Dienstag, 11.August

IMG_0780

Heute haben
Enid Blyton * 1896
Louise Bogan * 1897
Alex Haley * 1921
Fernando Arrabal * 1932
Wolfgang Holbein * 1953
Geburtstag
___________________________________

Joachim Ringelnatz
Sommerfrische

Zupf dir ein Wölkchen aus dem Wolkenweiß,
Das durch den sonnigen Himmel schreitet.
Und schmücke den Hut, der dich begleitet,
Mit einem grünen Reis.

Verstecke dich faul in der Fülle der Gräser.
Weil`s wohltut, weil`s frommt.
Und bist du ein Mundharmonikabläser
Und hast eine bei dir, dann spiel, was dir kommt.

Und lass deine Melodien lenken
Von dem freigegebenen Wolkengezupf.
Vergiss dich. Es soll dein Denken
Nicht weiter reichen als ein Grashüpferhupf.
____________________________________________

ARTK_CT0_9783446267855_0001

Nicolas Mathieu: „Rose Royal“
Aus dem Französischen von Lena Müller und André Hansen
Hanser Verlag € 18,00

Nach „Wie später ihre Kinder“ erzählt der Prix-Goncourt-Preisträger Nicolas Mathieu die Geschichte einer Frau um die fünfzig, die ihre Feierabende in der Kneipe um die Ecke, im „Royal“ verbringt. Dort genehmigt sie sich ein Feierabendbier und trifft sich mit einer Freundin.
Von Männern und deren Angebote hat sie nach einer gescheiterten Ehe und ein paar darauffolgenden Beziehungen genug. Zu viel Männergeprotze, verbunden mit häuslicher Gewalt und finanzieller Abhängigkeit. Rose ist zwar viel allein und melancholisch veranlagt, wenn sie ihre Arbeit beendet hat und nach dem Besuch im „Royal“ nach Hause geht, aber das ist immer noch besser, als das Leben davor. Um sich vor der Gewalt der Männer zu schützen, kauft sie sich einen Revolver. Sie will die Machtverhältnisse umdrehen.
Alles geht gut, bis sie sich doch wieder in einen Mann verliebt, der anders ist. Charmant, freundlich, nett, großzügig.
Nicolas Mathieu hat mit „Rose „Royal“ einen viel zu kurzen Roman (eher eine Novelle) über das selbstbestimmte Leben einer attraktiven Frau um die fünfzig geschreiben. So wie er es geschafft hat, sich in die Gefühlswelt der Jugendlichen in „Wie später ihre Kinder“ hinzuversetzen, gelingt es ihm hier den Roman aus der Sicht einer Frau zu schreiben.
Eine flotte, intensive Lektüre, die mit einem fulminaten Ende aufwartet.
Ein großes Lesevergnügen auf wenigen Seiten.
Lieber Herr Mathieu, nächsten Mal ein paar Seiten mehr.

Nicolas Mathieu wurde 1978 in Épinal geboren und lebt in Nancy. Sein erster Roman erschien 2014 und wurde für das Fernsehen adaptiert. Wie später ihre Kinder wurde 2018 mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet.

Leseprobe

Freitag, 5.Oktober

7433f9d1789b18c8046ea9ce2075faf3

Heute haben
Denis Diderot * 1713
Kasimir Edschmid * 1890
Oswald Wiener * 1935
Václav Havel * 1936
Ulrich Ritzel * 1940
Peter Ackroyd * 1949
Charlotte Link * 1963
Geburtstag.
__________________________

Christian Morgenstern
Der Mond

Als Gott den lieben Mond erschuf,
gab er ihm folgenden Beruf:

Beim Zu- sowohl wie beim Abnehmen
sich deutschen Lesern zu bequemen,

ein a formierend und ein z –
dass keiner groß zu denken hätt‘.

Befolgend dies ward der Trabant
ein völlig deutscher Gegenstand.
_______________________

Buchtipp des Tages:

geb_SU

Néhémy Pierre-Dahomey:Die Zurückgekehrten
Aus dem Französischen von Lena Müller
Edition Nautilus
160 Seiten, € 19,90

Ich habe den Roman auf dem E-Reader gelesen und war sehr erstaunt, als ich im Nachhinein erfahren habe, dass Néhémy Pierre-Dahomey ein Autor und keine Autorin ist. So einfühlsam werden hier Frauenschicksale beschrieben. Im Mittelpunkt Belliqueuse Louissaint, Belli genannt, die zu Beginn auf einem Seelenverkäufer die Flucht von Haiti in die USA versucht. Das Schiff gerät in einen gewaltigen Sturm, sie verliert ihren Sohn ans Meer und sie kommt gestrandet zurück. Belli baut sich eine neue Existenz in einer Siedlung für Menschen, die nichts haben, auf. Ihr Ehemann taugt nicht zum Vater, verbringt, viel Zeit mit anderen Frauen und Alkohol. Unter ihrem Dach wachsen ihre eigenen und Kinder von anderen Müttern auf.
Die meisten Versuche, ein besseres Leben zu erringen sind zum Scheitern verurteilt, so dass Belli sich zur Adoption ihrer beiden Töchter Belial und Luciole entscheidet. Ihr Sohn hat einen Weg aus der Siedling gefunden. Landet jedoch in der Kriminalität.
Luciole verschwindet in den USA und Belial lebt in Frankreich.
Die Bindung zwischen Mutter und ihrer Tochter Belial ist so stark, dass sie versuchen, sich wiederzufinden.
Néhémy Pierre-Dahomey hat eine eigene Sprache für diese Schicksale gefunden. Wir lachen beim Lesen, sind erstaunt über seine Wortfindungen und Satzkonstruktionen. Seine sprachlichliche Leichtigkeit trifft auf den brutalen Alltag auf Haiti. Skurrile Szenen und einfühlsame Beschreibungen wechseln sich ab und lassen uns das Buch in einem Rutsch verschlingen.

Für mich war diese eine Entdeckung und ein Lesegenuss der Sonderklasse, nach dem ich zuvor einige Bücher enttäuscht zur Seite gelegt habe.

Néhémy Pierre-Dahomey wurde 1986 als Kind eines Pastors in Port-au-Prince, Haiti, geboren und lebt seit 2013 in Paris. Er hat Philosophie in Port-au-Prince und Paris studiert und über Henri Bergson gearbeitet. „Die Zurückgekehrten“ ist sein Debütroman, er wurde mit dem Prix Révélation 2017 der Société des Gens de Lettres, mit dem Prix de soutien Cino Del Luca auf Vorschlag der Académie Française sowie mit dem Prix Carbet des Lycéens de la Caraïbe 2018 ausgezeichnet.

Lena Müller, geboren 1982, studierte Literarisches Schreiben, Kulturjournalismus und Erwachsenenbildung. Sie arbeitet als freie Übersetzerin und Autorin und wurde bereits zweimal mit dem Internationalen Literaturpreis für ihre Übersetzungen ausgezeichnet, u. a. 2016 gemeinsam mit Shumona Sinha für „Erschlagt die Armen!“.