Donnerstag, 27.Januar

Heute haben
Lewis Carroll * 1832
Ilja Ehrenburg * 1891
Mordecai Richler * 1931
Ismail Kadaré * 1936
und Benjamin von Stuckrad-Barre * 1975
Paolo Cognetti * 1978
Geburtstag.
Heute ist der Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz.
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Gottfried Keller
Aus dem Leben

IV.

Vielleicht vor tausend Jahren schon
Zu Asche stob der Stern,
Und doch seh’n seinen lieblichen Schein
Wir dort noch still und fern.

Dem Wesen solchen Scheines gleicht,
Der ist und doch nicht ist,
O Lieb, dein anmuthvolles Sein,
Wenn du gestorben bist!
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Claudia Wiltschek empfiehlt:

Sarah Weeks: „Aurora und die Suche nach dem Glück
Aus dem Englischen von Brigitte Jakobeit
Hanser Verlag € 15,00
Kinderbuch ab 10 Jahren

Aurora ist ein bisschen komisch, das sagt sie selber von sich, kommt damit aber recht gut klar und freut sich des Lebens. Wären da nur nicht ihre besorgten Eltern  (besonders ihre Mutter, die Sorgenliese), mit denen sie schon bei etlichen Psychologen war und ihre Mitschülerinnen, von denen sie permanent ausgegrenzt und gedemütigt wird. Sie teilt gerne alle Sätze in zwei Teile und sortiert die Packungen der Frühstücksflocken nach Farbe und Größe, auch ihr Geklopfe mit dem Ellbogen kann nervig sein, aber das alles ist nun eben mal Aurora. Der allerbester Freund ist Duck, ihr kleiner Hund. Alles scheint gut zu sein, bis auf den Tag, als das Haus brennt, Duck verschwindet und ihre Eltern befürchten, dass sie etwas mit dem Brand zu tun haben könnte. Und dann taucht auch noch Heidi auf, eine junge Frau, die als Kind bei ihren Eltern gewohnt hatte. Auroras Welt gerät völlig durcheinander: Duck ist nicht mehr da, ihre Eltern scheinen sie nicht mehr zu lieben und Heidi und ihre Mitschülerinnen behandeln Sie wie Luft. Doch allmählich platzt der Knoten und es zeigt sich, dass alles nicht so ist, wie Aurora sich das gedacht hat und ins Nachbarhaus auch ein „komisches“ Mädchen einzieht .
Ein wunderbarer glücklicher Schluss rundet dieses tolle Kinderbuch ab und wir können zufrieden die Buchdeckel schließen.

Dienstag, 4.Mai

Heute haben
Friedrich Arnold Brockhaus * 1772
Gerlind Rheinshagen * 1926
Amos Oz * 1939
Graham Swift * 1949
David Guterson * 1956
Florian Illies * 1971
Geburtstag.
Aber auch Audrey Hepburn und Keith Haring
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Winfried Hermann Bauer
Nordland

Allein
wandern über den Tag
der Wochen dauert
und ganz dem Wahn der Ewigkeit
verfallen

selbstvergessen
zwischen Birken und Kiefern und glitzernden Seen
dem Schrei eines Raben
lauschen
der von der Fülle im Kargen erzählt

und doch
ziehe ich mich in meinen Kragen zurück
wenn ein nachtschwarzer Schauer mahnt
und friere
Allein
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Wenn jetzt alles normal wäre und wir Veranstaltungen im Laden machen könnten, dann ware heute der Tag der „Ersten Seite“. Wir würden in munterer Runde um den alten Tisch sitzen und Clemens würde (hoffentlich) uns vorlesen.
Tja.
So stelle ich Ihnen hier vier Romane von Frauen vor, die in letzter Zeit erschienen sind, die mir ausgesprochen gut gefallen haben und von denen es eine Hörprobe gibt. Oder sogar den ganzen Text, wie bei Felicitas Hoppe.
Ich weiß, es ist keine Alternative, aber ich hoffe, Sie haben trotzdem Spaß damit.


Felicitas Hoppe: „Fieber 17“
Dörlemann Verlag € 15,00



Bernadine Evaristo: „Mädchen, Frau, etc“

Klett Cotta € 25,00
Audio Verlag € 25,00

Hörprobe


Gabriele von Arnim: „Das Leben ist ein vorübergehender Zustand“
Rowohlt Verlag € 25,00
Audio Verlag € 25,00

Hörprobe



Helga Schubert: „Vom Aufstehen“
dtv € 22,00
Argon Verlag € 19,95

Hörprobe
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Das Team Jastram (Jastram radelt) besteht im Moment aus 13 Teilnehmenden, die bisher 312 km geradelt und fast 50 kg CO2 vermieden haben.
Insgesamt wurde in Ulm (in der kurzen Zeit) 51.144 km geradelt (also locker einmal um die Erde).
Es nehmen 1.305 Menschen teil, die insgesamt acht Tonnen CO2 vermieden haben.

Mittwoch, 7.April

April, April, der tut , was er will.

Heute haben
William Wordsworth * 1770
Victoria Ocampo * 1890
Johannes Mario Simmel * 1924
Cora Stephan / Anne Chaplet * 1951
Geburtstag
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Clemens Brentano
Palmkätzchen

Flachs von fauler Dirnen Rocken,
Flaum von zarter Knaben Kinn
Stehl ich, streue weiche Flocken
Unter eure Füße hin.

Weit her schlepp ich euch den Teppich,
Daß ihr nicht zerreißt die Socken
An dem Eppich – Wolle stepp ich
Ins Geläut der Blumenglocken.
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Unser Tipp:

Helga Schubert: „Vom Aufstehen
Ein Leben in Geschichten
dtv € 22,00

Helga Schubert, 1940 in Berlin geboren, erzählt uns in einzelnen Episoden ihr Leben. Vom Vater, den sie nie kennengelernt hat, da er mit 28 Jahren im Krieg gestorben ist, von der Flucht vor den Russen und dem Aufwachsen mit einer traumatisierten Mutter, die diese Erlebnisse wohl nie richtig verarbeiten konnte. Die erste Episode schildert ihre Sommer bei der Großmutter, wo sie in der Hängematte im Garten liegt und es nach Obst und Gebäck riecht. Dort findet sie als Kind zur Ruhe, während sie in Berlin oft die Schule wechselt und von den Mitschülern gehänselt wird.
So öffnen sich immer mehr alte Schachteln mit Geschichten, Erinnerungen, Anektoden. Manchmal die gleichen Begebenheiten aus verschiedenen Perspektiven.
In der DDR arbeitet sie als Psychoanalytikerin und Schiftstellerin, darf aber nicht zu Preisverleihungen in den Westen fahren und kann mit über 50, nach der Wende, an den ersten freien Wahlen ihres Lebens teilnehmen. Was sie immer noch beschäftigt, ist das Verhältnis zu ihrer Mutter, denn sie habe drei Heldentaten in ihrem Leben vollbracht: Sie habe sie nicht abgetrieben, sie im Zweiten Weltkrieg auf die Flucht mitgenommen und sie vor dem Einmarsch der Russen nicht erschossen. Erst viele Jahre später hat sie ein Gespräch mit einer jungen Pastorin, die ihr zuhört und ihr in wenigen Sätzen die Last dieser Sätze abnimmt. Eine wunderbare Passage.
Helga Schubert hat aber trotz allem nie ihren Lebensmut, ihren Humor und das positive Denken verloren und so ist die letzte Geschichte „Vom Aufstehen“ eine kleine Zusammenfassung, wie sie als alte Dame morgens aus dem Bett steigt, sich um Mann und Frühstück kümmert. Dafür hat sie auch letztes Jahr den Ingeborg Bachmann Preis erhalten.

Sowohl dieses Buch, als auch das von Gabriele von Arnim: „Das Leben ist ein vorübergehender Zustand“ (das wir hier vor ein paar Tagen vorgestellt haben) sind für mich zwei Entdeckungen, die mich sehr bewegt, berührt und zum Nachdenken angeregt haben, da ich merke, wie klug und mit einem großen Wissen diese beiden Damen über ihr Leben schreiben.

Für mich jetzt schon zwei Höhepunkte in diesem Lesejahr.

Leseprobe