Donnerstag, 20.März

Internationaler Tag gegen den Rassismus

Heute haben
Jean Paul * 1763
Peter Hacks * 1928
Hubert Fichte * 1935
Michael Dibin * 1947
Andrea Maria Schenkel * 1962
Geburtstag
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Matthias Claudius

’s ist Krieg! s‘ ist Krieg! O Gottes Engel wehre,
         Und rede du darein!
’s ist leider Krieg – und ich begehre
         Nicht schuld daran zu sein!

Was sollt ich machen, wenn im Schlaf mit Grämen
         Und blutig, bleich und blaß,
Die Geister der Erschlagenen zu mir kämen,
        Und vor mir weinten, was?

Wenn wackre Männer, die sich Ehre suchten,
         Verstümmelt und halbtot
Im Staub vor mir sich wälzten und mir fluchten
          In ihrer Todesnot?

Wenn tausend, tausend Väter, Mütter, Bräute,
          So glücklich vor dem Krieg,
Nun alle elend, alle arme Leute,
          Wehklagten über mich?

Wenn Hunger, böse Seuch und ihre Nöten
            Freund, Freund und Feind ins Grab
Versammelten, und mir zur Ehre krähten
            Von einer Leich herab?

Was hülf mir Kron und Land und Gold und Ehre?
            Die könnten mich nicht freun!
’s ist leider Krieg – und ich begehre
            Nicht schuld daran zu sein!
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Unser Bilderbuchtipp:

Mike Unwin (Text) und Jenni Desmond (Illustrationen): „Wanderungen
Aus dem Englischen von Stephanie Menge
Sauerländer/S.Fischer Verlag € 16,99


Viele Tiere machen sich Jahr für Jahr auf eine unglaublich lange und anstrengende Reise.
Um zu überleben, durchqueren sie unseren Planeten bei Wind und Wetter und müssen dabei ihren hungrigen Feinden, manchmal auch den Menschen, aus dem Weg gehen. Sie überqueren Gebirge und Kontinente, wandern durch Wüsten und schwimmen durch die Ozeane dieser Welt. Jedes Tier hat seine ganz eigene und besondere Reisegeschichte. Der Kaiserpinguin watschelt bis zu 100 Kilometer, um im Polarwinter ins Inland zu gelangen. Die Schwalben legen sogar 10.000 Kilometer zurück, um ausreichend Nahrung zu finden. Und große Elefantenherden machen sich alle Jahre wieder auf den Weg zu neuen Wasserstellen. Große Heringsschwärme suchen den Weg in kalte Gewässer.
Dieses besondere Reisetagebuch erzählt von 20 verschiedenen Tieren jeglicher Art und Größe.
Ein besonderes Wissensbuch mit liebevoll erzählten Tierportraits, farbenfroh und warm illustriert.
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Gestern war Annika Stahl bei uns in der Buchhandlung und erzählte aus ihrem „Ulmer Geheimisse“-Buch. Vielen Dank für den informativen, amüsanten Abend.

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Buchpreis für Omri Boehm
„Frieden gibt es nicht ohne Gleichheit“

Zum Auftakt der Leipziger Buchmesse hat Philosoph Omri Boehm den Buchpreis für Europäische Verständigung erhalten. In den tagesthemen ging er auf den Nahost-Krieg ein. Die Rede von Kanzler Scholz wurde mehrfach unterbrochen.
Die diesjährige Leipziger Buchmesse ist am Abend mit einem Festakt im Gewandhaus offiziell eröffnet worden. Dabei erhielt der deutsch-israelische Philosoph Omri Boehm den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung für sein Buch „Radikaler Universalismus. Jenseits von Identität“. Die Auszeichnung ist mit 20.000 Euro dotiert. In der Jury-Begründung hieß es, Boehm verteidige den Kern des humanistischen Universalismus, die Verpflichtung zur Anerkennung der Gleichheit aller Menschen, gegen jegliche Relativierung. …

Mehr dazu auf tagesschau.de

Mittwoch, 3.Januar

Heute haben
J.R.R.Tolkien * 1892
Maxie Wander * 1933
Geburtstag
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„Viele Menschen haben nicht die Kraft, anderen etwas zu geben, sie bauen Kälte um sich und leiden schrecklich unter ihrer Isolation.“
Maxie Wander (1933 – 1977) aus: „Guten Morgen, du Schöne“
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Eine wichtige Wiederentdeckung, auch in Zeiten der Kriege in der Ukraine und in Israel/Gaza:


Peter Flamm: „Ich?
S.Fischer Verlag € 22,00

„Schriftsteller oder nicht, jeder ist verdammt – oder gesegnet –, die spukhaften Blasen, die aus den dunkel brodelnden Wassern seines Unbewussten steigen, zu bekämpfen.“
Peter Flamm

Sebastian Guggolz, der in seinem gleichnamigen Verlag, alte literarische Schätze hebt, hat vom S.Fischer Verlag den Auftrag bekommen, sich um Romane zu kümmern, die der Verlag einst veröffentlichte, die großen Erfolg hatten, mittlerweile aber vergessen sind.
Das ist ihm mit „Ich?“ von Peter Flamm mehr als gelungen.
1926 erschien dieser expressionistische Roman und wurde begeistert besprochen.
Am letzten Tag des Ersten Weltkrieges begibt sich Hans aus seinem Schützengraben, stolpert über einen toten Kameraden und nimmt dessen Ausweis an sich. Aus Hans wird Wilhelm.
Zuhause angekommen wird er freudig begrüßt, seine Frau und seine Freunde erkennen ihn als Wilhelm wieder, nur der Hund wittert Verdacht.
In einem langen Selbstgespräch, voller Selbstzweifel, wissen Hans/Wilhelm und wir nicht genau, erkennt sein Umfeld wirklich den wahren Heimkehrer? Hat der Krieg Hans vielleicht so verändert, dass er meint ein anderer zu sein?
Peter Flamms schmales Romandebüt bleibt verwirrend und lässt einem beim Lesen nicht mehr los.
Fast hundert Jahre alt und doch hochaktuell, auch was die benutzte Sprache anbelangt, gehört dieser Roman zu den Entdeckungen des letzten Jahres und hat hoffentlich noch länger die Möglichkeit oft gelesen zu werden.

Leseprobe

Peter Flamm, bürgerlich Erich Mosse, 1891 in Berlin geboren, begann schon während seines Medizinstudiums, in den Zeitungen seines Onkels Rudolf Mosse Feuilletons und kleinere Erzählungen zu veröffentlichen. 1926 sorgte sein psychologischer Debütroman »Ich?« bei S. Fischer für Furore. In den folgenden Jahren verfasste er neben seiner medizinischen Praxis drei weitere Romane, bis er als Jude 1933 mit seiner Frau Marianne aus Deutschland nach Paris und 1934 nach New York emigrieren musste. Dort ließ er sich als Psychiater nieder; sein berühmtester Patient war der Literaturnobelpreisträger William Faulkner, Berühmtheiten wie Albert Einstein und Charlie Chaplin gingen in seinem Haus ein und aus. 1963 starb er in New York.
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Donnerstag, 12.Oktober

www.callas-ulm.de
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Heute haben
Eugenio Montale * 1896
Ding Ling * 1904
Wilhelm Muster * 1916
Alice Childress * 1916
Vladimír Körner * 1939
Geburtstag
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„Es zeigte sich wieder, daß die Hoffnung und die Freude die besten Ärzte sind.“
Wilhelm Raabe
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(picture alliance / dpa / Jens Kalaene)

Judith Hermann erhält den Wilhelm Raabe-Literaturpreis 2023
Sie kommt am Mittwoch, den 25.Oktober um 19 Uhr in die vh Ulm (Club Orange).
Wir sind fast ausverkauft.
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Das Literarische Quartett stellt Morgen, Freitag, den 13.Oktober folgende vier Bücher vor:


Hier geht es zur Homepage:
https://www.zdf.de/kultur/das-literarische-quartett/das-literarische-quartett-vom-13-oktober-2023-100.html
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Wolfgang Schukraft schreibt:

Liebe Theater-Freunde!
An diesem Wochenende ist es so weit. Es erwartet Sie ein sicher überraschend unterhaltsamer Theaterabend: „Das Weib ist ein Kerl“, gespielt von Sven Djurovic, geschrieben und inszeniert von mir. Es ist das pralle Leben: eine Chevalière aus dem 18. Jahrhundert und ein Offizier aus der Gegenwart. Während die Chevalière wie ein Paradiesvogel über ihr Leben fliegt, überwindet der Bundeswehroffizier in aller Ehrlichkeit die Hürden seines Problems: er möchte ein selbstbestimmtes Leben führen. Also weit entfernt von einem akademischen Genderdiskurs.
Premiere ist am Samstag, 14. Okt., und am Samstag, 15. Okt., jeweils um 19 Uhr im Kunstverein, Schuhhaussaal, Kramgasse 4 (hinter dem Münster) in Ulm.
Karten gibt es bei der Bücherstube Jastram, an der Abendkasse ab 18.15 Uhr. 
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Foto: SWP Ulm

Podium Klimakatastrophe – zwischen Lähmung und Engagement.
Diskussion zwischen Letzter Generation, Theologie und Psychologie.
Dienstag, 17. Oktober 2023 um 19:00 Uhr im Haus der Begegnung, Grüner Hof 7,

Die Ergebnisse der Wissenschaft zu den Fakten der Klimakatastrophe lösen verschiedene Reaktionen aus. Es werden persönliche und politische Hintergründe fürs Handeln offen gelegt und diskutiert. Es geht dabei ehrlich zu: Eigene Fragen und Ratlosigkeit wie ermutigende Erfahrungen kommen zur Sprache. Dabei suchen die unterschiedlichen Podiumsteilnehmer Perspektiven, die ein hilfreiches Engagement stärkten. Kritische gegenseitige Befragung der Podiumsteilnehmenden auch zu den gewählten Methoden ist inbegriffen. Das Publikum ist eingeladen, mitzudiskutieren.

Mitwirkende:
Christine Mayer, Studierende der Informatik in Ulm und Lorenz Hund, Studierender der Elektrotechnik und Informationstechnik an der TH Ulm, beide engagiert bei der Letzten Generation. 
Peter Lehmann, Psychologischer Psychotherapeut in eigener Praxis und Gabriele Eiche, Psychologische Psychotherapeutin in eigener Praxis, beide engagiert bei Psychologists for Future.
Christoph Reichel, Theologe und Pfarrer i.R, engagiert im Haus der Nachhaltigkeit.

Moderation:
Andrea Luiking, Leiterin Haus der Begegnung

Eintritt frei
Ort: Haus der Begegnung, Grüner Hof 7, 89073 Ulm
Veranstalter: HdB

Freitag, 22.September


Heute haben
Hans Leip * 1893
Rosemunde Pilcher * 1924
Fay Weldon * 1931
Lutz Rathenow * 1952
Peter Prange * 1955
Geburtstag.
Und auch Hans Scholl * 1918 (Weiße Rose)
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Hermann Hesse
September

Der Garten trauert,
Kühl sinkt in die Blumen der Regen.
Der Sommer schauert
Still seinem Ende entgegen.

Golden tropft Blatt um Blatt
Nieder vom hohen Akazienbaum.
Sommer lächelt erstaunt und matt
In den sterbenden Gartentraum.

Lange noch bei den Rosen
Bleibt er stehen, sehnt sich nach Ruh.
Langsam tut er die [großen
Müdgewordenen Augen zu.
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Ein sehr bewegender Text- und Bildband:


Hg.: Aurélie Bros: „Wie ein Lichtstrahl in der Finsternis
Briefe von Frauen aus der Ukraine an die freie Welt
Mit einem Nachwort von Friedensnobelpreisträgerin Oleksandra Matwijtschuk.
Elisabeth Sandmann Verlag € 30,00

Die Journalistin Aurélie Bros wir mit einem Hilfsprogramm für JournalistInnen in der Ukraine, als das Land von Russland überfallen worden ist. Sie bat Frauen (Journalistinnen, Lehrerinnen, Studentinnen, Schülerinnen, eine Soldatin, ein Model, …) Briefe an die freie Welt zuschreiben, damit wir verstehen sollen, was dort passiert.
Da gibt es Marjana, die sich sicher war, dass ihr Land angegriffen wird und immer einen roten Benzinkanister im Auto hatte. Der Koffer war längst gepackt und die Dokumentenmappe lag oben auf. Als es so weit war, hat sie noch ihre Blumen gegossen, obwohl sie wusste, dass sie nicht mehr zurückkommt. Da gibt es Jerry Heil, die extra ein Lied für dieses Buch komponiert hat. Sie möchte dazu beitragen, dass wir die Ukraine besser verstehen und ihr Brief endet mit der Hoffnung, dass der Krieg zuende ist, wenn das Buch erschienen ist. Kristina, die nach Ingolstadt geflohen ist, schreibt über die Zerstörung Mariupols und wie schwierig es war, die Stadt zu verlassen.
Aurélie Bros schreibt: „Es gibt die Schockphase, wo jeder ängstlich wird und nicht weiß, wie es weitergeht. Angst ist extrem spürbar. Dann kommt die zweite Phase, in der die Akzeptanz da ist. Die Leute haben immer noch Angst. Aber die Fragen verändern sich: Wie kann ich mit dem Alltag zurecht kommen? Wie kann ich meine Routine haben? Und dann kommt die Phase, wo die Ukrainer auch bemerken, dass das Interesse im Westen für den Krieg langsam sinkt. Und dann kommt die Angst wieder. Aber eine andere Angst.“

Bitte klicken Sie auf den untenstehenden Link, um auf den ZDF-Beitrag zu gelangen:

https://www.zdf.de/nachrichten/heute-journal/stimme-frauen-krieg-100.html?&utm_campaign=handel_20230921&utm_source=newsletter&utm_medium=email&utm_content=link_bild_zdf
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Nach dem Spiel ist vor dem Spiel, wie Sepp Herberger sagte.
Nach dem tollen Abend mit Luca Kieser, geht es am kommenden Dienstag mit Charlotte Gneuß und ihrem Debüt „Gittersee“ weiter. Spät in der Nacht blinkte auf Lucas Handy eine Frage von Charlotte auf. „Wie war’s?“. Na super war’s und wir freuen uns auf Charlotte Gneuß.

Samstag, 12.August

Heute haben
Jacinto Benaventa * 1866 (Nobelpreis 1922)
Alfred Kantorowicz * 1899
Miguel Torga * 1907
Karl Mickel * 1935
Ulrich Treichel * 1952
Geburtstag
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Carl Busse
Im August

Moorblüthe leuchtet im Purpurkleid,
Singende Bienen weit und breit.

Badende Kinder, sonnenbetaut,
Plätschern im Flusse mit jubelndem Laut.

All die Lerchen aus Rand und Band,
Wanderlieder durchklingen das Land.

Und vom Himmel das leuchtendste Stück
Blieb in den Blicken der Menschen zurück.
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Eine Entdeckung:


Yevgeniy Breyger: „Frieden ohne Krieg
Gedichte
kookbooks € 24,00

Auf diesen Lyrik-Band, auf diesen Autor, bin ich durch eine Buchbesprechnung gekommen.
Unglaublich starke, emotionale, aktuelle und wohl auch sehr biographisch-persönliche Texte finden sich in dem schön gestalteten Band.
Yevgeniy Breyger hat einen Gedichtband fertig, ist mit dem Lektorat im Gespräch, letzte Änderungen stehen an. Dann fällt Russland in die Ukraine ein, tötet und mordert. Jetzt kann er den vorgelegten Gedichtband nicht veröffentlichen. Ein Buch voller Lyrik, in denen dieser Krieg nicht vorkommt.
Also zieht er alles zurück und beginnt neu zu schreiben. Wie soll das gehen, in der Schnelle?
Das Ergenis sehen wir hier. Texte über den Überfall, über Literaturveranstaltungen in Deutschland, in der viel geredet wird, aber nicht über den Krieg. Nicht über Mord, Folter und Vergewaltigung.
Für den Autor ist es nicht zum Aushalten. Aber er schreibt es auf.

Dies schreibt der Verlag:

Der Gedichtband „Frieden ohne Krieg“ von Yevgeniy Breyger beginnt mit einem tagebuchartigen erzählenden Langgedicht in einfacher mündlicher Sprache, das die Geschichte seiner jüdischen Familie während des Holocausts bis hin zur Flucht aus der Ukraine nach Beginn des russischen Angriffskriegs beschreibt. Dieses und die folgenden zahlreichen Erzählepisoden verbinden dabei stets aktuellste Ereignisse aus dem Krieg mit unmittelbaren Erfahrungen des Dichters und seiner Familie, die damit in Kontext gesetzt werden. Die Gedichte sind hochgradig emotional, privat und autobiographisch. Es entsteht der Eindruck eines nicht-fiktionalen persönlichen Kriegsjournals, einschließlich der Auseinandersetzung mit den zwei Muttersprachen Deutsch und Russisch, die der hadernde Dichter als russischsprachiger ukrainischer Jude nun als kontaminiert begreift, um im letzten Gedicht doch einen Ausblick auf die Möglichkeit von Glück, Frieden und dem Entwachsen von Neuem aus Altem zu bieten. Folgerichtig schließen sich an diesen etwa 50-Seitigen-Zyklus zwei weitere Teile an – eine wieder klassisch gedichthafte leise und feine Auseinandersetzung mit der Tatsache, das Ukrainische Mütter während des Kriegs in die Idee entwickeln, Kontaktadressen auf die Rücken ihrer Kinder zu schreiben, sollten sie selbst im Zuge der Angriffe umkommen, um den Kindern ein Weiterleben zu ermöglichen; sowie ein dreisprachiges Langgedicht, zu gleichen Teilen Deutsch, Russisch und Englisch, das Verbindungen zu T.S. Eliots „The Waste Land“ herstellt und Parallelen zu den Ereignissen aufzeigt die 2022 inzwischen ihr 100-jähriges Jubiläum fristen und damals zu Faschismus, Krieg und Massenmord geführt haben. Bei aller Verzweiflung dieser Gedichte, scheint jedoch stets Ergriffenheit und damit Hoffnung aus ihnen hindurch. „Frieden ohne Krieg“ ist ein tröstendes aktuelles Werk, eines, das in diesen Zeiten dringend gebraucht wird.

#reite den weg

liebes tagebuch, kriegsbuch, asbestbuch und schwefelbuch dampf-
schwadenbuch über panzerkarossen, das kind
rollt in den haufen fallobst. die botschaft auf seinem rücken
wird lesbar. neben mir sitzt die lampe, denn jedes
bescheidene ding ist ausgezogen. rette weiter! reite den weg
du flüsterst: wir treten den weg, wir malträtieren den weg
verschwinde weg, verschwinde phosphor, greller als wort
und idee. du flüsterst dem kind: dreh dich um, schöner stein°

Mittwoch, 29.März


Heute haben
Yvan Goll * 1891
Ernst Jünger * 1895
Ur-Opa Hans * 1927
Georg Klein * 1953
Jo Nesbo * 1960
Geburtstag
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John Höxter (1884–1938)
Pro domo

Wenn ich wollte, was ich könnte,
Könnt’ ich eher, was ich wollte;
Doch wie will ich wollen können,
Und wie kann ich können wollen
Ohne Muß zum Können wollen,
Da man wollen kann, wer muß!
Müßt’ ich wirklich, was ich müssen wollte,
Könnt’ ich sicher, was ich können muß.
Seht! Ein Mann, der manches können könnte,
Wenn der gute Mann nur wollen wollte.
Er verstummt und macht vorzeitig Schluß,
Weil (nach Nathan) kein Mensch müssen muß!
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Unser Buchtipp:


Laurent Mauvignier: „Von Menschen“
Aus dem Französischen von Annette Lallemand
Wagenbach Verlag Taschenbuch € 15,00

Das ist das Besondere am Bücherlesen. Dass sich plötzlich Parallelen auftun, von denen man nichts ahnte, die sich eröffnen, nachdem das eine Buch zu Ende, das andere Buch gerade begonnen wird zu lesen.
Vor zwei Tagen hatte ich „Der Keim“ besprochen. Den Roman über Verbrechen, Schuldzuweisung und Sühne. Jetzt der Roman des Franzosen Laurent Muvignier, der 2009 im Französischen und 2011 im Deutschen unter dem Titel „Die Wunde“ erschienen ist.
Auch hier ist es wieder eine kleine, überschaubare Dorfgemeinschaft, in dem Bernard, der Aussenseiter, der Alkoholiker einer Straftat bezichtigt wird. Er schenkt seiner Schwester zum 60.Geburtstag eine goldene Brosche. Woher hat er das Geld? E, der sonst nie etwas hat, der abgelegte Kleidung trägt, irgendwo in einer Hütte im Wald lebt und immer wieder etwas zu Essen zugesteckt bekommt. Es scheint unmöglich, dass dieser, nach Rauch stinkende Kerl, so etwas Wertvolles auf legalem Weg erworben haben kann. Die Situation eskaliert, Bernard verschwindet und bedrohnt danach noch die algerische Familie im Dorf. Der Bürgermeister und die Polizei werden eingeschaltet. Sie wollen Bernard zur Rede stellen.
Hier wechselt die Perspektive und Bernards Cousin Rabut erzählt in Rückblicken ihrer beider Zeit als Soldaten im Krieg in Algerien. Dieses Trauma hat beide, auch vierzig Jahre später, nicht mehr losgelassen. Diese schrecklichen Erfahrungen und das kollektive Schweigen führte u.a. dazu, dass Bernard so ist, wie er ist und Rabut keine Nacht durchschlafen kann.
Laurent Mauvignier hat nicht nur ein Buch über den Algierienkrieg geschrieben, sondern ein Buch über Krieg überhaupt. Und dies so geschickt erzählt, dass wir beim Lesen unser Verhältnis zu den einzelnen Personen immer wieder neu überdenken.


Montag, 20.März

Heute haben
Ovid * 43 v.Chr.
Friedrich Hölderlich * 1770
Henrik Ibsen * 1828
Ralph Giordano * 1923
David Malouf * 1934
Christoph Ransmayr * 1954
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Friedrich Schiller

Es donnern die Höhen, es zittert der Steg,
Nicht grauet dem Schützen auf schwindlichtem Weg,
Er schreitet verwegen
Auf Feldern von Eis,
Da pranget kein Frühling,
Da grünet kein Reis;
Und unter den Füssen ein neblichtes Meer,
Erkennt er die Städte der Menschen nicht mehr,
Durch den Riss nur der Wolken
Erblickt er die Welt,
Tief unter den Wassern
Das grünende Feld.
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Neben den zahlreichen Neuerscheinung über Putin und dem sehr erhellenden Buch von Claudia Kemfert: „Schockwellen“, in dem sie aufzeigt, wie lange schon deutsche Politiker über das Denken Putins Beschweid wussten und sich trotzdem in eine große Abhängigkeit mit ihm begaben, gibt es seit Ende Februar von Dr.Klaus Gestwa einen Thesencheck zum Krieg in der Ukraine.

Diese 8 Behauptungen über den Krieg in der Ukraine sind falsch

Dr. Klaus Gestwa, Professor für Osteuropäische Geschichte von der Universität Tübingen, widerlegt 8 populäre Theorien zu Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine.

00:00 – Intro – Prof Dr. Klaus Gestwa stellt sich vor
01:46 – These 1 – Die NATO hat Russland bedroht – Putin musste sich verteidigen.
06:52 – These 2 – Die Ukraine gehört historisch gesehen zu Russland.
13:38 – These 3 – Niemand kann genau sagen, was Putin will.
18:53 – These 4 – Die Ukraine ist kein demokratischer Staat, sondern wird vom Westen und von Oligarchen gesteuert.
22:36 – These 5 – Die Krim und der Donbas gehören historisch gesehen zu Russland.
30:17 – These 6 – Wer Waffen liefert verlängert den Krieg.
36:56 – These 7 – Russische Medien lügen auch nicht mehr als westliche.
41:56 – These 8 – Die Ukraine und der Westen hätten den Krieg längst über Verhandlungen beenden können

Zu den im Video genannten Quellen: https://docs.google.com/document/d/1x…
weitere Informationen zu Prof. Dr. Klaus Gestwa: https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus_G…

Universität Tübingen Institut für Osteuropäische Geschichte und Landeskunde © 2023

Mittwoch, 12.Oktober

Heute haben
Eugenio Montale * 1896
Ding Ling * 1904
Wilhelm Muster * 1916
Alice Childress * 1916
Vladimír Körner * 1939
Geburtstag
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Klabund
Fluch des Krieges

Im Schnee des Tienschan grast das dürre Roß.
Drei Heere sanken vor dem wilden Troß.
Die gelbe Wüste liegt von weißen Knochen voll.
Der Pferde Schrei wie schrille Flöte scholl.

Es schlingen Eingeweide sich von Baum zu Baum in Schnüren,
Die Raben krächzend auf die Zweige führen.
Soldaten liegen tot auf des Palastes Stufen.
Es mag der tote General die Toten rufen.

So sei verflucht der Krieg! Verflucht das Werk der Waffen!
Es hat der Weise nichts mit ihrem Wahn zu schaffen.
Er wird die Waffe nur als letzte Rettung schwingen,
Um durch den Tod der Welt das Leben zu bezwingen.
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Unser Kinderbuch-Bilderbuch-Erwachsenen-Mutmachbuch:

Kobi Yamada (Text), Charles Santoso (Illustrationen): „Das Glück in dir
Wie du dein Leben lebendiger machst
Adrian Verlag € 14,95

Vielleicht ist es einfach mal gut in dieses Buch hineinzublättern.
In unseren Zeiten voller Zweifel, Trauer, Unsicherheit ist eine Geschichte über das Glück gar nicht so schlecht.
Eine Geschichte voller Weisheit und Wunder und eine zeitlose Einladung, mutig zu leben, sich fürsorglich zu kümmern und das Beste aus jedem einzelnen Moment zu machen.
Ein Buch für die Kleinen, die noch so viel vor sich haben, die Großen, die in der Verantwortung stehen und die Alten, die schon so viel erlebt haben.
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Morgen, am Donnerstag, den 13.Oktober ist Rudi Deuble bei uns in der Buchhandlung zu Gast und stellt Band 8 von Peter Kurzecks auf 12 Bände angelegtes Werk „Das alte Jahrhundert“ vor.
Peter Kurzeck, mit unzähligen Preisen geehrt, konnte sein Werk nicht vollenden. Seine Hinterlassenschaft ist jedoch enorm, so dass alle 12 Bände erscheinen werden.
Er ist der Meister des biografischen Romanes, des genauen Beobachtens und Archivierens und ein begnadeter Erzähler, wie seine Hörbucheinspielen beweisen.


Peter Kurzeck: „Und wo mein Haus?
Schöffling Verlag € 24,00

Bei uns in der Buchhandlung
Beginn: 19 Uhr
Eintritt: € 8,00