Dienstag, 20.Oktober

Heute haben
Arthur Rimbaud * 1854
Paul Valery * 1871
Peter Bamm * 1897
Otfried Preußler * 1923
Oskar Pastior * 1927
Elfriede Jelinek * 1946
Geburtstag
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Christian Morgenstern
Blätterfall

Der Herbstwald raschelt um mich her.
Ein unabsehbar Blättermeer
Entperlt dem Netz der Zweige.

Du aber, dessen schweres Herz
Mitklagen will den großen Schmerz:
Sei stark, sei stark und schweige!

Du lerne lächeln, wenn das Laub
Dem leichteren Wind ein leichter Raub
Hinabschwankt und verschwindet.
Du weißt, dass just Vergänglichkeit
Das Schwert, womit der Geist der Zeit
Sich selber überwindet.
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Jocelyne Saucier: „Was dir bleibt“
Aus dem Französischen von Sonja Finck und Frank Weigand
Suhrkamp Verlag € 22,00

Mit dem dritten Roman, der auf deutsch erschienen ist, bleibt sich Jocelyne Saucier ihrer Gegend treu. Zuerst waren es die alten Männer in den ewigen Wäldern Kanadas, dann die Familie mit über zwanzig Kindern und jetzt eine 76 jährige Frau, Gladys, die einen Zug besteigt und als verschwunden gilt.
Die Autorin lässt uns an dieser Reise teilnehmen. Einer Reise durch verschwundene Zeiten, nicht mehr vorhandene Zugstrecken und dahinschwindenden Leben und Biografien. „À train perdu“ heisst der Roman im Original. Erzählt wird diese lange Reise durch Ort und Zeit von einem Journalisten, der Jahre später die Reise nachfährt und Menschen und Bekannte von Gladys von damals befragt. Das hat mich zu Beginn irritiert, dann erkannte ich aber den genialen Trick, den sich Saucier ausgedacht hat, in dem sie Gladys nicht selbst die Geschichte erzählen lässt.
Und wieder wartet Saucier mit verrückten, fast unglaublichen Geschichten auf, wie zum Beispiel der School Trains. In einem solchen war Gladys‘ Vater Lehrer und sie wuchs in einem dieser Züge auf, der in regelmäßigen Runden durch das fast unbewohnte Kanada fuhr, für eine Woche Unterricht vor Ort (im Zug) gab und dann nach einigen Wochen wieder auftauchte (und die Hausaufgaben kontrollierte). Genauso tauchen eigenwillige, eigenbrötlicherische Menschen auf, die von der Eisenbahn abhängig sind. Über diese große Strecken hinweg gibt es Freundschaften, die Gladys pflegt(e) und die sich auf ihrer letzten Reise als sehr nützlich erweisen.
Ein Buch über die Suche nach der verlorenen Zeit, über abknickende Biografien und unterschiedlichste Lebensläufe in dieser abgelegenden Welt und nicht in Berlin Mitte, Paris, oder New York, das süchtig auf’s Bahnfahren macht.

Leseprobe

Donnerstag, 1.Oktober

Heute haben
Inge Merkel * 1922
Günter Wallraff * 1942
Geburtstag
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Christian Morgenstern
Oktobersturm

Schwankende Bäume
im Abendrot –
Lebenssturmträume
vor purpurnem Tod –

Blättergeplauder –
wirbelnder Hauf –
nachtkalte Schauder
rauschen herauf.
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Emilia Wiltschek empfiehlt:


L.D.Lapinski: „Strangeworlds“
Öffne den Koffer und spring hinein!
Mit Illustrationen von Pascal Nöldner
Übersetzt von Yvonne Hergane
Baumhaus Verlag € 14,00
Jugendbuch ab 10 Jahren

Flick und Ihr Familie ziehen um. Eigentlich war Flick zufrieden mit ihrer zwar kleinen, aber gemütlichen Wohnung. Der einzige Pluspunkt ist, dass sie sich im neuen Haus kein Zimmer mit ihrem kleinen Bruder teilen muss. Endlich angekommen, macht sich Flick auf in die kleine Stadt, in der sie magisch von einem bestimmten Geschäft angezogen wird. Einem Reisebüro. Über der Tür des Geschäfts steht der Name des Reisebüros: STRANGEWORLDS. Vorsichtig betritt Flick das Geschäft und erlebt eine Überraschung: Das Geschäft besteht nicht wie erwartet aus Reiskatalogen und Plakaten vom Meer und den Bergen…..nein, die Einrichtung besteht ausschließlich aus Regalen vollgeschüttet mit… Koffern! Und hinter dem Tresen sitzt ein Junge, der kaum älter als 18 Jahre alt sein kann. Mürrisch will er Flick abwimmeln, doch als sie durch einen Zufall durch eine Glasscherbe guck,t mit der man Magie sehen kann und Flick sie auch noch sieht…ändert sich die Sicht des Jungen auf Flick schlagartig. Und sie erfährt das große Geheimnis der Reisegesellschaft STRANGEWORLDS: Die Koffer, die rund um Flick lagern, sind Eingänge zu anderen Welten. Erst kann Flick es nicht glauben, doch als sie ihre erste Reise anritt, kann sie nicht leugnen, dass das nicht ohne Magie entstehen kann. Und zusammen mit ihrem neuen Freund Jonathan macht sie sich auf in das größte Abenteuer das sie je erleben sollte. Eine tolle Geschichte für jeden der gern verreist und ein Fantasy Fan ist.

Mittwoch, 19.August

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Heute haben
Jerzy Andrzejewski * 1909
Frank McCourt * 1930
Geburtstag
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Christian Morgenstern
Ebenengewitter

So löst sich denn die Spannung schwer.
Erfüllt ist, was wir baten:
Vom Himmel rauscht ein beites Meer
Auf durstig-dürre Saaten.

Und herrlich stürzt ein Donnerkeil
Sein Siegel auf all den Segen.
O Frucht, nun reifst du wieder heil
Dem hohen Herbst entgegen.
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coversteinbacher108_v-podcast

Vivaldi & Piazolla:“Four Seasons“
Arabella Steinbacher (Violine)

und das Müchener Kammerorchester
Pentatone CD € 19,99

Mendelssohn, Tschaikowsky, Bruch, Prokofjew hat Arabella Steinbacher schon eingespielt.  Muss jetzt auch noch Vivaldi mit seinen „Vier Jahreszeiten“ kommen? Gibt es nicht schon (zu) viele Einspielungen?  Die 38-Jährige Geigerein spielt diesen Zyklus, zusammen mit dem Münchner Kammerorchester, jedoch mit so einer Lust und Laune, als gäbe es keine Vergleiche zu anderen Einspielungen. Im Frühling singen die Vögel auf ihrer Geige und im Winter spürt man förmlich die Kälte.
Das Besondere der CD ist, dass Arabella Steinbacher zu den jeweiligen Jahreszeiten von Vivaldi, die „Vier Jahreszeiten für Buenos Aires“ von Piazolla hinzufügt. Piazolla hat seine Musik für Quintett mit Bandoneon komponiert. Für diese Aufnahme wurden sie umgeschrieben und Steinbacher greift hier deutlich anderes in die Saiten. Eben ein wenig Tango und argentinisches Lebensgefühl.
Die Verzahnung gelingt ihr ausgezeichnet und wenn der Winter verklungen ist und Ruhe herrscht, möchte man fast wieder von vorne anfangen.
Warum auch nicht?