Dienstag, 22.März

Heute haben
Albrecht Goes * 1908
Gabrielle Roy * 1909
Michael Hamburger * 1924
Wolfgang Bächler * 1925
Érik Orsenna * 1947
Eveline Hasler * 1953
Geburtstag
und es ist der Todestag von Goethe.

Johann Wolfgang von Goethe
Bleibe, bleibe bei mir

Bleibe, bleibe bei mir,
Holder Fremdling, süße Liebe,
Holde süße Liebe,
Und verlasse die Seele nicht!
Ach, wie anders, wie schön
Lebt der Himmel, lebt die Erde,
Ach, wie fühl ich, wie fühl ich
Dieses Leben zum ersten Mal!
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Jörg Mühle:Badetag für Hasenkind
Moritz Verlag € 8,95
Kleines Format, dicke Pappe, für die ganz Kleinen

Heut ist Badetag für Hasenkind: Die Wanne ist schon voll.
Ruf doch mal nach ihm!

Nach Nur noch kurz die Ohren kraulen? hat sich Jörg Mühle ein weiteres Pappbilderbuch ausgedacht und wieder müssen wir kräftig mitmachen, damit das mit dem Baden, Einschäumen, Abtrocknen auch wirklich klappt.
Mussten wir im ersten Band dem kleinen Hasenkind den Rücken streicheln, die Ohren kraulen, die Decke hochziehen und das Licht ausmachen, so machen wir ihm jetzt Shampoo auf den Kopf, schäumen es ein und müssen dann schsch machen, damit die Brause die Seife vom Kopf spült. Schnell schnell dem kleinen Hasenkind die Augen zuhalten, damit dort kein Wasser reinkommt. Schön abrubbeln und den Föhn am Schaltern anknipsen. Oh, er geht gar nicht. Also los: Kräftig pusten! Stärker! Weiter!! Jetzt noch Creme ins Gesicht.
Picobello, Hasenkind!
Jörg Mühle schafft es wieder uns alle miteinzubeziehen. Mit ganz einfachen Mitteln wird aus dem Pappbilderbuch ein interaktives Medium. So einfach. Ohne Strom und ohne Tablet.

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Werner Färbers Ungereimtheiten der Woche
Ungleich Verteilung

Hinter eines Menschen Stirn
befindet sich zumeist ein Hirn.
Jedoch begegnet man bisweilen
Leuten, die wohl beim Verteilen
nur durch Abwesenheit glänzten
und den Vergabetermin schwänzten.

Dass ihr Denkvermögen schlicht,
stört die Betroffenen meist nicht.

Für Kinder:
Warzenschwein

Ein wahrhaft warzig Warzenschwein
wollt’ auch mal ohne Warzen sein.
Also beklagt es sich beim Arzt:
„Ich fühle mich total verwarzt!“

Staunend auf die Warzen blickend,
sagt jener mit dem Kopfe nickend:
„Ich bin beeindruckt von der Masse!
Privatversichert oder Kasse?“

Mit einem Griff unter die Schwarte
zückt das Schwein die Plastikkarte,
um bei der Kasse einzureichen
Behandlungskosten und dergleichen.

Doch der Arzt schüttelt sein Haupt.
„Schönheits-OP? Nicht erlaubt!
Ohne Bargeld können Sie gehen.
Tut mir leid, auf Wiedersehen.“

Das arme Schwein kann es kaum fassen.
Entscheidet dann, es zu belassen
bei seinem Zustand, dem verwarzten.
Lässt es sich eben nicht verarzten!

29.Dezember

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Heute haben
William Gaddis * 1992
Jo Pestum * 1936
Christian Kracht * 1966
Geburtstag.
Brigitte Kronauer wird 75 Jahre alt und es ist der Todestag von Rilke.

Rainer Maria Rilke
Der Tod der Geliebten

Er wußte nur vom Tod, was alle wissen:
daß er uns nimmt und in das Stumme stößt.
Als aber sie, nicht von ihm fortgerissen,
nein, leis aus seinen Augen ausgelöst,
hinüberglitt zu unbekannten Schatten,
und als er fühlte, daß sie drüben nun
wie einen Mond ihr Mädchenlächeln hatten
und ihre Weise wohlzutun:
Da wurde ihm die Toten so bekannt,
als wäre er durch sie mit einem jeden
ganz nah verwandt; er ließ die andern reden
und glaube nicht und nannte jenes Land
das gutgelegene, das immersüße –
und tastete es ab für ihre Füße.
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Jörg Mühle:Nur noch kurz die Ohren kraulen?
Moritz Verlag € 8,95
Pappbilderbuch im kleinen Format für Kinder ab 2 Jahren

Jörg Mühle hat mit diesem kleinen Bilderbuch einige Dinge unter einen Hut gebracht.
Das Ritual des Insbettgehens, ein Mitmachbuch, ein Bilder- und Vorlesebuch.

Das kleine Hasenkind sollte ins Bett, die Zähne sind geputzt, der Schlafanzug liegt bereit. Und wenn wir jetzt in die Hände klatschen und die Seite umdrehen, zack, hat ihn das Hasenkind schon an. Nun gilt es noch das Kissen richtig aufzuschütteln und das gähnende Hasenkind mit dem Zauberspruch „Simsalabim“ daraufzulegen. Noch mal kurz die (großen) Ohren kraulen und ganz fein den Rücken streicheln und dann die Bettdecke über Hasenkind zuziehen. DieSeite umdrehen und schon ist es zugedeckt. Ein Gutenacht-Kuss und den Lichtschalter drücken. Dunkel ist es und Hasenkind schläft sicherlich sofort ein.
(Dies schreibe ich frühmorgens, während oben schon das Enkelkind kräht)
Das Besondere an diesem Buch ist u.a., dass die Interaktivität nicht durch Tastendruck ausgelöst wird und wir dann beschallt werden, oder Filmchen ablaufen. Nein, wir machen das einfach selbst. Kraulen und streicheln vielleicht auch gar nicht im Buch, sondern das kleine Menschenkind, dem wir diese Geschichte vorlesen. Der Lichtschalter am Ende ist natürlich großartig. Ein Schalter, der nur gemalt ist, aber wirklich funktioniert, wie das letzte Bild ja zeigt.
„Gut gemacht, danke schön“ heißt es einmal in diesem Buch.
Ein größeres Lob kann es dafür gar nicht geben.

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Wer noch nicht genug von Hasenkind hat, im Frühjahr erscheint
Badetag für Hasenkind„. Ich freue mich jetzt schon darauf.

Montag

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Vielleicht sollten wir sowohl das eine, als auch andere machen.

„In welcher Welt wollen wir leben? In einer, in der auf die Selbstmordattentate Drohnenattentate und auf die Drohnenattentate Selbstmordattentate und auf die Selbstmordattentate Drohnenattentate folgen? Lieber in einer Welt, in der das Völkerrecht geachtet und die Waffenproduktion geächtet wird.“
Heribert Prantl: Man darf der Kriegslogik nicht auf den Leim gehen
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Heute haben
José Saramago * 1922
Chinua Achebe * 1930
Anne Holt * 1958
Karen Duve * 1961
Geburtstag
und es ist der Todestag von Joachim Ringelnatz.

Joachim Ringelnatz
Herbst im Fluss

Der Strom trug das ins Wasser gestreute
Laub der Bäume fort.
Ich dachte an alte Leute
Die auswandern ohne ein Klagewort.

Die Blätter treiben und trudeln,
Gewendet von Winden und Strudeln
Gezügig, und sinken dann still.
Wie jeder, der Großes erlebte,
Als er an Größerem bebte,
Schließlich tief ausruhen will.
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Elzbieta:Floris und Maja
Aus dem Französischen von Barbara Haupt
Bilderbuch ab vier Jahren
Moritz Verlag

Die Autorin Elzbieta, die in Polen geboren im von Deutschen besetzten Elsass aufgewachsen ist, lebte in England und jetzt in Paris. Sie ist Bildhauerin, Malerin, Illustratorin, Autorin, Dichterin und Weltbürgerin.

„Aufgrund meiner eigenen Erfahrung als Kriegskind soll der Stacheldraht zwischen Floris und Maja nicht nur als psychische und physische Trennung verstanden werden, sondern darüberhinaus jede Art von Willkür und Volksverhetzung symbolisieren.“, schreibt die Autorin als Vorwort zu diesem kleinformatigen Bilderbuch.

Jeden Tag spielen Floris und Maja zusammen untem am Bach. Mal auf Majas, mal auf Floris´ Seite. Wenn sie groß sind, wollen sie heiraten. Doch eines Abends erfährt Floris‘ Vater aus der Zeitung, dass der Krieg kommt und er fort muss. Am nächsten Tag war der Krieg da, obwohl ihn keiner sah und der Vater zog ihm entgegen. Als Floris zu seiner Freundin Maja an den Fluss will, versperrt ihm ein Stacheldraht den Weg dorthin. Er diene als Schutz, meint seine Mutter. Auch sagt sie ihrem Sohn, dass sie nicht mehr von Maja sprechen, weil der Krieg es verboten habe. Floris versteht die Welt nicht mehr und meint, er will dem Krieg sagen, er soll den Stacheldraht wegnehmen und sie in Ruhe lassen. Doch der Krieg gehorcht niemandem, antwortet seine Mutter. Und der Krieg kommt tatsächlich. Er wütet, zerstört, macht schrecklichen Lärm und schlägt alles kaputt. Eines Tages ist er wieder weg und es herrscht eine große Stille. Der Vater kommt als Invalide zurück und verkündet, dass der Krieg zu Ende ist. Doch Floris sieht den Stacheldraht immer noch und schreit, dass er immer noch da sei, der Krieg. Nein, er schlafe nur und könne jederzeit wieder kommen. Darum heisst es still sein und ihn nicht aufwecken.
Es fällt Schnee und Floris denkt, dass er und Maja den Krieg geweckt hätten, als sie laut waren. Doch seine Mutter beruhigt ihn und sagt, dass Kinder ihn nicht aufwecken könnten. Floris geht zum Zaun und hört plötzlich eine Stimme seinen Namen rufen. Maja kommt zu ihm. Sie hat ein Loch im Zaun entdeckt.
In dieser ausführlichen Nacherzählung, hört sich die Geschichte vielleicht etwas gewollt an. Wenn wir die Bilder dazu betrachten (ja, es sind mal wieder Hasen), wird der Grundgedanke von Elzbieta deutlich und hinter dem Bilderbuch versteckt sich eine Botschaft, die auch die Kleinen, im Gespräch mit Erwachsenen, gut verstehen.
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Heute keine Ungereimtheit von Werner Färber

Und nächsten Montag?

Weisen wir zurück die Horden,
die abends treten vor die Türen,
um mit den Pariser Morden
die Angst vor Flüchtenden zu schüren.

Weisen wir sie in die Schranken,
wenn sie in unsrem Lande nun
ihre braunen Hassgedanken
wollen verbreiten opportun.

Lasst uns weiter im Gedenken
an jene, die nun schuldlos tot,
Offenheit und Liebe schenken
an die Fliehenden in Not.