Samstag, 4.Mai


Heute haben
Friedrich Arnold Brockhaus * 1772
Gerlind Rheinshagen * 1926
Amos Oz * 1939
Graham Swift * 1949
David Guterson * 1956
Florian Illies * 1971
Geburtstag.
Aber auch Audrey Hepburn und Keith Haring
______________________________

„Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar“
Ingeborg Bachmann
______________________________

Jetzt als englischsprachiges Taschenbuch:


Patti Smith: „Book of Days“ € 24,90
Patti Smith: „Buch der Tage“ € 32,00
Aus dem Amerikanischen von Brigitte Jakobeit

Im Jahr 2018 postete Patti Smith ihr erstes Foto auf Instagram, noch ohne eine Vorstellung davon zu haben, wohin es sie führen würde: ihre Hand zusammen mit der einfachen Botschaft: »Hello Everybody!« Smith, die eigentlich dafür bekannt ist, mit einer alten Polaroid-Kamera zu fotografieren, begann nun, Handybilder zu posten, wie zum Beispiel Fotos von ihren Kindern, einem schlichten Heizkörper, ihren Stiefeln oder von ihrer Abessinierkatze Cairo. Ihre Follower fühlten sich sofort angesprochen von diesen Miniaturfenster in Pattis Welt: Fotos von ihrem Kaffee, den Büchern, die sie las oder den Gräbern so geliebter Helden wie William Blake, Dylan Thomas, Sylvia Plath, Simone Weil und Albert Camus.
Unter dem Stichwort „Thisispattismith“ bekommt sie dafür Unmengen von Likes. Auch jetzt noch.
Für die Buchausgabe hat Patti Smith noch weitere zum Teil unveröffentlichte Fotos aus ihrem Privatarchiv beigesteuert und eine Einführung verfasst, in der sie ihrem eigenem dokumentarischen Prozess nachspürt. Und so haben wir für jeden Tag des Jahres ein Foto und einen kleinen Text und können unsere eigenen Gedanken dazu aufkommenlassen.

Leseprobe
___________________________

Wir haben 637 km erradelt.
Was jucken uns die 12.000 km, die das Team Universität Ulm geschafft hat.
Pah!
_____________________________


Heute mit einem Infostand auf dem Wochenmarkt (in der Nähe der Deutschen Bank)

Donnerstag, 30.Dezember


Heute haben
Betty Paoli * 1814
Theodor Fontane * 1819
Rudyard Kipling * 1865
Paul Bowles * 1910
Patti Smith * 1946
Geburtstag
und es ist der Todestag von Heiner Müller
______________________________________________

Never let go of that fiery sadness called desire.
Patti Smith
_______________________________________________

Am Ende des Jahres können wir auch etwas hoffen und träumen.
Und sei es nur mit diesem kleinen Buch.

Murielle Rousseau: „Die Cafés von Paris
Mit farbigen Fotografien von Marie Preaud
Insel Verlag € 14,00

„Wir Pariser bräuchten vielleicht keinen Eiffelturm und keine Sacré-Coeur, aber wir brauchen die Cafés unserer Stadt.“

Nach ihrem Buch über die „Gärten in Paris“ folgt jetzt das über die Cafés, Bistros und kleine Eckkneipen. 54 stellt sie uns vor und damit auch die Geschichte ihre Heimatstadt. Geschichte und Geschichten, die mich ein wenig an Marco Lodolis „Inseln in Rom“ erinnern. Ein Mix aus Vergangenheit und Gegenwart, Anektoden und Fakten. Von ehrwürdigen, edlen Cafés erzählt sie, aber auch von Bistros mit den einfachen Holztischen, den Brasserien, in denen sich die Persönlichkeiten der Stadt getroffen haben und immer noch treffen.
Also lassen Sie uns träumen und hoffen, dass das leichte Leben irgendwie wiederkommen wird.

Leseprobe

Freitag, 30.Dezember

img_1439

Heute haben
Theodor Fontane * 1819
Rudyard Kipling * 1865
Paul Bowles * 1910
Douglas Coupland * 1961
Geburtstag
und auch Patti Smith.
______________________________


______________________________

5053083019761

Im Labyrinth des Schweigens
Regie: Giulio Ricciarelli
Universal DVD  € 9,99

Johann Radmann (Alexander Fehling) ist seit Kurzem Staatsanwalt und muss sich wie alle Neulinge um Verkehrsdelikte kümmern. Als der Journalist Thomas Gnielka (André Szymanski) im Gerichtsgebäude für Aufruhr sorgt, wird er hellhörig: Ein Freund Gnielkas hat einen Lehrer als ehemaligen Auschwitz-Wärter erkannt, doch niemand will seine Anzeige aufnehmen. Gegen den Willen seiner direkten Vorgesetzten beginnt Radmann sich mit dem Fall zu beschäftigen – und stößt auf ein Geflecht aus Verdrängung, Verleugnung und Verklärung. Von „Auschwitz“ haben in diesen Jahren die einen nie gehört, keiner spricht darüber und die zurückgekehrten Soldaten schweigen. So findet sich in der Bibliothek nichts über Polen und nur zwei Bücher über Auschwitz. Eines ist jedoch vergriffen, das andere nur über die Fernausleihe bestellbar. Lieferzeit ca. acht bis zehn Wochen. Radmann und Gnielka lassen nicht locker und während der Journalist weiß, was in Ausschwitz passiert ist, meint Radmann, daß es sich bei dem erkannten Mörder um einen Einzelfall handelt. Um die beiden herum spielt das lustige Leben des Nachkriegsdeutschland mit Jazz, Tanz und viel Alkohol. Wir sehen das biedere Deutschland, das vergessen will, das sich verklemmt an die alten Werte und Normen klammert und nicht merkt, wie sich doch so viel geändert hat. Der Film zeigt diese Naivität, dieses Schweigen in vielen Bilder und wir meinen schon, daß er oberflächlich enden wird. Doch Radmann läßt nicht locker, bohrt, fragt, überschreitet seine Kompetenzen, verschließt sich immer mehr vor seinen Freunden, wird ungerecht und selbstherrllch, findet jedoch Dokumente, die er dem Generalstaatsanwalt Fritz Bauer (Gert Voss) vorlegen kann. Dieser sieht endlich die Chance einen ganz großen Prozeß gegen diese Nazi-Verbrecher zu führen. insbesondere auch Eichmann und Mengele vor ein deutsches Gericht zu bekommen.
Zwei Stunden dauert der Film und keine Minute herrscht Langeweile. Der Regisseur zeigt seine Figuren nicht platt und einseitig, sondern läßt oft beide Seiten einer Biografie zu. Auch Radmann ist nicht immer nur der gute Journalist und sein direkter Vorgesetzer nicht ein alter Nazi.
Daß es dann doch zu dem langersehnten Prozeß kommt, der die deutsche Geschichtsschreibung revolutionieren wird, sehen am Ende des Filmes, der einen gelungenen Spagat zwischen Spielfilm und Dokumentation gewagt hat.
Es war das erste Mal, dass ein Volk Verantwortliche für Kriegsverbrechen selbst vor Gericht stellte. Angesichts der aktuellen Kriege in Syrien, im Irak, der Ukraine und vielen anderen Ländern hat das nichts an Bedeutung verloren. Nicht nur deshalb lohnt es sich, sich diesen Film anzuschauen.

 Die website zum Film mit sehr vielen Informationen und Trailer usw.

Mittwoch, 6.April

IMG_8727
Nach der ersten Seite gings auf der Straße weiter

9783462315714

Patti Smith:M Train€ 19,99
Originalausgabe: M Train€ 19,99
als E-Book € 17,99
Aus dem amerikanischen Englisch von Brigitte Jakobeit
Kiepenheuer & Witsch Verlag

„M Train“ lag schon einige Zeit bei mir zuhause. Ich fand nicht die Stimmung für dieses neue Buch, da mir „Just Kids“ von Patti Smith noch so gut in Erinnerung ist und da ich sie und ihre Musik so sehr liebe. Einer möglichen Enttäuschung wollte ich ausweichen.
Als ich dann die ersten Seiten aufgeblättert hatte, die Widmung „Für Sam“ gelesen und festgestellt, dass sie sich täglich im Café ‚Ino im New Yorker Village aufgehalten hat, war es um mich geschehen. Patti Smiths „M Train“ ist nicht der Zug von Brooklyn nach Manhattan (oder vielleicht doch?), sondern ein Gedankenzug, ein mind train, den die Autorin loslaufen lässt und uns mitnimmt auf ihe Reisen durch die Zeiten, durch die Kontintente. Hin zu ihren vielen verstorbenen Freunden und Dichtern, die sie überlebt hat.

„Sie durchziehen diese Seiten oft ohne eine Erklärung: Schriftsteller und ihr Schaffen. Schriftsteller und ihre Bücher. Ich kann nicht voraussetzen, daß der Leser sie alle kennt, aber kennt der Leser denn mich? Und will er das überhaupt? Ich kann es nur hoffen, während ich ihm meine Welt auf einem Tablett voller Anspielungen darbiete.“

Genet, Sylvia Plath, Bulgakow, Bert Brecht, sind nur eine kleine Auswahl. Und natürlich immer wieder ihr verstorbener Mann Fred Sonic Smith, der mit nur 45 Jahren einem Herzleiden erlag. Die Trauer über seinen frühen Tod, der Verlust des geliebten Partners durchzieht das Erinnerungsbuch und wird gleichzeitig auch zum Gespenster-Express.
Aber Patti Smith ergeht sich nicht in trübsinnigen Erinnerungen, sondern erzählt von ihrem Lieblings Café, den vielen Tassen Kaffee, die sie dort getrunken hat, die Gedichte, die dort entstanden sind. Sie schreibt über ihre große Lust Fernsehserien anzuschauen und verliert dabei nie ihren Humor.
Als eines morgens ihr Tisch und ihr Stuhl im ‚Ino von einer Fremden okkupiert sind, wünscht sie sich eine Szene aus einer Krimiszene in Realität. Denn dann würde diese Person mit dem Gesicht nach oben im Schnee liegen.
Zak, so heisst der Besitzer des Cafés, muss schließen. die Mietpreise sind zu hoch. Tisch und Stuhl wandern in Smiths Wohnung. Auf der anderen Seite des East Rivers am Meer, eröffnet er ein neues Café. Nicht ahnend, dass der Hurrikan Sandy alles hinwegfegen wird.

„Er konnte nicht wissen, dass ich früher auch dem Traum von einem eigenen Café nachhing. Wahrscheinlich fing es an, als ich über das Kaffeehausleben der Beats, Surrealisten und französischen Symbolisten las. Wo ich aufwuchs, gab es keine Cafés, aber sie existierten in meinen Büchern und blühten in meinen Tagträumen. … 1965 war ich nach New York gekommen, um mich umzusehen und nichts schien mir romantischer, als in einem Café in Greenwich Village zu sitzen und Gedichte zu schreiben.“

Als Patti Smith ihn dort in Rockaway Beach besucht, stolpert sie über ein kleines verfallendes, vermoderetes Holzhaus und beschließt sofort, es zu erwerben. Ihr neues, schräges Domizil übersteht als eines der wenigen Gebäude den Wirbelsturm. Letztes Jahr, so glaube ich, gab es eine große Ausstellung von Werken der Musikern dort am Strand, nachdem sie gleich nach dem Sturm Konzerte für die Opfer gab.
Die Reise durchs Smiths Leben wird mit ihren Polaroid Fotos illustriert. Ihre geliebe Kamera hat sie immer dabei. Und wenn sie sie mal verliert, muss sofort die gleiche wieder her. Sie ist übrigens sehr verschusselt, was sich in ihrer Schreibe amüsant liest.
Auf diesen Schwarzweiss-Fotos sehen wir das Bett und die Krücken von Frida Kalho, den Spazierstock von Virginia Woolf, den sie sich so gerne wünscht, Gräber, das Meer, Landschaften und immer wieder sie selbst. Eine Art Rosenkranz ihrer Erinnerungen.
Smiths Reise durch die Einsamkeit, durch ihre Gedankenwelten ist immer wieder garniert mit Witz, schwarzem Humor, den sie vielleicht auch braucht, um über ihre Verluste hinwegzukommen.

„Klar, ich hatte niemanden. Der Cowboy hatte also vermutlich Recht. Wenn man niemanden hat, ist jeder ein möglicher Liebster. Ein Gedanke, den ich lieber für mich behielt, damit ich nicht den ganzen Tag Herzen aus Spitze auf rotes Bastelpapier kleben und in die ganze Welt verschicken musste.“

Ein wunderbares Buch, das Laune macht, wieder in „Just Kids“ reinschauen und ihre Musik zu hören.

Übrigens:
Innerhalb der Literaturwoche Donau stellt Ricco Bilger seinen gleichnamigen Verlag vor und hat ein Buch von Patti Smith mit dabei. „Das Korallenmeer“ heisst es und vielleicht kann er noch etwas zum Buch und zur Autorin erzählen.

Donnerstag, 28.April um 19:30
Edwin Scharff Museum, Neu-Ulm
Eintritt € 6,00

Leseprobe

Dienstag

IMG_2200

Heute haben
Theodor Fontane * 1819
Rudyard Kipling * 1865
Paul Bowles * 1910
Douglas Coupland * 1961
Lukas Bärfuss * 1971
Geburtstag.
Aber auch Patti Smith.

Theodor Fontane:
Der erste Schnee

Die Sonne schien, doch Winters Näh’
Verrieth ein Flockenpaar;
Es gleicht das erste Flöckchen Schnee
Dem ersten weißen Haar.

Noch wird – wie wohl von lieber Hand
Der erste Schnee dem Haupt –
So auch der erste Schnee dem Land
Vom Sonnenstrahl geraubt.

Doch habet Acht! mit einem Mal
Ist Haupt und Erde weiß,
Und Freundeshand und Sonnenstrahl
Sich nicht zu helfen weiß.
____________________

https://www.youtube.com/watch?v=oQmgI-wFafU
_______________________

42.000 mal wurde diese Blogseite besucht.
Die Klicks kamen aus 72 Ländern der Erde.

Dies teilt mir gerade meine Jahresstatistik von wordpress mit.
Liest sich nicht schlecht und das hat natürlich sehr viel mit Ihnen / euch zu zu tun.
Vielen Dank dafür.
Das bedeutet auch: Jede Menge Buchvorstellungen für kleine und große LeserInnen. Ab und an war auch eine Musik-CD, oder ein Film dabei. Gezählt habe ich das alles nicht. Das ist auch der Grund, warum es dieses Weihnachten keinen „Ulmer“ gab, das Heftchen mit Buchtipps, das wir jahrelang verteilt hatten. Es war einfach keine Zeit dafür da. Ich hoffe, Sie haben es nicht zu sehr vermisst.
So ist der kleine Buchladen an der Ecke ein Treffpunkt für viele BuchliebhaberInnen geworden. Nicht nur für die Kunden in und um Ulm, sondern auch für Menschen aus 72 Ländern, die dieses Blog als Schaufenster zur Literatur benutzen.
Ich hoffe, wir können dies auch im neuen Jahr so weitermachen.

Heute ist mein letzter Arbeitstag, da ich morgen (fast schon traditionell) frei habe.
Da steht für mich der Butterbrezellauf in Holzheim an. Eine kleine Runde für einen guten Zweck mit Butterbrezel und einem Glas Sekt.
Alles organisiert vom Gasthaus Adler.

Einen etwas anderen Jahresrückblick versteckt sich hinter dem Link „Archiv„.
Dort finden Sie alle Fotos, die sich im letzten Jahr auf unserem Fotoblogjastram.tumblr.comangesammelt haben.
_________________

Kommen Sie gut durch den vorletzten Tag des Jahres.
Wir kämpfen immer noch mit unserer Telefonleitung.
Das heisst: Telefongespräche funktionieren nur mit Rufumleitungen auf unsere Händis und nur ein Rechner im Laden hat Zugang ins Internet und das auch nur dank eines Smartphones. Alles nicht so lustig; wir hoffen, dass sich die Telekom irgendwann einmal auf den Weg macht, um uns zu helfen, damit wir Ihnen wieder in gewohnter Form zur Seite stehen können.

Samstag

Heute können wir H.G.Wells zum Geburtstag gratulieren (* 1866)
_______________________

Wer kennt es nicht, das Bad am Samstagabend, obwohl es das ja so nicht mehr gibt. Das mit dem Kesselanheizen, so dass man sich immer die Hände verbrannt hat. Hier bekommen Sie ein ganz spezielles Samstagabendbad. Viel Vergnügen.
Das Bad am Samstagabend.
_______________________

Mein Buchtipp rettet uns durch die kühlen und bald trüben Tage des kommenden Herbstes. Die Geschichten von Junot Díaz strahlen so voller Leben, Liebe und Sonne, dass ich es körperlich spürte.

Diaz

Junot Díaz: „Und so verlierst du sie
Aus dem Amerikanischen von Eva Kemper
S.Fischer Verlag € 16,99
als eBook € 14,99
als amerikanisches Taschenbuch € 9,99

Lily Oei
(Foto: Lily Oei)

Junot Díaz ist der Autor der Storysammlung „Abtauchen“ und des Romans „Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao“, für den er den Pulitzer-Preis erhielt. 2012 wurde Díaz das MacArthur „Genius“ Fellowship verliehen, das amerikanische Bürger mit besonderen Verdiensten großzügig unterstützt. Junot Díaz wurde 1968 in der Dominikanischen Republik geboren und kam als Kind in die USA – genau wie sein Alter Ego Yunior, der Erzähler all seiner Bücher.

Literaturpreise und Auszeichnungen
Pulitzer-Preis 2008
National Book Critics‘ Circle Award 2008
MacArthur Fellowship 2012 („Genius Award“, 500.000 Dollar verteilt über 5 Jahre für Amerikaner mit besonderen Verdiensten)

Wow! Das ist mal ne Auszeichnung und rettet einen locker über fünf Jahre.
Gut für uns, denn so kann Díaz sich Zeit nehmen und muss wirklich nur das veröffentlichen, was gelungen ist.
Und das ist ihm mit diesen Erzählungen passiert. Sehr gelungen. Sehr gut.
Mit vollem Tempo erzählt er von Yunior, der von einer Beziehung in die andere stolpert. Er will eigentlich gar nicht wechseln, aber es kommen ihm verschiedene Dinge in den Weg. Plötzlich will seine Herzdame nicht mehr und hat andere Dinge im Kopf. Mal meint er, sie will nicht mehr, weil er Puertoricaner ist und ihr Umfeld das nicht mehr akzeptieren will. Es ist ein andauernder Wechsel zwischen der Karibik und New Jersey. Ein Wechsel der Gefühle und auch ein Hinundher zwischen seinem Machogehabe und seiner zarten Liebe. „Es ist ein berührend witziges und bestürzend ehrliches Buch über das Dilemma zwischen Aufbruch und Ankommen – in der Liebe wie im Leben“, so schreibt es der Verlag. Diese neun Geschichten sind so voller Lust geschrieben, dass wir meinen, wir stehen neben Yunior und seinen Kumpels. Ja, er lebt immer im Umkreis dieser Jungs, die ihm aus dem Off, oder wie der Chor in der griechischen Tragödie, Tipps geben und versuchen ihn zu führen. Und wenn es mal wieder schief gegangen ist, hören wir von ihnen sofort: „Wam wir doch gleich gesagt!“.
„Ich bin kein schlechter Kerl. Das klingt wie eine Ausrede, irgendwie gewissenlos, ich weiß, aber es stimmt. Ich bin wie alle anderen: schwach, voller Fehler, aber im Grunde gut.“ So beginnt die erste Geschichte „Die Sonne, der Mond, die Sterne“. „Magdalena sieht das allerdings anders. Sie hält mich für einen typischen Dominikaner: ein sucio, ein Arschloch.“ Ist dann der zweite Satz und nun wissen wir, wo und wie es lang geht. Er möchte schon gerne, ist der liebenswerte Liebhaber, der halt nicht komplett aus seiner Haut kann und oft halt doch nur mit seinen Jungs rumhängen will. Wer kennt das nicht.
Die Geschichte „Nilda“ beginnt so:
„Nilda war die Freundin meines Bruders. So fangen diese Geschichten immer an.“ Und so sind wir gleich mitten drin in einer Beziehungsgeschichte. „Sie war Dominikanerin, von hier und hatte superlange Haare, wie die Mädchen aus der Pfingstgemeinde, und Brüste, die ihr nicht glauben würdet – ich rede hier von Weltklasse.“
Mehr gibt es nicht, das müssen schon selbst erleben.

Leseprobe

Auf den Videos sehen Sie Junot Díaz in einem Interview auf der New Yorker Buchmesse BEA 2012 und bei einer fast einstündigen Leseveranstaltung.

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=MvNMIvGWPyc]

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=UeWyiLdD4_M]

Und wer noch nicht genug hat: Patti Smith hat auf der gleichen Buchmesse 2012 Neil Young interviewt, der gerade seine letzte Platte veröffentlicht hat und dessen Biografie etwas später erschienen ist.
Und jetzt kommt es: Ich war dabei und saß zwischen all den Zuhörern. Es war ein großartige Erlebnis.

CIMG9959

Dienstag

Heute haben
Paul Gerhardt * 1607
G.D’Annunzio * 1863
Jack Kerouac * 1922
und Edward Albee * 1928
Geburtstag
________________________

Heute abend um 19 Uhr ist es endlich soweit.
Fee Katrin Kanzler liest bei uns in der Buchhandlung.
Wir freuen uns auf Ihr/Euer Kommen.

Letzte Leseprobe vor der Lesung:

„Die Dämmerung nimmt ein tiefes Violett an. Meine Geschichte, denke ich, spielt in einem Land, wo Dämmerungen genauso lang wie Tag und Nacht dauern. Der Himmel dieser Geschichte ist rosa und ihr Horizont schwarz. Nach Zwielicht riecht sie, nach dem Moos auf Stadtdächern, nach Mandelseife und ein wenig nach Benzin. Nach den Stahlsaiten meiner Gitarren und nach Männerhemd. Was sie zusammenhält, ist letztlich nur ein Fädchen, das durch die Hände einer numinosen Spinnerin läuft. Wahrscheinlich hat sie blaue Finger wie ich, Sudelpfoten, und schmiert meinen Faden schon beim Spinnen voll. Die Götter sitzen in der Tinte.“
(Alle Rechte bei der Frankfurter Verlagsanstalt und der Autorin)
________________________

Gestern abend habe ich eine weiter Filmrunde eingelegt und somit endlich die DVD angeschaut, die seit Wochen hier liegt.

DasKonzert-Poster01

Das Konzert
Ein Film von Radu Mihaileanu, der auch das Drehbuch geschrieben hat.
DVD € 9,99

Als der Film 2010 in Frankreich herausgekommen ist, entwickelte er sich zu einem großen Publikumserfolg, in den mehr als 2 Millionen Zuschauer gingen.
Die Geschichte ist vielleicht ganz kurz erzählt:
Ein in Russland zur Putzhilfe im Bolschoitheater degradierter Stardirigent fängt im Büro seines Chefs ein Fax aus Paris ab, in dem das Bolschoiorchester für ein kurzfristig geplantes Konzert eingalden wird. Er sinnt auf Rache, steckt das Fax ein und mobilisiert seine Ex-Kollegen, sich als Originalorchester auszugeben, nach Paris zu reisen und endlich das Tschaikowski-Konzert zuendezuspielen, das ihm vor 30 Jahren verweigert worden ist.
Alles geht gut aus. Viel Slapstik, viel Durcheinander, viel russische und französische Seele.
Aber: die Musik rettet den Film.
Wenn das Theater in Paris voll ist und endlich das Konzert beginnt, zuerst mit schwerem Geschrammel, als die Sologeige einsetzt und die Musiker sich dazu einfinden, dann bewirkt diese Musik doch ein sehr schönes Gefühl.
Schön auch zusehen, wie sich der Gesichtsausdruck von Mélanie Laurent endlich aus der Starre löst, als sie mit der Sologeige ins Konzert einsteigt.
Radu Mihaileanus Vater hat sich diesen rumänischen Namen gegeben, nachdem er aus einem KZ geflüchtet ist. Radu flüchtete nach Frankreich und hat dort noch zwei Filme mit den Themen: Flucht, Unterdrückung durch Regime gedreht.
Mein Urteil: 3,5 Geigen und 5.
Zwei Stunden Unterhalten mit Witz und Kritik am russischen System (damals und heute), viel Musik und Gefühl.
Irgendwie hat dann doch etwas Schmackes gefehlt.

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=W0xip33IsGk]
Trailer zum Film
_____________________

Neues aus der Öffentlichen New Yorker U-Bahn Bibliothek

Kerouac

„On the Road“ von Jack Kerouac, der doch heute Geburtstag hat.
_____________________

Und noch ein kleiner literarischer Nachschlag.
Patti Smith liest aus Virigina Woolfs „Waves / Wellen“

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=0UzS0dwuuHg]

Montag

Heute haben
Carlo Goldoni * 1707
Anthony Burgess * 1917
Franz Xaver Kroetz * 1946
Geburststag.
______________________

CIMG8844
______________________

Passend zum Wetter bringt mein Lyrikkalender ein Gedicht von

Robert Frost
Fire and Ice

Some say the world will end in fire,
Some say in ice.
From what I’ve tasted of desire
I hold with those who favor fire.
But if it had to perish twice,
I think I know enough of hate
To say that for destruction ice
Is also great
And would suffice.

CIMG8845
____________________

Gestern hatte ich endlich Zeit, das Buch von Albertine Sarrazin zu lesen, das vor ein paar Tagen im Hanser Berlin erschienen ist. Ich muss gestehen, ich habe es überhaupt nur wegen des Nachwortes von Patti Smith bestellt und jetzt auch mit nach Hause genommen. Und dieses Nachwort war auch das erste, was ich gelesen habe. Sie schreibt über ihre Erfahrungen mit diesem Buch, das sie sich für 99 Cent in New York gekauft hatte. In einer Zeit, in der sie kein Geld hatte und von Robert Mapplethorpe verlassen worden war. „Ich frage mich wirklich, ob ich ohne sie die geworden wäre, die ich bin.“ Sie verschlingt dieses Buch, trägt es ihr ganzes Leben mit sich herum, getraut sich aber erst vor kurzem (auf einer Tournee) das Buch wieder herauszuziehen. Sie liest es wieder in einer Nacht.
Was hat es mit diesem Buch auf sich? Was hat es mit der Autorin auf sich?

Sarrazin_24180_MR1.indd

Albertine Sarrazin: „Astragalus
übersetzt von Claudia Steinitz
Hanser Berlin Verlag € 19,90
als eBook € 15,99

„Der Himmel war mindestens zehn Meter weiter weg. Ich blieb sitzen, nur keine Eile. Der Aufprall hatte wohl die Steine erschmettert, meine rechte Hand tastete überKiesel. Mit jedem Atemzug dämpfte die Stille die explodierenden Sterne, deren Funken noch in meinem Schädel prasselten. Die weißen Flächen der Steine leuchteten schwach in der Dunkelheit. Meine Hand löste sich vom Boden, strich über den linken Arm hinauf bis zur Schulter, über Rippen hinunter bis zum Becken: nichts. Ich war unversehrt, ich konnte weiter. Ich stand auf. Als es mich mit ausgebreiteten Armen, das Gesicht voran, in die Dornensträucher katapultierte, fiel mir ein, dass ich versäumt hatte, auch meine Beine zu kontrollieren.“

So beginnt dieser Roman und Sie merken schon, dass er genau das Leben der jungen Albertine erzählt. Aber wie sie das macht, ist schon ein kleines Meisterwerk. Sie schildert diese Nacht, dieses sich Fortschleppen. Sie schreibt auf, wie sie (sie nennt sich im Roman Anne, in Anlehnung an ihren richtigen Namen, der ihr im Heim weggenommen worden ist) von Julien auf dem Motorrad mitgenommen und zu ihm nach Hause gebracht worden ist.
Ihre Zeit dort mit dem gebrochenen Knöchel (Astragalus heisst der Knochen), bis sie endlich ins Krankenhaus kommt und dort in letzter Sekunde operiert wird.
Albertine Sarrazine schreibt unglaublich gut und ich verstehe, warum sich viele Schriftstellerinnen für sie stark gemacht haben. Ich denke, dass das nicht nur ein Biografie-, Knast-Bonus war. Viel mehr mag ich über diesen Roman nicht schreiben, um Ihnen den vollen Genuss dieser hochinterssanten und für mich sehr fremden Welt nicht zu nehmen.
Ich mache mich auf jeden Fall auf die Suche, ob ich noch an ihre andere Bücher von Albertine Sarrazine auf deutsch herankomme. Ganz vorne rechts auf unserem Tisch im Laden liegt dieses Buch.

Hier geht es zur Leseprobe, bei der eventuelle die Umlaut fehlen.