Samstag

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Heute haben
Marie Luise Kaschnitz * 1901
Kurt Marti *1921
Norman Mailer * 1923
Kenzaburo Oe * 1925 (Er wird heute 80)
Geburtstag
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Dylan Thomas:
„Unter dem Milchwald/Under Milk Wood“

Drei legendäre Hörspielinszenierungen
Übersetzt von Erich Fried
6 Audio-CDs, Laufzeit: 278 Minuten
Der Hörverlag € 24,99

To begin at the beginning:

It is spring, moonless night in the small town, starless
and bible-black, the cobblestreets silent and the hunched,
courters‘-and-rabbits‘ wood limping invisible down to the
sloeblack, slow, black, crowblack, fishingboatbobbing sea.
The houses are blind as moles (though moles see fine to-night
in the snouting, velvet dingles) or blind as Captain Cat
there in the muffled middle by the pump and the town clock,
the shops in mourning, the Welfare Hall in widows‘ weeds.
And all the people of the lulled and dumbfound town are
sleeping now.

Hush, the babies are sleeping, the farmers, the fishers,
the tradesmen and pensioners, cobbler, schoolteacher,
postman and publican, the undertaker and the fancy woman,
drunkard, dressmaker, preacher, policeman, the webfoot
cocklewomen and the tidy wives. Young girls lie bedded soft
or glide in their dreams, with rings and trousseaux,
bridesmaided by glowworms down the aisles of the
organplaying wood. The boys are dreaming wicked or of the
bucking ranches of the night and the jollyrodgered sea. And
the anthracite statues of the horses sleep in the fields,
and the cows in the byres, and the dogs in the wetnosed
yards; and the cats nap in the slant corners or lope sly,
streaking and needling, on the one cloud of the roofs.

Das sind so die Entdeckungen im Buchhändlerleben.
Seit Jahren und Jahrzehnten schwirrt mir der Titel: „Unter dem Milchwald“ im Kopf herum. Auch Dylan Thomas sagt mir natürlich etwas. Seine Weihnachtsgeschichte habe ich schon öfter gelesen. Dass Bob Dylan seinen Namen von ihm hat, wissen wir ja auch. Der hat übrigens gestern sein 36.Album veröffentlicht, das überall so richtig mit großer Verwunderungen besprochen wird. Aber zurück. Auch ich war verwundert, als ich mit über einem Jahr Verzögerung diese drei Hörspiele gehört habe. Einzeln gibt es sie natürlich schon viel länger auf dem Markt. Und noch einige weitere Versionen mehr. Aber diese Kombination zu diesem Preis, ist grossartig.
BBC 1954, NWDR 1954, MDR 2003 sind die Eckdaten für die einzelnen Produktionen, in denen u.a. Richard Burton (BBC), Inge Meysel (NWDR) und olle Harry Rowohlt (MDR) sprechen.
Ich konnte mir unter diesen Hörspielen nichts vorstellen, begann mit der englischen Version und verstand erst mal gar nichts. Also schnell die 54er deutsche Version und mich hat’s komplett vom Hocker gehauen. So etwas ist mir noch nicht untergekommen. Na, das hätten wir dir aber schon vor 20 Jahren sagen können, bekomme ich sicherlich zu hören. Egal. Das, was Dylan Thomas und seiner kleinen Seestadt macht, ist so einzigartig, dass ich richtig süchtig geworden bin. Voller Wortwitz, mit verrückten Wortketten und Wortasoziationen lässt er die Einwohner der kleinen Stadt einen Tag lang zu Wort kommen. Vom frühen Morgen bis spät in die Nacht geht der Reigen an der wallisischen Küste. Es wird gelacht, geweint, gesungen und gebrüllt. Es werden Kartoffeln poliert und Bier gesoffen. Teufel im Wald vertrieben und Orgel gespielt. Die Toten werden wieder lebendig und der Briefträger erzählt den Empfängern der Post gleich an der Türschwelle, was es alles neues gibt auf den zugestellten Postkarten. Ich kann hier keine Inhaltsangabe schreiben, da das Stück voller überbordender Ideen ist. Was aber Gossamer Beynon, Orgel-Morgan, Mrs Ogmore-Pritchard, Mrs Willy-Nilly, Kapitan Cat, Mr Waldo, Mary Ann Seefahrer, Eli Jenkins, Lily Smalls, Boyo, Mrs Cherry Owen und Sinbad, auf den Straßen, in den Häusern, auf dem Friedhof und in der Kneipe treiben, ließen mir die Ohren glühen. Nach der 54er Version gleich die Harry Rowohlt-Version von 2003 aufgelegt und wieder einen Vergleich mit der alten gemacht. Dann endlich habe ich mich an die englische Version gemacht und auch das Meiste verstanden.
Nun ist mir auch klar, warum alle Welt von Dylan Thomas, seinem Milchwald und der Stadt Llareggyb reden.
Gerade schaue ich in das Impressum des Reclam-Heftchens und lese, dass die BBC-Erstausstralung am 25.Januar 1954 war. Da hätte ich diesen Tipp doch punktgenau eine Woche früher bringen können.

Am kommenden Dienstag stellen wir dieses Hörpielprojekt vor.
Ab 19 Uhr gibt es wieder unsere „1.Seite“.
Wie immer mit Clemens Grote und als Stargast Richard Burton.

Diese Hörspieledition auf sechs CDs erschien zum 100. Geburtstag von Dylan Thomas am 27.Oktober 2014.

Hier können sie reinhören.
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Diese Bücher stellen wir am kommenden Dienstag.
Entdecken Sie mit uns Bücher, die nicht auf den Bestsellerlisten stehen.

Jenny Offill: Amt für Mutmaßungen
(„Dieses Buch ist wie ein kleines, extrem scharf geschliffenes Messer.“,
Ijoma Mangold / Die Zeit)

Jami Attenberg: Die Middlesteins
(„Die Middlesteins haben mich von der allerersten Seite an begeistert.“,
Jonathan Franzen)

Dorte Nors: Handkantenschlag
(„Die Autorin Dorthe Nors weiß, wie sie die kleinen Momente einfängt und mit
ihren Worten unvergesslich macht.“ Oprah Winfrey)

Dylan Thomas: Under Milk Wood / Unter dem Milchwald
(3 Hörspiele auf 6 CDs mit Richard Burton, Inge Meysel, Sophie Rois und Harry
Rowohlt und vielen vielen anderen)

Donnerstag

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Buchliebhaber gehen nie alleine ins Bett.
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Heute haben
Marie Luise Kaschnitz * 1901
Kurt Marti * 1921
Norman Mailer * 1923
Kenzaburo Oe * 1935
Geburtstag.
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Die Südwestpresse bringt heute einen Artikel über den Abend mit Priya Basil bei uns in der Buchhandlung.
Nachdem die SWP die Autorin mit Asil, statt Basil angekündigt hat, ist es doch mehr als Recht, dass sie nun aus Jastram Jasram gemacht haben.
Der Text gibt einen kleinen Einblick in dieses komplexe Buch.

Hier kommt der Artikel.
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Ein weiterer Text aus Eduardo Galeanos neuem Buch:

Juli
26
Es regnet Katzen

Auf der großen Insel Borneo fraßen die Katzen die Eidechsen, die die Kakerlaken fraßen, und die Kakerlaken fraßen die Wespen, die die Moskitos fraßen.
Das DDT stand nicht auf der Speisekarte.
Mitte des 20. Jahrhunderts bombardierte die Weltgesundheitsorganisation die Insel mit riesigen Mengen von DDT zur Bekämpfung der Malaria und rottete die Moskitos aus und alles andere auch.
Als die Ratten merkten, dass auch die Katzen den Vergiftungstod gestorben waren, überschwemmten sie die Insel, fraßen die Ernten auf und verbreiteten Typhus und andere Schrecklichkeiten.
Angesichts des unerwarteten Rattenangriffs versammelten die Experten der Weltgesundheitsorganisation ihren Krisenstab und beschlossen, Katzen mit Fallschirmen abzuwerfen.
In diesen Tagen des Jahres 1960 flogen Dutzende dieser natürlichen Rattenfeinde durch den Himmel von Borneo.
Sie landeten sanft und wurden stürmisch von den Menschen begrüßt, die die internationale Hilfe überlebt hatten.
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Michael Köhlmeier: „Die Abenteuer des Joel Spazierer
Hanser Verlag € 24,90
als eBook € 18,99
Hörverlag € 24,99 auf 4 CDs gelesen vom Autor

Michael Köhlmeier ist einfach ein ausgezeichneter Erzähler und Vorleser. Das zeigte er schon mit seiner Sagensammlung, die er für das Radio aufgenommen hat und die es als ganz dickes Taschenbuch gibt. Etwas Besseres zu diesem Thema finden Sie nicht so leicht. Immer wieder kommt er auf sein Voralberg zurück, so auch in einem seiner letzten Bücher, in dem es um den Tod seiner Tochter geht. So eindringlich, persönlich und doch mit Distanz habe ich selten ein Buch gelesen. Nun hat er mit den über 600 Seiten und seinem Protagonisten Joel Spazierer eine umwerfend gute Unterhaltung geschrieben. Ich wage kaum den „Hundertjährigen“ zu erwähnen, weil Köhlmeier um Längen literarischer ist und doch einen ganz besonderen Witz hat. Gut und Böse verschwinden, unsere Sympathien sind auf Seiten von Joel. Er wächst uns von Beginn ans Herz. Wie er als 4jähriger allein in der Wohnung ist und da schon nicht weiss, was er machen darf und was nicht.
Köhlmeier hat die Figur in seinem Bekanntenkreis gefunden und immer weiter ausgeweitet. Als dieser Bekannte dann tatsächlich (in einer ganz anderen Funktion) an seiner Türe klingelte, konnte Köhlmeier nicht anders, als diese wieder zuzuschlagen. Zuviel von Wirklichkeit und Fiktion auf einem Quadratmeter.
Lassen Sie sich verführen, nehmen Sie das Buch mit ins Bett.
Bücher schnarchen nicht!
Siehe auch unseren Fotoblog.

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