Mittwoch, 10.Juli

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Heute haben
Marcel Proust * 1871
Günther Wiesenborn * 1902
Paul Wühr * 1927
Alice Munro * 1931
Kurt Brasch * 1937
Geburtstag

„Longtemps je me suis couché de bonne heure“
Der erste Satz aus der „A la recherche du temps perdu“ von Marcel Proust.
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Der Monat ist schon halb vorbei und wir haben noch nicht auf das Reclam-Juli-Büchle hingewiesen.

978-3-15-019117-0

„Juli“
Gedichte herausgegeben (wie immer) von Evelyne Polt-Heinzl und Christine Schmidjell
Reclam Verlag € 5,00

Nach der großen Hitze, hatten wir heute 8 Grad, Sonne und kühlen Wind. D.h. Handschuhe beim Radeln. Egal. Der Sommer ist da mit all seinen Blumen und Farben und Festen und Musik.

Der Sommer hat schon lang eröffnet
Sommergewitter
Sommernächte und Gartenfreuden
Endlich Ferien
Sommerfreuden
Hochsommer
heißen die Überschriften und zeigen uns, wo es hier lang geht.

Leseprobe

Theodor Storm
Sommermittag

Nun ist es still um Hof und Scheuer,
Und in der Mühle ruht der Stein;
Der Birnenbaum mit blanken Blättern
Steht regungslos im Sonnenschein.

Die Bienen summen so verschlafen;
Und in der offnen Bodenluk‘,
Benebelt von dem Duft des Heues,
Im grauen Röcklein nickt der Puk.

Der Müller schnarcht und das Gesinde,
Und nur die Tochter wacht im Haus;
Die lachet still und zieht sich heimlich
Fürsichtig die Pantoffeln aus.

Sie geht und weckt den Müllerburschen,
Der kaum den schweren Augen traut:
„Nun küsse mich, verliebter Junge;
Doch sauber, sauber! nicht zu laut.“

Christian Morgenstern
Sommermittag

Wiese, lass mich ganz in dein
Wohlgefühl versinken,
dein legionenfältig Sein
als mein eignes trinken.

Deine breite Sonnenbrust
lass die meine werden,
meine Lust die feine Lust
deiner Gräserherden.

Mächtig schwelle mein Gesang
dann aus solchem Grunde,
künde Glückesüberschwang
höchster Sommerstunde.

Kurt Tucholsky
Feldfrüchte

Sinnend geh ich durch den Garten,
still gedeiht er hinterm Haus;
Suppenkräuter, hundert Arten,
Bauernblumen, bunter Strauß.

Petersilie und Tomaten,
eine Bohnengalerie,
ganz besonders ist geraten
der beliebte Sellerie.

Ja, und hier –? Ein kleines Wieschen?
Da wächst in der Erde leis
das bescheidene Radieschen:
außen, rot und innen weiß.

Sinnend geh ich durch den Garten
unsrer deutschen Politik;
Suppenkohl in allen Arten
im Kompost der Republik.
Bonzen, Brillen, Gehberockte,
Parlamentsroutinendreh …
Ja, und hier –? Die ganz verbockte
liebe gute SPD.
Hermann Müller, Hilferlieschen
blühn so harmlos, doof und leis
wie bescheidene Radieschen:
außen rot und innen weiß.
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Heute abend ab 19 Uhr
Kulturbuchhandlung Jastram
Herzschmerz in Azur – Italienische Erzählungen

Ist das mit der Liebe im Süden ganz anders als zum Beispiel in Deutschland? Wahrscheinlich ist es ein Mythos, dass unter dem azurblauen Himmel alles temperamentvoller zugeht – das Kennenlernen, die romantische Annäherung und der Zwist. Die Sehnsüchte, Träume, die Konflikte, die Schmerzen und manchmal auch das Liebesglück ähneln sich hier wie da. Und doch klingen die mediterranen Geschichten über Liebesdinge anders, eben typisch italienisch: intensiv, melancholisch, selbstironisch und manchmal alles gleichzeitig. In der letzten Ausgabe der Lesereihe vor den Sommerferien des Theaters stellen wir italienische Beziehungsgeschichten vor und sorgen passend zu den jahreszeitlichen Gefühlen für einen kleinen Kursus in Sachen Liebesfreud und Liebesleid alla italiana.

Eintritt € 8,00

Donnerstag, 27.Juni

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Heute haben
Frank O’Hara * 1926
Joao Guimaraes Rosa * 1908
Rafael Chirbes * 1949
Geburtstag
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Christian Morgenstern
Butterblumengelbe Wiesen

Butterblumengelbe Wiesen,
sauerampferrot getönt, –
o du überreiches Sprießen,
wie das Aug dich nie gewöhnt!

Wohlgesangdurchschwellte Bäume,
wunderblütenschneebereift –
ja, fürwahr, ihr zeigt uns Träume,
wie die Brust sie kaum begreift.
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Raymond Queneau: „Zazie in der Metro“
Aus dem Französischen übersetzt, mit Anmerkungen
und einem Nachwort versehen von Frank Heibert
Suhrkamp Verlag € 22,00

„Waschtinkndiso“ lautet das erste Wort in diesem zuerst 1959 in Frankreich veröffentlichte Roman. Hä? Wassolldasdennheissen? Wenn wir weiterlesen wird es uns klar: „Was stinkt denn die so?“, lautet die Frage bei diesem Klassiker der französischen Literatur. Und auf solche Wortspielereien müssen uns einstellen.
Frank Heibert, den wir als Übersetzer von hochkarätiger amerikanischer Literatur kennen, hat sich den Text vorgenommen. Was dabei herausgekommen ist, sieht aus wie eine entstaubte Version und was noch viel lustiger ist: In dieser Version fährt Zazie tatsächlich mit der Metro. In der bisherigen Ausgabe wird sie ja bestreikt und Zazie kann toben wie sie will, sie macht zwar Paris unsicher, bringt Großmutter, Onkel und Freunde durcheinander, setzt aber keinen Fuß in die heißbegehrte Metro.
Raymond Queneau ist bekannt für seine besondere Art mit Sprache umzugehen und auch hier zeigt er sich großmeisterlich und stellt den Inhalt in die zweite Reihe, so dass einige Ungereimtheiten bleiben. Aber so ist es halt, wenn Zazie Metro fahren will, stattdessen die Welt ihrer zwielichtigen Verwandschaft kennenlernt.
Ein großartiger Spaß, ein besonderes Lesevergnügern, auch nach einem halben Jahrhundert nach Erscheinen der Erstausgabe.

Leseprobe

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Am kommenden Dienstag, den 2.Juli liest Clemens Grote wieder aus vier Romanen.
In unserer Reihe „Die erste Seite“ stellen wir vor:

Erika Fatland: Die Grenze
Colson Whitehead: Die Nickel Boys
David Mendelsohn: Eine Odyssee
Vincent Almendros: Ins Schwarze

Wir beginnen pünktlich um 19 Uhr und hoffen, dass es nicht mehr so heiss ist.

Dienstag, 25.Juni

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Heute haben
George Orwell * 1903
Ingeborg Bachmann * 1926
Eric Carle * 1929
Yann Martel * 1963
Geburtstag.
Und auch Antonio Gaudí * 1852.
Es ist der Todestag von Michael Jackson.
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Heute auf dem Gedichte-Kalender:

Christian Morgenstern
Philantropisch

Ein nervöser Mensch auf einer Wiese
wäre besser ohne sie daran;
darum seh er, wie er ohne diese
(meistens mindestens) leben kann.

Kaum, daß er gelegt sich auf die Gräser,
naht der Ameis, Heuschreck, Mück und Wurm,
naht der Tausendfuß und Ohrenbläser,
und die Hummel ruft zum Sturm.

Ein nervöser Mensch auf einer Wiese
tut drum besser, wieder aufzustehn
und dafür in andre Paradiese
(beispielshalber: weg) zu gehn.
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Susanne Link empfiehlt:

9783423762380

Lois Lowry: „Die schreckliche Geschichte der abscheulichen Familie Willoughby (und wie am Ende alle glücklich wurden)“
Aus dem Amerikanischen von Uwe-Michael Gutzschhahn
dtv € 12,95
Kinderbuch ab 9 Jahren

Ein absolut köstliches Buch der großartigen Lois Lowry über vier Kinder, die gerne
Waisen wären und einem Elternpaar, die gerne ohne Kinder wären. Ein Kindermädchen,
das richtig lecker kochen kann und ein Schokoladenriegelfabrikant, der traurig ist. Natürlich ein Findelkind namens Barbara, ein Schweizer Postbote und viele mehr bereichern den altmodischen Spaß. Unbedingt lesen.