Mittwoch, 26.Juli

Heute haben
George Bernard Shaw * 1856
André Murois * 1885
Aldous Huxley * 1894
und halt auch Mick Jagger * 1943
Geburtstag
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Heute auf dem Duden Gedichte Kalender:

Rudolf G.Binding
Mond und Trinker

Schlaf ein, o Mond,
schlaf ein auf meinem Becher.
Ich seh dir zu.
Ich seh dir zu, o Mond, – ein Zecher
so still wie du.

So still wie du,
mit dir und fast gestorben
durchwandle ich ein nächtliches Bereich.
Wir sehn uns zu.
Du trinkst aus meinem Becher:
und wir sind gleich.

Claudia Wiltschek empfiehlt:

Rosa Luxemburg: „Herbarium
Herausgegeben von Evelin Wittich.
Mit einer Einleitung und einer Auswahl an Briefen von Holger Politt.
Dietz Verlag € 39.90

Rosa Luxemburg und Pflanzen? Das war ganz neu für mich, dachte ich doch erst, das müsse wohl eine Andere sein. Um so überraschter war ich, als ich dieses schöne, wertvolle Buch zum ersten Mal in den Händen hielt. Rosa Luxemburg wollte eigentlich Botanikerin werden, durfte aber zu diesen Zeiten nicht studieren, hat jahrelang Pflanzen gesammelt und liebevoll in 18 schmale, blaugraue Schreibhefte geklebt und beschriftet. Dieses Herbarium war Teil ihres Nachlasses, der von Mathilde Jacob und Paul Levi verwaltet wurde und im Gepäck von Verwandten in die USA kam. Heute wird es im staatlichen Archiv in Warschau aufbewahrt, wie es dahin gelangte, ist nicht geklärt. Erst 2009 wurde es „wieder entdeckt“. Es lag jahrzehntelang unbemerkt in Kisten verpackt.
Auch noch im Gefängnis klebte und sammelte sie weiter, Freunde besorgten ihr immer wieder Planzen,
Blätter und Blumen und so konnte ihr grosser Schatz weiter wachsen.
Am 18. September 1915 schrieb sie an Luise Kautsky :
„Vor zwei Jahren – das weißt Du gar nicht – hatte ich einen anderen Rappel: In Südende packte mich die Leidenschaft für Pflanzen: ich fing an zu sammeln, zu pressen und zu botanisieren. Vier Monate machte ich buchstäblich nichts anderes, als im Feld zu schlendern oder zu Hause zu ordnen und zu bestimmen, was ich von den Streifzügen mitbrachte. Jetzt besitze ich zwölf vollbepackte Pflanzenhefte und orientiere mich sehr gut in der „heimischen Flora“, z.B. Im hiesigen Lazaretthof, wo ein paar Sträucher und üppiges Unkraut zur Freude der Hühner und zu meiner gedeihen. So muß ich immer etwas haben was, mich mit Haut und Haar verschlingt, sowenig sich das für eine ernste Person ziemt, von der man – zu ihrem Pech – immer etwas Gescheites erwartet.“
Nach 100 Jahren dürfen wir nun diese wunderbare Sammlung bestaunen und fragen uns, was wohl noch so alles in den verschiedenen Archiven schlummert.
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Ferien mit Buch
Heute traf das bei uns ein:

Samstag

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Heute haben
George Bernard Shaw * 1856
André Murois * 1885
Aldous Huxley * 1894
und halt auch Mick Jagger * 1943
Geburtstag
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Als kleines Geburtstagsgeschenkle für olle Mick.
Einfach schön, wie Charlie rumlümmelt und Mick nichts von solchen Shows von alten Männern hält.
Aber: Monty Python waren halt auch ruckzuck ausverkauft.
Viel Vergnügen.


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Mondfotos habe ich im Moment leider keine, dafür aber vom gestrigen Sonnenuntergang und vom heutigen Morgenrot.

Mond

„Siehst du den Mond?“
Gedichte aus der deutschen Literatur
Hrsg.: Dietrich Bode
Reclam Verlag € 6,00

Was ne Sammlung. 150 Mondgedichte von 80 AutorInnen. Und dabei hat der gute alte Mann (s.Mick Jagger) auch schon besserTage erlebt. Oder vielmehr alle Höhen und Tiefen. War er vor langer Zeit einfach ein Beiwerk zur Sonne, die die Dichtung beherrschte, entdeckten ihn die deutschen Romantiker und waren ganz verrückt nach ihm. Als dann Ende der 60er Jahre der erste Mensch den Mond betrat, war es mit dem Mythos irgendwie vorbei. Aber nur gut, dass wir jetzt schon wieder Mondkalender in allen Formaten im Laden haben. Seine geschäftliche Vermarktung hat sehr zur Belebung der Wirtschaft beigetragen und wir wissen nun, wann wir den Rasen zu mähen haben, wann wir zum Frisör müssen und wann, welche Pflanzen zu gießen sind.
Hier ein paar Gedichte aus dem Buch und wir beginnen gleich mit einem Gedicht von Max Dauthendey, den wir gestern auf unserer Geburtstagsliste hatten.

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Spuren des Mondes

Wir gehen den Spuren des Mondes nach,
Unsere Schatten zeichnen sich nur schwach,
Sind wie dunkle Geister, die uns begleiten,
Die auf den Fersen uns folgen zu allen Zeiten.
Ein Baum steht am Weg mit dunklem Dach,
An dem der Mond sich leicht anlehnt.
Unterm Baum sitzt die Sehnsucht unendlich wach,
Und ihr Schatten sich rings um die Erde dehnt.
Der Mond läßt hinter sich den Wald, der ist blau,
Und das Kleefeld, das blinkt voll Blätter und Tau.
Die Nachtluft, die lautlose Seufzer trinkt,
Hin unterm Mond auf das Kleelager sinkt.
Der Sehnsucht, der ist kein Weg zu rauh,
Und ihren Wegen kein Ende winkt.

Friedrich Gottlieb Klopstock
Die Sommernacht

Wenn der Schimmer von dem Monde nun herab
In die Wälder sich ergießt, und Gerüche
Mit den Düften von der Linde
In den Kühlungen wehn;

So umschatten mich Gedanken an das Grab
Der Geliebten, und ich seh in dem Walde
Nur es dämmern, und es weht mir
Von der Blüthe nicht her.

Ich genoß einst, o ihr Todten, es mit euch!
Wie umwehten uns der Duft und die Kühlung,
Wie verschönt warst von dem Monde,
Du o schöne Natur!

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Christian Felix Weisse
Die Nacht.

Der schöne Mond! still grüßt er mich!
Die jungen Blumen schließen sich,
Der Büsche kleine Sänger schweigen:
Nur an dem nahen Wasserfall
Schlägt die verliebte Nachtigall:
O möchte sich ietzt Thyrsis zeigen!

Doch nein: – welch einen süßen Schmerz
Singt Philomel schon in mein Herz,
Es schmilzt bey ihren sanften Klagen:
Wenn Thyrsis käm, ach wenn er käm,
Mich küssend in die Arme nähm,
Was könntest Du nicht wagen?


Arno Holz
Hinter blühenden Apfelbaumzweigen

Hinter blühenden Apfelbaumzweigen
steigt
der Mond auf.

Zarte Ranken…blasse Schatten
zackt
sein Schimmer…in den Kies.

Lautlos…fliegt ein…Falter.

Ich wandle wie…trunken…durch sanftes Licht,
die
Fernen…flimmern.

Selig silbern
blitzt
Busch und Gras.

Das
Tal verblinkt…die…Welt versinkt;
aus
weichstem Dunkel,
traumsüß flötend, schluchzend, jubelnd,
mein
Herz schwillt über,
die
Nachtigall!

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Und der gute Goethe will einfach nur küssen.
Vollmondnacht

Herrin, sag, was heißt das Flüstern?
Was bewegt dir leis die Lippen?
Lispelst immer vor dich hin,
Lieblicher als Weines Nippen!
Denkst du deinen Mundgeschwistern
Noch ein Pärchen herzuziehn?
»Ich will küssen! Küssen! sagt ich.«

Schau‘! Im zweifelhaften Dunkel
Glühen blühend alle Zweige,
Nieder spielet Stern auf Stern;
Und smaragden durchs Gesträuche
Tausendfältiger Karfunkel;
Doch dein Geist ist allem fern.
»Ich will küssen! Küssen! sagt ich.«

Dein Geliebter, fern, erprobet
Gleicherweis im Sauersüßen,
Fühlt ein unglücksel’ges Glück.
Euch im Vollmond zu begrüßen.
Habt ihr heilig angelobet,
Dieses ist der Augenblick.
»Ich will küssen! Küssen! sag ich.«