Freitag

Heute haben
Friedrich Rückert * 1788
Jakob van Hoddis * 1887
Juan Rulfo * 1918
Achim Bröger * 1944
und James Bond-Darsteller Pierce Brosnan * 1952
Geburtstag
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Jakob van Hoddis
Andante

Auf blühen Papierwiesen
Leuchtend und grün
Da stehen drei Kühe
Und singen kühn:

„O Wälder, o Wolken
O farbige Winde
Wir werden gemolken
Geschwinde, geschwinde …

In goldene Eimer
Fließt unser Saft
In farbige Reimer
Ergießt unsere Kraft

Wir stehen hier, im Chor beisammen,
Auf knotigem Beine
Und die Kräfte der Erde sind
gesammelt zu frohem Vereine.“

Sie bocken bei Tag und sie trillern bei Nacht.
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Nach ein paar extrem gefüllten Tagen in London, hat mich der Alltag wieder.
Die Verlage dtv und Hanser haben 30 BuchhändlerInnen nach London eingeladen und sich nicht lumpen lassen.
Michael Köhlmeier las aus seinem neuen Roman über die Freundschaft zwischen Churchill und Chaplin vor und plauderte mit Autoren Philipp Blom („Der taumelnde Kontinent“) über den Umgang mit Wahrheit und Phantasie bei einem Roman- und einem Sachbuchautoren. Der Shakespeare-Übersetzer Frank Günther zündete im Vortragsraum des Globe Theatre ein Feuerwerk ab und legte die Problematik des Übersetzens dar. Nach seinem extrem witzigen Vortrag und donnerndem Applaus ging es dann ins Theaters. Anhand einer kleinen Führung bekamen wir Einblick die den Bau und das Theaterspielen der damaligen Zeit. Gleichzeitig wurden Kulissen aufgebaut für eine Neuinszinierung, die einen Tag später Premiere hatte. In der nahe gelegenen Tate Modern gab es Mittagessen und die Möglichkeit das Museum zu erkunden. U.a. auch die großartige Ausstellung der Cut-Outs von Henri Matisse. Aber noch nicht genug. Nachmittags interviewte der Feuilleton-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung in London den Autoren Matt Haig, der gerade bei dtv seinen neuen Roman „Ich und die Menschen“ herausgebracht hat. Am nächsten Tag im Goethe Institut: Der leitende Redakteur im Kunstressort der FAZ, Niklas Maak, hielt einen Vortrag über das Leben in der Zukunft (und in der Gegenwart) „Wie wollen wir leben?“. Er führte uns auch ein wenig durch unser Viertel South Kensington, zeigte uns architektonische Besonderheiten, erzählte über seine vielen bekannten Bewohner. Und genau in diesem Moment lief ein kleiner, alter Mann durch unsere Gruppe in ein Taxi und entpuppte sich als Charlie Watts von der Rolling Stones. Im Reform-Club, in den man nur als Mitglied kommt, durfte wir in den Räumlichkeiten der Bibliothek den Autoren Niclas Wolz und Philipp Blom lauschen. Bei Wolz geht es um die deutsche Marine im Ersten Weltkrieg und Bloms Referat hatte sein neues Buch „Die zerissenen Bücher“ zum Inhalt und stellt die Jahre zwischen den Kriegen dar. Der Club war schon an sich etwas Besonderes mit seinem Dresscode und den älteren Herren, die vor flackerndem Ofenfeuer in ihren Sesseln saßen und Zeitung lasen. In diesem Club beginnt und endet auch der Roman „In achtzig Tagen um die Welt“ und wir durften auch nur mit Jacket, Krawatte und „richtigen“ Schuhen die Räumlichkeiten betreten. Als ich abends mit den Rauchern auf der Straße stand, kam ein Herr über die Straße gesprungen und band sich währenddessen seine Krawatte. Als er die Stufen hochging, sagte ich zu ihm, dass das aber jetzt in allerletzten Sekunde sei, sagte er lachend: „Blood rules“ und tauchte in den Club ein.
Und so komme ich auch auf unser heutiges Geburtstagskind Pierce Brosnan. Denn im James Bond-Film: „Man stirbt nur zweimal“ gibt es eine Fechtszene mit Madonna, die in diesem Club spielte. Mit den Geldern dieser Vermietung konnte die Glaskuppel des Renaissance Gebäudes renoviert werden.
Trotz des vollen Programmes (ich habe nicht alles aufgezählt), blieb noch Zeit für Besuche im Pub mit Bier und (fish and) chips, Museumsbesuche und eigene Erkundungen in der Stadt.
Auf dem Jastram Fotoblog finden Sie eine kleine Auswahl der „literarischen“ Eindrücken.

Hier nochmals ein großes Dankeschön an die Verlage.
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Donnerstag

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Buchliebhaber gehen nie alleine ins Bett.
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Heute haben
Marie Luise Kaschnitz * 1901
Kurt Marti * 1921
Norman Mailer * 1923
Kenzaburo Oe * 1935
Geburtstag.
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Die Südwestpresse bringt heute einen Artikel über den Abend mit Priya Basil bei uns in der Buchhandlung.
Nachdem die SWP die Autorin mit Asil, statt Basil angekündigt hat, ist es doch mehr als Recht, dass sie nun aus Jastram Jasram gemacht haben.
Der Text gibt einen kleinen Einblick in dieses komplexe Buch.

Hier kommt der Artikel.
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Ein weiterer Text aus Eduardo Galeanos neuem Buch:

Juli
26
Es regnet Katzen

Auf der großen Insel Borneo fraßen die Katzen die Eidechsen, die die Kakerlaken fraßen, und die Kakerlaken fraßen die Wespen, die die Moskitos fraßen.
Das DDT stand nicht auf der Speisekarte.
Mitte des 20. Jahrhunderts bombardierte die Weltgesundheitsorganisation die Insel mit riesigen Mengen von DDT zur Bekämpfung der Malaria und rottete die Moskitos aus und alles andere auch.
Als die Ratten merkten, dass auch die Katzen den Vergiftungstod gestorben waren, überschwemmten sie die Insel, fraßen die Ernten auf und verbreiteten Typhus und andere Schrecklichkeiten.
Angesichts des unerwarteten Rattenangriffs versammelten die Experten der Weltgesundheitsorganisation ihren Krisenstab und beschlossen, Katzen mit Fallschirmen abzuwerfen.
In diesen Tagen des Jahres 1960 flogen Dutzende dieser natürlichen Rattenfeinde durch den Himmel von Borneo.
Sie landeten sanft und wurden stürmisch von den Menschen begrüßt, die die internationale Hilfe überlebt hatten.
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Michael Köhlmeier: „Die Abenteuer des Joel Spazierer
Hanser Verlag € 24,90
als eBook € 18,99
Hörverlag € 24,99 auf 4 CDs gelesen vom Autor

Michael Köhlmeier ist einfach ein ausgezeichneter Erzähler und Vorleser. Das zeigte er schon mit seiner Sagensammlung, die er für das Radio aufgenommen hat und die es als ganz dickes Taschenbuch gibt. Etwas Besseres zu diesem Thema finden Sie nicht so leicht. Immer wieder kommt er auf sein Voralberg zurück, so auch in einem seiner letzten Bücher, in dem es um den Tod seiner Tochter geht. So eindringlich, persönlich und doch mit Distanz habe ich selten ein Buch gelesen. Nun hat er mit den über 600 Seiten und seinem Protagonisten Joel Spazierer eine umwerfend gute Unterhaltung geschrieben. Ich wage kaum den „Hundertjährigen“ zu erwähnen, weil Köhlmeier um Längen literarischer ist und doch einen ganz besonderen Witz hat. Gut und Böse verschwinden, unsere Sympathien sind auf Seiten von Joel. Er wächst uns von Beginn ans Herz. Wie er als 4jähriger allein in der Wohnung ist und da schon nicht weiss, was er machen darf und was nicht.
Köhlmeier hat die Figur in seinem Bekanntenkreis gefunden und immer weiter ausgeweitet. Als dieser Bekannte dann tatsächlich (in einer ganz anderen Funktion) an seiner Türe klingelte, konnte Köhlmeier nicht anders, als diese wieder zuzuschlagen. Zuviel von Wirklichkeit und Fiktion auf einem Quadratmeter.
Lassen Sie sich verführen, nehmen Sie das Buch mit ins Bett.
Bücher schnarchen nicht!
Siehe auch unseren Fotoblog.

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