Donnerstag, 23.November

Heute haben
Marieluise Fleißer * 1901
Paul Celan * 1920
Herbert Achternbusch * 1938
Geburtstag
___________________________

Ernst von Feuchterleben
Bacchisch

1.
Hast in wonnevollen Tagen,
Über Lust und Pein getragen,
Du die Erde überschwebt?
Lustdurchschauert? Darfst du’s sagen?
Qualberauscht? — Du hast gelebt!
Hat dir’s nie im Taumelschweben,
Im Erlangen, Kühner-streben,
Selig durch die Brust gebebt?
Nur der Übermut ist Leben!
Kennst ihn nicht? – Hast nicht gelebt!

2.
Ihr müht euch fruchtlos!
Was schöpft ihr Weisheit
Aus dem Gefäße
Der Danaiden?
Ein Dithyrambos
Ist unser Leben:
Wir wandeln rhythmisch
Ums Licht der Schönheit
In heil’gen Kreisen;
Die Götter sehn uns
Und nicken freundlich.
__________________________

Unser Buchtipp:

csm_9783832198589_08cb320e10

Haruki Murakami: „Birthday Girl
vierfarbig illustrierte Ausgabe von Kat Menschik
aus dem Japanischen von Ursula Gräfe
DuMont Verlag € 16,00

Über Murakami muss ich nichts mehr schreiben. So oft, wie er als möglicher Kandidat für den Literatur Nobelpreis genannt wird, kennt ihn jeder. Der Name Kat Menschik ist nicht so geläufig. Wenn wir jedoch ihre Illustrationen sehen, erinnern wir uns sofort an sie. Sie arbeitet für die FAZ am Sonntag, für den DuMont Verlag und hat u.a. eine kleine, eigene Reihe mit Weltliteratur gestartet, in der in diesem Jahr nach Kafka und Shakespeare auch die Erzählung „Moabit“ von Volker Kutscher erschienen ist.
Knall rot, mit rotem Lesebändchen liegen die wenigen Seiten von „Birthday Girl“ vor uns. Murakamis Erzählung war natürlich schon veröffentlicht, aber nicht so in dieser Geburtstagsausgabe.
Die Ich-Erzählerin möchte ihren zwanzigsten Geburtstag mit Freunden verbingen, muss aber kurzfristig doch zur Arbeit. Sie arbeitet in einem italienischen Restaurant und bedient dort drei mal die Woche. Als auch noch der Geschäftsführer kurzfristig ausfällt, überträgt er ihr seine tägliche Aufgabe. Pünktlich zur abendlichen Stunde muss sie nun ein warmes Abendessen, Wein und Kaffe in den fünften Stock in die Wohnung des Restaurantbesitzers bringen. Anders als erwartet, bitte der höfliche, alte Mann sie hinein und verwickelt sie in ein Gespräch. Dabei erfährt er, dass sie heute Geburtstag hat und erfüllt ihr im Gegenzug einen Wunsch. Aber nur einen.
Wie im Märchen, so scheint es.
Zehn Jahre später erzählt sie diesen Vorfall einem Freund, verrät aber immer noch nicht, was sie sich damals gewünscht hat. Auch wir Leser wissen ihn nicht.
Murakami erzählt diese kleine Märchengeschichte in seiner einfachen Sprache und sagt uns damit, dass wir nur dieses eine Leben haben. Mit oder ohne Wunsch.
Das ist nicht viel, aber auch nicht zu wenig, zumal wir immer wieder an den Illustrationen von Kat Menschik hängenbleiben. Wir wundern uns über bestimmte Atribute in den Bildern und finden dann meist die Erklärung, wenn wir im Text weiterlesen. Des öfteren assoziiert Menschik weiter und dann wird es richtig spannend.
Ein Buch, das sich prima als Geburtstaggeschenk eignet.

Dienstag, 8.März

IMG_8490

Heute haben
Kenneth Grahame * 1859
Heinar Kipphardt * 1922
Walter Jens * 1923
Juri Rytcheu * 1930
Jeffrey Eugenides * 1960
Geburtstag.
Aber auch Anselm Kiefer und Sascha Waltz.
Heute ist Weltfrauentag.
_______________________________

20018

Mario Vargas Llosa: „Sonntag
Aus dem Spanischen von Thomas Brovot
Mit Illustrationen von Kat Menschik
Insel Bücherei € 16,00

Die Bücher in der Insel Bücherei sind immer wieder für eine Überraschung gut.
So auch hier mit der Erzählung „Sonntag“, die im etwas größeren Insel Bücherei Format gerade erschienen ist.
Der Text erschien 1959 und ist wirklich grossartig. Aber durch die Illustrationen von Kat Menschik wird sie zu einem kleinen Meisterwerk. Da ich nicht weiss, ob ich Abbildungen hier veröffentlichen darf, schauen Sie bitte in die Leseprobe. In der sind viele Illustrationen zu sehen. Unglaublich gut und stimmig.
Also gleich mal die Bitte, die Aufforderung vorne weg:
1. Selber lesen
2. Dann an alle Freunde verschenken

Es sind die späten fünfziger Jahre in Lima, Miguel liebt Flora, aber er fürchtet, dass sein Kumpel Rubén sie ihm ausspannen wird. Erist verzweifelt, weiss auch noch gar nicht, ob Flora wirklich mit ihm gehen will, oder vielleicht doch eher Rubén vorzieht, der alle Frauen bekommt. In der Stammkneipe trifft er die Jungs seiner Clique „Die Raubvögel“. Er schmeisst eine Runde Bier, Essen und in der aufgekratzten Stimmung fordert er Rubén zum Wetttrinken auf. Miguel hat gegen Rubén eigentlich keine Chance, aber sie trinken beide gleich viel, so dass eine endgültige Entscheidung gefällt werden soll. Die findet im Wasser, im Meer statt. Dort hat Miguel noch weniger Chancen, als vorher beim Biertrinken, als er sich ganz wacker geschlagen hat. Aber gegen den austrainierten Schwimmer  Rubén kann es nur schlecht für ihn ausgehen. Doch er spielt sich auf und geht sofort auf die Wette ein, obwohl Rubén meint, dass es doch zu kalt und das Meer zu aufgewühlt sei.
Die komplette Clique geht, läuft, springt zum Strand. Kalter Wind und Gischt kommt ihnen entgegen. Die beiden Jungs ziehen sich aus und Rubén springt elegant ins Wasser. Miguel folgt im etwas ungelenk und ist geschockt durch die Kälte des Wassers.
Das was nun folgt, das Wettschwimmen bis zur Boje und zurück, beschreibt der Nobelpreisträger Vargas LLosa so intensiv und genial und steigert sich von den ersten bis zur letzten Zeile. Dieser Kampf auf Leben und Tod hat es in sich.
Das Ende mag ich nicht verraten. Lesen Sie selbst und genießen Sie die Illustrationen von Kat Menschik.
Ich wiederhole mich gerne: Schauen Sie in die Leseprobe.

Leseprobe

______________________________

Werner Färbers Ungereimntheit der Woche
Das Murmeltier

Murmel, murmel, murmel, murmel, murmel, murmel, murmel, murmel.
 
Sieh doch nur: ein Murmeltier! 
Hörst du wie es murmelt hier?

Murmel, murmel, murmel, murmel, murmel, murmel, murmel, murmel. 

Ich seh und hör kein Murmeltier!
Schade, grade war’s noch hier!