bruder, im Wein…

Bruder, im Wein sind Geister vergraben
Tief in des Bechers tiefestem Schlund,
Die locken und rufen den törichten Knaben,
Folg nicht der lüsternen Stimme zum Grund.

Weck sie nicht auf, sind traurig zu schaun,
Und drehn sich und drehn sich im ewigen Kreis,
Im Ohre summt dir ihr dumpfes Geraun,
Dann wird dir so schwül und dann wird dir so heiß.

Und du wähnst den Stein der Weisen zu sehn,
Den nichts mehr den trunkenen Augen verhüllt,
Wenn vor dir taumelt in Nachtwindes Wehn
Der Herzallerliebsten verzaubertes Bild.

Dann vergißt du, daß Zeit und Stunden vergehn,
Die Worte sind längst dir entschwunden,
Dann ahnst du in Weiten Gestirne entstehn,
Die nicht an Gesetze gebunden.

Dann verlachst du den Tod, dann verlachst du die Welt
Und du reißt an der Brust das Hemde dir auf,
Wie die Brandung im Sturm an dem Meerschiff zerschellt,
So hältst du den Kurs zu den Sternen hinauf.
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Kinder

Julia Hoersch, Nelly Mager, Claudia Seifert, Gesa Sander:Kinder kocht!
AT Verlag € 24,90

Das Kinderkochbuch reiht sich sehr gut in die Bücher des AT-Verlages ein und zeigt wieder einmal das gute Händchen von Claudia Seifert, die wir u.a. von ihrem Buch „Campingküche“ kennen, das wir hier schon vorgestellt haben. Dieses originelle, liebevoll gestaltete, witzig fotografierte Kochbuch, das den Kindern die Lust und Freude am Kochen und Backen vermittelt, ihre Neugier weckt, Rezepte auszuprobieren, zu schmecken und zu staunen, ist wirklich gelungen. Herrn Schlau oder Omi Kluge, zwei gezeichnete Figuren geben Anregungen und informieren, woher bestimmte Worte kommen und was sie bedeuten. Kinder können mit diesem Gang durch die vier Jahreszeiten vieles entdecken und lernen vielleicht auch eventuell noch Handwerkliches dazu. Wie schnipple ich einen Kürbis, wie dick, wie dünn sollen denn Apfelschnitze für ein Kuchen sein. Welches „Werkzeug“, welches Küchengerät brauche ich für welche Tätigkeit. Bei den über 100 Rezepten dürfte für jeden etwas dabei sein. Salate, Stockbrot, Wraps für das Schwimmbad und Ideen für Silvester. Wie backe ich Kuchen für die jeweilige Jahreszeit und wie geht eigentlich Eis für den Sommer? Ganz aktuell natürlich Pilzrezepte, oder auch Kürbisschnitze auf dem Backblech.
Grundlegende Tipps und Einführungen finden sich am Anfang des Buch. So auch: „Zuerst Händewaschen, dann Gemüsewaschen“.
Gestern abend schaute ich mir Buch im Buchladen an und Sie können sich vorstellen, wie mir das Wasser im Munde zusammengelaufen ist. Zuhause gab es dann Restesalat. Auch nicht schlecht.

Hier können Sie die ersten 50 Seiten anschauen, wenn Sie auf das Buch klicken.
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roxy-sommer

Nächste Woche, am Dienstag, den 5.November
liest Peter Stamm um 20 Uhr im
Ulmer ROXY.
Wir sind dort mit einem Büchertisch.
Die erste Seite“ fällt somit aus.

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Samstag

Hoch Antonia soll es an diesem Wochenende nochmals richtig krachen lassen.
Na hoffentlich werden die dazu angekündigten Gewitter keine überdimensionalen Unwetter.
Wettervorhersage für Ulm
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Heute hat Leon Uris (* 1924) Geburtstag
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Mein Tipp für’s Wochenende:

stamm

Peter Stamm:Nacht ist der Tag
S.Fischer Verlag € 19,99

Ein neues Buch, auf das wir alle schon gewartet haben. Peter Stamm wechselt bisher immer einen Band mit Erzählungen mit einem Roman ab. So liegt der Roman bei uns auf dem Neuerscheinungstisch und ein Lesetermin Anfang November ist festgezurrt.
Peter Stamm nimmt uns und seine Figuren wieder an die Hand und erzählt eine Geschichte, die fast in einem imaginären Raum spielen könnte, da kaum Orte genannt werden. Wieder ist es eine Beziehungsgeschichte, zwischen Paaren, zwischen Menschen, die alles besitzen: einen guten Beruf, eine erfolgreiche Karriere, Freunde, Geld, ein Haus, ein Boot, … Und doch können solche Konstruktionen kippen und die vorgegebene biografische Autobahn sich in eine Bergundtalfahrt verändern. So auch hier. Gillian und Matthias sind dieses Paar. Er arbeitet bei einer Zeitschrift und ist dort für die Kultur zuständig, sie arbeitet beim Fernsehen. Er findet Nacktfotos von ihr, knallt sie ihr auf den Tisch und verlangt eine Erklärung, die sie ihm nicht gibt. Die anschließende Party, auf der sie eingeladen sind, überstehen die beiden, ohne miteinander zureden. Nur, dass sie beide mehr als genug getrunken haben und gemeinsam mit dem Auto heimfahren. Die Fahrt endet jedoch mit einem Unfall, bei dem er stirbt und sie schwer verletzt im Krankenhaus aufwacht. Ihr Gesicht ist entstellt, muss chirurgisch neu modelliert werden. So steht Gillian vor einem Trümmerhaufen in ihrem jungen Leben. Alles ist anders, als noch vor kurzer Zeit. Peter Stamm beginnt mit diesem Knaller zu Beginn des Romanes und lässt seine Personen nach und nach die Geschichte abspulen, damit wir erfahren, wie es dazugekommen ist. Wer ist der Fotograf, der Gillian abgelichtet hat, wie geht es mit ihrer Fernsehkarriere weiter, wo doch gerade dort Gesichter sehr wichtig sind? Wie gehen die Eltern von Gillian mit ihrer Tochter um, mit der sie keine gutes Verhältnis pflegen. Am Wichtigsten ist jedoch der Weg, den sie einschlägt, das, was sie daraus macht.
Ich mag einfach nicht so viel erzählen. Komplette Inhaltsangaben finden sie sicherlich in verschiedenen Besprechungen in den Zeitungen. Peter Stamm lässt sich Zeit mit der Geschichtsentwicklung und legt trotzdem ein ordentliches Tempo vor. Sein Blick ist ein ruhiger, vielleicht etwas melancholischer. Er ist behutsam, und knallhart. Das, was als Karriere, als erfolgreiches Leben geschildert wird, ist im Prinzip biederer Mittelstand, aufgepeppt mit Insignien der gehobenen Klasse. Vieles wird banal und der hochgelobte Kulturbetrieb entpuppt sich als wahre Luftnummer; mit ihm auch seine Personen. Und so kommen unsere Personen aus der Schweiz (oder spielt wohl der Roman) auch nicht heraus und landen in den Bergen.

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=Z9hQ1RgHIHI]

Leseprobe

Termin: Lesung mit Peter Stamm am Di. 5.11.2013 um 20 Uhr im Ulmer ROXY.