Dienstag, 25.Februar

IMG_7872

Heute haben
Carlo Goldoni * 1707
Karl May * 1842
Anthony Burgess * 1917
Erice Pedretti * 1930
George Harrison * 1943
Franz Xaver Kroetz * 1946
Geburtstag

____________________________

Theodor Storm
Februar

Im Winde wehn die Lindenzweige,
von roten Knospen übersäumt;
Die Wiegen sind’s, worin der Frühling
die schlimme Winterzeit verträumt.

O wär im Februar doch auch
wie’s andrer Orten ist es Brauch,
bei uns die Narrheit zünftig!

Denn wer, solang das Jahr sich misst,
nicht einmal herzlich närrisch ist,
wie wäre der zu andrer Frist
wohl jemals ganz vernünftig!
_______________________________

„Isabelle Arsenault ist eine Meisterin der Subtilität und eine der außergewöhnlichsten Illustratorinnen unserer Zeit.“
Maria Popova, New York Times

U1_978-3-314-10518-0_3D_sRGB-442x450

Isabelle Arsenault: „Albert will lesen“
Aus dem Englischen von Anna Schaub
NordSüd Verlag € 15,00
Bilderbuch ab 4 Jahren

Bei Albert zu Hause ist es zu laut. Er braucht Ruhe, da er ein Buch lesen will. Doch kaum beginnt er damit, will ein Freund mit ihm spielen. Dann kommt schon der Nächste und nochmal ein Nachbarskind. Zu guter letzt soll er auch noch Babysitten. Es reicht ihm, er wird laut und verjagt alle Freunde. Endlich Ruhe …… aber nach und nach tauchen die Kinder wieder  auf. Jedes mit einem Buch in der Hand. Jetzt muss sich Albert entschuldigen. Was dann folgt, kommt unerwartet und wird hier nicht verraten. Nur soviel: Sehr lustig!

10518-0_Albert_will_lesen

Die kanadische Autorin und Illustratorin Isabelle Arsenault gestaltet die Bilder zunächst mit Buntstiften, Aquarell und Tusche und bearbeitet sie danach digital. Dadurch bekommt das Buch (neben seiner tollen Geschichte) einen sehr eigenen Charme.

Freitag, 30.September

img_0771

Heute haben
Ferdinand von Saar * 1833
Truman Capote * 1924
Élie Wiesel 1928
Jurek Becker * 1937
Werner Schmidli * 1939
Cecilia Ahern * 1981
Geburtstag
__________________________

„Lesen ist eine ernste Angelegenheit, doch einsam oder gelangweilt sind Leser selten, denn Lesen ist eine Zuflucht und eine Erleuchtung, eine Erfahrung, die zuweilen offen zutage tritt. Mir kommt es immer vor, als ginge vom Gesicht eines lesenden Menschen etwas Strahlendes aus.“
Paul Theroux

Steve McCurry. „Lesen
Eine Leidenschaft ohne Grenzen
Mit einer Einführung von Paul Theroux
Prestel Verlag € 29,85
img_0815

Der Magnum Fotograf Steve McCurry hat magische Momente des Lesens, diese Versunkenheit abgelichtet. Rund um die Welt, mit den verschiedensten Menschen. Ob alt oder jung, arm oder reich. Egal, sie alle haben ein Buch, eine Zeitung in der Hand. Ob auf der Kühlerhaube, oder an einen kleinen Elefanten gelehnt – sie lesen und sind ihrer Welt entrückt. Und das macht ja das Lesen aus. Etwas Ver-rückt zu sein, etwas aus der Welt gefallen. Nicht alles besser zu wissen und zu allem einen Kommentar abzugeben. Nein, wir überlassen uns den Autoren. Ob dicker Roman, oder ein Fußballbericht. Wir lesen und verschwinden hinter den Worten, die dort stehen. Dieser Moment wird auf den Fotografien deutlich sichtbar.
Gut, es ist ein Coffeetable Buch, eines, das wir hin und wieder durchblättern. Aber jede Wette, wenn Sie es auf einem Tisch liegen lassen, Ihre richtigen Freunde werden anfangen darin zu blättern und ein paar Minuten still sein. Bis ein Schrei zu hören ist. „Ah, diese Stelle kenne ich! Da war ich auch schon.“ Und sei es nur in einem Roman.

img_0814img_0811

Das hervorragende Vorwort von Paul Theroux zeigt den Autoren nicht nur als begeisternden Leser und Weltreisenden, sondern auch als genauen Beobachter.
Gelesen wird immer und überall. Es gibt fast nichts Wichtigeres, als dass alle Menschen lesen können, denn nur dann können sie sich selbst ein Bild von dem machen, was um sie herum geschieht und müssen nicht nur das glauben, was ihnen gesagt wird.

Von Rom bis Kyoto, Marrakesch bis Los Angeles – überall auf der Welt lesen Menschen – lautet die schlichte wie überaus erfreuliche Nachricht dieses Bildbandes und überall gibt es Buchhandlungen. Große und kleine, egal, auf den „Inhalt“ kommt es an.
Kathrin Passig hat in ihrem Vortrag in der Ulmer Stadtbibliothek erwähnt, dass der Buchhandelsverband mitgeteilt hat, dass der stationäre Buchhandel noch 100 Jahre hätte, bis er verschwunden ist. Kathrin Passig geht von 50 Jahren aus. Aber: Wer denkt schon so weit. Jetzt im Moment gibt es eine schöne Auswahl an unabhängigen, engagierten Buchhandlungen. Nutzen Sie dies aus.
Aber wem sage ich das, Sie machen das ja eh schon.
_________________________

Wenn ich schon dabei bin:
Bitte nicht vergessen.
Dienstag, 4.Oktober ab 19 Uhr
Jastrams „Erste Seite“ mit vier neuen Büchern und Clemens Grote als Vorleser.
Bei uns in der Buchhandlung

Donnerstag

Heute haben
Léopold Sédar Senghor * 1906
Gert Loschütz * 1946
und Durs Grünbein * 1962
Geburtstag.
______________________

CIMG1634

Die aktuelle Frankfurter Anthologie Nr.37 beginnt gleich mit einem Paukenschlag.

Andreas Gryphius
Betrachtung der Zeit

Mein sind die Jahre nicht,
Die mir die Zeit genommen;
Mein sind die Jahre nicht,
Die etwa möchten kommen;

Der Augenblick ist mein,
Und nehm ich den in acht
So ist der mein,
Der Jahr und Ewigkeit gemacht.

Da bin ich aber sehr gespannt auf mein tägliches Gedicht. 50 sind abgedruckt mitsamt den interessanten Interpretationen.

„Frankfurter Anthologie“ Nr.37
S.Fischer Verlag € 24,99
_______________________

Über Winston Churchill haben wir in den letzten Wochen und Monaten schon einiges gelesen. Erstaunlich, was dieser Staatsmann alles gemacht hat. Dass er geschrieben hat, war mir klar, dass er aber den Literatur Nobelpreis bekommen hat, habe ich vergessen. Dass er als Schreiber für Zeitungen deutlich mehr verdient hat, als im Posten eines Politikers, hat auch was. Dass er getrunken hat, wie ein Loch, sickerte immer schon durch. Dass er, mit seinem Freund Charlie Chaplin gemeinsam, stark an Depressionen litt, haben wir in Michael Köhlmeiers Buch: „Zwei Herren am Strand“ lesen können. Die ersten Biografien liegen schon auf den Tischen und nächstes Frühjahr begehen wir den 50.Todestag dieses kleinen, großen Mannes.
Gestern erschien im Verlag Hoffmann&Campe ein schmales Bändchen mit dem Titel: „Zum Zeitvertreib – Vom Lesen und Malen“, das im Original 1932 erschienen ist.

CIMG1635

Winston Churchill: „Zum Zeitvertreib“
Hoffmann&Campe Verlag € 14,00

Wir können ihn hier als eigensinnigen und sehr persönlichen Essayisent entdecken, der über zwei seiner Lieblingshobbys schreibt. Ein Leben ohne Bücher war für Churchill undenkbar, aber das Lesen war für ihn kein Mittel zum Zweck, er vertrat die Auffassung, man solle sich dabei allein von seiner Lust und Laune lenken lassen. In der Malerei fand Churchill, der erst mit vierzig Jahren zu Pinsel und Palette griff, Trost und Stärkung. Er hatte seine eigene Welt gefunden, fernab vom Druck, dem er als Person des öffentlichen Lebens ausgesetzt war, eine Welt, von der er sagte: „Glücklich sind die Maler, denn sie sind niemals einsam„.

CIMG1636

Er schreibt gleich zu Beginn, dass es an guten Ratschlägen nicht mangelt, wie man sich den täglichen Stress vom Hals schaffen kann. Ruhe, oder Geselligkeit – beides sind für ihn gute Tipps. Er meint jedoch, man solle sich nicht auf eines festlegen, sondern stets die Abwechslung vorziehen. „Abwechslung ist der Schlüssel schlechthin„. Man solle sich ein paar Hobbys zulegen, und zwar rechtzeitig, damit man sie zur Entspannung einsetzen kann. Sport sei schon ganz gut, aber was machen wir im Alter, wenn nix mehr geht? Da sei doch das Lesen und Malen bis ins hohe Alter immer noch möglich. Das Lesen sei natürlich die beliebteste Art der Zerstreuung, schreibt Churchill 1932. Na wenn er wüsste, wie das heute im Internetzeitalter aussieht. Aber so eine kleine Grundbibliothek (von ca. 5.000 Büchern !!!), wie sie ein Bekannter von ihm besitzt, das hat schon was. Wir müssen doch auch nicht alle Bücher gelesen haben; ein Tag in so einer Bibliothek können ein Gefühl von großer Zufriedenheit vermitteln. All dies Wissen, das darin steckt, alle Abenteuer und Biografien sind ein wahrer, unsetzbarer Schatz. „Und wenn Sie schon nicht alle lesen können, dann nehmen Sie die Bücher wenigstens in die Hand, als wollten Sie sie streicheln. Schauen Sie hinein. Schlagen Sie sie aufs Geratewohl auf. Lesen Sie den ersten Satz, der Ihnen ins Auge springt, und von dort ein Stück weiter.“ Sie merken, Churchill ist ein Bücherverführer. Er ist jedoch ein großer Warner. Man solle als junger Mensch nicht zu viel lesen. „Jemand sagte mir einmal, er habe alle Bücher gelesen, auf die es ankomme.“ Er fragte die Person etwas aus und stellte fest, sie sehr viel gelesen habe, aber die meisten Bücher hätten keinen großen Eindruck hinterlassen. Das sei schade, denn erst im Alter sei man oft reif für die große Literaturen der Welt. „Junge Menschen sollten mitdem,was sie lesen, so vorsichtig sein wie alte Menschen mitdem, was sie essen. Sie sollten nicht zu viel zu sich nehmen. Und sie sollten es gut durchkauen.“
Was Churchill über seine Malerei schreibt, lesen Sie dann selbst im Buch nach. Nur ein Satz vielleicht zum Scharfmachen. Beim Ölmalen, sei es wichtig, wie ein Feldherr zu agieren. Man solle immer noch Truppen in der Reserve haben, um die Schlacht zu gewinnen. Heisst: Erst mal kräftig mit den Farben daruf auf die Leinwand und wenn irgend etwas nicht stimmig ist, ruhig weg mit den alten Farben und neue drauf.

Viel Vergnügen mit dem schön gemachten, schmalen Bändchen.