Donnerstag, 7.März

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Heute haben
Alessandro Manzoni * 1786
Paul Ernst * 1866
Milo Dor * 1923
George Perec * 1936
Robert Harris * 1957
Breat Easton Ellis * 1964
Joanne Harris * 1964
Geburtstag
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Heute auf dem Gedichtekalender:

Friedrich Schiller
Der spielende Knabe

Spiele, Kind, in der Mutter Schoß! auf der heiligen Insel
Findet der trübe Gram, findet die Sorge dich nicht.
Liebend halten die Arme der Mutter dich über dem Abgrund,
Und in das fluthende Grab lächelst du schuldlos hinab.
Spiele, liebliche Unschuld! Noch ist Arkadien um dich,
Und die freie Natur folgt nur dem fröhlichen Trieb;
Noch erschafft sich die üppige Kraft erdichtete Schranken,
Und dem willigen Mut fehlt noch die Pflicht und der Zweck.
Spiele! Bald wird die Arbeit kommen, die hagre, die ernste,
Und der gebietenden Pflicht mangeln die Lust und der Mut.
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Alyssa Hollingsworth: „Einmal Pech und elfmal Glück“
Illustriert von Cornelia Haas
Aus dem Amerikanischen übersetzt von Ann Lecker
Jugendbuch ab 11 Jahren

Samis Großvater spielt in der UBahn von Boston auf seiner Rubab, einer Art afghanischen Gitarre, um sich etwas Geld zu verdienen. Als dieser kurz auf der Toilette verschwinmdet und Sami auf dem Instrument herumzupft, wird es ihm entrissen. Dieb und Gitarre verschwinden im UBahn-Getümmel. Diese Rubab war das Einzige, was die beiden auf ihrer Flucht retten konnten. In Afghanistan spielte Samis Großvater als Profimusiker auf Festen und gab Konzerte. In Boston arbeitet er als Küchenhilfe.
Sami geht zur Schule und verhält sich dort sehr unauffällig. Durch diesen Vorfall ändert sich dies jedoch sehr schnell. Häuptsächlich Dan unterstützt ihn auf der Suche nach der Rubab. Sie finden sie über ebay bei einem Musikalienhändler, der jedoch $ 700 dafür haben will. Sami hat aber keinen Cent. Der Händler verspricht das Instrument eine Woche lang zurückzuhalten. Dann will er aber das Geld sehen.
„Einmal Pech und elfmal Glück“ heisst der Debütroman der us-amerikanischen Schriftstellerin und nachdem Sami die Gitarre gestohlen worden ist, hat er mindestens elfmal Glück. Er kann nämlich seinen Schlüsselanhänger von Manchster United gegen einen iPod tauschen, den Dan wieder zum Laufen bringt. Und so weiter, bis er seinem Ziel immer näher kommt. Dies geht jedoch nur mit Unterstützung seiner Schulkameraden, die zu Freunden werden. Am Ende wird es doch noch sehr spannend und Samis Plan scheint zu scheitern.
Nebenbei erfahren wir immer mehr, warum Sami und sein Großvater aus Afghanistan geflüchtet sind, was ihnen dort passiert ist und was sie auf ihrer langen Flucht erlebt haben.
Jetzt hat Sami ein neues Zuhause, denn dort wo Freunde sind, ist auch Heimat.

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Mittwoch, 24.Mai

Heute haben
Henri Michaux * 1899
George Tabori * 1914
Joseph Brodsky * 1940
Walter Moers * 1957
Michael Chabon * 1963
Geburtsag und Bob Dylan.

Vor einem Jahr schrieb ich hier:
„Wann bekommt der Kerl endlich den Literatur Nobelpreis?“
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Ein Maitag ist ein kategorischer Imperativ der Freude
Friedrich Hebbel
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Toni Morrison:Gott, hilf dem Kind
Übersetzt von: Thomas Piltz
Rowohlt Verlag € 19,95

Ich kann nichts dafür. Mir könnt ihr nicht die Schuld geben. Ich hab’s
nicht gemacht, und ich habe keine Ahnung, wie es passieren konnte.
Kaum eine Stunde hat es gebraucht, nachdem sie sie zwischen mei-
nen Schenkeln herausgezogen hatten, um zu merken, dass etwas nicht
stimmte. Ganz und gar nicht stimmte.

Dies sind die ersten Sätze aus dem neuen Buch von Toni Morrison. 86 Jahre alt ist die Literatur-Nobelpreisträgerin. Dieses Alter spürt man allerdings in keiner Sekunde. Schnell, frech, präzise, aktuell und nicht verkopft liegt der Text vor uns. Sie lässt ihre Personen sprechen. Erzählt später mit ihrer Stimme. Sie fordert, sie treibt an. Sie ist gadenlos, laut, derb, brutal. Gleichzeitig zeigt sie die Zerbrechlichkeit ihrer Peronen. Vorneweg natürlich Bride. Bride, die teerschwarz ist. Bride, die sich einen neuen Namen, eine neue exklusive Existenz aufgebaut hat. Bride, die kaum von ihrer Mutter berührt wurde. Bride, die kurzfristig die Nähe ihrer Mutter zu spüren bekam, als sie als Kind in einem Prozess gegen ihre Lehrerin aussagte und sie damit jahrelang hinter Gitter gebracht hat.
Immer wieder war ich fassungslos über die Wendungen in dem schmalen 200 Seiten Buch, habe mich auch mit dem Ende versöhnt.
Versöhnt hat sich allerdings Toni Morrison nicht mit dem täglichen, allgegenwärtigen Rassismus in den USA und ich weiß nicht, wie sie unter Trump zu leiden hat. Ein Mensch, der wohl diametral zu ihrem Wertegefühl steht.

Hier finden Sie viele Zitate, Besprechungen und Meinungen zum Buch.

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