Donnerstag, 8.November

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Heute haben
Bram Stoker * 1847
Margaret Mitchell * 1900
Peter Weiss * 1916
Kazuo Ishiguro * 1954
Geburtstag
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Karl Henckell
Feuerbrand

Ich bin ein Feuerbrand und schwimme
In einem Eismeer hin und her.
Es kommt die Nacht, wo ich verglimme,
Dann sprüh ich keine Funken mehr.

Die Robben und die weißen Bären,
Sie glotzen grimm auf meine Glut.
Wenn meine Flammen kraftlos wären,
Gleich fräße mich die kalte Brut.

Die Brut muß Brand und Lohe scheuen,
Sie watschelt weit herum im Kreis –
Ich muß die roten Funken streuen,
Bis ich vergeh in Nacht und Eis.
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Seit heute als Taschenbuch:

Acht Berge von Paolo Cognetti

Paolo Cognetti:Acht Berge
Penguin Verlag € 10,00

Claudia Wiltschek empfiehlt:

Pietro lebt mit seinen Eltern in Mailand, eine Stadt, in der sich sein Vater, aber auch seine Mutter nicht zurechtfinden, sind sie doch beide in den Bergen aufgewachsen. So oft wie möglich wird in die Berge gefahren, der Vater schnürt die Wanderschuhe und stürmt jeden nur möglichen Gipfel. Mit sieben Jahren ist auch Pietro soweit und möchte mit und damit beginnt ihre gemeinsame Zeit der grossen Bergtouren und Gipfeleroberungen. In Grana, einem kleinen Bergdorf im Aostatal wird eine kleines primitives Haus gemietet , in dem Mutter und Sohn den ganzen Sommer verbringen, der Vater kommt dazu, wenn es die Arbeit erlaubt. In Grana leben nur noch 14 Menschen, früher waren es einmal hundert und einer davon ist Bruno, das einzige Kind in diesem Dorf.
Bruno ist ganz anders als der gleich alte Pietro, meist sich selbst überlassen und muss die Kühe seines Onkels hüten. Nach anfänglichem Fremdeln freunden die beiden sich an, täglich sind sie gemeinsam unterwegs, streifen an endlosen Sommertagen durch schattige Wälder und folgen dem Wildbach bis zu seiner Quelle, oder erklimmen zusammen mit Pietros Vater die Gipfel.
„Acht Berge“ folgt dem Leben der Freunde über drei Jahrzehnte, aus der Perspektive von Pietro erzählt. Als der Vater stirbt, hinterlässt er seinem Sohn ein Grundstück bei Grana und nach vielen Jahren und ganz verschiedenen Lebenswegen treffen sich beiden wieder.
Man schlägt „Acht Berge“ auf und ist sofort in der Höhe, geniesst die Gipfel und die Natur und möchte nicht mehr absteigen. Ein stilles, berührendes Buch, das uns nicht nur in die Berge führt, sondern auch ganz feinfühlig über Freundschaft, Familie und den Lauf des Lebens erzählt.
Paolo Cognetti, 1978 in Mailand geboren, verbringt die Sommermonate immer in seiner Hütte im Aostatal auf 2000 Metern Höhe. Er hat Mathematik studiert, die Filmhochschule in Mailand besucht und gemeinsam mit einem Freund eine Produktionsfirma für Dokumentarfilme geleitet. Paola Cognettis neuestes Buch „Acht Berge“ stand wochenlang in den Top Ten der italienischen Bestsellerliste.

Samstag, 11.März

Heute haben
Karl Krolow * 1915
Janosch * 1931
Douglas Adams * 1952
Leena Lehtolainen * 1964
Geburtstag.
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Jenny Offill: “Amt für Mutmaßungen
Deutsch von Melanie Walz
Penguin Verlag € 9,00

Knapp 170 Seiten, in vielen kleinen Abschnitten geschrieben und mit einem auffallenden Umschlag hliegt es auf dem Neuerscheinungstisch. Wir haben den Roman, als er neu als gebundenes Buch erschienen ist, auf unserer „1.Seite“ vorgestellt. Und jetzt liegt er als Taschenbuch vor. Die Textbausteine sind oft nur fünf Zeilen lang und wirken irritierend. Aber einmal angefangen, merken wir, wie sie uns einsaugen. Sehr gekonnt verflechtet Jenny Offill die Gedanken ihrer Hauptperson mit Zitaten aus der Welt der Literatur und Philosphie. Ihre Beobachtungen messerscharf, haargenau getroffen und voller Witz. Eigentlich sollte ich das Büchle nochmals zur Hand nehmen und jetzt mit Stift und Papier all die gelungenen Textpassagen herausschreiben. Es würde eine ganze Liste ergeben.
“Amt für Mutmaßungen”, so haben sich die beiden Jungverliebten unten auf ihre Briefe geschrieben und dieses “Department of Speculation” bleibt es auch das ganze Buch durch. Hier wird viel über andere nachgedacht, über sich selbst, über das, was hätte werden können, und wie es wohl weitergeht.

Wer Mutmaßungen über den Kosmos anstellt …, ist nichts anderes als ein Verrückter.
Sokrates

Dies hat die Autorin als Motto vorausgestellt und sie beginnt den Roman damit, in dem sie beschreibt, daß Antilopen zehnmal besser als Menschen sehen und somit in einer sternklaren Nacht die Ringe des Saturns sehen können. Eingeflochten hat sie in diese drei Zeilen, daß er dies ganz zu Anfang zu ihr gesagt hat. Oder beinahe.
Ganz am Anfang gab es ein jungverliebtes Paar. Sie schreibt, er macht Musik und komponiert. New York, Brooklyn, alles ist gut. Es ist die Szene, das Leben mit Bekannten und kein Denken an ein morgen. Ein Großstadtleben, wie sie es sich vorgestellt haben. Aber aus dem Verliebtsein wird eine “normale” Ehe mit viel Hochachtung für den Partner (auch dafür hat sie hervorragende Vergleiche). Ein Kind kommt, ein Schreibaby, eine Tochter, die den Alltag prägend verändert. Dies wird bis zur Hälfte des Buches aus der Sicht der Frau geschrieben, bis es danach zu einer tiefschneidenden Veränderung kommt, die eigentlich sehr einfach gelöst werden könnte, aber eine Lawine von Mutmaßungen auslöst. Ab diesem Moment gibt es kein ich, sondern nur noch ein sie und er.
Mehr möchte ich ihnen nicht erzählen. Genießen Sie lieber den kompletten Roman, den Sie sehr schnell (das erste Mal) durchgelesen haben.
Melanie Walz, die wir als Übersetzerin von Lily Brett, Antonia S.Byatt, Patricia Highsmith und u.a. auch Annie Proulx kennen, konnte hier aus dem Vollen schöpfen und hatte sicherlich eine große Freude und viel Arbeit beim Formulieren. Bei uns Lesern bleibt das Vergnügen an diesem frechen, witzigen, genau beochteten, glasklaren Roman über eine Ehe.
Der Roman wurde von der New York Times unter die zehn besten Bücher des Jahres 2014 gewählt.

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