Samstag

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Heute haben
Lawrence von Arabien * 1888
Charles Bukowski * 1920
Reiner Kunze * 1933
Petra Oelker * 1947
Geburtstag.
Und halt auch Madonna, die mir immer ein knappes halbes Jahr voraus ist.
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Aber jetzt zu ganz anderer Musik:

Jarrett

Keith Jarrett / Charlie Haden: „Last Dance“
ECM CD € 19,99

Keith Jarrett:
„Wenn wir zusammenspielen, dann ist es, wie wenn zwei Menschen miteinander singen“

Charlie Haden:
„Keith hört wirklich hin, und ich höre auch hin. Das ist das Geheimnis. Es geht um das Hören.“

In schöner Regelmäßigkeit erscheinen neue CDs von Keith Jarrett. Wobei neu vielleicht nicht ganz der richtige Ausruck ist. Da tauchen dann schon mal uralte Platten in Neuauflage auf, damit die Freunde des Klavierspielers beruhigt werden können. Mit Charlie Haden, der vor ein paar Monaten verstorben ist (vielleicht auch deshalb diese Veröffentlichung) hat er vor etlichen Jahren das Duo-Album „Jasmine“ aufgenommen. Ruhig, gelassen, ohne schnickschnack und ohne Jarretts Gestöhne an den Tasten, spielten die beiden uralten Partner eigene Kompositionen und natürlich Standards ein. Sie haben nicht viel an der Musik verändert, aber den Stücken ihre eigen Note aufgedrückt. Charlie Haden war ein Bassist, der sehr reduziert und ohne Effekte gespielt hat und das tat dem Tastenvirtuosen sicherlich gut. „Ich habe mein Spiel in meinem Studio hier zu Hause regelrecht entgiftet“, sagte Jarrett, nachdem sie 2007 in seinem Studio diese CD aufgenommen haben. „Ich ließ überflüssige Noten weg und konzentrierte mich aufs Wesentliche.“
Die Einspielungen von „Last Dance“ besteht aus Standards und Liebesliedern. Diesmal interpretieren Jarrett und Haden u.a. Thelonious Monks „Round Midnight“, Kurt Weills „My Ship“, Bud Powells „Dance Of The Infidels“ und Cole Porters „Ev’ry Time We Say Goodbye“, und lassen uns beim Zuhören zurücklehnen und genießen.
Eine CD, die nicht mit Fingerfertigkeiten an den Instrumenten glänzen will, sondern in der Harmonie zwischen den beiden Musikern eine sehr besondere Stimmung erzeugt.
Und halt auch eine Ehrung des großen Bassisten, der nach langer Krankheit nicht mehr am Bass steht. Zumindest nicht auf diesen irdischen Bühnen.


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Gestern haben wir Steine geschleppt und vier unserer Fenster mit der Installation des Ulmer Künstlers Thomas Witzke gefüllt. 365 Steine hat Thomas Witzke vor Jahren gesammelt, jeden Stein aufgebrochen und die Bruchstellen mit Blattgold ausgelegt. 365 Steine, für jeden Tag der „Jahrestage“ einen. Einen Teil dieser Steine liegen nun bei uns in der Buchhandlung aus. Ich denke, dass sie hauptsächlich nachts mit der Deckenbeleuchtung strahlen werden, wie wenn sie von innen beleuchtet sind.
Vielen Dank an Thomas Witzke, der uns auch noch drei Porträt von Uwe Johnson zur Verfügung gestellt hat, die schon vor vielen vielen Jahren entstanden sind.

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Marathonlesung aus den „Jahrestagen“ von Uwe Johnson am Donnerstag, den 21.8. ab 19 Uhr bei uns in der Buchhandlung. An diesem 21.8. beginnen die „Jahrestage“ und enden ein Jahr später am 20.8.

Freitag

Heute haben
Matthias Claudius * 1740
Walter Scott * 1771
Garry Disher * 1949
Stieg Larsson * 1954
Roger Willemsen * 1955
Ines Pedrosa * 1962
Geburtstag
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Matthias Ckaudius
Die Henne

Es war mal eine Henne fein,
Die legte fleißig Eier;
Und pflegte denn ganz ungemein Wenn sie ein Ei gelegt zu schrein,
Als wär im Hause Feuer.
Ein alter Truthahn in dem Stall,
Der Fait vom Denken machte,
Ward bös darob, und Knall und Fall Trat er zur Henn und sagte:
„Das Schrein, Frau Nachbarin, war eben nicht vonnöten;
Und weil es doch zum Ei nichts tut,
So legt das Ei, und damit gut!
Hört, seid darum gebeten!
Ihr wisset nicht, wie’s durch den Kopf mir geht.“
„Hm!“ sprach die Nachbarin, und tät
Mit einem Fuß vortreten,
„Ihr wißt wohl schön, was heuer
Die Mode mit sich bringt, Ihr ungezognes Vieh!
Erst leg ich meine Eier,
Denn rezensier ich sie.“


Fuchs und Bär

Kam einst ein Fuchs vom Dorfe her,
Früh in der Morgenstunde,
Und trug ein Huhn im Munde;
Und es begegnet‘ ihm ein Bär.
„Ah! guten Morgen, gnäd’ger Herr!
Ich bringe hier ein Huhn für Sie;
Ihr Gnaden promenieren ziemlich früh,
Wo geht die Reise hin?“
„Was heißest du mich gnädig, Vieh!
Wer sagt dir, daß ich’s bin?“
„Sah Dero Zahn, wenn ich es sagen darf,
Und Dero Zahn ist lang und scharf.“
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Kindeerwagen

Rosemarie Stöffel: „Wanderungen mit Kinderwagen“
im Allgäu
J.Berg Verlag € 14,99

Ein weiteres Buch der sehr pfiffigen Reihe, aus der wir schon einmal ein Buch vorgestellt hatten. Ich glaube es war das mit den Touren für Langschläfer in den Allgäuer Alpen.
Es gibt noch: „Das große Familienwanderbuch Allgäu“, „Hits für Kids im Allgäu“, „Mit Kindern ins Allgäu“, „Die schönsten Wanderungen mit Kindern im Allgäu“, „Tagesausflüge im Allgäu“ und viele andere Wander- und Radlführer. Eigentlich gibt es diese Wanderwege schon längst und sind in diversen Führer veröffentlicht, aber sie so nach diesen Themen zusammenzufassen, ist schon ein kluger Gedanke. Wandern ist in. Lange Strecken über Wochen, aber auch die kurzen Ausflüge am Sonntag für ein paar wenige Stunden. Nun haben wir hier um Ulm den Vorteil, dass wir sehr schnell im Allgäu sind und die Touren sehr kurzfristig anpacken können. Etwas Gutes muss es ja geben, in Ulm zu wohnen.
Rosemarie Stöffel, geboren in Memmingen, war schon von Kindesbeinen an mit ihren Eltern in den Bergen unterwegs. Ob auf Skiern, zu Fuß, mit dem Mountainbike oder im Fels – die gelernte Grundschullehrerin hält sich bis heute sehr gerne im Gebirge auf. Seit 2009 sind sie und ihr Mann mit ihrer kleinen Tochter im Voralpenland unterwegs und sammeln auf zahlreichen Touren nützliche Erfahrungen für Ausflüge mit Kind, Kinderwagen und Laufrad. Sie hat dies alles wohl im Blut und das bekommt sie auch gut rüber. Zu Beginn gibt es einführende Worte zu Gehzeiten, Verpflegung, Ausrüstung, Transportmittel und Verghaltensregeln in den Bergen, bevor es auf knapp 100 Seiten zu den 38 besprochene Touren geht. Tourcharakter, Ausgangspunkt, Anfahrt, Gehzeit, Höhenmeter, Laufradtauglichkeit, Orte zum Einkehren, allgemeine Informationen, wie Tourismusbüros werden zu Beginn jeder Tour beschrieben, so dass wir auf einen Blick einschätzen können, ob es etwas für die Kleinen ist. Eine kleine Karte und weitere Tipps in der Nähe runden das Bild ab, bevor es zur leicht verständlichen Tourbeschreibung kommt. So erwähnt die Autorin den gemütlichen Spaziergang am Großen Alpsee entlang, den kurzen Aufstieg zum Ziel, den schönen Rundblick auf der Terrasse der Alpe Schönesgreut und natürlich die großartigen Kuchenstücke, die es dort gibt. Auch wenn es Tiere zum Streicheln gibt, Bademöglichkeiten, oder sonst etwas Besonderes für Kinderwagenkinder, findet es Erwähnung in diesem Tourenbuch.
Von Kempten im Norden bis Obersdorf im Süden, von Oberstaufen bis Füssen im Osten reichen so ungefähr die Wanderungen und decken ein sehr schönes Teil des Allgäus ab, die auch sehr gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen sind.

Googlemapskarte
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Foto

Es werden immer mehr, die mitlesen wollen beim Jahrestage-Marathon. So können wir vielleicht die 3:30 Stunden nicht halten und lesen halt so lange, bis wir vom Hocker kippen. Ich freue mich riesig und bin wirklich sehr gespannt, wie wir diese Marathonpremiere über die Bühne bekommen.
Donnerstag, 21.8. ab 19 Uhr.
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Mittwoch

Heute haben
Nikolaus Lenau * 1802
Mikael Niemi * 1959
Amélie Nothomb * 1966
Geburtstag.
Aber auch
Karl Liebknecht * 1871
Alfred Hitchcock * 1899
und Fidel Castro * 1926
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Nikolaus Lenau
Der nächtliche Gang

Tieft Nacht; — der stille Vollmond
Hebt sich jenseits von den Auen,
Und die Wellen der Durann
Sind ein Silberstrom zu schauen.

Flüchtig eilen sie vorüber
An den mondbeglänzten Nissen,
Und von rätselhafter Wehmut
Fühlt der Wandrer sich ergriffen;

Denn er hört im ruhelosen,
Immergleichen Wellenschlage
Ewig an die Sterne tönen
Seines Herzens bange Frage:

Ein Verrauschen, ein Verschwinden
Alles Leben! — doch von wannen? —
Doch wohin? — die Sterne schweigen,
Und die Welle rauscht von dannen.

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Wie es der Zufall mal wieder so will.
Ich wollte das untenstehende Buch eigentlich schon vor ein paar Tagen vorstellen, habe es aber auf heute verschoben. Oscar Niemeyer erwähnt darin seine Freundschaft mit Fidel Castro und genau der hat heute Geburtstag.

Niemeyer

Oscar Niemeyer: „Wir müssen die Welt verändern“
Kunstmann Verlag  € 12,95

„Die Architektur ist nur ein Vorwand. Wichtig ist das Leben, wichtig ist der Mensch, dieses merkwürdige Wesen mit Seele und Gefühl, das nach Gerechtigkeit und Schönheit hungert.“
Im Alter von 104 Jahren ist der wohl berühmteste Architekt unserer Zeit im Dezember 2012 gestorben. Oscar Niemeyer spricht in diesem schmalen Bändchen über Freundschaften, die er sehr intensiv pflegte. So zum Beispiel mit dem Autoren Jorge Amada, aber auch mit Fidel Castro und Jean-Paul Sartre. Er spricht somit auch über Politik und Kunst und warum gerade Architektur auch dabei eine wichtige Rolle spielt.
„Jeder muss seinen Teil beitragen, Neues wagen, Ideen in die Welt setzen.“
Er spricht über die ungerechte Verteilung von Geld und Ressourcen. Von falschen Ansätzen in der Politik und möchte dies mit seiner Art der Architektur etwas geradebiegen.

Foto 1

Daraus ist aber keine Anklage gegen die reichen Staaten der Welt geworden, sondern ein Buch voller Hoffnung, Lebensmut und Leidenschaft.
Oscar Niemeyer ist wahrscheinlich der einzige Architekt, der eine ganze Hauptstadt konzipiert und gebaut hat. Er hat sich genauso an Kirchenbauten, wie auch an Museen herangetraut. Für ihn steht immer der Mensch im Mittelpunkt und diese Einstellung durchzieht das ganze Büchlein.

Foto 2

Alberto Riva, der Herausgeber des Bandes, hat noch ein ausführliches und erläuterndes  Nachwort hinzugefügt und überschreibt seinen Text mit dem Titel: Der Junge, der in die Luft zeichnete.“ Denn genau das tat Niemeyer als Kind, als er kein Papier und keine Stifte hatte. Dieses leichte Zeichnen ohne Raster und Vorgaben finden wir auch wieder in seinen Skizzen und Entwürfen, von denen einige hier abgebildet sind.

Leseprobe
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Foto 3

Die „Jahrestage“ rücken näher.
Am Donnerstag in einer Woche starten wir um 19 Uhr unsere Marathonlesung.
Das heisst, dass eine stattliche Anzahl von VorleserInnen jeweils einige Seiten von Beginn des Romanes von Uwe Johnson lesen werden. Gedacht ist an eine Endzeit von 3:30 Stunden, sprich ca. 22:30. Ob wir das halten können, oder doch noch etwas länger lesen, …. wer weiss. Lassen Sie sich überraschen, hören Sie zu beim ersten Ulmer Marathon des Jahres 2014, bevor der Laufmarathon einen Monat später über die Straßen geht.
Ort: Kulturbuchhandlung Jastram.
Keine Startgebühr.
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