Donnerstag, 5.Januar

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Heute haben
Paula Ludwig * 1900
Fred Wander * 1917
Friedrich Dürrenmatt * 1921
Juan Gyotisolo * 1931
Umberto Eco * 1932
Geburtstag
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Lange auf der Liste und jetzt endlich geschafft:

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Inside Llewyn Davis
DVD USA 2013
Drama / Musikfilm, 100 Min.
Regie: Ethan Coen, Joel Coen
Darsteller: Oscar Isaac, Carey Mulligan, Justin Timberlake
€ 7,99

Ich wusste doch, daß das ein guter Film ist. Im Kino ging er mir raus und auf DVD habe ich ihn erst jetzt angeschaut. Herrlich schräg, angenehm, verwirrend und schön. Die Coen-Brüder können auch witzig sein. Nicht immer, wie dieser Film zeigt, aber sie haben einen großen Schelm im Nacken, der hier immer wieder zum Vorschein kommt. Lleweyn Davis lebt im Village in New York 1961. Genauer gesagt lebt er vielleicht da, aber er schläft auf diversen Sofas von diversen Freunden und Freundinnen. Sprich: kein einfaches Leben für einen, der für die Folkmusik lebt und in dessen Leben so fast alle schief geht. Also wirklich: fast alles. Immer wieder haben wir die Hoffnung, daß er es jetzt, ja genau in diesem Moment schafft und dann ist der Karton mit dem Schifferpatent doch im Altpapier gelandet.
Als besonderen Gag haben die Brüder u.a. eine Katze eingebaut, die verschwindet, wieder eingefangen wird und sich als die falsche herausstellt, bis die richtige wieder auftaucht und dann auch noch den Namen Odysseus trägt.
Aber wovon der Film wirklich erzählt, ist die Folkmusik Anfang der 60er in New York in all seinen Facetten. Daß es dabei auch schon ordendlich Müll gab, zeigen die Coen-Brüder genauso, wie die vielen Lieder, die Llewyn Davis zur Gitarre singt und voller Herzblut sind. Alle Manager sind fasziniert und wir starren mit offenem Mund zu, was sie wohl sagen. Aber außer: „Damit ist kein Geld zu verdienen“ haben sie dem Musiker nicht zu bieten.
Daß die Musiker danach mit den Liedern auf Tour gingen verwundert nicht.
Ein großartiger Musikfilm, eine großartige Homage an die Folkmusik, gerade jetzt, wo olle Bob Dylan den Nobelpreis bekommen hat. Und genauso endet auch der Film. Nach einer weiteren Schlappe verläßt Llewyn Davis den Club, in dem er gespielt hat und sieht einen lockigen Sänger mit Gitarre, der mit näselnden Stimme singt.

Die Website zum Film

Montag

Heute haben
Paul Verlaine * 1844
Sean O’Casey * 1880
Jean Giono * 1895
Uwe Timm * 1940
Gert Heidenreich * 1944
Geburtstag
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Rasmus Gabriel Schöll empfiehlt:

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Rachel Kuschner: „Flammenwerfer“
Rowohlt Verlag € 22,95
als E-Book 19,99
„The Flamethrowers“ als TB € 14,99
als amerikanisches E-Book € 13,95

Cool, coolness, grandios am coolsten!
Ungefähr so lässt sich Rachel Kushners Roman: „Flammenwerfer“ zusammenfassen.
Das Cover Bild des Buches, hat Rachel Kushner, bevor auch nur ein Wort geschrieben war, an ihre Wand gepinnt und es hat sie dazu inspiriert, die Geschichte von Reno, der schnellsten Frau der Welt zu schreiben.
„Ich war, kaum zu fassen, die schnnellste Frau der Welt, 496,493 Stundenkilometer. Ein offizieller Rekord für das Jahr 1976…“
Es ist schon merkwürdig, dass so verdammt viele und so verdammt gute Bücher aus den USA kommen. Aber wir nehmens mit Freuden hin.
Zunächst, wir haben es mit keiner stringent durcherzählten Geschichte zu tun. Das Buch lebt und wird durchlebt in Vor- und Rückblenden, deren Bedeutung erst im Laufe der steigenden Seitenzahl ersichtlich wird. Also nicht unbedingt, die “ Ich lese noch fünf Seiten Bettlesegeschichte“.
Reno, so der Name der Hauptperson, ist jung und schön, nicht das Rachel Kushner dies erwähnen würde, nur man bekommt als Leser mit der Zeit so eine Ahnung. Sie liebt das Motorradfahren, sie liebt die Geschwindigkeit und ein freies Leben. Sie rast über Salzseen, verliebt sich in einen New Yorker Künstler, Sandro Valera, der ganz nebenbei Spross einer italienischen Reifen- und Motorrad-Dynastie ist. Sie braust durch die New Yorker Kunstszene der 70er Jahre, voller Leidenschaft und Feuer. Reno, auf der Suche nach ihrer eigenen künstlerischen Identität, nach ihrem eigenen Ausdruck. Um es so richtig krachen zu lassen, besucht sie mit Sandro zusammen dessen aristokratische Familie am Comer See und gerät mitten in die römischen Unruhen des Jahres 1977.
Die ganze Zeit dachte ich beim Lesen, oh mann, das ist ja wie wenn Godard und Fellini zusammen einen Film gemacht hätten.
Das Buch ist sicher nicht für jedermann und knapp 600 Seiten eignen sich nicht als Versuch. Und dennoch, allein die Geschichten in der Geschichte sind richtig gut.
„Es war ein Desaster. Ich hätte nicht fahren sollen. Aber er rief mich irgendwann an und klagt verzweifelt. Drei Uhr nachts, und er beklagt sich … Saul, hab ich gesagt, möchtest du, dass ich das Kaninchen hole und es dir bringe? Soll ich das tun? – Mensch, Ronnie, sagt er, ich will dir das nicht zumuten. Aber wenn ich ehrlich bin, würde es mir unheimlich viel bedeuten. Du könntest meinen Jaguar nehemen. Und ich dachte, scheiß drauf, warum nicht? …“

Ein Mann soll für einen anderen Mann ein Kaninchen durch halb Amerika fahren. Der Mann gibt sich sehr viel Mühe. Aber als er endlich ankommt, hört er ein Jaulen des anderen Mannes. Das Kaninchen ist tot!
Diese Geschichte ist mit soviel Humor, Witz und Charme erzählt. Vielleicht ist es auch Godard, Fellini und Tarantino, die da zusammen ein Buch geschrieben haben.
Sicher, es sind die 70er Jahre und man muss schon ein gutes Pfund geschichtliches Interesse mitbringen, Aber hey: Godard, Fellini und Tarantino!

Leseprobe

Ein kleiner Nachtrag:
In der Autobiografie von Kim Gordon, der Gründerin, Sängerin und Bassistin von „Sonic Youth“, einer unabhängigängen Alternativ-Rock-Punk-Band aus New York, steht folgender Satz:

„Als ich Rachel Kushners Roman „The Flamethrowers“ las, konnte ich das darin beschriebene Gefühl, jung zu sein in New York und am Rande der Kunstszene zu leben, sehr gut nachvollziehen. Und das U-Bahn-Foto bildete diese Ungewissheit und auch diese Zeit sehr ghenau ab. Ich liebe es.“

Gordon
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UNGEREIMTHEIT DER WOCHE (… aus der Tierwelt)
 
DIE LACHSFORELLE – CCLCXXXII
 
An eines Flusses Quelle
schoss die Lachsforelle
weit übers Ziel hinaus.
 
… aus!
SOMMERZEIT
 
Eingeführt vor vielen Jahren,
hat man dich, o Sommerzeit,
um damit Energie zu sparen.
Diese Idee schien blitzgescheit!
 
Längst ist inzwischen allen klar,
dass jener Spareffekt blieb aus.
Trotzdem heißt es auch dieses Jahr:
man muss ’ne Stunde früher raus.
 
Ein paar gibt’s, die es nie kapieren,
und die kommen am Montag dann,
weil sie vergaßen zu justieren
die Uhr, ’ne Stunde später an.
 
© Werner Färber

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Morgen abend um 19 Uhr:
Literalotto
Spaß und Literatur mit Florian Arnold und Rasmus Schöll

Mittwoch

Mit diesem Schneemann kann ich natürlich nicht mithalten, wenn ich morgens aus dem Fenster schaue.

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Den Schneemann hat eine Buchhändlerin aus New York mit der Bemerkung: „Beste Gelegenheit zum Lesen, bei dem Schneesturm.“ ins Netz gestellt. Nur nicht den Humor verlieren, wenn 60 cm Neuschnee angesagt sind.
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Heute haben
Colette * 1873
Hermann Peter Piwitt * 1935
David Lodge * 1935
Anselm Glück * 1950
Arnaldur Indridason * 1961
Geburtstag
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Rainer Maria Rilke
Wintermorgen

Der Wasserfall ist eingefroren,
die Dohlen hocken hart am Teich.
Mein schönes Lieb hat rote Ohren
und sinnt auf einen Schelmenstreich.

Die Sonne küßt uns. Traumverloren
schwimmt im Geäst ein Klang in Moll;
und wir gehn fürder, alle Poren
vom Kraftarom des Morgens voll.
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Und wenn wir schon bei den Gedichten sind und bevor der neue Gedichtband von Heinrich Detering erscheint, stelle ich Ihnen diesen Band von 2009 vor, den ich geschenkt bekommen habe. (Nochmals vielen Dank dafür). Ich kannte den Autoren nicht und war sehr angetan von diesem sehr schnmalen Büchlein.

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Heinrich Detering: „Wrist“
Gedichte
Wallstein Verlag € 14,90

Detering geht auf Entdeckungsfahrt in abgelegene Landschaften, geht mit uns von Berlin bis Erlangen und spielt mit einer gewissen Sehnsucht, die hinter all den Orten verborgen sind. Boston und der Borgo-Pass, Oxford und die Schatzinsel, viel Natur und Wölfe in den Karpaten sind weitere Themen, die er mit Sprachwitz und Leichtigkeit hier veröffentlicht hat. Zwischen den Zeilen entdecken wir Melancholisches durch das Verschwinden dieser fernen, nahen Orte, die meist ums Eck sind, die wir haben gar nicht mehr betrachten, weil uns die schnelle, Glitzerwelt viel wichtiger erscheint.

Wrist

Wenn irgendwo die Schrift erscheint
Hic habitant leones
dann ist vermutlich Wrist gemeint
Ich weiß es Ich bewohn es

Ich lebe hier im Zwischenreich
aus Himmeln und aus Mooren
Die Welt ist mir inzwischen gleich
Der Welt ging ich verloren

Hier werd ich sein wenn nichts mehr ist
nicht Löwen Land noch Karte
Die Ewigkeit sieht aus wie Wrist
Ich habe Zeit ich warte

Und wenn wir schon über Schnee und über das
(hoffentlich baldige) Ende des Winters reden:

Ende des Winters
I

die zierlich geschwänzte Katze
am Hoftor in Mehltau-
Regen

fremde Gesichter am Fenster
Sperlinge morgens
Amseln im Mittagslicht
abends der Käuzchenflug
lautlos am Birken-
geflacker

und die Schwäne
stehn still und starr

Das als kleiner Einblick in die poetische Welt des Heinrich Deterings.
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Für alle Besserwisser unter uns, für alle unter uns, die nicht wissen, wie man genau den Autorennamen Houllebecq ausspricht, gibt es hier eine kurze Nachhilfestunde:


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Zu Schluss des heutigen Eintrages:
Ich bin wirklich überwältigt, wieviele sich wegen des L.S.D.-Buches gemeldet haben. Die Mails kamen bis aus Wales. Herrlich. Schade jedoch, dass ich nur ein Exemplar hier liegen habe.
Das Los entschiedt, der Gewinner wird benachrichtigt. Ich danke (!!!!) allen, die mitgemacht haben. In meiner Verzweiflung suchte ich noch nach Trostpreisen und habe tatsächlich zwei schmale, weisse Moleskine-Notizbücher gefunden, die ich auch noch in den Lostopf werfen und verteilen werde.