Das 8.Türchen vom Besten das Beste

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Heute haben
Horaz * 65-8 v.Ch.
Bjornstjerne Bjornson * 1832 (Nobelpreis 1903)
Geburtstag

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Ende Februar 2015 war Dr.Horst Lauinger bei uns im Laden und stellte den Manesse Verlag vor, den er seit 15 Jahren leitet.
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Gleich zu Beginn stellte er klar, dass dies keine Verkaufsveranstaltung für Heizdecken sei, dass das Leben ohne ein (Manesse)-Buch jedoch sinnlos sei. So, oder so ähnlich. Bei meiner Begrüßung erzählte ich kurz, wie ich ihn getroffen hatte. Vor eineinhalb Jahren stand ein größerer Herr am Klassikerregal und als ich fragte, ob er Hilfe bauche, meinte er, dass wir hier ordentlich viel Manesse-Bücher haben. Ich brummelte etwas von naja und ich weiss nicht. Doch, doch, hier und hier und hier stehen sie doch. Und er stellte sich mir als der Verlagsleiter des Verlages vor, der gerade auf dem Weg nach Biberach sei. Dort wurde Eike Schönfeldt der Wieland-Preis für seine Übersetzung von “Winesburg, Ohio” überreicht, das im Manesse Verlag erschienen ist.
Darauf meinte gestern abend Herr Lauinger, dass der zum einen feststellen will, dass er bei mir tatsächlich noch ein Kinderbuch gekauft habe und bei den anderen Ulmer Buchhandlungen keines seiner Bücher gefunden hatte und sich auch nicht geoutet hätte. So war dies also auch geklärt und er konnte beginnen. Er überreichte mir eine kleine Stofftasche und ein Parfumtuch – beides Werbeartikel aus längst vergangenen Tagen, die er in irgendwelchen Verlagsschubladen gefunden hat. So versprach ich, das feine Tüchlein am nächsten Samstag als Einstecktuch im Jackett zutragen.

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Gegründet wurde der Verlag und seine Reihe: “Bibliothek der Weltliteratur” im Jahre 1944 (!) in der Schweiz. Die Idee stand schon 1942 fest. Die Vorstellung, zu dieser Zeit, als noch niemand wusste, wie es in Europa weitergeht, einen Verlag mit den besten literarischen Werken aus der ganzen Welt auf die Beine zu stellen, klingt  verwunderlich und zeigt schon die Richtung, an der der Verlag immer noch festhält. Nicht nur an die Autoren des eigenen Landes zu denken und deren Klassiker auf hohe Sockel zustellen, war die Idee, sondern uns Leser auf eine Reise um die Welt mitzunehmen. Die Rechung ging auf, wenn auch langsam, und in den 50er und 60er Jahren hatte der Verlag die höchsten Auflagen, da das Bildungsbürgertum ausgehungert war, die Bibliothek zerstört, das Fernsehen noch nicht das Ablenkungsmedium Nummer eins war. Das Format war eine Kopie einer Klassikerreihe des englischen Oxford Verlages und die hochwertige Qualität sollte mit der Weltliteratur im Inhalt korrespondieren. Endlich gab es Bücher aus Japan, aus dem vorderen Orient, aber auch Entdeckungen aus den USA und Europa. Ein einziges Mal gelang es dem Verlag mit einem Buch auf Platz eins der Spiegel Bestsellerliste zukommen. Es war das Buch mit Robert Redford, erzählte Horst Lauinger lachend und meinte natürlich Tanja Blixens Roman: “Jenseits von Afrika”, dessen Verfilmung gerade mit Reford in der Hauptrolle im Kino lief.
Horst Lauinger berichtete über die Wertigkeit seiner Bücher, über die Art der Herstellung, warum es keine Lederausgaben mehr gibt, wie sich das Leseverhalten geändert hat und wie Manesse versucht, darauf zu reagieren, um weiterhin Klassiker produzieren zu können. Ein Punkt ist, dass das kleine Format sich aufgelöst hat und dass es seit einigen Jahren auch Romane im “normalen” Format und in Übergrößen gibt. Zum Beispiel das Buch “Wildfrüchte” von Henry David Thoreau, das in rotem Leinen und Schuber aufgelegt wurde. Der Text wurde neuübersetzt und zeigt Thoreaus Tagebuch während seiner Zeit im Wald. Ihn hat damal schon genervt, warum seine Mitbürger asiatische Pflanzen im Garten haben, wo doch die einheimische Natur so reichhaltig ist. Manesse fand eine Illustratorin, die gleichzeitig auch noch Botaniker ist und so auch wusste wie und was sie zeichnen sollte. Ein Glückstreffer für den Verlag und für uns Leser. Der dicke Schuber mit den zwei Bänden mit den “Geschichten des Prinzen Genji” hat auch eine schöne Anektode auf dem Buckel. Längst war es im Verlag vergriffen und eine neue Auflage lohnte sich nicht. Da fand sich ein Schweizer Ehepaar, die sich dieses Buch täglich und in Endlosschlaufe gegenseitig vorlas. Die wollten das Werk wieder lieferbar wissen und traten als Sponsoren auf den Plan. Bedingungen: Keine Neuübersetzung, keine Fehlerkorrektur und im kleinen Manesse-Format. Auf die ersten beiden Punkten ging der Verlag ein, das Format wurde tatsächlich auch wegen einer besseren Lesbarkeit verändert. Und wie! Die Bände schimmern in einem Stoff, dass an einen Kimono erinnert, stecken in einem herrlichen Schuber und präsentieren diesen ersten Roman der Weltliteratur, der von einer Frau geschrieben worden ist.

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Horst Lauinger erzählte von Henry James und dass der Farbschnitt von Hand aufgetragen wird,  von Ernest Hemingway, von Problemen der Übersetzungen und las dann auch Teile aus Briefen vor, die den Verlag diesbezüglich erreichten. Der Verlag hatte schon lange eine Übersetzungen der “Elenden” im Programm, und entdeckte, dass daran etwas nicht stimmen könne und dass große Teile des Originales fehlen würden. Der Übersetzer rechtfertigte sich in einem Brief, warum er Passagen ausgelassen habe. Die Franzosen kennen wohl alle dieses dicke Werk, aber die Wenigsten haben es wohl zur Gänze gelesen. Viele Passagen seine für deutsche Leser nicht wichtig und belanglos. Aber gleichzeitig sei seine Übersetzung angemessen und modern. Und so ging es weiter und wir Zuhörer hatten ordentlich zu schmunzeln. Auch eine Kritik von Dennis Scheck an einer Jane Austen-Übersetzung (war es das, ich hab’s vergessen), trug Herr Lauinger vor und es war zum Brüllen komisch, wie Scheck seinen Text immer wieder mit Original-Zitaten aus dem Buch schmückte. Herrlich. Sie sehen, meinte der Verlagsleiter, auch solche Dinge passieren.
Dies als kleine Zusammenfassung eines schönen Abends. Sicherlich habe ich viele wichtigen Dinge vergessen. Über allem stand jedoch, wie wichtig Bücher für uns Menschen sind. Wie wichtig es ist, dass wir das Lesen nicht verlernen  und dass es eine große, schwierige Aufgabe in den Schulen ist, den Schülern die Angst vor den Werken der großen Toten zu nehmen.
Vielen Dank, Herr Lauinger für den schönen Abend, und dass Sie trotz Nockerberg und Champions League zu uns gekommen sind. Sie werden bei uns auch weiterhin Manesse-Bücher im Regal finden.
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Dienstag

Münster am Morgen
Münster am Morgen

Heute haben
Friedrich von Schlegel * 1772
Joseph von Eichendorff * 1788
Jakob Wassermann * 1873
Boris Vian * 1920
Ake Edwardson * 1953
Geburtstag
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Joseph von Eichendorff
Frühlingsnacht

Über’n Garten durch die Lüfte
Hört’ ich Wandervögel zieh’n,
Was bedeutet Frühlingsdüfte,
Unten fängt’s schon an zu blüh’n.

Jauchzen möcht’ ich, möchte weinen,
Ist mir’s doch, als könnt’s nicht sein!
Alte Wunder wieder scheinen
Mit dem Mondesglanz herein.

Und der Mond, die Sterne sagen’s
Und in Träumen rauscht’s der Hain
Und die Nachtigallen schlagen’s:
Sie ist deine, sie ist dein!
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Heute lasse ich schreiben.
Kyra, die vor einiger Zeit als Praktikantin bei uns in der Buchhandlung arbeitete, hatte sich damals als Fitzek-Fan geoutet. Nun war der Thriller-Autor vor ein paar Wochen im Ulmer Stadthaus und wir liessen für Kyra ein Exemplar seines neuen Buches „Passagier 23“ für sie signieren. Jetzt kam die Antwort der jungen Studentin, die gleich mal eine Besprechung des Buches beinhaltete. Danke!!!

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Sebastian Fitzek: „Passagier 23“
Droemer Verlag € 19,99
auch als eBook und Hörbuch erhältlich

Ein Kreuzfahrtschiff als Schauplatz eines Psychothrillers: Der Berliner Erfolgsautor Sebastian Fitzek verlässt seine gewohnte Umgebung. Er nimmt seine Leser mit auf das Schiff, auf dem der verdeckte Ermittler Martin Schwartz vor fünf Jahren seine Frau und seinen Sohn verlor. Verarbeiten konnte er es nie. Mit dem Schiff und der Crew wollte er nichts mehr zu tun haben. Doch dann findet eine Passagierin den Teddy seines Sohnes. Martin Schwartz erfährt von Anouk: Ein Mädchen, das ebenfalls auf mysteriöse Art und Weise an Bord verschwand und plötzlich wieder aufgetaucht.
Wie gewohnt spannend ist Fitzeks „Passagier 23“, der sich an die Zahl der Passagiere anlehnt, die jedes Jahr aus ungeklärter Ursache von Kreuzfahrtschiffen verschwinden. Die häufigen Cliffhanger am Ende der Kapitel regen zum Weiterlesen an, sodass das Buch kaum zur Seite gelegt werden kann.
Fitzek springt mit den Kapiteln in die Situationen der verschiedenen Protagonisten – so weiß der Leser oft schon mehr als der verdeckte Ermittler Martin Schwartz. Dazu kommen immer mehr Hinweise zum Täter, die die Spannung nicht abreißen lassen. Nach vielen Wendungen löst sich schließlich alles auf.
Fazit: Ein guter Thriller, bei dem man sich in die einzelnen Figuren hineinversetzen kann und bis zum Schluss mitfiebert. Aus Recherchezwecken begab sich der Autor übrigens selbst aufn Schiff und nahm an einer Führung teil; jedoch ohne, dass die Verantwortlichen wussten, wovon sein Buch am Ende handeln würde.

Leseprobe

Was es nicht alles gibt.
Sebastian Fitzek trinkt gerne Cola. Cola light. Und das exzessiv, wie er sagt. So führt Coca-Cola mit ihm ein Interview über sein Schreiben, seinen oben genannten Thriller und Fitzek gibt am Ende noch Tipps für junge Leser.
Also auf geht’s zum Cola-Interview.

Münster am Abend
Münster am Abend

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Letzten Samstag habe ich mein Versprechen eingelöst und das Damentaschentuch als Einstecktuch getragen, das mir Horst Lauinger am Manesse-Abend überreicht hat.  (Leicht sichtbar noch die samstägliche Fliege)

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Mittwoch

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Heute haben
Carlo Goldoni * 1707
Karl May * 1842
Anthony Burgess * 1917
Erica Pedretti * 1930
Amin Maalouf * 1949
Franz Xaver Kroetz * 1946
Geburtstag

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„Für das, was in einem einzigen Menschen Platz hat, ist die Aussenwelt zu klein, zu eindeutig, zu wahrhaftig.“
Franz Kafka in einem Brief an Felice Bauer
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Franziska Gehm und Horst Klein (Ill.): „Was macht der Mann denn da?“
Klett Kinderbuch Verlag € 12,95
ab vier Jahren

Etwas durchgedreht ist das Bilderbuch schon. Aber kennen wir nicht die englischen Gundschulverse, die wirklich auch nicht politisch korrekt sind. Hier also ein (tatsächliches) Mutter-Kind-Gespräch, in dem alltägliche Situationen ganz anders erklärt werden. Und es stellt sich wirklich die Frage: Ist es vielleicht nicht tatsächlich so? Ich meine, wer von uns versteht schon, wenn wir auf unseren Smartphones herumwischeln und mit Siri und Frau Google reden, wie das funktionieren kann? Siehe Kafka. Und machen wir uns nicht (heimlich) über bestimmte Verhaltensweisen von Mitmenschen auf der Straße lustig? Sind nicht die Walker die Mantafahrer der Marathonläufer?
Hier bekommen Sie endlich erklärt, was die Menschen in ihren Handflächen suchen und finden und warum sie darauf herumwischeln. (Sehr schön nachzulesen in der Leseprobe). Oder warum die Person mit hochrotem Kopf und Skistöcken durch die Stadt hetzt. Und wenn der Mann an den leuchtenden Laternenmast pinkelt, dann dient es dazu, dass die gelbe Farbe in die Lampe kommt. Der Raucher kann vielleicht auch gleich Feuer spucken. Achtung. Und weil die Chefin der Mama auch immer wieder Feuer spuckt, wird sie von der Mama auch Drachen genannt, sagt ihr kleiner Sohn. Dem tätowierten Mann gehen immer die Malpapiere aus und so schreiben seine vielen Kinder auf seiner Haut weiter. Und der Kleine meint, dass die vielen Ringe in seinem Gesicht sicherlich von seinen vielen Frauen sind. Und so weiter und so weiter.
Dazu die wirklich frechen, ausdrucksstarken Holzschablonendrucke von Horst Klein, die dieses Buch zu einem besonderen Bilderbuch machen.
Wie gesagt: überdreht, frech. Aber warum kein Spiel daraus machen und sich die Umwelt mal ganz anders erklären. So vieles ist einfach da, alle wissen wofür sie nützlich sind. Aber stimmt das wirklich? Ich meine, ich sitze hier vor einer kleinen Maschine mit Bildschirm und hämmere auf Tasten und gleichzeitig nimmt mich die eingebaute Kamera auf und Obama hat seine Freude mit mir. Alles nicht ganz so eindeutig.
Also los gehts. Nehmen Sie ihre Kleinen und schauen sich die Nachbarschaft mit anderen Augen an. Sie finden sicherlich einen Sack voller Erklärungen. Einfach neugierig bleiben.

Leseprobe
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Sind Sie neugierig, was sich im Manesse Verlag alles tummelt und tut?
Dann schauen Sie heute abend ab 19 Uhr bei uns in die Buchhandlung.
Der Verlagsleiter Horst Lauinger stellt uns den Verlag mit den vielen Klassikern vor.
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