Der Kuss der Diebin

IMG_7704

Im Ulmer Aquarium

Heute haben
Christopher Marlowe * 1564
Alfred Mombert * 1872
Irmgard Keun * 1905
und Emilia
Geburtstag
_________________________

Alfred Lichtenstein
Winter

Von einer Brücke schreit vergrämt ein Hund.
Zum Himmel… der wie alter grauer Stein
Auf fernen Häusern steht. Und wie ein Tau
Aus Teer liegt auf dem Schnee ein toter Fluß.
Drei Bäume, schwarzgefrorne Flammen, drohn
Am Ende aller Erde. Stechen scharf,
Mit spitzen Messern in die harte Luft,
In der ein Vogelfetzen einsam hängt.

Ein paar Laternen waten zu der Stadt,
Erloschne Leichenkerzen. Und ein Fleck
Aus Menschen schrumpft zusammen und ist bald
Ertrunken in dem schmählich weißen Sumpf.
_______________________

Vanesse Güntzel empfiehlt:

1789

Sara Wolf: „Heartless 1 – Der Kuss der Diebin“
Ravensburger Verlag € 18,99
Fantasy Jugendbuch ab 12 Jahren

Zera ist eine Herzenlose. Das bedeutet, um Sie zu retten, musste eine Hexe
ihr Herz entnehmen und sie verzaubern. Zera ist nun an diese Hexe gebunden und schuldet ihr Gehorsam. Es geht ihr gut, sie lebt, hat keine Schmerzen und hat eine gutmütige Retterin, die sich wirklich um ihr Wohlergehen sorgt.
Als ein Krieg zwischen den Hexen und den Menschen ansteht, wird Zera ausgesandt, dem Kronprinzen das Herz zu stehlen und somit Frieden zu erzwingen. Leider hat sie jedoch nicht mit jemandem wie Lucien gerechnet.
Nun steht Sie zwischen dem Blutrausch, der sie zwingt ihre Aufgabe zu erfüllen und ihren Gefühlen. Ein innerer Kampf, der über Leben und Tod entscheiden wird.
Sehr spannend. Ich konnte es kaum aus der Hand legen. Tolle, komplexe,
sympatische Charaktere und ein unglaublicher Auftakt einer Reihe.

Dienstag, 6.Februar

Heute haben
Christopher Marlowe * 1564
Alfred Mombert * 1872
Irmgard Keun * 1905
und Mimi
Geburtstag
_________________________

Heute im Gedichtekalender:

Alfred Lichtenstein
Winter

Von einer Brücke schreit vergrämt ein Hund.
Zum Himmel… der wie alter grauer Stein
Auf fernen Häusern steht. Und wie ein Tau
Aus Teer liegt auf dem Schnee ein toter Fluß.
Drei Bäume, schwarzgefrorne Flammen, drohn
Am Ende aller Erde. Stechen scharf,
Mit spitzen Messern in die harte Luft,
In der ein Vogelfetzen einsam hängt.

Ein paar Laternen waten zu der Stadt,
Erloschne Leichenkerzen. Und ein Fleck
Aus Menschen schrumpft zusammen und ist bald
Ertrunken in dem schmählich weißen Sumpf.
_________________________

Februar
Herusgegeben von Christine Schmidjell und Evelyne Polt-Heinzl
Reclam Verlag € 5,00

Wieder sind es fast 70 Gedichte, die hier in das Februar-Heftchen aufgenommen worden sind und wieder ist kein Goethe dabei. Die beiden Damen halten an ihrem Prinzip fest. Gut so! Goethe findet sich in vielen anderen Anthologien und zu allen Gelegenheiten. So kommen wir auch mal ohne ihn aus.

Ringelnatz dichtet sich schon in den Karneval:

Es braust ein Ruf wie Donnerhall,
Berta, wir gehn zum Faschingsball,
Zu Karnevallerie Krawall,
Pot-Pickles, Mixed-Pourri und Drall.
Denn mancherlei im Leben
vielerlei!
Das man nicht sagt, läßt tanzen sich und gröhlen
Und köstlich ist ein unverbindlich Küssen.

In der Anthologie hat es auch Überschriften wie “Das wilde Treiben”, “Ballgeflüster”, “Frühlingserwartung” und “Vorfrühling”. Wir bleiben jedoch noch bei den Rubriken “Immer noch Winter” und “Stille Februartage”. Wer weiß, was noch alles vom Himmel fällt.

Christian Friedrich Hebbel
Winter-Landschaft

Unendlich dehnt sie sich, die weiße Fläche,
bis auf den letzten Hauch von Leben leer;
die muntern Pulse stocken längst, die Bäche,
es regt sich selbst der kalte Wind nicht mehr.

Der Rabe dort, im Berg von Schnee und Eise,
erstarrt und hungrig, gräbt sich tief hinab,
und gräbt er nicht heraus den Bissen Speise,
so gräbt er, glaub’ ich, sich hinein ins Grab.

Die Sonne, einmal noch durch Wolken blitzend,
wirft einen letzten Blick auf’s öde Land,
doch, gähnend auf dem Thron des Lebens sitzend,
trotzt ihr der Tod im weißen Festgewand.

Joseph von Eichendorff
Winternacht

Verschneit liegt rings die ganze Welt,
Ich hab nichts, was mich freuet,
Verlassen steht der Baum im Feld,
Hat längst sein Laub verstreuet.

Der Wind nur geht bei stiller Nacht
Und rüttelt an dem Baume,
Da rührt er seinen Wipfel sacht
Und redet wie im Traume.

Er träumt von künft’ger Frühlingszeit,
Von Grün und Quellenrauschen,
Wo er im neuen Blütenkleid
Zu Gottes Lob wird rauschen.

Richard Dehmel
Winterwärme

Mit brennenden Lippen,
unter eisblauem Himmel,
durch den glitzernden Morgen hin,
in meinem Garten,
hauch ich, kalte Sonne, dir ein Lied.

Alle Bäume scheinen zu blühen;
von den reifrauhen Zweigen
streift dein Frühwind
schimmernde Flöckchen nieder,
gleichsam Frühlingsblendwerk;
habe Dank!

An meiner Dachkante hängt
Eiszapfen neben Zapfen,
starr,
die fangen zu schmelzen an,
Tropfen auf Tropfen blitzt,
jeder dem andern unvergleichlich,
mir ins Herz.
____________________________

Heute abend liest Clemens Grote wieder aus vier Büchern.
Und vielleicht gibt es noch ne Zugabe.
Einfach mal einfordern.

Freitag

Heute haben
Alfred Lichtenstein * 1889
Arthur Adamov
und Ephraim Kishon * 1924
Geburtstag.

Alfred Lichtenstein wurde leider nicht sehr alt und starb im Ersten Weltkrieg 1914.
Hinterlassen hat er viele expressionistische Gedichte, aber auch folgendes:

Bin gerad nicht blöd

Bin gerad’ nicht blöd, bin gerad’ nicht hell
Ich bin ein lustiger Gesell
Und trinke Wasser, trinke Wein
Und lasse fünfe gerade sein.
Erst stopf ich mir mein Pfeifchen
Dann pfeif ich mir ein Lied
Vormittag’s hab’ ich Hunger
Nachmittags Appetit.

Ich wandre durch die weite Welt
Die mir ausnehmend gut gefällt
Und schlaf im Bette, schlaf im Stroh
Denn sterben tut sich’s so wie so.
Erst stopf ich mir mein Pfeifchen
Dann pfeif ich mir ein Lied
Und hab’ ich gerade nicht Hunger
Dann hab ich Appetit

Kommt geradewegs ein Dirndl her
Trägt einen Korb mit Äpfeln schwer
Ihr Fuß ist nackt, ihr Kleid ist rauh
Doch ist ihr Auge treu und blau
Erst stopf ich mir mein Pfeifchen
Dann pfeif ich mir ein Lied
Auf die Äpfel hab ich Hunger
Auf das Dirndl Appetit
_____________________

Umso mehr ich mich im Netz umgeschaut habe, destomehr musste ich schmunzeln und lachen. Daniel Handler ist wirklich nicht auf den Mund gefallen. Im Theater würde man sagen, er sei ne Rampensau. Er weiss sich zu präsentieren und der Erfolg vonEine Reihe betrüblicher Ereignisse, das er unter seinem Pseudonym Lemony Snicket geschrieben hat, gibt ihm mehr als Recht. Hier nun sein neues Buch, in dem es jede Menge Illustrationen gibt, die wirklich nicht nur als Beiwerk zu betrachten sind.
Bitte klicken Sie sich durch die Links durch. Gerade seine Interviews in Grand Central, oder das Loblied auf Bibliotheken sind sehr prima.

Handler_24313_MR1.inddHandler2

Daniel Handler:43 Gründe, warum es aus ist
Mit Illustrationen von Maira Kalman
Übersetzt aus dem Englischen von Birgitt Kollmann
Hanser Verlag € 18,90
als eBook € 14,99
Das amerikanische Original „Why We Broke Up kostet € 12,99

Daniel Handler interviewt Menschen in der New Yorker Grand Central Station, die sich auch getrennt haben.
Daniel Handler und Maira Kalman reden über ihr Buch.
Und hier singen sie sogar noch ein Loblied auf Bibliotheken.
Maira Kalman redet in der MOMA über ihre Kunst.
Hier kommen Sie auf die „Whywebrokeupproject“-Seite und können Ihre Trennung(en) in zwei Sätzen formulieren. Gleichzeitig gibt es noch viele Infos zum Buch und zu den Illustrationen.

Min, eigentlich Minerva, die römische Göttin, die … (so erklärt sie jedem Fremden ihren Namen) und Ed treffen aufeinander. Die beiden könnten nicht unterschiedlicher sein und auch der Freundeskreis ist sehr erstaunt, als sie anfangen sich zu „daten“. Min lebt praktisch in der Welt alter Filme, zitiert zu jeder Situation den passenden Film; Ed, der Co-Kapitän der Basketballmannschaft steht eher auf einfache Rockmusik und witzige Filme. Aber eigentlich gibt es ausser Basketball und Herumhängen nicht viel in seinem Leben. Ach ja: Ausser dass halt alle Mädels scharf auf ihn sind. Aber nun sind die beiden ein Paar geworden. Oder vielmehr: Sie waren ein Paar. Min packt ihm nämlich eine Kiste, in die sie 43 Gegenstände packt, die mit ihren Beziehung zutun haben/haben. Chronologisch erkärt sie uns nun was es mit deinen Sachen auf sich hat. Eine Kinoeintrittskarte, ein Spielzeugauto, ein Stück eines Posters, Ohrringe, ein Zuckerstreuer, bis hin zu einer Kondompackung. Aus Mins Sicht bekommen wir nun mit, warum die Beziehung in die Brüche ging (Why we borke up). Sehr witzig und frech (so ist Daniel Handler im wahren Leben wohl auch) erfahren wir nun die ganze, wahre Geschichte von Anfang bis zum Schluss, wobei es eh nur ein paar Wochen/Monate waren. Aber: Ist es wirklich die ganze Wahrheit? War es denn wirklich so? Das überlasse ich Ihnen als Leser und Leserin. Denn, wir lesen ja nur das, was Min erzählt und irgendwie ist sie doch auch schon sehr speziell und eigen. Vielleicht hat sie sich die eine und andere Situation auch passend zurechtgebogen. Handler meint dazu, dass sich Ed als zweiter Erzähler nicht geeignet hätte, da seine Äußerungen zu Min, ihrer Beziehung und dessen Ende wohl auf einen Bierdeckel gepasst hätte. Nicht so bei Min: es sprudelt nur so aus ihr heraus. Handler hat hier ein großes Stück Jugendliteratur erzählt. Diese wenigen Wochen der beiden Teenager sind so detailgenau nachvollziehbar und wenn wir uns etwas zurücklehnen, fallen uns sicherlich auch ganz ähnliche Situationen aus unserer Vergangenheit ein. Ach ja: Handler hat ein Blog eingerichtet, auf dem Sie in zwei Sätzen Ihre Trennungssituation aufnotieren können/sollen. Da sind sehr besondere Einträge zu finden.
Ich wünsche diesem Buch sehr viel Erfolg und noch mehr Leser und Leserinnen.