Dienstag, 14.Februar

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Heute haben
Alexander Kluge * 1932
und Josef Hader *1962
Geburtstag
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„Miles Ahead“
Regie: Don Cheadle
Darsteller: Ewan McGregor, Don Cheadle, Lakeith Stanfield, Emayatzy Corinealdi, Michael Stuhlbarg
USA, 2015
FSK ab 12 freigegeben
DVD € 9,99

Don Cheadle muß ein ganz großer Fanvon Miles Davis sein. Er hat das Drehbuch zum Film geschrieben, Regie geführt und spielt selbst die Hauptrolle. Und jetzt kommt’s: Er hat sich wohl das Trompetespielen so gut beigebracht, daß er die Solostücke im Film selbst spielt.
Den Film hat er 2015 herausgebracht und auch auf der Berlinale vorgestellt, der Film lief aber nie in deutschen Kinos.

New York, 1980. Seit fünf Jahren hat Miles Davis keine Platte mehr veröffentlicht. Der Jazzmusiker, der mit virtuosen Trompetenspiel die Herzen der Menschen eroberte, lebt zurückgezogen, trinkt und kokst und trauert seiner großen Liebe Frances Taylor nach.

Was nun aber Cheadle nicht wollte, war eine Biografie zu drehen, die sehr nahe am wirklichen Leben der Jazzlegende ist. Nein, ich denke, er wollte das Gefühl beschreiben, das im Kopf von Miles Davis herrschte. Diese Verzweiflung, diese Nähe von Genie und Wahnsinn. Daß Cheadle dazu noch Schießereien und Verfolgungsjagden eingebaut hat, ist dann auch schlüssig. Die Jagd beginnt nämlich damit, daß ein Gerücht herumschwirrt, Davis hätte neue Studioaufnahmen und diverse Plattenfirmen sind richtig wild auf dieses Material.

Damit gehen dann auch die Meinungen sehr auseinander.
Atemberaubende Bilder…Ein audiovisuelles Gesamtkunstwerk. Es ist eine Schande, dass einer des besten Filme des Jahres 2016 nicht in die deutschen Kinos kommt.„, epd Film.
Und gleichzeitig lese ich Verrisse, daß so etwas ja gar nicht gehe, daß dies doch nichts mehr mit der Legende zu tun hätte. Diverses würde auch gar nicht stimmen. Musiker hätten, so wie im Film, nie zusammengespielt. Dann schreibt der Tagesspiegel:
Das Verdienst, dabei auch den Geist des Meisters getroffen zu haben, gehört vor allem dem Regisseur.“

So können wir den Film einfach genießen. Wir wissen, so war es nicht (ganz) und trotzdem bekommen wir eine Ahnung, was Davis umgetrieben, wie er gedacht und gefühlt hat und, und das ist natürlich das Schönste an Allem, wir bekommen jede Menge Musik zu hören. Während dieser zwei Tage wandern wir in den Zeiten, sehen den jungen Davis im Anzug in Bars spielen und den alten, der seine elektronisch veränderte Trompete spielt.
Was dazu führt, daß ich mir viele alte Stücke wieder angehört habe. U.a. auch Live-Konzerte, von denen ich eines unten verlinkt habe.

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Veranstaltungen bei und mit uns:

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Mittwoch, 15.Februar um 19 Uhr
Marion Weidenfeld liest aus:
Elena Ferrantes Roman:
Meine geniale Freundin
Bei uns in der Buchhandlung
Eintritt € 5,00
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Samstag, 18.Februar um 20:30 Uhr
Franz Dobler: „Schlag ins Gesicht“
Hudson Bar
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Dienstag, 7.März um 19 Uhr
„Die erste Seite“
Wir stellen vier neue Bücher vor.
Es liest Clemens Grote
Bei uns in der Buchhandlung
Eintritt frei
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Freitag, 31.März um 20 Uhr
„Pudel und Superheld“
Fee Kathrin Kanzler und Marco Kerler lesen in der
Galeria Tobias Schrade
Eintritt € 5,00

Donnerstag, 13.Oktober

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Heute wird
Christine Nöstinger 80 Jahre alt (*1936)
Jan Costin Wagner * 1972
und Paul Simon *1941
haben heute auch noch Geburtstag.

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Anthony Marra: „Letztes Lied einer vergangenen Welt
Stories
Aus dem amerikanischen Englisch von Stefanie Jacobs und Ulrich Blumenbach
Suhrkamp Verlag € 22,95

Um es gleich vorwegzunehmen: der Titel dieses Buches lautet im Original „The Tsar of Love and Techno“. Es sind auch keine in sich abgeschlossenen Stories und der Autor ist Amerikaner und nicht Russe oder Tschetschene wie die Handlungsorte der neun Kapitel vermuten lassen.
Das erste Kapitel führt uns nach Leningrad zur Zeit des Stalinismus. Verfolgung und Denunziation prägen den Alltag der Menschen. Die Geschichte spielt im Jahr 1937, der linientreue Roman Markin, in erster Linie Künstler, in zweiter Zensor, zählt zu seinen Aufgaben, in Ungnade gefallene Personen aus einer Flut konfiszierter Fotografien herauszuretouchieren, denn – was nicht sein darf, ist auch nicht.
Nach einem Besuch bei der Frau seines vom Regime getöteten Bruders, beginnt für Markin eine Zeit des Zweifels. Er kann seine Pflichten nicht weiter erfüllen und implantiert das Konterfei seines getöteten Bruders vorzugsweise in verherrlichende Darstellungen Stalins.
Zudem befindet sich ein Gemälde des tschetschenischen Künstler Pjotr Sacharow mit dem Titel „Leere Wiese am Nachmittag“ in seinem Besitz. Bei der Verhaftung Markins wird dieses Bild beschlagnahmt und taucht in allen weiteren Kapiteln des Buches wieder auf.
Hiermit schlägt Marra einen genialen Bogen von Kirowsk, über Grosny nach St. Petersburg über 80 Jahre hinweg bis zu den korrupten Oligarchen der heutigen Putin-Regierung. Der 1984 geborene Autor Marra entwickelt so ein vielschichtiges Bild der osteuropäischen Zusammenhänge. Die Brüder Kolja und Alexei, Galina, die Enkelin der Gulag Ballerina, Vera und Lydia, eben noch Statisten in einer Nebenrolle, bevölkern im nächsten Kapitel als Hauptdarsteller die Szenerie. Der Quecksilbersee einer verseuchten Nickelstadt, die Rebellenunterschlüpfe der Tschetschenen, trostlose Behausungen, das zerstörte Grosny, dessen tiefe Bombenkrater mit Haustüren überbrückt werden, ein von finsteren Türsteher bewachter Tanzclub sind die Schauplätze dieses klug komponierten und trotz seiner Gewalttätigkeit manchmal urkomischen Romans. Ein Buch über das große Leid, das Kriege heraufbeschwört und ein erstaunlicher Blick auf den Osten Europas. Und dabei ist es schade, daß auf dem Buchschlag „Stories“ steht, denn das hält sicherlich einige LeserInnen ab, zu diesem Buch zu greifen. Es sind genial konstrukturierte Kapitel, die alle ineinander verwoben, verflochten sind und insgesamt ein großes Gemälde bilden. So eines, wie es in allen Kapiteln auftaucht.

Leseprobe
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Morgen um 19 Uhr sind Marco Kerler, sein neues Buch, sein Laptop, sein Drucker und jede Menge Gedichte bei uns in der Buchhandlung. „Volkslyrik“ heißt sein neues Buch, woraus er lesen wird und zudem entstehen an diesem Abend neue Gedichte und können sofort nach Hause getragen werden.
Also: Vorbeikommen. Was sonst.
Der Eintritt ist frei.

Eigentlich ist das kein Gedicht

eigentlich geht es mir gut
eigentlich würde ich gerne von Luft und Liebe leben
eigentlich könnte ich reich sein
eigentlich ist meine Arbeit gar nichts wert
eigentlich bin ich nicht in sie verliebt
eigentlich hab ich nichts gegen Ausländer
eigentlich bin ich nicht daran Schuld
eigentlich möchte ich Kinder haben
eigentlich hindert mich nichts daran
eigentlich ist es an der Zeit etwas zu ändern
eigentlich sollte ich ins Bett gehen
eigentlich wollte ich immer viel reisen
eigentlich ist mir alles egal
eigentlich trinke ich nie Coca-Cola
eigentlich mag ich die Frau meines Bruders nicht
eigentlich hatte ich das gehofft
eigentlich wollte ich Tanja heiraten
eigentlich wollte sie es auch
eigentlich müssten wir tanzen gehen
eigentlich ist es schon zu spät
eigentlich müsste ich dich verfluchen
eigentlich sollte ich ja sagen
eigentlich kann ich dich gut leiden
eigentlich habe ich fast keine Zigaretten mehr
eigentlich ist sie nicht mein Typ
eigentlich sind wir verliebt
eigentlich bekomme ich immer einen hoch
eigentlich ist eigentlich das neue vielleicht
eigentlich habe ich erst morgen Zeit
eigentlich war alles selbstverständlich
eigentlich hätten wir damals miteinander schlafen sollen
eigentlich wollte ich nie Rechtsanwalt werden
eigentlich höre ich gar keinen Jazz
eigentlich dachte ich dass sie schon volljährig sei
eigentlich bin ich zu betrunken
eigentlich war diese Hochzeit für den Arsch
eigentlich geschieht es dir recht
eigentlich war alles so wie immer
eigentlich sollte ich es dir ja nicht sagen
eigentlich macht mir das nichts aus
eigentlich will ich damit nichts verdienen
eigentlich würde ich gerne auf das Konzert gehen
eigentlich habe ich ja ein Date
eigentlich ist gar kein Land
eigentlich bin ich ganz anders
eigentlich ändert das nichts
eigentlich steht dir dein neuer Pullover
eigentlich war das ja ganz anders geplant
eigentlich ist das meine Freundin
eigentlich habe ich einen Führerschein
eigentlich sind wir wahnsinnig
eigentlich hatte ich Pech
eigentlich war es nur eine Romanze
eigentlich bin ich ein Arschloch
eigentlich wollte ich nie Kinder haben
eigentlich stehe ich ja auf Männer
eigentlich fahre ich gar kein Auto
eigentlich war das keine richtige Vergewaltigung
eigentlich bin ich gar kein Chinese
eigentlich sollte ich nicht so einen Mist schreiben
eigentlich waren wir mal ein Paar
eigentlich bist du im Recht
eigentlich hatte ich da gerade Lust zu
eigentlich ist das scheiße
eigentlich müsste ich mal pinkeln
eigentlich trinke ich morgens immer Kaffee
eigentlich haben wir erst ab 9 Uhr geöffnet
eigentlich bin ich noch Jungfrau
eigentlich macht mich das verrückt
eigentlich kann das gar nicht sein
eigentlich gehöre ich nicht zu denen
eigentlich schade
eigentlich bin ich da nicht der Typ für
eigentlich schon von Bedeutung
eigentlich wollte ich dir nur einen Bären aufbinden
eigentlich sind das alles nur Floskeln
eigentlich kann das nichts schaden
aber warum
eigentlich

Mittwoch, 12.Oktober

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Heute hat
Eugenio Montale * 1896 (Nobelpreis 1975)
Geburtstag.
Aber auch Luciano Pavarotti und der Architekt Richard Meier.
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Eugenio Montale
Nel fumo

Quante volte t’ho atteso alla stazione
nel freddo, nella nebbia. Passeggiavo
tossicchiando, comprando giornali innominabili,
fumando Giuba poi soppresse dal ministro
dei tabacchi, il balordo!
Forse un treno sbagliato, un doppione oppure una
sottrazione. Scrutavo le carriole
dei facchini se mai ci fosse dentro
il tuo bagaglio, e tu dietro, in ritardo.
poi apparivi, ultima. È un ricordo
tra tanti altri. Nel sogno mi perseguita.
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Claudia Wiltschek empfiehlt:

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Claudia Pineiro:Ein wenig Glück
Aus dem Spanischen von Stefanie Gerhold
Unionsverlag € 22.00

Ein Bahnübergang, eine heruntergelassene Schranke, ein blinkendes rotes Licht und kein Zug. Mary Lohan hat ihren sechsjährigen Sohn, Frederico, und Juan, seinen Schulfreund, im Auto. Sie wollen ins Kino. Ihr Auto ist das dritte in der Warteschlange. Das erste Auto umfährt die Schranke und überquert die Gleise, das zweite ebenso. Die Kinder singen vergnügt … … Die Schranke ist schon lange ein Ärgernis, ob ein Zug kommt ist ungewiss.
So beginnt der Roman und ich wusste nicht, ob ich ihn überhaupt lesen kann oder will, da doch etwas grausam Schreckliches vorhersehbar ist. Aber ich konnte und wollte es und war fasziniert und gefesselt von dieser so einfühlsamen Geschichte einer Frau, die sich weder in ihrer Rolle als Mutter oder Ehefrau geborgen gefühlt hatte und nun mit einem schrecklichen Unfall konfrontiert wird. Mary Lohan kommt nun 20 Jahre später wieder an den Ort zurück, in eine Vergangenheit, aus der sie geflohen ist. Sie hat inzwischen einen anderen Namen angenommen, farbige Kontaktlinsen und eine andere Haarfarbe , in der Hoffnung dadurch auch eine andere Person zu sein.
Mehr sollte nicht erzählt werden, denn der Roman zieht uns Stück für Stück in ein Schicksal, das wir auch nur Stück für Stück verstehen und lesen wollen. Selten hat mich mal wieder ein Buch so beeindruckt spannend bis zur letzten Seite, die uns mit Wucht emotional ganz schön nah ans Wasser bringt.

Claudia Piñeiro gehört zu den erfolgreichsten Autoren Argentiniens. Ihre Bücher sind regelmäßig auf den Bestsellerlisten zu finden und werden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Geboren 1960 in Burzaco, Buenos Aires, studierte sie Wirtschaftswissenschaften. Während zehn Jahren arbeitete sie als Rechnungsprüferin, was sie, wie sie sagt, lehrte, hinter die Fassaden zu blicken. Danach wandte sie sich dem Schreiben zu. Sie arbeitete als Journalistin, schrieb Theaterstücke, Kinder- und Jugendbücher und führte Regie fürs Fernsehen.
2003 erschien Piñeiros erster Roman „Ganz die Deine“. Ihre Romane sind meist Kriminalromane, aber gehen über das Genre hinaus. Sie hält der Gesellschaft den Spiegel vor und hinterfragt, deckt Abgründe in vermeintlichen Idyllen auf, immer schonungslos, immer humorvoll. Ihre Romane wurden verfilmt und oft ausgezeichnet, unter anderem 2005 mit dem Premio Clarín für „Die Donnerstagswitwen“ und 2010 mit dem LiBeraturpreis für „Elena weiß Bescheid“.
Claudia Piñeiro ist Mutter von drei Kindern und lebt in Buenos Aires.
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Marco Kerler liest am kommenden Freitag ab 19 Uhr bei uns in der Buchhandlung aus seinem neuen Buch „Volkslyrik

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