Mittwoch, 13.Januar

Lock-Down II

Schon seit Wochen ist es still,
das Virus es so will.
Weil Politiker es wollen,
dass wir brav daheim sein sollen.

Um die Zahlen rasch zu senken,
tat der Staat mal wieder lenken
und verbot gar viele Dinge,
deren G’fahr wohl war geringe.

Die Kultur wurd‘ lahmgelegt,
was die Zahlen nicht bewegt.
Hudriwudrihopsasa,
schon sind neue Regeln da.

Und all die, die nachgedacht,
wurden einfach zugemacht.
Puff, Theater, Muckibude,
alles gleich, staunt selbst der Lude.

Heute hü und morgen hott,
Hauptsache, es geht recht flott.
Was dabei bleibt auf den Strecken,
lässt sich später auch noch checken.

Dass Kultur ein Lebens-Gut,
jeder Dödel sagen tut,
wenn er steht im Rampenlicht.
Aber glauben tut er’s nicht.

Darum auf, mit Konsequenz
stärkt die eig’ne Resilienz.
Singet, schreibet, musiziert,
dass die Kunst bleibt animiert!

© Thomas Dietrich
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Gestern frisch ausgepackt:


Maxim Leo: „Wo wir zu Hause sind
Kiepenheuer&Witsch Verlag € 12,00

Ein großartiger Roman, jetzt als Taschenbuch.
Maxim Leo erzählt die Geschichte seiner jüdischen Familie, die in Berlin gelebt hat, von dort geflüchtet ist und auf der ganzen Welt verstreut lebt.
Auf die Idee, an Hand von drei Frauenbiografien diese Geschichte zu erzählen, kam ihm, als sein israelischer Neffe nach Berlin ziehen und dort studieren will. Genau in diese Stadt, aus der in den 30er Jahren die Familie geflohen ist.
Stark erzählt und sehr versöhnlich, in einem flotten Ton geschrieben.

Mittwoch, 6.November

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Heute haben
Robert Musil * 1880
Michael Cunningham * 1952
Karin Fossum * 1954
Geburtstag
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Conrad Ferdinand Meyer
Novembersonne

In den ächzenden Gewinden
Hat die Kelter sich gedreht,
Unter meinen alten Linden
Liegt das Laub hoch aufgeweht.

Dieser Erde Werke rasten,
Schon beginnt die Winterruh –
Sonne, noch mit unverblassten,
Goldnen Strahlen wanderst du!

Ehe sich das Jahr entlaubte,
Gingen, traun, sie müßig nie,
Nun an deinem lichten Haupte
Flammen unbeschäftigt sie.

Erst ein Ackerknecht, ein Schnitter,
Und ein Traubenkoch zuletzt
Bist du nun der freie Ritter,
Der sich auf der Fahrt ergetzt.

Und die Schüler, zu den Bänken
Kehrend, grüßen jubelvoll,
Hingelagert vor den Schenken,
Dich als Musengott Apoll.
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9783462053388

Jakob Hein: „Die Orient-Mission des Leutnant Stern“
Kiepenheuer&Witsch Verlag Taschenbuch € 11.00

So aberwitzig und verrückt kann Geschichte sein. Kaum zu glauben, dass Deutschland den türkischen Sultan dazubringen wollte, den Dschihad auszurufen. Mittlerweile wäre das ein Unding, da sich die Zeitläuften entgegengesetzt entwickelt haben.
Jakob Hein, der Berliner Lesebühnenautor und Autor frecher, witziger Romane hat sich hier an ein historisches Thema herangewagt.
Als Deutschland im Ersten Weltkrieg merkt, dass die Lage schwierig wird, sucht die oberste Kriegsführung verzweifelt nach Lösungsmöglichkeiten, um den Krieg noch zu gewinnen. Sie greifen nach jedem Strohhalm und nehmen die Idee des Leutnant Sterns auf, der vorschlägt, den Suezkanal in die Luft zu sprengen und damit den wichtigsten Verbindungsweg der Engländer zu blockieren. Die Sache verläuft sich und Stern wird dafür mit 14 afrikanischen Kriegsgefangenen nach Konstantinopel geschickt, um mit diesen muslimischen Soldaten den Sultan zu überzeugen, dass er den Dchihad ausruft. Denn wenn alle muslimischen Männern der östlichen Welt zusammen gegen die Engländer und Franzosen kämpfen, ist das mit dem Sieg eine leichte Sache.
Verkleidet als Zirkustruppe machen sich Stern, die Männer aus Afrika und ein paar hohe Militärs auf Richtung Osten.
Jakob gibt in jedem seiner Kapitel einer anderen Person eine Stimme und treibt damit seine Geschichte genial voran.
Ein sehr skurilen Roman, in dem es viel zu wundern und schmunzeln gibt.
Ist es möglich, dass dies wirklich stattgefunden hat? Unglaublich.

Leseprobe
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Nicht vergessen.
Heute abend ab 19 Uhr bei uns in der Buchhandlung.
Priya Basil: „Gastfreundschaft“
Eintritt: € 8,00
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Dienstag, 25.September

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Heute haben
William Faulkner * 1897
Ernst von Salomon * 1902
Maj Sjöwall * 1935
Andrzej Stasiuk * 1960
Crlos Ruiz Zafón * 1964
Rebecca Gablé * 1964
Tanja Dückers * 1968
Geburtstag
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Max Dauthendey
Vorm Springbrunnenstrahl

Der Sommer brennt nicht mehr auf meine Haut,
Ich habe viel zu lang in die Ferne geschaut,
Daß mich das nächste Gartenbeet nicht mehr kennt,
Und mich der alte Buchsbaum schon Fremdling nennt.
Wie der Strahl des Springbrunnens sprang ich einmal
Hinein in den luftblauen Sommersaal.
Und fiel zurück und sprang von neuem auf gut Glück,
Wie ein springender Baum in der Bäume Zahl;
Und sprang doch nur täglich dasselbe Stück,
Wie der Springbrunnenstrahl, immer hoch und zurück.

Ich stehe noch immer am selben Teich,
Ringsum sommert dunkel das Blätterreich.
Viele Sommer streiften ab ihre grünen Häute;
Doch der Springbrunnen tanzt noch für die gaffenden Leute,
Und die gelben Fische schwimmen noch ihren Schatten nach
Und wedeln drunten in ihrem glashellen Gemach.
Mir ist, ich stehe seit meiner ersten Lebensstund‘
Hier am durchsichtigen Teich und sehe zum Grund,
Bald zur Höhe ins Kahle, und bald in die flache Wasserschale;
Indessen mein Blut verbraust, gleich dem scharfen Strahle,
Der aus der Erde saust und sich losreißt als ein schäumender Geist,
Und dem doch nie gelingt, daß er vom Platz fortspringt;
Der seinen Satz hinsingt mit neuem Munde, immer wieder heftig und kurz,
Und nichts der Höhe abringt, als jede Sekunde seinen eigenen Sturz.
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Susanne Link empfiehlt:

9783462051049

Michael Kumpfmüller:Tage mit Ora
Kiepenheuer & Witsch Verlag €  19,00

Ein Fünfzigjähriger, gut beringt unter den Augen und Ora ,10 Jahre jünger, lernen sich auf einer Hochzeit kennen und verstehen sich ganz gut. Als sie sagt, mit dir könnte ich verreisen, stimmt er zu und sie fliegen nach Seattle,um 10 Tage mit dem Auto gemeinsam die Orte des Songs „June on the West Coast“ abzufahren.
Reisen Sie mit den beiden – es lohnt sich.
Gute Dialoge,ungewöhnliche Orte und eine Reise,die unvergesslich bleibt.

Hier geht es zur Leseprobe.
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Das Verschwinden des Josef Mengele

Heute abend: Dienstag, 25. September 2018, 20 Uhr
Olivier Guez: „Das Verschwinden des Josef Mengele“

Stadthaus Ulm, Kulturbuchhandlung Jastram und DZOK Ulm

Lesung
Nüchtern und zugleich rasant erzählt Olivier Guez, wie es dazu kommen konnte, dass der Lagerarzt von Auschwitz, Josef Mengele, nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges dreißig Jahre lang unerkannt in Südamerika lebte.
Gedeckt von einem Netzwerk aus alten und neuen Nazis, konnten ihm weder der Mossad noch bundesdeutsche Ermittler etwas anhaben. Erst 1979 fand man seine Leiche an einem brasilianischen Strand.

Olivier Guez, 1974 in Straßburg geboren, ist Autor und Journalist. Er arbeitete unter anderem für Le Monde, die New York Times und die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Für das Drehbuch von Der Staat gegen Fritz Bauer erhielt er zusammen mit Lars Kraume 2016 den Deutschen Filmpreis.
Mit „Disparition de Josef Mengele“ gewann Guez 2017 den Prix Renaudot. In Frankreich wurden 200.000 Exemplare des Buchs verkauft. Es ist in mehr als 25 Ländern erhältlich.

Der Autor lebt in Paris und ist im September 2018 in Deutschland auf Lesereise.

Im Stadthaus lesen Olivier Guez und Clemens Grote.

Eintritt: 5 € an der Abendkasse