Dienstag, 24.Januar

Vesperkirche Ulm

Heute haben
Pierre Augustin Caron de Beaumarchais * 1732
E.T.A.Hoffmann * 1776
edith Wharton * 1862
Vicki Baum * 1888
Eugen Roth * 1895
Milada Souckova * 1899
Wolf von Niebelschütz * 1913
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„Welch eine Kluft liegt zwischen dem, was man will und dem, was geschieht! Manches Leben ist nur ein stetes Wollen und mancher weiß vor lauter Wollen am Ende selbst nicht, was er will.“
E.T.A.Hoffmann
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Unser heutiger Kinderbuch-Erwachsenenbuch-Tipp:


Dr.Seuss: „Dr.Seuss‘ Schlummerbuch
Aus dem Amerkanischen von Nadia Budde
Kunstmann Verlag € 18,00

„Gähnen steckt an, so ähnlich wie Lachen. Fängt einer erst an, müssen alle es machen … „
Genauso ansteckend wie das sperrangelweite Gähnen des müden Käfers Willi van Wann ist der überbordende Witz dieses Buchs: Nie hat es mehr Spaß gemacht, ins Bett zu gehen!

Das große Gähnen des kleinen Käfers Willi van Wann breitet sich aus wie ein Lauffeuer, erst erfasst es seine sieben besten Käferkumpel, dann die Fluffi-Flaum-Vögel, danach die Herkheimer-Schwestern, die ihre Zähne abends an tosenden Wasserfällen putzen, schließlich den Zugbrückenzieher von Burg Knupperbogen, den Hinkelhorn-Bläserclub und alle anderen natürlich auch. Überall wird geschlummert, gepennt, leise geschnarcht, in Ecken, Lücken und Winkeln – sogar auf Rasierschaumpinseln! Derweil zählt der Abzähl-Apparat jeden neuen Schläfer, sekündlich werden es mehr, am Ende sind es Milliarden, Billionen, Trilliarden.
Ein Buch voller verrücktem Sprachwitz und Worterfindungen. Ich kennen nur die Neuübersetzung von Nadia Budde, aber die ist schon sehr großartig. Alles geschmückt mit den eigenwilligen Illustrationen von Dr.Seuss, mit dessen Büchern us-amerikanischen Kinder in den 60er Jahren aufgewachsen sind.
Herrlich.
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Fr. 27. 01. | 20.00 Uhr | Stadthaus und Münster
Candelabro – Aristides de Sousa Mendes
Einführung und Eröffnung

Sa. 28. 01. | 17.00 Uhr | vh ulm
Sousa Mendes – Fluchthilfe 1940
Gespräch mit Angehörigen

27. 01. – 13. 03. | Münster
Präsentation der Videoskulptur Candelabro
Mittagsgespräch in der Turmhalle, mittwochs, 12.00 U. 01. | 20.00 Uhr | Stadthaus und Münster
Candelabro – Aristides de Sousa Mendes

Einführung und Eröffnung
Sa. 28. 01. | 17.00 Uhr | vh ulm
Sousa Mendes – Fluchthilfe 1940
Gespräch mit Angehörigen

27. 01. – 13. 03. | Münster
Präsentation der Videoskulptur Candelabro
Mittagsgespräch in der Turmhalle, mittwochs, 12.00 Uhr

Aristides de Sousa Mendes war im Juni 1940 portugie-
sischer Generalkonsul in Bordeaux. Damals trafen über
eine Millionen Menschen, darunter viele Jüdinnen und
Juden, auf der Flucht aus zahlreichen Ländern Europas
in der Stadt ein. Sie hofften, über Portugal fliehen zu
können, nachdem die deutsche Wehrmacht Belgien,
die Niederlande und Nordfrankreich besetzt hatte.
Die Flüchtenden benötigten dazu Visa, doch hatte der
portugiesische Diktator António de Oliviera Salazar
bereits im November 1939 seinen Diplomaten untersagt
diese auszustellen. Sousa Mendes geriet in ein Dilemma:
Der gläubige Katholik musste zwischen seinen Grundwer-
ten und dem Befehl Salazars entscheiden. Nach dreitägi-
gem Gewissenskampf entschied er sich, seinem Gewissen
zu folgen. Zwischen dem 17. und 23. Juni 1940 stellte
er unzählige Visa aus und rettete damit tausende Leben.
2019 beauftragte die New Yorker Sousa Mendes
Foundation den renommierten Künstler Werner Klotz
(Berlin/New York), eine Videoskulptur zu schaffen, die
diese drei Tage der Entscheidung von Aristides de Sousa
Mendes zum Thema hat. Es entstand ein nahezu vier
Meter hohes Werk aus Edelstahl mit 13 Monitoren, das
bereits in Portugal und Frankreich ausgestellt wurde
und nun durch das Engagement von Dr. Jennifer Hartog
(Toronto) in Ulm gezeigt wird. Sie wird in der Gedenk-
veranstaltung am 27. Januar die Geschichte von Sousa
Mendes und ihrer eigenen Familie vorstellen. Zehn ihrer
Familienmitglieder wurden durch Mendes‘ Visa gerettet.

In der Abendveranstaltung geht es um in der Geschichte
und in der Gegenwart brennende Fragen. Woher
kam dieser Mut? Welche Entscheidungsprozesse fanden
statt? Warum begeben sich auch heute Menschen
in Gefahr, um unmenschliche Regime und totalitäre
Strukturen zu bekämpfen oder Verfolgten und Ge-
flüchteten zu helfen?
Im Anschluss an diesen ersten Teil des Abends wird die
Skulptur mit musikalischer Umrahmung durch Almut
Kühne (Berlin), die die Sound-Spur des Kunstwerks
schuf, im Münster präsentiert.
Begrüßung: Oberbürgermeister Gunter Czisch

Familienfoto der Hartogs 1938, vor der Flucht aus den
Niederlanden. Von ihnen wurden fünf durch Sousa Mendes‘
Visa gerettet. Quelle: Sousa Mendes Foundation

Gerettete in einer Suppenküche in Lissabon, 1941.
Quelle: Benjamin Schlesinger, Sousa Mendes Foundation

Aristides de Sousa Mendes, 1940.
Quelle: Sousa Mendes Foundation

Samstag, 18.Juli

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Heute haben
Iwan Gontscharow * 1812
Mirjam Pressler * 1940
Paul McCartney * 1942
Richard Powers * 1957
Geburtstag
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Friedrich Hölderlin
Der Sommer

Noch ist die Zeit des Jahrs zu sehn, und die Gefilde
Des Sommers stehn in ihrem Glanz, in ihrer Milde;
Des Feldes Grün ist prächtig ausgebreitet,
Allwo der Bach hinab mit Wellen gleitet.

So zieht der Tag hinaus durch Berg und Tale,
Mit seiner Unaufhaltsamkeit und seinem Strahle,
Und Wolken ziehn in Ruh`, in hohen Räumen,
Es scheint das Jahr mit Herrlichkeit zu säumen.

Mit Unterthänigkeit
Scardanelli

d.9ten Merz
1940

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Jetzt ist das neue Buch von Nadia Budde auch bei uns gelandet.

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Nadia Budde: „Eine Woche drin“
in einer limitierten Auflage im Selbstverlag für € 13,00
Mit Kindermaske zusammen € 20,00

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In diesem Pappbilderbuch sind die bekannten Budde-Monsterchen für eine Woche drin. Sie dürfen nicht raus und hängen auf dem Sofa ab. Nur gut, dass es solche Kindermasken gibt, mit denen Mund und Nase verdeckt werden und wir die anderen nicht so schnell anstecken.

Zimmerzauser, Budenstoffel, Stubenschreck und Couchkartoffel,
Hüttenkoller, Sesselspin, heute sitzen alle drin.

Nadia Budde hat dieses neue Kinderbuch im Selbstverlag herausgebracht und wir freuen uns riesig, dass die lustigen Kerle wieder zwischen unseren Beinen herumwuseln. Obwohl wir sie meist gar nicht bemerken.
Ein großer Spaß für die Kleinen und eine Herausforderung für die Vorlesenden und ihre Zungen – bei den lustigen Namen.

Donnerstag, 28.März

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Heute haben
Maxim Gorki * 1868
Bohumil Hrabal * 1914
Marianne Fredrikssen * 1927
Mario Vargas Llosa * 1936
Tilman Röhrig * 1945
Geburtstag
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Heute auf dem Gedichtekalender:

Georg Trakl
Im Frühling

Leise sank von dunklen Schritten der Schnee,
Im Schatten des Baums
Heben die rosigen Lider Liebende.

Immmer folgt den dunklen Rufen der Schiffer
Stern und Nacht;
Und die Ruder schlagen leise im Takt.

Balde an verfallener Mauer blühen
Die Veilchen,
Ergrünt so stille die Schläfe des Einsamen.
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Unser Tagestipp:

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Nadia Budde: „Krake beim Schneider“
Tierische Zweiteiler
Hammer Verlag € 15,00
Pappbilderbuch für Kinder ab 5 Jahren
und auch für Jungs ab 60.

Mensch Frau Budde, das Buch ist ja der Knaller.
Diese Zweizeiler sind zum Brüllen gut und zum Verwundern schräg.
Was habe ich mich amüsiert.
Zwei Bilder und ein knackiger Zweizeiler – mehr braucht Nadia Budde nicht.
Die Krake geht zum Schneider. Na klar bekommt sie dann zwei Kleider.
„Krake beim Schneider. Zwei neue Kleider“

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So sehen wir es schon auf dem Buchumschlag vorne und hinten.
Aber wenn das etwas zu große Känguru endlich den Beutel der Mutter verlassen soll und sich dafür in der Einkaufstasche derselben verkriecht, heisst das bei Frau Budde:
„Beutel leer. Tasche schwer“.
Oder der streikende Kuckuck in der Uhr:
„Zwanzig Uhr. Kuckuck bleibt stur“.

Um so schräger die Tiere sind (Nacktschnecken beim sonnen), um so mehr merken wir, dass es eigentlich um uns Menschen und unsere Macken geht.
Herrlich.

Was machen vier Biber an Weihnachten?
„Lied gesungen. Abend gelungen“
Und sie liegen sauglücklich auf dem Boden und pennen.

Mittwoch, 13.Juli

Thomas
Mond über Mainhattan (Foto: Thomas)

Heute haben
Gustav Freytag * 1816
Isaac Babel * 1894
Georg Hensel * 1923
Wole Soyinka * 1934 (Nobelpreis 1986)
Helga Königsdorf * 1938
Milena Moser * 1963
Geburtstag.

Theodor Storm
Juli

Klingt im Wind ein Wiegenlied,
Sonne warm herniedersieht,
Seine Ähren senkt das Korn,
Rote Beere schwillt am Dorn,
Schwer von Segen ist die Flur –
Junge Frau, was sinnst du nur?
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Rautenberg, Arne
Budde, Nadia (Illustrationen)
Unterm Bett liegt ein Skelett

Gruselgedichte für mutige Kinder ab 5 Jahren
Peter Hammer Verlag € 13,90

Geisterschnecken, weich und bleich in Zimmerecken – was gibt es Schöneres, als sich zu gruseln! Arne Rautenberg lässt Untote auferstehen und durch seine Gedichte rasseln, schleimen und röppeln. Skelette, Zyklopen, Zombies und Fröpps. Er reimt mit wunderbar ekligen Zutaten und einem Heidenspaß am Spiel mit Silben, Wörtern und ihrem Klang. Und weil das Gruseln und das Kichern ja irgendwie zusammengehören, kommen Nadia Buddes Illustrationen gerade recht. Die Berlinerin (ooooh ist die guuuuut) liefert die haarigen und glubschäugigen Wesen, die alles geben um zu erschrecken – und dabei doch ziemlich lustig sind!

grausam friert
die fledermaus
sie schaut von draußen
rein ins haus

du bist so reich
sie ist so arm
ihr blut ist kalt
dein blut ist warm

Diese Gedichte sind bestens geeignet, an einen Brief anzufügen. und wenn es um den Smartphonefresser geht, kommt das sicher gut, wenn wir an unsere Kinder dies an eine sms, whatsapp, … anhängen. Da kommen sofort diverse Bildchen zurück. Wetten?

im schwarzen wald
im schwarzen wald
da leuchten rote augen kalt

Fix mal auswendig gelernt passt das Gedicht zu einem Nachtspaziergang in den Ferien, oder auf dem dusteren Weg vom Zelt auf die Sammeltoiletten. Haha. Da will keiner mehr aus dem Schlafsack.

monster mit riesigen augen
monster mit rüsseln zum saugen
monster mit fiesen krallen
monster mit stimmen die hallen

monster die im winde wehn
monster die noch niemand gesehn

Diese Liste lässt sich locker weiterführen und die langweilige Fahrt in den Urlaub wird kurzweilig, wie noch nie.

Das Gedichtebuch endet mit einem Rock’n’Roll Lied. Besser gesagt mit einem Text, der sich bestens eignet auf der Gitarrre geschrummelt zu werden. Und dann, ja dann, auf der letzten Impressumsseite finden wir noch eines in Spiegelschrift. Das Buch schnappen, Papa beim Rasieren stören und schnell mal eben das Buch an den Spiegel halten ….

Leseprobe

Noch ne Probe zum Lesen, Gruseln, Schmunzeln.
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Nicht vergessen:
Am kommenden Freitag, den 15.Juli lesen wir Gedichte von Martina Jung, die uns von ihrer Wolke zuschauen wird.
Wir beginnen um 19 Uhr mit einem Glas Sekt.
Der Eintritt ist kostenlos.

Dienstag, 15.März

Heute haben
Paul Heyse * 1830
Elisabeth Plessen * 1944
Franz Schuh * 1947
Kurt Drawert * 1956
Geburtstag
und auch Zarah Leander.
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Mit so einem Durcheinander in die neue Woche.
Ob das gut geht?
Mit Nadia Buddes Witz allemal.

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Nadia Budde:Durch & durch
Die tollen Heft Nr.45
Büchergilde Gutenberg € 16,95
Auflage 3.500 Exemplare.
Es gibt auch noch 150 nummerierte Sonderausgaben mit einem signierten Linoldruck von Nadia Budde

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„22 Kapitel von Paaren“ nennt Nadia Budde ihren Untertitel, der erst im Innenteil auftaucht. Um das Heft herum legt sich ein Schutzumschlag. Schon mal das erste Kunstwerk. Wenn sie den wegnehmen entdecken wir noch einen Umschlag, bevor es losgeht. Paare ist das Thema: und deshalb gibt es hier gleich mal ein Memory-Spiel zum Ausschneiden. Dick und Doof, Timm und Struppi, Asterix und Obelix, die Blues Brothers. Alle mit in Buddes Boot.
Aber nun geht’s los und die Künstlerin nützt jeden freien Flecken. Ein Bulgakow-Zitat auf der ersten Klappe und eines über Doppelsterne auf der letzten. Castor und Pollux strahlen uns auf schwarzem Hintergrund an. Nicht gerade freundlich, die beiden. Aber auf der gegenüberliegenden Seite lächelt ein Budde-Monster verschmitzt.
Das erste Kapitel heisst: „Anfang & Ende“ und wir lesen Feuer & Flamme, Ebbe & Flut, Blitz & Donner, Geduld & Spucke. Im zweiten Kapitel glotzen uns irgendwelche Zombies aus der Vergangenheit an. Rosa im Gesicht mit viel Rot um die Augen. Im „Gott & die Welt“-Kapitel kommen Adam & Eva, Cäsar & Cleopatra, Tristan & Isolde, Tarzan & Jane, …. bis Barbie & Ken vor. Da kann eigentlich nur noch „Mord & Totschlag“ vor „Zank & Streit“ folgen. Hier hält die genervte blaue, römische Wölfin Romulus und Remus an den Händen. Der eine will nach Rom, der andere nach Rem. Das kann ja nix werden.

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22 Kapitel lang, bis „Sack & Pack“, „Schalten & Walten“ und „Mond & Sterne“ nimmt uns Nadia Budde mit auf ihre Welt des Durcheinanders, der Paare, der neuen Mutationen. Sie zitiert Platon, der erklärt, warum wir Menschen immer noch auf der Suche nach unserer zweiten Hälfte sind und zeigt uns eine Doppelseite mit wilden Frisuren (10.Krethi & Plethi).
Wer immer noch nicht genug hat, wem der Kopf noch nicht schwirrt, dem hat der Verlag ein Poster beigelegt.Gleich mal eben im Büro übern PC hängen. Dagegen ist ein PC-Absturz Kindergarten.
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Werner Färbers Ungereimtheiten

Großes Tigertreffen

Als erster kommt EinsTiger an,
HasTiger atemlos sodann.
BorsTiger wirkt schlecht rasiert,
was LusTiger sehr amüsiert‘.

Der FruchTiger riecht ganz apart
und BärTiger ist dicht behaart,
RosTiger ist schon sehr klapprig,
SafTiger eher klebrig, pappig.

Der GünsTiger fliegt Billigflug,
KopflasTiger ist äußerst klug.
GranTiger missmutig schaut,
worauf der GarsTiger ihn haut.

Auch BösarTiger will kämpfen,
FriedferTiger Aufruhr dämpfen.
Dem GleichgülTiger ist’s egal,
der DursTiger geht ins Lokal.

Der FrusTiger, weint sich aus
und geht mit GüTiger nach haus.
SehnsüchTiger träumt versonnen,
WahrhafTiger ist versponnen.

VorsichTiger hält sich zurück,
MuTiger sucht forsch Glück.
Dem FrosTiger ist viel zu kalt,
AllmächTiger fühlt sich sehr alt.

VernünfTiger sagt zum Schluss,
dass HeuTiger jetzt gehen muss.
FlüchTiger beim Abschied lacht
und TüchTiger noch sauber macht.

Verkaufszahlen

„Herr Autor, darf ich Sie mal fragen,
wie Ihre Bücher denn so laufen?“
„Sie hören mich bestimmt nicht klagen,
wenn Sie sich mal eins von mir kaufen.“

Rosenmontag, 8.Februar

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Heute haben
Jules Vernes * 1828
Theodor Lessing * 1872
Martin Buber * 1878
Heinrich Spoerl * 1887
Siegfried Kracauer * 1889
Ludwig Marcuse * 1894
Eva Strittmatter * 1930
Gert Jonke * 1946
John Grisham * 1955
Geburtstag.
Aber auch Paula Modersohn-Becker und James Dean.
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Unser Buchtipp passt nicht nur zum Rosenmontag.

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Nadia Budde: „Vor meiner Tür auf einer Matte
Hammer Verlag
Bilderbuch ab 4 Jahren

Vor meiner Tür auf einer Matte
steht jeden Tag die blonde Ratte.

Selten lade ich sie ein,
meistens quetscht sie sich mit rein.

Schneller als ich denken kann
hat sie meine Latschen an.

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Da steht sie nun, die übergroße Ratte und macht sich häuslich. Nicht nur die Puschen des Wohnungsbesitzers hat sie an. Sie setzt sich auf seinen Stuhl, liegt in seinem Bett, frisst ihm den Kühlschrank leer, telefoniert ohne Ende, pfeift laut und falsch zur Musik aus dem Radio, lässt Teekannen fallen und schlürft in der Badewanne das Wasser weg. Die Augenringe des langmütigen Helden werden immer größer und es platzt ihm der Kragen.
Am nächsten Tag ist das blonde Tier weg. Nirgends zu finden. Nicht auf dem Kanapee, nicht in der Wanne, noch im Kühlschrank, oder im Spiegel. Niemand schnieft beim Vorlesen von Büchern und niemand benutzt den superlauten Föhn im Bad.
Ach, irgendwie triste und öde.
Unser Mann macht sich auf die Suche nach dem liebgewonnenen, lästigen Freund. Und da steht die Ratte auch plötzlich wieder an der Türe. Sie essen gemeinsam und die Ratte erzählt, was sie erlebt hat. Mit Fliege am Hals und den Latschen an den Füßen. Aber so einfach gestaltet sich das gemeinsame Leben dann doch nicht.

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Nadia Budde ist und bleibt die Königin. Sie reimt, wie eine Weltmeisterin und ihre Bildern sind einzigartig treffend, witzig zeigen die Schwierigkeiten dieser kleinen Wohngemeinschaft.
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Werner Färbers Ungereimntheit der Woche

Der Jaguar

Ein Jagu- und ein Fegruar,
eröffneten das neue Jahr.
Und erst im Monat März
bemerkte man den Scherz.

XY … ungelöst

Dunkel ist’s schon lang im Garten.
Ein Fremder nähert sich dem Haus,
um geduldig drauf zu warten,
dass er ein Leben lösche aus.

Geräuschlos dringt der Fremde ein,
nachdem im Hause alles döst.
Keiner hört das Opfer schrei’n.
Auch dieser Fall bleibt ungelöst.
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Stadthaus Ulm
17. Dezember 2015 bis 13. März 2016
Nadja Wollinsky: Am Rand
Fotografien aus Ulm, Neu-Ulm und Umgebung

“Ich würde nie etwas fotografieren, das ich hässlich finde.”
Diese Fotos soll man sich genau anschauen. Man soll sich Zeit für sie nehmen, denn hier kann es aufs ganz kleine Detail ankommen. “Im Idealfall”, sagt sie stattdessen, “funktionieren die Bilder auf drei Ebenen: Farbe, Form und Inhalt. Klappt leider nicht immer.”
In Ulm und Neu-Ulm entdeckt Nadja Wollinsky Randerscheinungen, doch bildet sie keine Tristesse ab. Ihre Settings sind meist menschenleer, doch nicht vereinsamt. Nicht selten erzählen die Bilder von einem Scheitern, doch immer sind sie tröstlich. Sie sind leise lustig, doch nie sich lustig machend. Sie sind subtil und niemals platt. Und ein Saurier vor einer Neu-Ulmer Bahntrasse-und-Parkhaus-Kulisse ist irgendwie “menschlich”.

Nadja Wollinsky, Jahrgang 1967, wurde Mitte der 90er Jahre am Stadtarchiv Ulm zur Fotografin ausgebildet und leitet seit 2006 die Bilddokumentation der Stadt Ulm. Dazwischen absolvierte sie ein Studium “Digitale Medien” und war zuständig für Grafik und Fotografie in der Öffentlichkeitsarbeit der Hochschule Ulm.

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Nicht vergessen:

Donnerstag , 18.Februar um 19 Uhr
Zora del Buono liest aus:
„Gotthard“ und „Das Leben der Mächtigen“
Bei uns in der Buchhandlung € 10,00

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Samstag

Heute hat Marguerite Yourcenar Geburtstag (* 1903)
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Der Buchtipp für das Wochenende.

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Nadia Budde: „Großstadttiere
ab 9 Jahren und für alle Großen
Jacoby&Stuart Verlag € 18,00

Frau Budde ist eine ganz Große. Praktisch die Königin der Illustrationen mit Witz. Ihre Bücher im Peter Hammer Verlag, diese Mischung aus skurilen Geschichten, oder schrägen Gedichten und dazu ihre Bilder in ihrem ganz eigenen Stil, sind so stark und wurde zurecht mehrfach ausgezeichnet.
Nun ist ihr ein umfangreiches Werk über Großstadttiere erschienen.
Wenn Sie nun meinen: Ah, jetzt wird sie seriös und wechselt ins Sachbuchfach …. weit gefehlt. Allein schon die beiden Jungs aus der Waschbärgang auf dem Umschlag, zeigt wo der Weg lang geht.
Bevor das Buch mit seinem Impressum losgeht, hat sie erstmal das Freudsche Sofa gemalt. Ja, das ist nun mal ein gutes Motto, bevor Frau Budde so weitermacht:

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Sie hat 50 Tiere aufgesammelt und stellt einige genauer und im Detail vor.
Ich habe leider auf der Verlagseite keine Abbildungen gefunden und traue mich aus rechtlichen Gründen nicht, Ihnen abfotografierte Tiere aus dem Buch zu zeigen. Schade drum.
Es sind u.a. die Ente, die, wenn sie zu sehr mit Weissbrot gefüttert wird, erst verfettet und dann kopfnachunten im Teich schwimmt, oder die diversen Nager, wie auch die Eichhörnchen. Dort verhält es sich umgekehrt, wie bei den Menschenfrauen. Wenn bei denen nämlich die ersten grauen Strähnen auf dem Kopf erscheinen, dann greifen sie zu Haarfärbemittel und es bleibt bei den meisten ein undefinierter Rotschimmer übrig. Bei den Eichhörnchen ist das gegenteilige Phänomen zu erkennen. Hier übernehmen nähmlich die grauen, großen Eichhörnchen so langsam die Herrschaft und vertreiben die kleineren roten, die wir aus unserer Kindheit kennen. Die Elster, die Krähe, die Schabe, nein besser DIE Schaben. Die tauchen nämlich gleich in Massen in Trikots auf mit den Aufschriften, welche Städte sie möge. Praktisch die ganze Welt. Nur wir mögen sie nicht. Faru Budde sagt uns in welcher Stadt die meisten die Fledermäuse zu Hause sind (1.500.000 in …), warum man in Moskau sich beim Verlassen des Kaufhauses vor Wölfen in Acht nehmen muss. 2.500 Tiere soll es dort geben. Oder wussten Sie, dass es in Rom ca. vier Millionen Stare sind, die dort die einzigartigen Formationen am Himmel über der Ewigen Stadt fliegen. Ein Tier wird dabei natürlich oft vergessen, vernachlässigt. Aber Frau Budde gibt ihm endlich, dem ihm gehörenden Platz. Der Regenwurm leidet nämlich sehr in der Großstadt. Kaum regnet es, muss er natürlich sein Röhrensystem verlassen. In der Natur kein Problem. In der Stadt allerdings landet er auf 6spurigen Straßen und sieht dann dementsprechend aus. Und deshalb nimmt Frau Budde den Wurm an die Hand und legt ihn am Ende des Buches auf das Freudsche Sofa. Gut gemacht. Und wir? Wir Menschen? Ja wir haben uns wie die Stare umgestellt, die anders als ihre Landkollegen, Handyklingen nachmachen können und täglich eine Stunde länger aktiv sind. Wir genießen (als Touristen den Rummel) die Großstadt und sehnen uns als Eingeborene nach der Natur.
Sie merken schon, dies ist eine wahre Fundgrube für die ganze Familie und gleichzeitig ein Lexikon mit sehr großem Spaß- und Lachfaktor.
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Um nochmals auf Eugen Ruges: „Cabo de Gata“ zurückzukommen.
Hei, holen Sie sich dieses Buch. Ruge beschreibt in seinen dauernden Erinnerungssätzen so genau und hat dabei einen so großen Witz, dass ich mehrfach schmunzeln musste. Auch die Vernetzungen zwischen verschiedenen Büchern ist schön. So kommen hier auch Tiere vor, die Frau Budde beschreibt. Bei Ruge sind es die tantenartigen Möwen, die streunden Hunde und natürlich die unnahbare Katze. Ruge gibt sich gegenüber einem penetranten Touristen als Schrifteller aus und nachdem der Unbekannte unbedingt seinen Namen haben will, damit er daheim in der Buchhandlung nach seinen Werken schauen kann, nennt Ruge sich einfach mal: Peter Handke. Wie ein wiederkehrender Gag taucht immer wieder die grantige dickarschige Bedienung auf, die ihn nicht beachtet. Er erwähnt Arno Schmidt und Uwe Johnson als seine Lieblingsautoren, während in seine Kladden kritzelt, er schreibt über das Schnurren der Katzen und erinnert sich an Trink-Gepräche am Meer, die dann im Rausch des Meeres und im Kopf vernebeln.

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Mir hat das Buch großes Vergnügen bereitet und ist mit seinem Umfang sehr überschaubar.
Ein gutes Buch, dem ich viele LeserInnen wünsche.
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Eva Stotz war gestern im Laden und hat Süßigkeiten aus Istanbul mitgebracht. Dies war ein Dankeschön für die Unterstützung für ihren FilmOne Million Steps. Eva Stotz hat in der Lichtburg mehrfach ihren Film über das Couchsurfen vorgestellt und hat in ihrem neuen Projekt Istanbul tänzerisch erkundet. Als sie sich nun ans Schneiden machen wollte, begannen die Menschen in Istanbul (Großsstadt, s.o.) auf die Straße zu gehen und Eva Stotz meint, dass ihr Filmprojekt der Auslöser dafür war. Sie lässt das Schneiden nochmal liegen und geht mit der Kamera zurück nach Istanbul und schaut, was sich auf den Straßen dort tut. Noch weitere Millionen Schritte wird sie dort auffinden. Schauen Sie sich die website zum Filmprojekt an, incl. eines Trailers und Informationen zur Beteiligung am Projekt.
website

Donnerstag

Heute haben
Anais Nin * 1903
Raymond Queneau * 1903
David Foster Wallace * 1962

Otfried Preußler ist tot.
Er starb starb gestern im Altern von 89 Jahren.
Gut, dass seine Bücher immer weiterleben werden.
Hier geht es zu einem kleinen Artikel aus buchmarkt.de.
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Das heutige Gedicht kommt von
Samuel Taylor Coleridge,
der es am 21.Februar 1825 geschrieben hat.

Work Withour Hope

All nature seems at work. Slugs leave their lair—
The bees are stirring—birds are on the wing—
And Winter, slumbering in the open air,
Wears on his smiling face a dream of Spring!
And I, the while, the sole unbusy thing,
Nor honey make, nor pair, nor build, nor sing.

Yet well I ken the banks where amaranths blow,
Have traced the fount whence streams of nectar flow.
Bloom, O ye amaranths! bloom for whom ye may,
For me ye bloom not! Glide, rich streams, away!
With lips unbrighten’d, wreathless brow, I stroll:
And would you learn the spells that drowse my soul?
Work without Hope draws nectar in a sieve,
And Hope without an object cannot live.

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=O9HsJmZBmpU]

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Nadia Budde: „Und außerdem sind Borsten schön
Hammer Verlag € 14,90
Bilderbuch ab 3 Jahren

Wir wären doch alle gern ein bisschen schöner! Blonder, muskulöser, um die Hüften eine Spur schlanker. Kein Grund zur Scham, mit diesen eitlen Träumen snd wir nicht allein!
Nadia Budde holt die ganze schräge Verwandtschaft – von Onkel Waldemar bis Opa Archibald – jede Menge guter Freunde und illustre Nachbarn auf die Seiten dieses Bilderbuches und wir sehen gleich, wo es hapert: „Unser Nachbar Thilo Schramm hat zu viele Kilogramm„. Der kleine Bruder Olli träumt von einem ordentlichen Bizeps, Waldemar von glattem Haar, die kleinen Jungs im Nachbarhaus wären gern wie Supermann und sind – wenn wir ehrlich sind – davon so weit entfernt wie ihre vierschrötigen Schwestern in Rosa von wahren Elfen. Und weil sie alle ganz hinreißend (und so lustig!) sind, wie sie da stehen, hadernd mit dem, was fehlt oder zuviel ist, spricht uns am Ende einer aus der Seele, den der ganze Firlefanz um die Schönheit nicht juckt. Es ist Onkel Parzival, dem ist sein Äußeres egal. Und der findet: „Eins ist wichtig, wie du bist, so bist du richtig!“ Und wenigstens kurzzeitig sind Onkel Waldemar, Thilo Schramm und unsere properen Elfen doch ziemlich erleichtert!

Nadia Budde ist einfach die Königin, wenn es um diese Nonsense-Bilderbücher geht, die so irre illustriert und einfach extrem witzig sind.
„Eins Zwei Drei Tier“, „Trauriger Tiger toastet Tomaten“, „Kurz nach sechs kommt die Echs“, „Unheimliche Begegnungen auf Quittenquart“ und „Flosse, Fell und Federbett“ sprühen so von Energie und verrückten Ideen, dass sich diese Bücher zu wirklich Klassikern entwickelten, die wir immer im Laden vorrätig haben.

Hier können Sie ins Buch schauen.
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Und weiter geht es in der „Underground New York Public Library

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„The New Rabbi“ von Stephen Fried

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„Persepolis: The Story of a Childhood“ von Marjane Satrapi