Freitag, 6.November

Heute haben
Robert Musil * 1880
Michael Cunningham * 1952
Karin Fossum * 1954
Geburtstag
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Conrad Ferdinand Meyer
Novembersonne


In den ächzenden Gewinden
Hat die Kelter sich gedreht,
Unter meinen alten Linden
Liegt das Laub hoch aufgeweht.

Dieser Erde Werke rasten,
Schon beginnt die Winterruh –
Sonne, noch mit unverblassten,
Goldnen Strahlen wanderst du!

Ehe sich das Jahr entlaubte,
Gingen, traun, sie müßig nie,
Nun an deinem lichten Haupte
Flammen unbeschäftigt sie.

Erst ein Ackerknecht, ein Schnitter,
Und ein Traubenkoch zuletzt
Bist du nun der freie Ritter,
Der sich auf der Fahrt ergetzt.

Und die Schüler, zu den Bänken
Kehrend, grüßen jubelvoll,
Hingelagert vor den Schenken,
Dich als Musengott Apoll.

Torben Kuhlmann: „Einstein“
NordSüd Verlag € 22,00
ab 6 Jahren

Das vierte Mäuseabenteuer hat für uns in Ulm einen ganz speziellen Helden. Albert Einstein, der hier geboren wurde. Schon bei einem früheren Band mit und über Armstrong und die Mondlandung, ging es um das All, den großen leeren Raum, den Mond, der so bekannt und so unbekannt ist und war.
Jetzt geht es wirklich um Raum und Zeit, da sich die Maus eine Zeitmaschine baut. Kann sie die Zeit anhalten, oder gar zurückdrehen? Für die Maus wäre es extrem wichtig, da sie das Käsefest in Bern um einen Tag verpasst hat. Mist. Zu dieser Zeit arbeitet und forscht Einstein in der Stadt und die Maus bedient sich seiner Theorien.
Ob das alles klappt?
Das neue Buch von Torben Kuhlmann ist wieder opulent ausgestattet. Mit unglaublich tollen, detaillierten Illustrationen und einer vielschichtigen Erzählung, die sowohl Kinder, als auch Erwachsene faszinieren müsste.

Freitag, 22.Mai

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Heute haben
Gérard de Nerval * 1808
Arthur Conan Doyle * 1859
Johannes R.Becher * 1891
Robert Neumann * 1987
Geburtstag

Heute ist der Tag der Artenvielfalt.
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Conrad Ferdinand Meyer
Dämmergang

Du lebst meerüber
In blauer Ferne
Und du besuchst mich
Beim ersten Sterne.

Ich mach im Felde
Die Dämmerrunde,
Umbellt, umsprungen
Von meinem Hunde.

Es rauscht im Dickicht,
Es webt im Düster,
Auf meine Wange
Haucht warm Geflüster.

Das Weggeleite
Wird trauter, trauter,
Du schmiegst dich näher,
Du plauderst lauter.

Da gibt’s zu schelten,
Da gibt’s zu fragen,
Und hell zu lachen
Und leis zu klagen.

Was wedelt Barry
So glückverloren?
Du kraust dem Liebling
Die weichen Ohren …
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Laila Biali: „Out of Dust“
ACT € 19,99

„Eine Zeile aus einem Song der indischen Gruppe Gungor ist eine Art Hymne für mich geworden: ›Er macht wunderschöne Dinge aus Staub‹, heißt es dort. Daher stammt der Albumtitel, der mein Anliegen als Songwriterin und Musikerin beschreibt: Ein bisschen mehr Zuversicht, Liebe und Lebensmut zu verbreiten.“

Das können wir im Moment gut gebrauchen. Lebensfreude, Zuversicht, Liebe und Vertrauen. Das strahlt das zweite Album der Pianistin und Sängerin aus Kanada aus. Sie hat wohl sehr schwierige Jahre hinter sich. Todesfälle in ihrer nächsten Umgebung und eine eigene schwere Krankheit. Umsomehr war es für sie wichtig, sich davon mit Hilfe der Musik zu lösen. Und das ist ihr wirklich gelungen. Diese Mischung aus Jazz, Pop, Soul, Latin und Blues passt in den warmen Mai, in das Abendlicht, das Conrad Ferdinand Meyer oben beschreibt. Dass ich damit gar nicht so falsch liege, können wir an den vielen Auszeichnungen erkennen, die das Album und Laila Biali eingefahren hat. U.a. auch als bestes Vokaljazz Album des Jahres. Na denn.


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Siyou-&-Hellmut-Hattler_800

Hallo zusammen,
wir freuen uns sehr, dass am kommenden Sonntag, bei unserem vierten Livestream-Konzert, zwei Musiker der Extraklasse nach Ravensburg kommen, um im Theater ein ca. 50-mimütiges Konzert zu spielen, das ab 19.00 Uhr live und ohne Saalpublikum gestreamt wird und sicher weltweit Anklang findet.

Jazztime und Theater Ravensburg präsentieren:
Siyou’n’Hell / Siyou & Hellmut Hattler
Livestream-Konzert
Sonntag, 24. Mai 2020 – 19.00 h

Eine Stimme, ein Bass und die Inspiration des Augenblicks!
Hier agieren zwei, die aus ganz unterschiedlichen musikalischen Traditionen kommen, um sich zu einer (im wahrsten Sinne des Wortes) unerhörten, harmonischen Einheit zu ergänzen.

Der virtuose Bassist, der mit KRAAN, TAB TWO und seiner Band HATTLER seit locker 40 Jahren am Soundtrack der deutschen Musikgeschichte mitschreibt – und die in Kamerun geborene Sängerin mit begnadeter Stimme und tiefer Verbundenheit zu Gospel und Soul.
Dass sich diese zwei mit den denkbar unterschiedlichsten musikalischen Wurzeln zusammentun, war zunächst ein reines „Spaßprojekt”, wie Hellmut Hattler sagt.
Doch das Experiment gelang – zum Erstaunen der Akteure: „Wir haben etwas scheinbar Unmischbares gemischt und mit großen Augen erkannt: Es funktioniert!“
Siyous einzigartige Mischung aus Gospel, African Roots, Pop, Soul und Jazz gepaart mit Hattlers virtuosem, aber trotzdem minimalistischen Bassspiel ergänzen sich perfekt und stehen wie eine Eins.
Aus HATTLER Songs, gemeinsamen Lieblingsliedern und eigenen Stücken haben sie bereits drei Alben herausgebracht.
Die Reduktion auf Stimme und Bass erzeugt ein Maximum an knisternder Intensität!

Der Livestream wird verlinkt über die Seiten von Jazztime und Theater Ravensburg:
www.jazztime-ravensburg.de
www.theater-ravensburg.de

Natürlich ist der Stream kostenlos, trotzdem wäre es super, wenn ihr bereit wärt, für die beiden Musiker über den folgenden Paypal-Link einen kleinen Obolus zu spenden. Das Geld geht zu 100% an die Musiker, die es in dieser „konzertlosen“ Zeit wirklich gebrauchen können. D A N K E!

PayPal-Link: https://paypal.me/HellmutHattler
Youtube Direktlink: https://youtu.be/UvBl-BRWOjc

Wir freuen uns auf zahlreiche Zuschauer, ein tolles Konzert und hoffen auf ein baldiges Wiedersehen!
Bleibt gesund!
T. Fuchs
Jazztime Ravensburg e.V.
www.jazztime-ravensburg.de

 

Ein kleines Interview per Mail:

Liebe Siyou, lieber Hellmut,
ein Live Konzert ohne Publikum. Habt Ihr das schon mal gemacht?
ja, einmal – haupsächlich um zu sehen, wie es sich anfühlt nur in eine webcam hinein zu musizieren. es ging zwar trotzdem erstaunlich gut ab, aber mit der entlohnung ist das so eine sache…

 

Könnt Ihr Euch vorstellen, so etwas öfter zu machen?
wenn man es in den griff bekommen könnte, dass sowas nicht nur unter gratis-netz-bespaßung funktioniert: gern. schon auch, weil es ja locker noch eine ganze weile dauern wird, bis wir es wieder mit einem normalen konzertbetrieb zu tun haben werden. wir müssen jetzt versuchen, neue wege auszuloten um zu überleben – und da wir ja schon seit vielen jahren auf eine humane entlohnung für unsere gestreamte musik im netz verzichten mussten, blieb nur noch das live spielen als verdienstmöglichkeit übrig – und die bricht halt nun auch massiv weg…
Habt Ihr sonst Ideen, wie Ihr an die Öffentlichkeit treten könnt und damit auch noch Geld zu verdienen?
nein, nicht wirklich; leider.

 

Ihr habt ja nun viel „Freizeit“ – Zeit für Kreatives?
das stimmt. ich habe zum beispiel in den letzten zwei.monaten an einem neuen KRAAN album gearbeitet, indem wir unsere files hin- und her geschickt haben (also nicht, wie gewohnt, im studio zusammen aufgenommen haben) und das ging ganz erstaunlich gut vonstatten, ich habe das gefühl, dass es sogar ein besonders gutes album werden wird!

 

Ist die Stimme geölt, der Bass warmgespielt?
siyou macht ja eh viel mit ihrer stimme, neuerdings auch wieder mit ihren chören (mit viel abstand!), bei mir ist die routine ein bisschen weg, denn die studioarbeit entfacht ja nicht die gleiche menge an adrenalin und druck wie die live konzerte, die ich allerdings jetzt schon sehr vermisse.

 

Ich wünsche Euch alles Liebe und Gute, viel Erfolg.
danke, das können wir gut gebrauchen!

 

Dienstag, 27.August

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Heute haben
Kerstin Ekman * 1933
Undine Gruenter * 1952
Jeannette Winterson * 1959
Catalin Dorian Florescu * 1967
Geburtstag
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Heute im Duden Gedichtekalender:

Conrad Ferdinand Meyer
Erntegewitter

Ein jäher Blitz. Der Erntewagen schwankt.
Aus seinen Garben fahren Dirnen auf
Und springen schreiend in die Nacht hinab.
Ein Blitz. Auf einer goldnen Garbe thront
Noch unvertrieben eine frevle Maid,
Der das gelöste Haar den Nacken peitscht.
Sie hebt das volle Glas mit nacktem Arm,
Als brächte sie’s der Glut, die sie umflammt,
Und leerts auf einen Zug. Ins Dunkel wirft
Sie’s weit und gleitet ihrem Becher nach.
Ein Blitz. Zwei schwarze Rosse bäumen sich.
Die Peitsche knallt. Sie ziehen an. Vorbei.
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Susanne Link empfiehlt:

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Holly-Jane Rahlens: „Mauerblümchen“
Rowohlt TB € 10,00
Jugendbuch ab 14 Jahren

Endlich als Taschenbuch und passend zum Jubiläum: 30 Jahre Mauerfall.

Molly, Deutschamerikanerin, fährt zum Geburtshaus ihrer Mutter in Ostberlin, 14 Tage nach dem Fall der Mauer und begegnet Mick in der S-Bahn.Liebe auf den ersten Blick für die beiden, aber vor allem Freundschaft und ein Austausch wie verschieden Leben in Deutschland sein kann. Wunderbar zu lesen.

Leseprobe

 

Mittwoch, 31.Juli

 

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Heute haben
Emily Bronte * 1818
Dominique Lapierre * 1931
Renate Feyl * 1944
Geburtstag
und der Nobelpreisträger Patrick Modiano.
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Conrad Ferdinand Meyer
Der schöne Tag

In kühler Tiefe spiegelt sich
Des Juli-Himmels warmes Blau,
Libellen tanzen auf der Flut,
Die nicht der kleinste Hauch bewegt.

Zwei Knaben und ein ledig Boot –
Sie sprangen jauchzend in das Bad.
Der eine taucht gekühlt empor.
Der andre steigt nicht wieder auf.

Ein wilder Schrei: »Der Bruder sank!«
Von Booten wimmelts schon. Man fischt.
Den einen rudern sie ans Land,
Der fahl wie ein Verbrecher sitzt.

Der andre Knabe sinkt und sinkt
Gemach hinab, ein Schlummernder,
Geschmiegt das sanfte Lockenhaupt
An einer Nymphe weisse Brust.
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index

Brigitte Kronauer: „Nachtviölken“
Verlag Ulrich Keicher € 12,00

Brigitte Kronauer ist letzte Woche gestorben. Ein neues Buch von ihr steht noch aus und erscheint ca. in eine Woche. Im Lyrik-Regal fiel mir dieses schmale Heftchen in die Hände. 2010 in einer Auflage von 400 Stücke im Miniverlag Keicher in Handarbeit erschienen. Darin schreibt Brigitte Kronauer über Sprache, über Wörter und Worte und wie sie von ihnen begleitet wird.
Die Titelgeschichte entstand aus dem Wettbewerb: „Das schönste Wort“. Laut Kronauer könnte es Gemüt oder Waldeinsamkeit sein. Oder natürlich Nachtigall. Allein schon die einzelnen Vokale, Konsonanten und Silben lassen sie schwärmen und an den Vogel denken. Das kehlige ch und dann das offene a am Ende.
Ihr Wort ist dann doch Nachtviole geworden. Und dann die Krönung: Sie findet in einem Park ein Schildchen bei der blau blühenden Blume, auf dem Nachtviölken steht. Ja, und das muss es dann sein.
Der Druck auf dem Umschlag des Heftchen ist schon etwas abgerieben vom vielen Warten im Regal und das gibt dem verschwundenen Wort noch mehr Bedeutung.
Die drei anderen Texte gehen über die kurzen Sätze der Handynutzer und die langen verschachtelten, verschwurbelten Sätze, die sie selbst benutzt. Königgrätz steht im Mittelpunkt der dritten Geschichte. Wieder so ein Wort, das laut gesprochen ganz besonders wirkt.
Eine Wohltat, diese Texte wieder zu lesen. So getan bei einer Tasse Espresso.

Mittwoch, 5.Juni

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Heute haben
Federico Garcia Lorca * 1898
Otto F.Walter * 1928
Ermanno Cavazzoni * 1947
Thomas Kling * 1957
Geburtstag
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Heute auf dem Gedichtekalender:

Conrad Ferdinand Meyer
Eingelgte Ruder

Meine eingelegten Ruder triefen,
Tropfen fallen langsam in die Tiefen.

Nichts, das mich verdroß! Nichts, das mich freute!
Niederrinnt ein schmerzenloses Heute

Unter mir – ach, aus dem Licht verschwunden –
Träumen schon die schönern meiner Stunden.

Aus der blauen Tiefe ruft das Gestern:
Sind im Licht noch manche meiner Schwestern?
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Britta Teckentrup: „Fische, Fische überall“
Aus dem Englischen von Angelika Leik
Prestel Verlag € 20,00
Sachbilderbuch ab 6 Jahren

An die einhundert Bilderbücher hat Britta Teckentrup illustriert. Vieles zuerst bei englischen Verlagen, da sie dort studiert und lange gewohnt hat. Hier in Deutschland wurde sie durch ihre Suchwimmelbücher bekannt und schuf wahre Meisterwerke zum Thema: Federn und Eier. Die Nacht, der Mond, der Fuchs, Bäume und das Wetter, die Bienen tauchen bei ihren Büchern auf. Ja, die Natur scheint ihr sehr wichtig zu sein.
Jetzt also Fische. Überall Fische. Überall finden wir sie. Nicht nur in den Ozeanen. Und es gibt sie in allen Formen und Farben. Dies zu illustrieren ist Teckentrups große Stärke. Sie sind klein und dick, groß und sehr lang, die leuchten, sie blinken, sie sind stachelig, könnern sich verändern und gut verstecken. Sie leben an der Oberfläche und aber auch ganz tief unten am Meeresgrund.
Wie lange gibt es Fische schon? Von was ernähren sie sich? Wie sehen sie von innen aus? Können Fische erwachsen werden? Aber auch: Was macht unser Müll, die wir in die Meere kippen mit den Fischen?
Dies und viel mehr finden wir in diesem großen Bilderbuch mit vielen, vielen leuchtenden, collageartigen Bildern.
Warum das Buch allerdings in China gedruckt werden musste? Vielleicht sollte sich der Verlag darüber auch mal Gedanken machen.

Leseprobe
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Hier noch ein ganz spezieller Tipp:

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Die Satanszwerge von Sylt
Die wortreichen Sieben

Die Frieseninsel Sylt hat ein schreckliches Geheimnis. Jahrhundertelang ruhte es unter dem Sand, wurde erst zur Legende und geriet dann in Vergessenheit. Doch der mysteriöse Tod eines Insulaners bringt den Syltern die Erkenntnis: Das Böse ist wieder da…und es hat einiges nachzuholen! Geisterjäger John Sinclair und sein Kollege Suko müssen alle Kräfte mobilisieren, um ihren Gegnern Einhalt zu gebieten – denn sie sind klein, heimtückisch und zahlreich: Die Satanszwerge von Sylt. Schnallen Sie sich an für eine Achterbahnfahrt durch die Untiefen des Trash: Spannend, komisch und zu 99% ernst gemeint. Ein Kultklassiker der Groschenromane als Livehörspiel für Augen, Ohren, Zwerchfell und die ultimative Gänsehaut.

Ensemble: „Die wortreichen Sieben“
Regie: Fabian Gröver
Musik: Benjamin Künzel
Mitwirkende: Christel Mayr, Tini Prüfert, Stefan Maaß, Gunther Nickles, Florian Stern, Benjamin Künzel, Fabian Gröver und Benedikt Paulun

Veranstalter: ROXY gemeinnützige GmbH
Termine:
Samstag, 8.Juni
Dienstag, 11.Juni
Dienstag, 18.Juni
Jeweils um 20 Uhr.
Eintritt: € 14,00

Dienstag, 6.November

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Wir freuen uns riesig. Vanessa Güntzel, Susanne Link, Margit Rittlinger, Claudia & Samy Wiltschek.

Heute haben
Robert Musil * 1880
Michael Cunningham * 1952
Karin Fossum * 1954
Geburtstag
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Conrad Ferdinand Meyer
Novembersonne

In den ächzenden Gewinden
Hat die Kelter sich gedreht,
Unter meinen alten Linden
Liegt das Laub hoch aufgeweht.

Dieser Erde Werke rasten,
Schon beginnt die Winterruh –
Sonne, noch mit unverblassten,
Goldnen Strahlen wanderst du!

Ehe sich das Jahr entlaubte,
Gingen, traun, sie müßig nie,
Nun an deinem lichten Haupte
Flammen unbeschäftigt sie.

Erst ein Ackerknecht, ein Schnitter,
Und ein Traubenkoch zuletzt
Bist du nun der freie Ritter,
Der sich auf der Fahrt ergetzt.

Und die Schüler, zu den Bänken
Kehrend, grüßen jubelvoll,
Hingelagert vor den Schenken,
Dich als Musengott Apoll.
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Claudia Wiltschek empfiehlt:

9783462051964

Burghart Klaußner:Vor dem Anfang
Kiepenheuer & Witsch Verlag € 18,00

Berlin im April 1945. Es sind die letzten Tage bevor alles vorbei ist. Es gibt diejenigen, die nicht aufhören wollen und die, die das Ende herbeisehnen. Trauen kann man niemanden mehr, plötzlich sind die Täter keine Nazis mehr und versuchen alle Spuren zu verwischen oder möglichst schnell zu verschwinden und Hab und Gut zu retten. Fritz und Schulz, zwei junge Männer, die den Krieg bis jetzt unbeschadet überstanden haben, erhalten den Auftrag die Geldkasette ihrer Einheit ins Reichsluftfahrtministerium zu bringen. Einmal quer durch das chaotische, zerschossene Berlin auf zwei klapprigen Fahrrädern. Straßensperren, Kontrollen, Verdacht auf Fahnenflucht, alles das hält sie auf. Die Angst im Nacken, nun doch noch von diesem Wahnsinn überrollt zu werden.
Es ist ein Roman über das Ende einer Stadt und die Hoffnung auf einen neuen Anfang. Spannend, schockierend und trotzdem mit feinen Humor gespickt. Ein kleines Büchlein, nicht immer leichte Kost, das ich gerne gelesen habe.
Burkhart Klaußner spielt an nahezu allen bedeutenden deutschsprachigen Bühnen.
Vor dem Anfang“ ist sein erster Roman.
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Noch zweimal stellen wir in diesem Jahr, im Rahmen unserer 1.Seite, neue Bücher vor. Heute sind das:

Anita Brookner: „Ein Start ins Leben“
Guillermo Arriaga: „Der Wilde“
Néhémy Pierre-Dahomey: „Die Zurückgekehrten“

und als Gast der Ulmer Eberhard Neubronner, der über sein neues Buch „Die Insel Farewell“ reden wird.

Wir freuen uns auf Ihr/Euer Kommen,
das Jastram Team.

Dienstag, 4.September

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Heute haben
Francois Chateaubriand * 1768
Leonard Frank * 1882
Antonin Artaud * 1896
Richard Wright * 1908
Per Olof Sundman * 1922
Joan Aiken * 1924
Thorsten Becker * 1958
Geburtstag
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Conrad Ferdinand Meyer
Die Veltlinertraube

Brütend liegt ein heißes Schweigen
Über Tal und Bergesjoch,
Evoë und Winzerreigen
Schlummern in der Traube noch.

Purpurne Veltlinertraube,
Kochend in der Sonne Schein,
Heute möcht‘ ich unterm Laube
Deine vollste Beere sein!

Mein unbändiges Geblüte,
Strotzend von der Scholle Kraft,
Trunken von des Himmels Güte,
Sprengte schier der Hülse Haft!

Aus der Laube niederhangend,
Glutdurchwogt und üppig rund,
Schwebt‘ ich dunkelpurpurprangend
Über einem roten Mund!
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Claudia Wiltschek empfiehlt:

9783423762342

Axel Rühle:Zippel, das wirklich wahre Schlossgespenst
Illustriert von Axel Scheffler
dtv junior € 12,95
Kinderbuch ab 7 Jahren

Zippel, ist ein kleines Schlossgespenst, aber wohnt nicht, wie wir wohl meinen, in einem grossen alten Schloss, sondern sein Zuhause ist ein Türschloss. Es lebt bei Paul und seinen Eltern in einer Altbauwohnung ganz zufrieden und unentdeckt. Eines Tages hört Paul merkwürdige Geräusche in der Tür und nach großem beiderseitigem
Misstrauen beginnt die Freundschaft von Paul und Zippel. Zippel hat ständig Quatsch im Kopf und Paul hat jede Menge zu tun, um ihn davon abzuhalten. Das Unglück naht, nachdem der Hausmeister es endlich an der Zeit findet, das alte Türschloss gegen ein neues auszutauschen. Zippels Zuhause ist plötzlich in Gefahr….
Für Zippel gerät die Welt aus den Fugen, zumal er ja solche Angst vor den Erwachsenen hat.

„Oh,oh, oh“, sagte Zippel. „Das ist sicher ein Awachsana.“
„Ein was ?“
„Ein Awachsana.“
“ Meinst Du ein Erwachsener?“, fragte Paul
„Oh ja, oh ja, oh ja. Awachsana sind böse. Alle sehr böse. Also verrat mich nicht. Ja?“

Ein liebevoll, witziges Vorlese und Selbstlesebuch , am Besten vorgetragen von einem Awachsanan, der Spaß dabei ist garantiert.
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Heute abend, Dienstag, 4.September um 19 Uhr
„Die erste Seite“
Wir stellen vier neue Bücher vor.

Clemens Grote liest aus:

Hugo Boris: Polizisten
Claire Messud: Das brennende Mädchen
Lisa Halliday: Asymetrie
Michael Kumpfmüller: Tage mit Ora

Eintritt frei
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Freitag, 7.September um 20 Uhr
Mariana Leky: „
Was man von hier aus sehen kann“

Lesung im Roxy Ulm
Eintritt € 12,00
_____________________________

Vielen Dank noch einmal an Siyou und Hellmut Hattler für das tolle spontane Konzert.

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Mittwoch, 11.Oktober

Heute haben
Conrad Ferdinand Meyer * 1825
Gertrud von Le Fort * 1876
Francois Mauriac * 1885 (Nobelpreis 1952)
Boris Pilnjak * 1876
Anne Enright * 1962
Geburtstag.
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Conrad Ferdinand Meyer
Fülle

Genug ist nicht genug! Gepriesen werde
Der Herbst! Kein Ast, der seiner Frucht entbehrte!
Tief beugt sich mancher allzureich beschwerte,
Der Apfel fällt mit dumpfem Laut zu Erde.

Genug ist nicht genug! Es lacht im Laube!
Die saftge Pfirsche winkt dem durstgen Munde!
Die trunknen Wespen summen in die Runde:
„Genug ist nicht genug!“ um eine Traube.

Genug ist nicht genug! Mit vollen Zügen
Schlürft Dichtergeist am Borne des Genusses,
Das Herz, auch es bedarf des Überflusses,
Genug kann nie und nimmermehr genügen!
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Antonio Manzini:Spitzentitel
Aus dem Italienischen von Antje Peter
Wagenbach Verlag  €15

„Er schaut auf den Monitor seines Computers und schreibt ENDE auf das weiße Blatt. Es ist 23:30 Uhr an einem Oktoberabend, als der berühmte Schriftsteller Giorgio Volpe seinen neuen Roman abschließt. Am folgenden Morgen ruft er gutgelaunt im Verlag an, um die frohe Botschaft zu verkünden.“

Dort aber ist nichts mehr wie zuvor: Der Verlag wurde von einem Großkonzern geschluckt, nun haben windige Investoren das Sagen. Statt der vertrauten Stimme seiner Lektorin hört Volpe einen Anrufbeantworter in sieben Sprachen, und wenig später stehen zwei dubiose Typen vor der Tür, die sein Buch publikumstauglich umschreiben wollen. Doch damit fängt das Unheil erst an …

Was zuerst wie ein Alptraum, ein Wachtraum aussieht, entwickelt sich zur Realität. Große, wichtige, dicke Romane sind nicht mehr gefragt. Aber nicht nur daß gestrichen und gekürzt wird – weg mit den langatmigen Szenen – auch politisch korrekt sollte es sein. Keine zu schlechten Botschaften in dieser schlimmen Zeit dürfen in den Bücher stecken. So wird aus „Krieg und Frieden“ einfach nur „Frieden“. Das nur als kleines Beispiel. Romane werden auf ein Happy End hin umgeschrieben und SchriftstellerInnen geknebelt, zu einer bestimmten Zeit ein genaue Anzahl von Seiten abgeliefert zu haben. Und zwar nach den vorgebenen neuen Regeln.
Antonio Manzini ist hier eine messerscharfe und urkomische Persiflage gelungen, die nicht nur auf die Welt der Bücher zutrifft.
Lustig ist zusätzlich, daß im neuen Roman von Marc-Uwe Kling (der mit dem Känguru) genau das gleiche Thema aufgegriffen wird. Auch in „Qualityland“ wird alles glattgebügelt und gemainstreamt (schreibt sich das so?).
Beides sehr lustig und gleichzeitig bleibt mir das Lachen im Hals stecken.

Dienstag

Heute haben
Evelyn Waugh * 1903
Anne Perry * 1938
Uwe Tellkamp * 1968
Geburtstag.
Aber auch Erasmus von Rotterdam, Danton und Bill Gates.
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„Erst spät habe ich begriffen, wie sehr mich die Erinnerungen an Alma und die
Großmutter geprägt haben. Das zerfallene Haus hat sie wachgehalten und ich
beginne mir seltsame Fragen zu stellen:

Aber auch das Haus gibt mir keine Antworten.“

aus: Silvia Trummer: „Vierhändig“

Heute abend ab 19 Uhr wird die Schweizer Autorin bei uns in der Buchhandlung lesen.
Wir beginnen pünktlich und verlangen € 8,00 Eintritt.
_______________________

Denken Sie schon an 2015?
Haben Sie schon erste Termine für das neue Jahr vereinbart?
Gibt es schon einen neuen Wandkalender als Ersatz für den jetzigen?
Ja? Wirklich?
Aber haben Sie auch einen Gedichtekalender?
Nein? Na dann bin ich mit meinem Tipp ja goldrichtig.

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„Fliegende Wörter 2015“
53 Qualitätsgedichte zum Verschreiben und Verbleiben.
Im 21. Jahrgang
Herausgegeben von Andrea Grewe, Hiltrud Herbst und Doris Mendlewitsch
56 Blatt, durchg. vierfarbig
16 x 18 cm, Spiralbindung, mit Aufhänger
Daedalus Verlag € 16,95

Klassisch oder modern, besinnlich oder heiter – auf jeden Fall überraschend: 53 Gedichte aus vielen Ländern und Epochen, jedes für sich typografisch einfallsreich gestaltet. Und: Sie können jedes Gedicht an der perforierter Linie herausbrechen und weiterverschicken. Praktisch eine win-win-Situation. Wenn nicht sogar noch mehr.

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Im 21. Jahrgang mit Gedichten u.a. von Ingeborg Bachmann, Bertolt Brecht, Hilde Domin, Annette von Droste-Hülshoff, Erich Fried, Robert Gernhardt, Johann W. L. Gleim, Nora Gomringer, Hanns Dieter Hüsch, Sarah Kirsch, Paul Klee, Reiner Kunze, Else Lasker-Schüler, Ernst Meister, Christian Morgenstern, Ezra Pound, August Stramm, Jan Wagner, W. B. Yeats…

Hier eine kleine Auswahl von älteren, rechtefreien Gedichten. Im Kalender sind deutlich mehr Gedichte aus dem 20.und 21.Jahrhundert, als alten Klassiker. Gut so!

Claudius Matthias
Die Sternseherin Lise

Ich sehe oft um Mitternacht,
Wenn ich mein Werk getan
Und niemand mehr im Hause wacht,
Die Stern‘ am Himmel an.

Sie gehn da, hin und her zerstreut,
Als Lämmer auf der Flur,
In Rudeln auch und aufgereiht
Wie Perlen an der Schnur

Und funkeln alle weit und breit
Und funkeln rein und schön;
Ich seh‘ die große Herrlichkeit
Und kann mich satt nicht sehn…

Dann saget unterm Himmelszelt
Mein Herz mir in der Brust:
„Es gibt was Bessers in der Welt
Als all ihr Schmerz und Lust.“

Ich werf mich auf mein Lager hin
Und liege lange wach
Und suche es in meinem Sinn
Und sehne mich darnach.

Conrad Ferdinand Meyer
Der Reisebecher

Gestern fand ich, räumend eines langvergessnen Schrankes Fächer,
Den vom Vater mir vererbten, meinen ersten Reisebecher.
Währenddes ich, leise singend, reinigt ihn vom Staub der Jahre
Wars, als höbe mir ein Bergwind aus der Stirn die grauen Haare
Wars, als dufteten die Matten, drein ich schlummernd lag versunken,
Wars, als rauschten alle Quelle, draus ich wandernd einst getrunken.

Friedrich Hebbel
Abendgefühl

Friedlich bekämpfen
Nacht sich und Tag.
Wie das zu dämpfen,
Wie das zu lösen vermag!

Der mich bedrückte,
Schläfst du schon, Schmerz?
Was mich beglückte,
Sage, was war’s doch, mein Herz?

Freude, wie Kummer,
Fühl‘ ich, zerrann,
Aber den Schlummer
Führten sie leise heran.

Und im Entschweben,
Immer empor,
Kommt mir das Leben
Ganz, wie ein Schlummerlied vor.

Johann Wolfgang von Goethe
An vollen Büschelzweigen

An vollen Büschelzweigen,
Geliebte, sieh nur hin!
Laß dir die Früchte zeigen,
Umschalet stachlig grün.

Sie hängen längst geballet,
Still, unbekannt mit sich;
Ein Ast, der schaukelnd wallet,
Wiegt sie geduldiglich.

Doch immer reift von innen
Und schwillt der braune Kern,
Er möchte Luft gewinnen
Und säh‘ die Sonne gern.

Die Schale platzt, und nieder
Macht er sich freudig los;
So fallen meine Lieder
Gehäuft in deinen Schoß.

Hier gibt es ein paar Seitenbeispiele.

Freitag

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Heute hat Wilhelm Hauff (* 1802) Geburtstag

Und der Lyrikkalender bringt:

Conrad Ferdinand Meyer
Lethe

Jüngst im Traume sah ich auf den Fluten
Einen Nachen ohne Ruder ziehn,
Strom und Himmel stand in matten Gluten
Wie bei Tages Nahen oder Fliehn.

Sassen Knaben drin mit Lotoskränzen,
Mädchen beugten über Bord sich schlank,
Kreisend durch die Reihe sah ich glänzen
Eine Schale, draus ein jedes trank.

Jetzt erscholl ein Lied voll süsser Wehmut,
Das die Schar der Kranzgenossen sang –
Ich erkannte deines Nackens Demut,
Deine Stimme, die den Chor durchdrang.

In die Welle taucht ich. Bis zum Marke
Schaudert ich, wie seltsam kühl sie war.
Ich erreicht‘ die leise ziehnde Barke,
Drängte mich in die geweihte Schar.

Und die Reihe war an dir zu trinken,
Und die volle Schale hobest du,
Sprachst zu mir mit trautem Augenwinken:
„Herz, ich trinke dir Vergessen zu!“

Dir entriss in trotzgem Liebesdrange
Ich die Schale, warf sie in die Flut,
Sie versank, und siehe, deine Wange
Färbte sich mit einem Schein von Blut.

Flehend küsst ich dich in wildem Harme,
Die den bleichen Mund mir willig bot,
Da zerrannst du lächelnd mir im Arme
Und ich wusst es wieder – du bist tot.
_____________________

Sehr passend zu meinem Filmtipp, in dem das Vergessen eine große Rolle spielt:

WOHNUNG_dvd.indd

Die Wohnungvon Arnon Goldfinger
Deutschland, Israel 2011
DVD € 19,90

Dass ich auf den Film gekommen bin, verdanke ich wieder einmal meiner Tippgeberin Marianne. Auf arte lief der Film am vergangenen Montag und kann noch bis Ende der Woche auf deren Internetportal angeschaut werden (arte+7), oder bei uns als DVD gekauft werden.
Ich konnte zuerst nur die erste Hälfte anschauen und war so aufgewühlt, dass ich es kaum erwarten konnte die kompletten 97 Minuten zu sehen.

Die Großeltern des israelischen Dokumentarfilmers Arnon Goldfinger sind vor dem Holocaust aus Deutschland nach Israel geflohen. Nach dem Tod der Großmutter löst Arnon Goldfinger gemeinsam mit seiner Mutter die Wohnung der Großeltern in Tel Aviv auf, in der Gerda Tuchler mit ihrem Mann Kurt gelebt hat. Doch zunächst will Arnon Goldfinger die Wohnung in ihrem ursprünglichen Zustand mit der Kamera festhalten. Dabei geht es sehr turbulent und lustig zu. Die Familie, die Jungen und Alten machen endlich alle Schubladen und Schränke auf, was sie sich vor ein paar Wochen nie getraut hätten. Unglaubliche Mengen von Handtaschen und Handschuhe kommen hierbei zum Vorschein. Ein Nerz (?) mit Kopf und Füssen sorgt für spitze Schreie bei den Urenkeln. Die Mutter beschließt, dass das Meiste wegkommt, da es nichts wert sei. Arnon Goldfinger ist immer nah dran, steht mit seiner Kamera mitten im Gewühl.
Bei der Sichtung des Nachlasses entdecken Mutter und Sohn neben unzähligen Haushaltsdingen und Kleidungsstücken Dokumente, Briefe und Fotografien, die eine bislang der Familie unbekannte Geschichte erzählen. Die jüdischen Großeltern des Filmemachers pflegten eine Freundschaft mit der Familie eines SS-Offiziers. Leopold von Mildenstein, war einst Vorgesetzter Adolf Eichmanns. Und selbst nach Ende des Krieges bestand der Kontakt zwischen Kurt Tuchler in Israel und von Mildenstein in Deutschland weiter.
Die Freundschaft zwischen den Tuchlers und den von Mildensteins hatte auf einer gemeinsamen Reise der beiden Männer nach Palästina begonnen. Kurt Tuchler war damals Richter in Berlin und überzeugter Zionist. Leopold von Mildenstein war seit 1935/36 Kommandant des sogenannten Judenreferats. Ihr gemeinsames Ziel bestand darin, Einwanderungen von deutschen Juden nach Palästina zu vereinfachen. Denn Palästina war damals das einzige Land, das bereit war, Juden in größerer Zahl aufzunehmen.
Eine unglaubliche Geschichte, so scheint es. Für mich sehr fremd und unbekannt. Es öffnen sich für Arnon Goldfinger jedoch Welten, als er anfängt, seine Mutter über deren Mutter und ihre Großmutter zu befragen. Großes Kopfschütteln. Ich weiß es nicht, ich habe nicht nachgefragt, darüber wurde nie gesprochen, sind die Antworten, die er zu hören bekommt. Dabei war die Beziehung zwischen den beiden Ehepaaren sehr intensiv und langandauernd. Goldfinger forscht weiter, liest sich durch Berge von Briefe, die nie weggeworfen worden sind und nimmt Kontakt zur Tochter der von Mildensteins auf, die als ältere Dame in Wuppertal lebt. Auch dort großes Kopfschütteln und Reinwaschen des Vaters. Bis zum Schluss weigert sich die Tochter an die Nazi-Vergangenheit ihres Vaters zu glauben, oder dies zu akzeptieren. Goldfinger legt ihr Dokumente vor, die sie zwar liest, aber für sie nie glaubwürdig genug sind.
Arnon Goldfinger kommt dieser unwahrscheinlich klingenden Geschichte immer näher und bringt seine Mutter dazu, mit ihm viele Fotos anzuschauen und sich erzählen zu lassen, was darauf zu sehen ist. Sie reisen nach Berlin,wo seine Urgroßmutter lebte und von dort nach Theresienstadt abtransport und ermordet worden ist, weil sie nicht nach Palästina auswandern wollte. Ein Stolperstein am Hauseingang erinnert an sie. Es kommt zu einem Treffen der beiden Töchter in Wuppertal. Alles ist herzlich und freundlich und doch herrscht eine Atmosphäre des Schweigens, wenn es um die heiklen Themen geht.
Arnon Goldfinger hat einen Dokumentarfilm gedreht, der mich wirklich bis ins Innerste bewegt hat.
Was hat es mit diesen verschiedenen Arten des Vergessens auf sich? Warum wurde nie richtig nachgefragt? Wie konnte eine solche Freundschaft überhaupt entstehen und so lange anhalten? So ganz kann er dieses Phänomen nicht aufdecken, aber das, was hochgespült worden ist, reicht schon mehr als genug.

awards

Hier geht es zur website des Filmes mit vielen Fotos, Dokumenten und Hintergrundinformationen, u.a. zum Haavara-Abkommen.

Trailer

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