Samstag

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Heute haben
J.R.R.Tolkien * 1892
und Maxie Wander *1933
Geburtstag.
Es ist auch der Todestag von Rose Ausländer und Eva Strittmatter.
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Julian Barnes: „Eine Geschichte der Welt in 10½ Kapiteln“
Kiwi Taschenbuch € 9,99
Titel der Originalausgabe: The History of the World in 10½ Chapters
Aus dem Englischen von Gertraude Krueger
€ 12,99

Es tut so gut, alte Bekannte wieder zu treffen. Jetzt, während der vielen Feste, sitzen sie um den Küchentisch herum und reden und auch auf dem Büchertisch im Buchladen tauchen immer wieder Freunde auf, die ich aus den Augen verloren habe. Julian Barnes‘ Buch zählt auch dazu. Was war das für ein Hype (damals gab es das Wort noch gar nicht), als sein „Flauberts Papagei“ erschienen ist. Es muss ein Haffmans-Buch gewesen sein. Und dann dieses Buch, das danach kam. Hier zeigt sich, was Barnes alles drauf hat. In diesen 10½ Kapiteln lässt er verschiedene Personen auftreten und ihre Geschichten erzählen, Hölzwürmer in der Arche Noah, ein Terrorkommando, die ein Schiff kapern, ein Fussballstar im Himmel, usw. Er berichtet von einem blinden Passagier, der mit ansehen muss, wie seine Mitreisenden einer nach dem anderen von der hungrigen Mannschaft der Arche Noah verspeist werden, von den sonderbaren Irrfahrten einer jungen Frau, von einer beschwerlichen Reise zum Berg Ararat, einem Filmdreh in Südamerika, der furchtbar in die Hose geht, von einer Geiselnahme auf hoher See, von Géricaults »Floß der Medusa« und wie aus einer Katastrophe Kunst wird. Es sind einzelne Geschichten, die Barnes gekonnt mit immer wieder auftauchenden Motiven verknüpft. Ein pures Lesevergnügen, in dem sich der satte englische Humor des Autors zeigt und auch seine Gabe mit uns, den Lesern, zu spielen. „Das Ende einer Geschichte“, ein Buch, das vor nicht all zu langer Zeit erschienen ist, spielt mit unseren Erinnerungen und verblüfft uns ein ums andere mal. Und so ist es auch hier, in diesem Buch, das 1989 im Original erschienen ist. Barnes zieht alle Register der Erzählart: Briefe, Gerichtsprotokolle, Bildbeschreibungen, Erinnerungsberichte.
Lassen Sie sich von diesem Buch verführen und genießen Sie diese Geschichte der Welt in 10½ Häppchen, die sich für jeden Abend vor dem Einschlafen gönnen können.
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Die neuen Verlagsvorschauen sind endlich ausgepackt, die dazugehörenden Leseexemplare ins Regal gestellt und jetzt kann der Wahnsinn wieder losgehen. Das Hamsterrad beginnt sich zu drehen. Nächste Woche stehen die ersten Vertreter auf der Matte und bieten uns ihre neuen Bücher an, die wir natürlich alle einkaufen sollen. Wie soll das bloß gehen? Auch wenn der Tag 34 Stunden hätte und wenn ich nur die wirklich guten Bücher rausgreifen würde – die Zeit reicht nie und nimmer. Zwei Bücher, die mir nicht sonderlich gut gefallen haben, raubten mir schon diese wervolle Zeit. Im Moment verschlinge ich den neuen Roman von Sibylle Berg, die mal wieder sehr frech ist. Ich hoffe, eine gute Auswahl an Büchern zu finden, die wir dann auf unserem großen Ladentisch präsentieren können. Ich halte Sie auf dem Laufenden.
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Es bringen

Hier kommt ein weiterer Textausschnitt aus dem Roman, aus dem Verena Güntner bei uns am Freitag, den 16.1. ab 19 Uhr vorlesen wird.

„Ich will nicht dumm sterben. ich will auch nicht ZU klug sterben, was manchmal passieren kann, ich kennen Leute, denen das passiert ist, und das ist übel, könnt ihr mir glauben. Nur eins weiß ich, Leute: Dumm  sterb ich auf keinen Fall.“

1. Dienstag im Monat = 1.Seite

Heute haben
Francis Jammes * 1868
Marion Gräfin Dönhoff * 1909
Botho Strauß * 1944
T.C.Boyle * 1948
Doron Rabinovici * 1961
Geburtstag.
Aber auch Maria Callas.
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Denis Scheck interviewt T.C. Boyle


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Das Beste vom Besten aus dem Januar 2014:

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Zadie Smith:London NW
Aus dem Englischen von Tanja Handels
Kiepenheuer&Witsch Verlag € 19,99
Auch als eBook erhältlich.

Was natürlich schön zusammenpasst: der heute angekündigte Vertreter kommt vom selben Verlag. Bin mal gespannt, was er zu diesem Buch zu berichten hat.
Die New York Times hat es zu einem der zehn besten Romane des Jahres 2013 gewählt. Das ist ja auch ein Wort.

London NW ist der Nordwesten der Metropole, weit weg der Touristenströme, weit weg von dem, was wir in den Reisefüher finden und sicher nicht die Gegend, in der wir uns als Urlauber aufhalten wollen. Es ist Caldwell, ein Stadtteil mit allen Nationen der Welt, versammelt in Sozialwohnungen und Hochhaussiedlungen, so wir es aus vielen anderen Grossstädten kennen. Schreibt Jagoda Marinic u.a. über den Wedding in Berlin im Winter mit all seiner Kälte, so ist es hier in diesem multikulti Stadtteil Sommer. Die Hitze ist gross und die Verzweiflung der Personen nicht weniger klein. Dabei hat der Roman eine sehr komische, witzige Seite, die Zadie Smith sehr gut mit dem Tragischen verbindet.
Vier Personen, zwei Pärchen stehen im Mittelpunkt. Leah, Natalie, Felix und Nathan stehen im Mittelpunkt. Alle vier sind in dieser Gegend aufgewachsen und haben gehofft diesen (auch gefährlichen) Stadtteil zu verlassen. Aber nur Natalie scheint als Anwältin die Einzige zu sein, die es wirklich geschafft hat. Auf ihren Dinnerpartys treffen sich viel hohle Leute, mit denen Leah und Michel nichts anfangen können. Leah und Natalie (die diesen Namen angenommen hat und eigentlich Keisha heisst) sind seit ewigen Zeiten Freundinnen. Und wenn Leah viel in Club herumgehangen ist und auch Drogen nahm, war Natalie zielstrebig, fast erfolgssüchtig. Sie hat mittlerweile eine Familie mit zwei Kindern und wohnt in einem vikorianische Häuschen. Leah hingegen arbeitet als einzige Weisse in einem Büro und ihr Mann versucht vergeblich ein Kind mit ihr zu machen. Was jedoch nicht klappen kann, da sie heimlich die Pille nimmt. Sie merken schon, da passiert etwas. Als ganz zu Beginn des Romans eine Fremde an der Tür von Leah klingelt und sie um Geld bittet, eskalieren die Ereignisse und die vier Personen geraten aus ihren abgefahren Wegen.
Und Zadie Smith dreht die Schraube noch weiter. Ihr Sprachstil ist komprimiert und aufs Nötigste verkürzt. Hier gibt es keine ausschweifenden Beschreibungen und lange Schachtelsätze. Smith hat gestrichen und somit den Szene eine sehr genaue Wirklichkeit verpasst. Sie springt von einem zum anderen Kapitel. Von einer Zeit zu einer anderen. Nur als sie die Geschichte von Natalie/Keisha erzählt, sind alle Abschnitte durchnummeriert. Von 1 bis 185. Das könnte das Spiegelbild ihrer geplanten Karriere sein. Aber was bleibt, ist auch eine große Leere und der Neid auf die anderen. Zadie Smiths Hauptpersonen sind die beiden Frauen. Es sind ihre Lebenswege, die sie interessiert und an die sich mit ihrer Sprache annähert. Die Männer gehören dazu, sind aber fast Beiwerk.
London NW, das im Englischen nur NW heisst, besticht durch seine Sprache, durch seinen eigenwilligen Stil und seine Mischung aus Komödie und Tragodie. Smith hat diesem Stadtteil, in dem sie selbst aufgewachsen ist, einen Roman gewidmet und es lohnt sich sehr, ihn zu lesen.
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Werner Färbers Ungereimtheiten der Woche
UNGEREIMTHEIT DER WOCHE (aus der Tierwelt …):
 
KRÖTE UND FROSCH CCLCXXII

Am Rand des Teichs sitzt eine Kröte

und spielt dort – nicht wirklich leise –
auf ihrer neuen Schilfrohrflöte
eine schräg klingende Weise.
 
D’rauf empört sich durchaus heftig
der im Teich lebende Frosch.
Als er sie beschimpft recht deftig,
ruft die Kröte: „Halt deine Gosch!“
 
Wenn man von solchen Dingen hört,
bei manch einem die Frage keimt:
„Weshalb fühl’n sich die zwei gestört?“
Womöglich nur, weil es sich reimt?
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UNGEREIMTHEIT DER WOCHE (Traumberufe und Leidenschaften):
DER DACHDECKER
 
Der Dachdecker erklettert forsch
ein Dach, welches schon reichlich alt,
um nachzusehen, ob es morsch.
Plötzlich verliert er seinen Halt.
 
Auf dem Bauche, Kopf voran,
flott rutschend am Kamin vorbei,
stellt fest der pflichtbewusste Mann:
Das alte Dach ist einwandfrei!
 
Um den Absturz zu verhindern,
greift er nach der Regenrinne
und kann so sein Tempo mindern.
Kurzfristig hält die Schwerkraft inne.
 
Im Gegensatz zum Dache ist
die Regentraufe höchst marod.
Doch weil vorm Bauernhaus liegt Mist,
entgeht der Dachdecker dem Tod.

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Heute abend gibt es eine neue und letzte „Erste Seite“ in diesem Jahr.
Im Januar dann unsere obligatorische „Erste Seiten“- Pause.
Dafür liest die in Ulm geborene Autorin Verena Güntner am Freitag, 16.Januar um 19 Uhr aus ihrem aktuellen Roman: „Es bringen“, der im Verlag Kiepenheuer & Witsch erschienen ist.
Sie gelangte mit einem Auszug aus dem Buch bis in die Finalrunde des OpenMike Wettbewerbes, belegte den dritten Platz beim MDR Literaturpreis und erhielt den Kelag-Preis beim Ingeborg Bachmann Wettbewerb.
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Freitag

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Gesehen auf einer Pferdewiese am Nachbardorf

Heute haben
Stanislaw Lem * 1921
Michael Ondaatje * 1943
Geburtstag
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Rasmus Schöll empfiehlt:

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Sofi Oksanen: „Als die Tauben verschwanden“
Aus dem Finnischen von Angela Plöger
Kiepenheuer & Witsch Verlag € 19,99
eBook € 17,99

Achtung: Die Finnen kommen.
Wie allseits bekannt, ist Finnland das diesjährige Gastland auf der Frankfurter
Buchmesse und so nach und nach sind jetzt alle Toptitel dieses Bücherherbstes
im Laden. Hier kommt eines, das mir sehr, sehr gut gefallen hat. Bei so manch einem dürfte Sofi Oksanen einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben, mit ihrem fulminanten Buch „Fegefeuer“.
Und nun druckfrisch ihr neuestes Buch: „Als die Tauben verschwanden“ ist ein starkes, bewegendes und lang nachwirkendes Buch über die 30er und 40er Jahre des letzten Jahrhunderts, mit Vorblenden bis in die 60er Jahre. Für deutsche Leser aus vollkommen neuer Perspektive werden die Kriegswirren und die Einzelschicksale aus estnisch-/finischer Sicht geschildert. Meisterhaft erbaut sich die Handlung an drei Hauptpersonen: Nr.1 Edgar, ein schleimiger Ekeltyp, nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht, gnadenlos – brutal. Genial von Sofi Oksanen gezeichnet, ein überspitzter oder ins extrem getriebener „Untertan“, ganz im „Mannschen Format“.
Nr.2 Roland, ein ehrlicher Widerstandskämpfer, voller Liebe zu Estland, fein
sensibel, von hohen Idealen geleitet, bildet den Antipoden.
Und Nr.3 Judith, die Frau von Ekel Edgar, eine vielschichtige Persönlichkeit,
die Edgar mit einem SS-Offizier betrügt.
Alles zusammen ergibt ein spannungsreiches, erfrischend anders erzähltes Buch
über die Zeit des 2. Weltkrieges und seiner Folgen, über ein Land (Estland)
zwischen den beiden „genoziden“ Ideologien (NS – Kommunismus) des 20.
Jahrhunderts. Das Buch hat mich stark an „Fegefeuer“ erinnert und ist sicherlich nichts für schwache Nerven. Es ist eine Geschichte, die einem noch lange zu denken gibt.
Kein Urlaubsbuch, aber es hat alles, was im Kafka’schen Sinne („Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns.“) ein gutes Buch braucht.

Leseprobe

Über die Autorin:
Sofi Oksanen, geboren 1977, Tochter einer estnischen Mutter und eines finnischen Vaters, studierte Dramaturgie an der Theaterakademie von Helsinki. Ihr dritter Roman, „Fegefeuer“, war monatelang Nummer eins der finnischen Bestsellerliste und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. dem Finlandia-Preis, dem Literaturpreis des Nordischen Rates und dem Prix Femina. Der Roman erschien in über vierzig Ländern und machte die Autorin auch in Deutschland zu einer der wichtigsten Vertreterinnen der internationalen Gegenwartsliteratur. Ihr erster Roman „Stalins Kühe“ erschien in Deutschland 2012. Sofi Oksanen ist verheiratet und lebt in Helsinki.

 

NDR Podcast

Denis Scheck über das Buch

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Heute abend ist es soweit:
Beim shortlistlesen lesen Marion Weidenfeld und Clemens Grote aus den sechs verbliebenen Büchern für den Deutschen Buchpreis.
Beginn: 19 Uhr
Ort:        In der Buchhandlung
Eintritt:   frei