Donnerstag, 22. September


Heute haben
Hans Leip * 1893
Rosemunde Pilcher * 1924
Fay Weldon * 1931
Lutz Rathenow * 1952
Peter Prange * 1955
Geburtstag.
Und auch Hans Scholl * 1918 (Weiße Rose)
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Theodor Storm
Ein grünes Blatt

Ein Blatt aus sommerlichen Tagen,
Ich nahm es so im Wandern mit,
Auf dass es einst mir möge sagen,
Wie laut die Nachtigall geschlagen,
Wie grün der Wald, den ich durchschritt.
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Unser Buchtipp:

Dylan Thomas: „Unterm Milchwald
Ein Stück für Stimmen
Zweisprachige Ausgabe, aus dem Englischen und einem Nachwort von Jan Wagner
Plus einer Lageskizze von Llareggub von Dylan Thomas
Hanser Verlag € 27,00

„Von diesem grandiosen Klassiker des Wortweltmeisters Dylan Thomas waren sie alle begeistert- die Stones, die Beatles, Anthony Hopkins, Richard Burton, Igor Strwainsky – und ich auch!“
Elke Heidenreich

„To begin at the beginning:

It is spring, moonless night in the small town, starless
and bible-black, the cobblestreets silent and the hunched,
courters’-and-rabbits’ wood limping invisible down to the
sloeblack, slow, black, crowblack, fishingboatbobbing sea.
The houses are blind as moles (though moles see fine to-night
in the snouting, velvet dingles) or blind as Captain Cat
there in the muffled middle by the pump and the town clock,
the shops in mourning, the Welfare Hall in widows’ weeds.
And all the people of the lulled and dumbfound town are
sleeping now.

Hush, the babies are sleeping, the farmers, the fishers,
the tradesmen and pensioners, cobbler, schoolteacher,
postman and publican, the undertaker and the fancy woman,
drunkard, dressmaker, preacher, policeman, the webfoot
cocklewomen and the tidy wives. Young girls lie bedded soft
or glide in their dreams, with rings and trousseaux,
bridesmaided by glowworms down the aisles of the
organplaying wood. The boys are dreaming wicked or of the
bucking ranches of the night and the jollyrodgered sea. And
the anthracite statues of the horses sleep in the fields,
and the cows in the byres, and the dogs in the wetnosed
yards; and the cats nap in the slant corners or lope sly,
streaking and needling, on the one cloud of the roofs.“

Das legendäre Werk des walisischen Dichters Dylan Thomas in einer neuen Übersetzung von Jan Wagner, der „Unterm Milchwald“ als das schönste Stück Literatur bezeichnet, „das jemals über den Äther lief“.
Der Morgen beginnt in dem kleinen Fischerdorf Llareggub an der walisischen Küste und das, was Dylan Thomas und seiner kleinen Seestadt macht, ist so einzigartig, dass ich richtig süchtig geworden bin. Voller Wortwitz, mit verrückten Wortketten und Wortassoziationen lässt er die Einwohner der kleinen Stadt einen Tag lang zu Wort kommen. Vom frühen Morgen bis spät in die Nacht geht der Reigen an der wallisischen Küste. Es wird gelacht, geweint, gesungen und gebrüllt. Es werden Kartoffeln poliert und Bier gesoffen, der Teufel im Wald vertrieben und Orgel gespielt. Die Toten werden wieder lebendig und der Briefträger erzählt den Empfängern der Post gleich an der Türschwelle, was es alles Neues gibt auf den zugestellten Postkarten. Ich kann hier keine Inhaltsangabe schreiben, da das Stück voller überbordender Ideen ist. Was aber Gossamer Beynon, Orgel-Morgan, Mrs Ogmore-Pritchard, Mrs Willy-Nilly, Kapitan Cat, Mr Waldo, Mary Ann Seefahrer, Eli Jenkins, Lily Smalls, Boyo, Mrs Cherry Owen und Sinbad, auf den Straßen, in den Häusern, auf dem Friedhof und in der Kneipe treiben, ist einfach großartig.
Und damit auch der Autor Dylan Thomas.

Leseprobe

Dylan Thomas, 1914 in Swansea geboren, 1953 in New York gestorben, arbeitete ab 1934 für Zeitschriften und die BBC in London. 1949 zog er sich in den kleinen walisischen Fischerort Laugharne zurück. Er schrieb Gedichte, Essays, Briefe, Drehbücher, autobiographische Erzählungen und das Stück „Unterm Milchwald“, das postum mit dem Prix Italia 1954 ausgezeichnet wurde.
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Der Maro Verlag hat uns eine Kiste voll mit seiner unglaublichen schönen Anthologie „Marotte“ zugeschickt, die wir im Laden verschenken.
Wenn Sie ein Exemplar haben wollen – bitte melden.

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Wir haben während des Klimastreiks unseren Buchladen von 15 bis 17 Uhr geschlossen.
Danach ist bis 18 Uhr wieder geöffnet.

Montag, 16.Mai


Heute haben
Friedrich Rückert * 1788
Jakob van Hoddis * 1887
Juan Rulfo * 1918
Adrienne Rich * 1929
Geburtstag
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Ludwig Uhland
Frühlingstrost

Was zagst du, Herz, in solchen Tagen,
Wo selbst die Dornen Rosen tragen?
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Unser Buchtipp:


Wolfgang Martynkewicz: „Das Schwanken des Bodens unter den Füßen
Einstein im Badehaus 8
Mit Originaldruckgraphiken und beiliegendem Plakat von Gabriela Jolowicz
36 Seiten, Fadenknotenheftung
Maro Heft #7 € 16,00

Der Autor Wolfgang Martynkewicz, ein großer Kenner der 20er Jahre, hat Bücher über Jane Austen, Gottfried Benn, Arno Schmidt und viele andere veröffentlicht, zeigt uns hier auf wenigen Seiten einen hochinteressanten Ausschnitt aus Albert Einsteins Leben.
1920 war das Jahr, in dem Einsteins Relativitätstheorie in aller Munde war. Überall besprochen, wurde er zu einem Star am Physikerhimmel. Aber es gab auch die andere Seite,, denn Einstein war in vielen Dingen unorthodox und eckte immer wieder an. Nicht zu vergessen: Er war Jude. Seine Entdeckung hatte auch den großen Nachteil, dass sie nicht in einfache Worte zu fassen war. Sogar er selbst meinte, dass sie „gemein unverständlich“ sei. So war er Star und Reizfigur in einem. Die konservativen Kräfte in Deutschland nahmen immer mehr zu und fühlten sich durch diese neuen Erkenntnisse provoziert. Gleichzeitig nimmt der Antisemitismus in Deutschland zu. Aus dem Kreis der anerkannten Physiker gibt es Zustimmung, aber auch vehemente Ablehnung.
Im August 1920 kommt es zu einem Treffen auf einer Tagung in Bad Nauheim. Albert Einstein und sein stärkster Widersacher, der Nobelpreisträger Philipp Lenard sitzen sich zu einem Schlagabtausch gegenüber. Ein Showdown, moderiert von Max Planck, vor gebannten Zuschauern im Badehaus 8.

Freitag, 29.Oktober


Heute haben
Lena Christ * 1881
Ezra Pound * 1885
Georg Heym * 1887
Geburtstag
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Es gibt Leute, für die es überhaupt keinen Beruf gibt. Ich rechne mich dazu.
Georg Heym
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Gerade erschienen:


Der Herbst ist da und mit ihm zwei neue MaroHefte!

In Heft #5 verteidigt Bettina Fellmann die Traurigkeit in einer Welt, in der diese tabuisiert wird, obwohl sie eine logische Reaktion auf die Zumutungen der Gegenwart ist. Ein illustrierter Essay über Entfremdung, Erfahrung und die Gefahr »zu positiv« zu werden.

Heft #6 widmet sich in 13 Fakten Themen wie Artensterben, Waldvernichtung, Landraub und tödliche Grenzen – im Hinblick auf die letzten 50 Jahren. Was geschah in der Wirkungsspanne der sogenannten 68er? Und wie muss man den programmatisch einflussreichen »Bericht zur Lage der Menschheit« des Club of Rome von 1972 bewerten, der noch heute auf Wirtschaftswachstum und rigide Bevölkerungspolitik setzt? Talking ’bout Your Generation!
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Bettina Fellmann: „Zur Verteidigung der Traurigkeit
Ein erschöpftes Heft · MaroHeft #5 € 16,00

Mit Illustrationen von Rebekka Weihofen
36 Seiten, fadengeheftet mit Schutzumschlag und beiliegendem Plakat

Leseprobe

Traurigkeit wird in unserer Gesellschaft verdrängt und zum Krankheitssymptom erklärt, obwohl sie eine logische Reaktion auf die Zumutungen der Gegenwart ist. Bettina Fellmann formuliert die Paradoxie, dass angesichts der alles durchdringenden Verwertungslogik, nach der gewirtschaftet, gelebt und gestorben wird, kaum adäquate Empfindungen zum Ausdruck kommen. Stattdessen passen sich die Menschen an die verkehrten Gegebenheiten an und wiederholen sie in immer neuen Variationen. Das Erleben von Traurigkeit dagegen stärkt die Kritik an jenen Verhältnissen, an denen Menschen zerbrechen. Ein Aufsatz über Anpassung, Entfremdung und Erfahrung – zur Verteidigung der Traurigkeit.

Bettina Fellmann (*1978) arbeitet seit 1998 als Krankenschwester. Sie beschäftigt sich u. a. mit kritischer Theorie, wundert sich oft über die Praxis und schreibt Gedichte, Politisches und Philosophisches.

Rebekka Weihofen (*1991) arbeitet freischaffend im Bereich Illustration und Graphik. Sie beschäftigt sich u. a. mit der Abbildbarkeit von Absurdität, Traum- und Innenwelten und ist (fast) immer müde.
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Talking ’bout Your Generation
Wie die Welt den Bach runtergeht und dabei das Meer überläuft
Mit Texten von Kolja Burmester, Eileen Jahn, Sarah Käsmayr, Lena Schindler und Scherzad Taleqani
Ein katastrophales Heft · MaroHeft #6 € 16,00

Mit Illustrationen von Riikka Laakso
36 Seiten, fadengeheftet mit Schutzumschlag und beiliegender Postkarte

Leseprobe

1968 dröhnte aus den Lautsprechern: I’M NOT TRYING TO CAUSE A BIG SENSATION. I’M JUST TALKING ’BOUT MY GENERATION. Ihr wolltet also nicht viel Aufsehen erregen, sondern nur ein bisschen reden? Na dann reden wir jetzt mal!

In den letzten 50 Jahren hat sich der Tierbestand auf der Welt halbiert. Urwald auf einer Fläche von fast ganz Europa wurde zerstört. Tödliche Grenzen, Erd­erhitzung, Ausbeutung, Landraub, Trinkwassermangel: Wie konnten sich solche Entwicklungen derart verschärfen – ausgerechnet in der Wirkungsspanne der »68er-­Generation«, die sich als besonders solidarisch und nachhaltig versteht? Zeit für einen Blick in das program­matische Grundsatzprogramm der 68er, den »Bericht zur Lage der Menschheit« des Club of Rome, Zeit für eine Bilanz.

Riikka Laakso lebt und arbeitet als Illustratorin in Berlin. Sie studierte Illustration an der Universität der Künste Berlin, ist Mitglied des deutschen Illustrationskollektivs »Parallel Universe« und veröffentlicht ihre eigenen Zines und Bücher in kleinen Auflagen. riikkalaakso.com
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Nehmen Sie sich bitte eine Stunde Zeit und schauen Sie sich das Interview mit Harald Welzer in der Sendung „Sternstunde Philosophie“ an.