Samstag, 4.November


Heute haben
Felix Braun * 1885
Klabund * 1890
Gert Ledig * 1921
Judith Herzberg * 1934
Bettina Wegner * 1947
Erich Wolfgang Skwara * 1948
Geburtstag
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Selma Meerbaum-Eisinger
Kristall

Ganz still. Und viele welke Blätter liegen
wie braunes Gold, in Sonne eingetaucht.
Der Himmel ist sehr blau,
und weiße Wolken wiegen.
Ein heller Frost den Reif auf Bäume haucht.

Die Tannen stehen frisch und grün,
und ihre Wipfel zeigen in die Luft.
Und rote Buchen schlank und kühn
hör’n auf den Adler, dessen Flug sie ruft,
und steigen immer höher himmelan.
Einsame Bänke stehen dann und wann
und auch ein bißchen Gras, schon halb erfroren –
die Sonne hat’s zu ihrem Liebling auserkoren.

8.12.1940
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Ende Oktober war Jan Wagner in der vh Ulm und hatte seinen neuen Gedichtband dabei.


Jan Wagner: „Steine & Erden

Hanser Verlag € 22,00

Die neue Gedichten Jan Wagners erzeugen eine Atmosphäre, eine Stimmung, die einzigartig in der deutschsprachigen Lyrikwelt ist. Kleinigkeiten, Nebensächliches, Unscheinbares und am Wegesrand Vergessenes kommt hier zu Tage.
Wer kennt schon einen Lyrikband, der mit einem Gedicht über alte Autoreifen, die irgendwo an einem Bahndamm gestapelt sind, beginnt? In der Leichtigkeit seines Gedichtes entstehen sofort Bilder im Kopf und lassen mich schmunzeln, über die Treffsicherheit seiner Sichtweise.
Arno Schmidts „Kühe in Halbtrauer“ tauchen kurz auf im Gedicht „kühe“:

einmal umschlossen sie, kurz hinter swords,
uns und das auto, zogen mit der würde
einer begräbnisfeier, doch nur halb so schwarz,
an uns vorüber. einmal waren wir herde. …

Im Gedicht „krähenghasele“ lese ich die Zeile „gestenreich wie eine witwe auf sizilien“, wo wir doch gestern Abend mit Germana Fabiano und Ihrem Buch „Mattanza“ genau dort gelandet sind.

Sie merken schon, in Jan Wagners finden wir alles und das, ohne ausschweifend zu werden und uns mit dem Kleinen begnügnen und darin unseren Kosmos wiederfinden.

Schauen Sie einfach mal in die Leseprobe.
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Am kommenden Dienstag, den 7.November stellen wir wieder vier neue Bücher vor.
Clemens Grote liest aus:

Toni Morrison: Sehr blaue Augen
Florian Illies: Die Zeit der Stille
Necati Öziri: Vatermal
Lauren Groff: Die weite Wildnis

Beginn: 19 Uhr
Eintritt: frei

Wir freuen uns auf Ihr/Euer Kommen.

Dienstag, 19.September


Heute haben
William Golding * 1911
Carlo Fruttero * 1926
Stefanie Zweig * 1932
Wiktor Jerofejew * 1947
Gerhard Köpf * 1948
Geburtsag
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Klabund
Liebeslied

Hui über drei Oktaven
Glissando unsre Lust.
Laß mich noch einmal schlafen
An deiner Brust.

Fern schleicht der Morgen sachte,
Kein Hahn, kein Köter kläfft.
Du brauchst doch erst um achte
Ins Geschäft.

Laß die Matratze knarren!
Nach hinten schläft der Wirt.
Wie deine Augen starren!
Dein Atem girrt!

Um deine Stirn der Morgen
Flicht einen bleichen Kranz.
Du ruhst in ihm geborgen
Als eine Heilige und Jungfrau ganz.
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Kia Vahland: „Farbe bekennen
Alte Bilder, neue Zeiten
Insel-Bücherei € 15,00

Die Kunsthistorikerin und -kritikerin Kia Vahland schreibt u.a. für die Süddeutsche Zeitung und unterrichtet am Kunsthistorischen Institut der Ludwig-Maximilians-Universität München und an der Deutschen Journalistenschule. Ihre Bücher, Leonardo da Vinci und die Frauen, Schattenkünstler, Von Caravaggio bis Velázquez und Gartenreich Wörlitz wurden mehrfach ausgezeichnet.
In dieser sehr schönen Ausgabe in der Insel-Bücherei können wir einige Ihrer Kolumnenbeiträge wiederfinden.
Die letzten Jahre waren geprägt von einer Pandemie, drastischen Veränderungen des Klimas, unerwartete Veränderungen in Demokratien, einem Krieg in Europa und vielen Unsicherheiten im alltäglichen Leben für uns in Mitteleuropa. Kia Vahland zieht zu einzelen Bereiche Bilder alter Meister zurate und beginnt mit Pablo Picassos Guernica als Symbol gegen den Krieg. Vermeers Straße in Delft stellt sie unter das Motto „Gegen die urbane Ödnis“ und wie vor vielen Jahren ein gemeinsamen Leben und Wohnen in einer kleinen Straße, unter einem Dach, möglich war. Raffaels Portäts des Papstes „Julius II.“ nimmt sie als Zeichen, wie es um unsere Machtpersonen bestellt ist. Nicht als mächtigen Herrscher und Tyrannen stellte Raffael den Papst dar, sondern als einen nach vorne gebeugten, alten Mann. Ein Herrscher nicht als Feldherr, sondern einer, der nachdenkt. „Nicht wir müssen den Regierenden gefallen, sondern sie uns“, schreibt die Autorin am Ende des Beitrages.
Kasimir Malewitschs Sportler steht unter dem Motto „Die vielen Farben der Revolution“. Es folgen u.a. Bilder von Artemisia Gentileschi, Peter Paul Rubens, Tizian, Leonardo Da Vinci, Rembrandt und Charlotte Salomon, deren Ausstellungen gerade im Lenbachhaus in München zu Ende gegangen ist. „Das Leben als Leben feiern“ überschreibt Kia Vahland ihren Artikel zum Bild Singspiel aus dem Zyklus „Leben? oder Theater?“. Charlotte Salomon wurde 26jährig, schwanger, gleich nach ihrer Ankunft in Auschwitz ermordet. „Es ist das Leben, das zählt. Und wer unter den Heutigen das Glück hat, es zu genießen, sollte dies tun.“, so Kia Vahland.
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Heute um 10 Uhr wird die Shortlist zum Deutschen Buchpreis bekanntgegeben. Vielleicht ist ja eine, oder einer unserer eingeladenen AutorInnen dabei. Wir sind gespannt.

Donnerstag, 8.Dezember

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Der 8.Dezember mit Anke Raum
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Heute haben
Horaz * 65 v chr.
Bjornstjerne Bjornson * 1832 (Nobelpreis 1903)
John Banville * 1945
Bill Bryson * 1951
Louis de Bernières * 1954
Geburtstag
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Klabund
Winterschlaf

Indem man sich nunmehr zum Winter wendet,
Hat es der Dichter schwer,
Der Sommer ist geendet,
Und eine Blume wächst nicht mehr.

Was soll man da besingen?
Die meisten Requisiten sind vereist.
Man muß schon in die eigene Seele dringen
– Jedoch, da haperts meist.

Man sitzt besorgt auf seinen Hintern,
Man sinnt und sitzt sich seine Hose durch,
– Da hilft das eben nichts, da muß man eben überwintern
Wie Frosch und Lurch.
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Unser Jahresrückblick.Das Beste aus dem Januar.

Was für ein toller Fotoband:

Benjamin Grant / Timothy Dougherty: „Unsere Erde – vorher und nachher
250 Satellitenaufnahmen zeigen, wie wir die Welt verändern
Übersetzt von Nina Goldt
DuMont Verlag € 38,00

„Es liegt eine Kraft darin, die Welt von oben zu sehen.“
Benjamin Grant

Roger Willemsen beendet seinen schmales Buch „Wer wir waren“ mit Berichten von Menschen, die die Erde von „aussen“ gesehen haben und wie sich ihre Einstellung zu unserem Planeten geändert hat.
Hier haben wir Dank der modernen Technik phantastische Satellitenaufnahmen unserer Erde. Kunstwerke sind sie. Ob Wüstenlandschaften, der Suezkanal, die grauen Dächer von Neu Dehli, der Strand von Rimini, Industrie- und Straßenlandschaften, Flughäfen – so aus der Ferne betrachtet strahlen sie eine unglaubliche Schönheit aus. Die Gewächshäuser im Süden Spaniens gleichen einem großen Gemälde, Straßenzüge mit Einfamilienhäuser bilden Perlenketten in allen Farben.
Und gleichzeitig spielt in diesem Bildband der Faktor „Zeit“ eine große Rolle.
Wie hat sich unsere Erde in den letzten Jahrzehnten verändert. Die Auswirkungen von Konsum, Urbanisierung, Transportwesen und Umweltkatastrophen werden sichtbar gemacht: Im Niemandsland entstehen neue Städte, durch Brandrodung wird Agrarfläche nutzbar gemacht und durch neue Staudämme verschwinden ganze Landstriche peu à peu unter Wasser. Die Aufnahmen veranschaulichen aber auch, wie die menschliche Kraft für den Klimaschutz genutzt werden kann, z. B. durch die restlose Beseitigung des Mülls von 80.000 Besuchern beim Burning Man Festival.

Ein wunderschöner Bildband, der an eine Ausstellung mit riesigen Ölgemälden erinnert.
Und wenn wir das Museum verlassen brüllt uns der Straßenverkehr entgegen.


Mittwoch, 12.Oktober

Heute haben
Eugenio Montale * 1896
Ding Ling * 1904
Wilhelm Muster * 1916
Alice Childress * 1916
Vladimír Körner * 1939
Geburtstag
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Klabund
Fluch des Krieges

Im Schnee des Tienschan grast das dürre Roß.
Drei Heere sanken vor dem wilden Troß.
Die gelbe Wüste liegt von weißen Knochen voll.
Der Pferde Schrei wie schrille Flöte scholl.

Es schlingen Eingeweide sich von Baum zu Baum in Schnüren,
Die Raben krächzend auf die Zweige führen.
Soldaten liegen tot auf des Palastes Stufen.
Es mag der tote General die Toten rufen.

So sei verflucht der Krieg! Verflucht das Werk der Waffen!
Es hat der Weise nichts mit ihrem Wahn zu schaffen.
Er wird die Waffe nur als letzte Rettung schwingen,
Um durch den Tod der Welt das Leben zu bezwingen.
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Unser Kinderbuch-Bilderbuch-Erwachsenen-Mutmachbuch:

Kobi Yamada (Text), Charles Santoso (Illustrationen): „Das Glück in dir
Wie du dein Leben lebendiger machst
Adrian Verlag € 14,95

Vielleicht ist es einfach mal gut in dieses Buch hineinzublättern.
In unseren Zeiten voller Zweifel, Trauer, Unsicherheit ist eine Geschichte über das Glück gar nicht so schlecht.
Eine Geschichte voller Weisheit und Wunder und eine zeitlose Einladung, mutig zu leben, sich fürsorglich zu kümmern und das Beste aus jedem einzelnen Moment zu machen.
Ein Buch für die Kleinen, die noch so viel vor sich haben, die Großen, die in der Verantwortung stehen und die Alten, die schon so viel erlebt haben.
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Morgen, am Donnerstag, den 13.Oktober ist Rudi Deuble bei uns in der Buchhandlung zu Gast und stellt Band 8 von Peter Kurzecks auf 12 Bände angelegtes Werk „Das alte Jahrhundert“ vor.
Peter Kurzeck, mit unzähligen Preisen geehrt, konnte sein Werk nicht vollenden. Seine Hinterlassenschaft ist jedoch enorm, so dass alle 12 Bände erscheinen werden.
Er ist der Meister des biografischen Romanes, des genauen Beobachtens und Archivierens und ein begnadeter Erzähler, wie seine Hörbucheinspielen beweisen.


Peter Kurzeck: „Und wo mein Haus?
Schöffling Verlag € 24,00

Bei uns in der Buchhandlung
Beginn: 19 Uhr
Eintritt: € 8,00

Montag, 20.Dezember

Jetzt ist schon ne 2 vorne dran. Es kann also nicht mehr lange dauern.

Die Abholstation im Erdapfel Bistro in Söflingen hat bis zum Donnerstag, 23.Dezember geöffnet und dann wieder ab Montag, den 10.Januar 2022.
In den Tagen dazwischen können die Lieferungen vorne im Erdapfel Biomarkt abgeholt werden.
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Heute haben
Friederike Mayröcker * 1924
Gernot Wolfgruber * 1944
Geburtstag
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Klabund
Winterschlaf

Indem man sich zum Winter wendet,
Hat es der Dichter schwer,
Der Sommer ist geendet,
Und eine Blume wächst nicht mehr.

Was soll man da besingen?
Die meisten Requisiten sind vereist.
Man muß schon in die eigene Seele dringen
– Jedoch, da hapert’s meist.

Man sitzt besorgt auf seinem Hintern.
Man sinnt und sitzt sich seine Hose durch,
– Da hilft das eben nichts, da muß man eben überwintern
Wie Frosch und Lurch.
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Anja Kampmann antwortet auf meine Anfrage von vor ein paar Wochen erst jetzt, da sie sich in die Arbeit für ihren neuen Roman vergraben hat.

1. Welches Buch lesen Sie gerade?
Lehrjahre der Männlichkeit, Flaubert

2. Welches Buch empfehlen Sie unbedingt?
Pierre Michon, Leben der kleinen Toten

3. Welches Buch wollen Sie schon immer mal (wieder) lesen?
Unbedingt wiederlesen: Faulkner, As I lay dying

Vielen Dank!!
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Wolfgang Schukraft singt uns was:

Donnerstag, 4.November

Wer findet den Ulmer Spatz?

Heute haben
Klabund * 1890
Gert Ledig * 1921
Geburtstag
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Klabund
Es ist genug

Es ist genug. Mein trübes Licht
Bereit′ sich zu erlöschen.
Ich hab′ vertan mein Recht und Pflicht
Und meiner Seel′ vergessen.

Es ist genug. Es weht ein Wind,
Weht nicht von Ost nach Norden.
Auf der Milchstraße wandert ein weißes Kind,
Ist nicht geboren worden.

Du über den Häusern heller Schein,
Wovon bist du so helle?
Stehst du um die Stirn einer Jungfrau rein
Oder brennt ein Sünder zur Hölle?
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Kennen Sie ein (Bilder)buch über Nüsse?
Nein? Jetzt gibt es eins.


Sophie und Anna-Lena Mikosch: „Malte und das Geheimnis des Walnussbaums“
Eigenverlag 80 Seiten € 18,90
Sachbilderbuch ab 5 zum Vorlesen und ab 8 Jahren zum Selberlesen.

Da stehen zwei junge Damen im Laden, haben ne Tasche mit Bücher dabei und stellen sich als Autorin und Illustratorin dieses schönen Bilderbuches vor. Wunderbar!



„Malte und das Geheimnis des Walnussbaums“ ist ein erzählendes Sachbuch zum Thema Nüsse für Kinder, aber auch die vorlesenden Erwachsenen werden bestimmt viel Neues darin erfahren. Denn es geht darum, wo all die Nüsse, die wir hier wie selbstverständlich essen (Cashewnüsse, Mandeln, Erdnüsse, Pistazien und Co) eigentlich herkommen, wie sie wachsen und vieles mehr. Auch der Aspekt der Nachhaltigkeit wird thematisiert und warum es Sinn macht, z.B. auf Fairtrade zu achten. Und das alles eingebunden in eine schöne Geschichte über Maltes Reise um die Welt, mit einer kleinen Fee, die ihn zu den jeweiligen Orten bringt, wo die Nüsse wachsen. Dazu gibt es auf jeder Doppelseite bunte Illustrationen.

Hier bekommen Sie einen weiteren Einblick ins Buch: www.muetterimpulse.de
Das Buch eignet sich auch prima als Basis für herbstliche und vorweihnachtliche (Kindergarten-)Projekttage oder Schulstunden zum Thema „Nüsse“.
Auf der Bonus-Seite zum Buch im Internet gibt es zusätzliche Ideen für Aktivitäten rund um die Nuss.

Mittwoch, 2.Juni

Heute haben
de Sade * 1740
Thomas Hardy * 1840
Max Aub * 1903
Marcel Reich-Ranicki * 1920
Sibylle Berg * 1962
Geburtstag
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Unser Tipp für den ganzen Monat Juni:


Juni
Gedichte
Hrsg.: Evelyne Polt-Heinzl und Christine Schmidjell
Reclam Verlag € 5,00

„Frühling lässt sein blaues Band ….“
Naja, es war doch ein arg kühler Mai und es hat immer noch an Regen gefehlt, habe ich gelesen.
Und schon sind wir im Juni, die VerlagsvertreterInnen und -Vertreter scharren mit den Hufen und noch drei Wochen und wir haben den längsten Tag des Jahres.

Im bunten Wiesenstück
Blütenduft und erste Früchte
Düstere Junitage
Der Sommer ist da
Besondere Tage

So nennen die Herausgeberinnen die einzelnen Kapitel.
Herausgesucht habe ich drei Gedichte aus der bunten Auswahl in diesem Reclam Bändchen.

Christian Morgenstern
Butterblumengelbe Wiesen

Butterblumengelbe Wiesen,
sauerampferrot getönt –
o du überreiches Sprießen,
wie das Aug‘ dich nie gewöhnt!

Wohlgesangdurchschwellte Bäume,
wunderblütenschneebereift –
ja, fürwahr, ihr zeigt uns Träume,
wie die Brust sie kaum begreift.

Wilhelm Runge
Blumen flattern Sommer

Blumen flattern Sommer
Duften nimmt beide roten Backen voll
Falter wiegen Wald
Goldkäfer schreien
Mücken strampeln himmelauf und ab
heiß im Arm der Fische hängt das Bächlein
Unken patscht Libellenflügel wach

Zweige lachen
tuscheln
sonnen
strömen
Vögel wogen Wiesen
liegen flach
ziehn die Ahorndolden an den Händen
böse schelten Bienen in den Bart
Zwitschern streckt die sommerschweren Glieder
taumelnd tollt des Atems Flügelschlag
und der Augen wilde Rosen springen.

Das Denken träumt
Gelächter reimt die Straßen
zum Tanz des Blutes
schläfenaufundab
die Adern blinzeln Frühling durch die Knochen
und schlürfen tief den schweren Himmel ein
Wind spielt der Augen froh geschwellte Segel
der Stirne Knoten löst vom Tode sich
weiß über Wiesen schnattern Dörfer hin
die Städte fauchen
und zankend zerrn die Pulse ihre Zügel
nur deine Seele spielt im Sternjasmin
Lieb-Brüderchen Maßloslieb-Schwesterlein

Rosen nicken aus den Junistunden
trällern Sommerblau den Matten hin
mild aus tiefstem Herzen grünt die Heimat
ihre Lippen murmeln wälderschwer
überwelthin schwingt die Sterne Zeit
Kinderwangliebkinderwanggereiht
Krieg brüllt auf
die wilden Blumen schrein
Sonne leckt Gestöhn aus allen Poren
Frieden holt den tiefen Atem ein
und der Nächte durchgewühlte Locken

schmeicheln um der Seele zitternd Knie
Angst zerreißt der Sterne Himmelglanz
und der Abend drückt die Augen blind
einsam geigt
tief hinter Blut geduckt
ewger Kindheit wildumsehntes Glück
und der Sehnsucht über die Welt
hängende Herzen
schlagen

Klabund
Die Wirtschafterin

Drei Wochen hinter Pfingsten,
Da traf ich einen Mann,
Der nahm mich ohne den geringsten
Einwand als Wirtschafterin an.

Ich hab‘ ihm die Suppe versalzen
Und auch die Sommerzeit,
Er nannte mich süße Puppe
Und strich mir ums Unterkleid.

Ich hab‘ ihm silberne Löffel gestohlen
Und auch Bargeld nebenbei.
Ich heizte ihm statt mit Kohlen
Mit leeren Versprechungen ein.

Ich habe ihn angesch…
So kurz wie lang, so hoch wie breit.
Er hat mich hinausgeschmissen;
Es war eine wundervolle Zeit…

Mittwoch, 21.April

Heute haben
Charlotte Bronte * 1816
Peter Schneider * 1940
Geburtstag
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Klabund
Frühlingsgewölk

Die Star
Singen schön.
Die ersten Regentropfen trillern
Am Dach.

Die Wetterfahne weht
Nach Süden.
Die kleine Wiese
Weiss viel.

Träum ich die Tanne?
Träumt die Tanne mich?
Es lebt und stirbt
Sich leicht.
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Unser Tipp:


Ling Ma: „New York Ghost
Aus dem Amerikanischen von Zoë Beck
Culturbooks € 23,00

Ausgezeichnet mit dem Whiting Award * Young Lions Fiction Award * Kirkus Prize * Cabell First Novelist Award * Friends of American Writers Prize * Auf der Shortlist des PEN Award for Debut Novel

Candace Chen lebt und arbeitet in New York City. Ihre Eltern sind dortin ausgewandert und haben sie später nachgeholt. Ihren Unterhalt verdient sie mit der Organisation von speziellen Bibelausgaben, die wiederum in China hergestellt werden. Durch die Globalisierung (u.a. auch der Vertrieb dieser Bibeln) bricht ein tödlicher Pilzsporenvirus aus und infiziert Menschen rund um den Erdball. New York wird immer leerer. Candance zieht los und fotografiert für ihren anonymen Blog „NY Ghost“ die menschenleere Stadt und flieht letztendlich mit einer Gruppe Überlebender an einen „sicheren“ Ort.
Das, in Kürze die Handlung des 2018 erschienen Romans, bei der sich die Zeitebenen abwechseln.
Ling Ma ist ein kleines, großes Kunstwerk gelungen. Sie hat einen Migrationsroman, einen über die jungen Menschen in New York, eine Kritik an unserem perversen Konsumverhalten, ein Roadmovie mit Zombieeinlagen, einen über eine Pandemie geschrieben und dies noch zusätzlich verknüpft mit einer Hommage an das Zwischenmenschliche, ohne das ein Überleben nicht möglich ist. Und dies alles ist so schnell, frech, bitter, böse und liebenswert erzählt.
Kein Wunder also, dass der Roman so viele Ehrungen erhalten hat.

Ling Ma wurde in China geboren, wuchs in den USA auf und lebt in Chicago. Ihr Debütroman »New York Ghost« (Severance, 2018) gewann zahlreiche Preise (u. a. den mit 50.000 Dollar dotierten Whiting Award, den Young Lions Fiction Award und den Kirkus Prize), stand auf der Shortlist des PEN/Hemingway Award for Debut Novel und auf diversen Bestenlisten.

Freitag, 26.Februar

Heute haben
Victor Hugo * 1802
Hermann Lenz * 1913
Elizabeth George * 1949
Leon de Winter * 1954
Michel Houellebecq * 1958
Atiq Rahimi * 1962
Geburtstag
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Klabund
Selbstvergessenheit

Der Strom – floß,
Der Mond vergoß,
Der Mond vergaß sein Licht – und ich vergaß
Mich selbst, als ich so saß
Beim Weine.
Die Vögel waren weit,
Das Leid war weit,
Und Menschen gab es keine
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Gestern ausgepackt:


Jahrbuch der Lyrik 2021
Herausgegeben von Christoph Buchwald & Carolin Callies
Schöffling Verlag € 22,00, 264 Seiten

Seit über 40 Jahren erscheint das „Jahrbuch der Lyrik“, in dem von SchriftstellerInnen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz aktuelle Texte zu finden sind. In dieser Ausgabe ist Carolin Callies mit dabei, die selber erfolgreich Lyrik veröffentlicht.
Gemeinsam mit Christoph Buchwald hat sie aus den eingesandten Texten von über 600 Lyrikerinnen und Lyrikern, jungen und alten, bekannten und unbekannten, die besten Gedichte ausgewählt und in thematischen Kapiteln zusammengestellt.
So ist wieder eine einzigartige Zusammenstellung enstanden, in der wir vieles entdecken können. Texte, die zum Teil hochaktuell mit unserer Pandemie umgehen und das Verhältnis Mensch-Natur bearbeitet haben

Leseprobe

Dienstag, 8.Oktober

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John Cowper Powys * 1872
Marina Zwetajewa * 1892
Helmut Qualtinger * 1928
Hans Joachim Schädlich *1935
Jakob Arjouni * 1964
Geburtstag
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Klabund
Lied im Herbst

Wie Krieger in Zinnober
Stehn Bäume auf der Wacht.
Ich taumle durch Oktober
Und Nacht.

Blut klebt an meinem Rocke.
Mein Weg ist weit und lang.
Des Tales dunkle Glocke
Verklang.

Auf einem schwarzen Pferde
Reit ich von Stern zu Stern.
Die Sonne und die Erde
Sind fern.

Ich bin von vielen Winden
Zu Gott emporgereicht.
Werd ich den Frühling finden?
Vielleicht …
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Ab gestern, Montag, den 7.Oktober werden zentrale Straßen, Plätze und Brücken in verschiedenen Hauptstädten der Welt blockiert.
In Berlin war es rund um die Siegessäule und der Potsdamer Platz.

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„Wann wenn nicht wir“
Ein Extinction Rebellion Handbuch
Herausgegeben von: Sina Kamala Kaufmann, Michael Timmermann, Annemarie Botzki
Aus dem englischen von Ulrike Bischoff
S.Fischer Verlag € 12,00

Dies schreibt der Verlag:

Es ist Zeit!
Jetzt oder nie gilt es, radikal zu werden. Erheben wir uns. Rebellieren wir!
Dieses Buch enthält alles dafür Nötige.
Extinction Rebellion (XR) ist eine Bewegung, die in England entstanden ist. Im April 2019 legte sie London mehrere Tage lahm, gab der Innenstadt mit Straßen- und Brückenblockaden ihr eigenes Tempo und ihre eigenen Farben – das Pink der Rebellion. Ziel ist es, mit Mitteln des gewaltfreien zivilen Ungehorsams auf die existentielle Krise – das sich rasant ausbreitende Artensterben, was auch uns Menschen erfasst – aufmerksam zu machen und einen Systemwandel herbeizuführen.
Das Buch versammelt Fakten über bereits sichtbare Folgen der Klimakrise und ruft zum Handeln auf. Für alle nachvollziehbar, konkret und undogmatisch erklärt es, wie sich das Rebellieren organisieren lässt: Von der gewaltfreien Kommunikation über das Errichten von Straßenblockaden und die Vorbereitung anderer Protestaktionen bis hin zum Kochrezept für mehrere hundert Menschen.
Die XR-Aktivisten Sina Kamala Kaufmann, Annemarie Botzki und Michael Timmermann ordnen XR in den deutschen Kontext ein und ergänzen das Buch um wichtige und konkrete Informationen für das Rebellieren in Deutschland.
Jeder kann Teil der Bewegung werden – und zusammen können wir Geschichte schreiben. Dies ist erst der Anfang!

Leseprobe
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index

Heute abend stellt uns Martin Mäntele ab 19 Uhr Bücher zum Thema „Bauhaus“ vor.
Der Eintritt ist frei und Herr Mäntele für alle Fragen offen.
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Wir haben abgestimmt und unser Ergebnis an die Jury für den Deutschen Buchpreis geschickt. Mal sehen, ob sie sich dran halten.