Donnerstag, 11.Oktober

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Heute haben
Conrad Ferdinand Meyer * 1825
Gertrud von Le Fort * 1876
Francois Mauriac * 1885 (Nobelpreis 1952)
Boris Pilnjak * 1876
Anne Anright * 1962
Geburtstag.
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Heute auf dem Gedichte-Kalender.
Hier allerdings in der kompletten Fassung.

Nikolaus Lenau
Der Kranich

Stoppelfeld, die Wälder leer,
Und es irrt der Wind verlassen,
Weil kein Laub zu finden mehr,
Rauschend seinen Gruß zu fassen.

Kranich scheidet von der Flur,
Von der kühlen, lebensmüden,
Freudig ruft er’s, daß die Spur
Er gefunden nach dem Süden.

Mitten durch den Herbstesfrost
Schickt der Lenz aus fernen Landen
Dem Zugvogel seinen Trost,
Heimlich mit ihm einverstanden.

O wie mag dem Vogel seyn,
Wenn ihm durch das Nebeldüster
Zückt ins Herz der warme Schein,
Und das ferne Waldgeflüster!

Hoch im Fluge über’s Meer
Stärket ihn der Duft der Auen;
O wie süß empfindet er
Ahnung, Sehnsucht und Vertrauen!

Nebel auf die Stoppeln thaut:
Dürr der Wald; — ich duld‘ es gerne,
Seit gegeben seinen Laut
Kranich, wandernd in die Ferne.

Hab‘ ich gleich, als ich so sacht
Durch die Stoppeln hingeschritten,
Aller Sensen auch gedacht,
Die in’s Leben mir geschnitten‘.

Hab‘ ich gleich am dürren Strauch
Andres Welk bedauern müssen,
Als das Laub, vom Windeshauch
Aufgewirbelt mir zu Füßen:

Aber ohne Gram und Groll
Blick‘ ich nach den Freudengrüften,
Denn das Herz im Busen scholl,
Wie der Vogel in den Lüften:

Ja, das Herz in meiner Brust
Ist dem Kranich gleich geartet,
Und ihm ist das Land bewußt,
Wo mein Frühling mich erwartet.
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Das Känguru ist zurück.
Oder soll ich besser schreiben, es war eh nie weg.

1956  1492

Marc-Uwe Kling:Die Känguru-Apokryphen
Ullstein TB € 9,00
4 CDs bei HörbuchHamburg € 14,00

Das ist der Anfang der ersten Episode aus seinem neuen Buch. Natürlich geht der Wettbewerb noch in diverse Runden und Marc-Uwe steht mal wieder als totaler Loser da. Wie könnte es auch anders sein. Als Einführung erfahren wieder in einer Vorwort-Geschichte, wie es zu diesem Buch kommt und was es mit Apokryphen auf sich hat.

Und wer für lange Winterabende noch ein Gesellschaftsspiel braucht.
Hier kommt die Gebrauchsanweisung zu „Game of Quotes – Verrückte Zitate“.
Erschienen bei Franck Kosmos für € 14,99.

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Dienstag, 22.August

Heute haben
Dorothy Parker * 1893
Wolfdietrich Schnurre * 1920
Ray Bradbury * 1920
Irmtraud Morgner * 1933
Geburtstag
und es ist der Todestag von Nikolaus Lenau.
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Nikolaus Lenau
Heimatklang

Als sie vom Paradiese ward gezwungen,
Kam jeder Seele eine Melodie
Zum Lebewohl süß schmerzlich nachgeklungen,
Darauf umschloß die Erdenhülle sie.
Noch ist dies Lied nicht völlig uns verdrungen,
Doch tönt es leiser stets auf Erden hie.
Gib acht, o Herz, daß in den Schütterungen
Dir nicht des Liedes letzter Hauch entflieh!
Ein Nachhall dieses Liedes ist entsprungen
Des Morgenlandes süße Poesie,
Von Jugendträumen wirds manchmal gesungen,
Doch dunkel, unbewußt woher? und wie?
Wem aber einmal klar und voll geklungen
Die wunderbare Heimatmelodie,
Der wird von bangem Heimweh tief durchdrungen,
Und er genest von seiner Sehnsucht nie.
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Sarah Wiltschek empfiehlt:

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Theresia Enzensberger:Blaupause
Hanser Verlag € 22,00

20er Jahre in Berlin. Der Studienplatz am Bauhaus Weimar ist für Luise Schilling gleichzeitig die Flucht aus dem patriarchalischen Elternhaus. Doch wo sie in Berlin vor der Allmacht des Vaters flieht, trifft sie in Weimar, unter der Leitung von Walter Gropius, auf nicht minder restriktive Machtstrukturen.
Luise kämpft um ihren Traum, Architektur zu studieren, eckt an, ob bei den Meistern oder Mitstudenten, fühlt sich nie ganz zugehörig, weder bei den esoterisch agierenden Ittenjüngern, noch bei den politisch aktiven Kommunisten.
Die deutsche Kunst und Kultur befindet sich auf ihrem Höhepunkt, Berlin ist weltoffen und feierwütig. Doch es fängt an zu gären im Land. Die Freizügigkeit und Toleranz der Hauptstadt trifft auf prügelende Nazionalisten. Die liberale Koexistenz unterschiedlichster kultureller, religiöser und sexueller Orientierung wird, so weiß man im Nachhinein, sich bis heute nicht wieder auf diese Höhen geschwungen haben.
Doch Luise stößt auf taube Ohren, wenn ihr das Studium und der Fokus auf das rein Ästhetische zu unpolitisch ist. Am Ende muss sie gar um das Recht an ihren eigenen Ideen fürchten. Was bleibt, ist die endgültige Flucht vor Ohnmacht und Verrat.
Theresias Enzenbergers Debüt taucht ein in die Anfänge der Bauhausgeschichte, erzählt von den selbstgefälligen Lehrmeistern, von der elitären Gesinnung der Bauhäusler in einer politisch explosiven Vorkriegszeit. Ein Emanzipationsroman, in der die Protagonistin ihren Wunsch von einem selbstbestimmten Leben nicht aufgeben will, allen Widrigkeiten zum Trotz.

Leseprobe

Theresia Enzensberger wurde 1986 in München geboren und lebt in Berlin. Sie studierte Film und Filmwissenschaft am Bard College in New York und schreibt als freie Journalistin unter anderem für die FAZ, FAS, ZEIT Online, Krautreporter und Monopol. 2014 gründete sie das vielfach preisgekrönte BLOCK Magazin.

Freitag

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Heute haben
Bettina von Arnim * 1785
Comte de Lautrémont * 1846
Tristan Tzara * 1896
Marguerite Duras * 1914
Helme Heine * 1941
Michael Schneider * 1043
Geburtstag
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Unter dem Motto: Poetisiert euch! stellen wir Ihnen den aktuellen Monatsgedichtsband von Reclam vor.

April

April
Gedichte
Herausgegeben von Evelyne Polt-Heinzl und Christine Schmidjell
Reclam Verlag € 5,00

Zartes Grün und erstes Zwitschern
Launischer April
Launische Menschen
Karwoche
Ostern
Jetzt wird’s warm

So heissen die einzelnen Kapitel und da heute über Ulm Wolken mit Saharasand fliegen und die Natur eh schon drei Wochen ihrer Zeit voraus ist, gehen wir doch gleich ins letzte Kapitel.

Nikolaus Lenau
Frühling

Die warme Luft, der Sonnenstrahl
erquickt mein Herz, erfüllt das Tal.
O Gott! wie Deine Schritte tönen!
in tiefer Lust die Wälder stöhnen,
die hochgeschwellten Bäche fallen
durch Blumen hin mit trunknem Lallen;
sein bräutlich Lied der Vogel singt,
die Knosp in Wonne still zerspringt,
und drüber goldner Wolken Flug:
Die Liebe ist in vollem Zug!
An jeder Stelle möcht ich liegen,
mit jedem Vogel möcht ich fliegen,
ich möchte fort und möchte bleiben,
es fesselt mich und will mich treiben.
Dem Herzen wird so wohl, so bang,
umglüht, umrauscht vom Frühlingsdrang,
es fühlt des Lenzes Widerspruch:
ersehnte Ruh und Friedensbruch,
so heimatlich und ruhebringend,
so fremd, in alle Ferne dringend.
Das Frühlingsleuchten, treu und klar,
erscheint dem Herzen wunderbar,
ein stehngebliebner Freudenblitz,
in Gottes Herz ein offner Riß;
und wieder im Vorübersprung
ein Himmel auf der Wanderung;
ein irrer Geist, der weilend flieht
und bang das Herz von hinnen zieht.
Ich wandle irr, dem Himmel nach,
der rauschend auf mich niederbrach!
O Frühling! trunken bin ich dein!
O Frühling! ewig bist du mein!

Johann Heinrich Voss
Frühlingsliebe

Die Lerche sang, die Sonne schien,
Es färbte sich die Wiese grün,
Und braungeschwollne Keime
Verschönten Büsch‘ und Bäume:
Da pflückt‘ ich am bedornten See
Zum Strauß ihr, unter spätem Schnee,
Blau, rot und weißen Güldenklee.
Das Mägdlein nahm des Busens Zier,
Und nickte freundlich Dank dafür.

Nur einzeln grünten noch im Hain
Die Buchen und die jungen Mai’n;
Und Kresse wankt‘ in hellen
Umblümten Wiesenquellen:
Auf kühlem Moose, weich und prall,
Am Buchbaum, horchten wir dem Schall
Des Quelles und der Nachtigall.
Sie pflückte Moos, wo wir geruht,
Und kränzte sich den Schäferhut.

Wir gingen atmend, Arm in Arm,
Am Frühlingsabend, still und warm,
Im Schatten grüner Schlehen
Uns Veilchen zu erspähen:
Rot schien der Himmel und das Meer;
Mit einmal strahlte, groß und hehr,
Der liebe volle Mond daher.
Das Mägdlein stand und ging und stand,
Und drückte sprachlos mir die Hand.

Rotwangicht, leichtgekleidet saß
Sie neben mir auf Klee und Gras,
Wo ringsum helle Blüten
Der Apfelbäume glühten:
Ich schwieg; das Zittern meiner Hand,
Und mein betränter Blick gestand
Dem Mägdlein, was mein Herz empfand.
Sie schwieg, und aller Wonn‘ Erguss
Durchströmt‘ uns beid‘ im ersten Kuss.

Aber vielleicht wollen Sie es noch wärmer, da draußen wirklich schon T-Shirt-Wetter ist, dann holen Sie sich den Mai-Band gleich auch noch mit. Beide bei uns an der Kasse.

Mai
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Ein Verlag stellt sich vor und wir haben ihm unser Schaufenster zur Verfügung gestellt, damit wir eine kleine Auswahl seiner Veröffentlichungen präsentieren können.

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Das Verlagshaus J. Frank | Berlin
Wir sind ein Berliner Independent-Verlag und haben uns der Gegenwartsliteratur und Illustration verschrieben: deutschsprachige Lyrik und Kurzprosa sind unsere Programmschwerpunkte.
Wir veröffentlichen ausnahmslos Texte, die eine eigene Relevanz und Dringlichkeit beanspruchen. Jenseits von Klischees wollen unsere Texte verändern. Und Bleibendes schaffen. Leser und Autoren werden zu Verbündeten.
In unseren Publikationen treten Typografie und Illustrationen als eigenständige Ausdrucksformen in einen Dialog mit dem Text. So entstehen einzigartige Gesamtkompositionen, Kostbarkeiten, die unsere Leidenschaft für Bücher widerspiegeln.
Seit 2005 wird der Indie-Verlag von Johannes CS Frank, Andrea Schmidt und Dominik Ziller geführt: Überzeugungstätern, Literatur- und Illustrationsverrückten.

100% Independent

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Aus der „Bilderbuch“-Reihe:

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Illu2

Aus der Edition Belletristik:

Buch1

Buch4

Buch3

Buch5

Lust auf mehr? Wir holen Ihnen gerne alle vorrätigen Bücher aus dem Schaufenster. Hier nochmals der Link zum Verlag, der auf seiner website mit vielen Informationen aufwartet.
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Neue Musik im Ulmer Stadthaus.
Diese Woche unter dem Motto: Spaces

Heute abend, Freitag, 4. April18 Uhr
NIX BOX – KlangRaum IV
Antonis Anissegos: Unununium, für Elektronik LIVE19 Uhr
Konzert
Ali Askin String Street
für Viola Solo (2004)
Luigi Nono sofferte onde serene …
für Klavier und Zuspielung (1976)
Unsichtbare Wirklichkeit
Vortrag von Bernd Bess (Berlin / Kairo)
Michael Gordon Industry
für Cello und Elektronik (1992)

Mit Antonis Anissegos (Klavier), Miriam Götting (Viola), Mathis Mayr (Cello), Jürgen Grözinger (Klangregie)

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