Donnerstag, 12.Januar

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Heute haben
Charles Perrault * 1628
Johann Heinrich Pestalozzi * 1746
Jakob Michael Reinhold Lenz * 1751
Jack London * 1876
Daniil Charms * 1905
Alice Miller * 1923
Haruki Murakami * 1949
David Mitchell * 1969
Geburtstag.
Aber auch Jeff Bezos (* 1964), der Gründer von amazon.
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Friedrich Wilhelm Weber
Es wächst viel Brot in der Winternacht

Es wächst viel Brot in der Winternacht,
weil unter dem Schnee frisch grünet Saat,
erst wenn im Lenze die Sonne lacht,
spürst du, was Gutes der Winter tat.

Und deucht die Welt dir öd‘ und leer,
und sind die Tage dir rauh und schwer:
Sei still und habe des Wandels acht:
Es wächst viel Brot in der Winternacht.
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Ingrid Olsson:Neuschnee
Aus dem Schwedischen übersetzt von Cordula Setsman
Mixtvision € 12,90

MAMA
Sie kneift sich in den Arm. Das spürt sie, wenn auch
kaum.
Die Nadel im Arm hat sie auch fast nicht gespürt.
Sie fährt mit den Fingern über das Pflaster. Es juckt
unter dem Klebestreifen. Sie hat sogar zugesehen, wie
ihr Blut in dem Röhrchen hochstieg.
Rot wie der Weihnachtsstern auf der Fensterbank hinter
der Sprechstundenhilfe.

So beginnt die erste von acht kurzen Geschichten. Und mehr steht auf einer Seite auch gar nicht drauf. Kurze Abschnitte von kurzen Erzählungen und viel weiße Fläche, in der unsere Gedanken freien Raum haben. Die Farbe Rot spielt eine zentrale Rolle in den Texten und doch bleibt das Buch hell, trocken, sauber, rein. Frei von allem Druck und Ängsten und Sorgen. Diese spiegeln sich in dem Erzählten.
Es geht bei Ingrid Olsson ums Suchen und Finden, ums Wünschen und Sehnsüchten, um Einsamkeit, Liebe und Hoffnung.

Ein kleines Mädchen, das plötzlich groß geworden ist. Genau das wird sie ihrer Mama sagen. Wispern. Dass es einfach passiert ist. Dass es einfach geworden ist.

Das Mädchen ist in einer Arztpraxis. Sie spürt noch nichts in ihrem Bauch und weiß doch, daß sie jetzt nicht mehr Mamas kleines Mädchen ist. Ein Junge hat in einer Plastiktüte alles, was von seiner Mutter übriggeblieben ist. Ein anderer fühlt sich fremd in der neuen Familie seines Vaters und hat seinen Rucksack gepackt.

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„Neuschnee“ heißt der schmale Band (zu dem es kostenloses Lehrer-Schulmaterial im Netz gibt) und wie Neuschnee deckt er die Sorgen zu und läßt sie doch im nächsten Moment wieder aufblitzen. Unter einer dünnen Decke der Geborgenheit, lodert und brodelt es. Es sind junge Menschen auf dem Weg zum Erwachsenwerden. Auf einem Weg, der ihnen noch fremd ist und von dem sie meinen, daß sie ihn alleine zu bewältigen haben. Wie dringend benötigen sie eine starke, schützende, begleitende Hand.
Dazu paßt auch das Titelbild, das nicht das Weiß des Schnees zeigt, sondern bunte Lichter der Großstadt und ein Mädchengesicht.

Eine Lektüre, die mich bewegt hat und Themen anspricht, die Jugendliche gut kennen.

Leseprobe
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Schauen Sie auf unseren Veranstaltungskalender. Es tauchen immer mehr interessante und einzigartige Lesungen auf.

Mittwoch, 30.November

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Heute haben
Jonathan Swift * 1667
Theodor Mommsen * 1817
Ippolito Nievo * 1831
Mark Twain * 1835
Winston Churchill * 1874
Thomas Hettche * 1964
Geburtstag
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Claudia Wiltschek empfiehlt:

„Ich bin wie du mit geschlossenen Augen, nur schlauer!“ Das ist Parkers Credo.

9783551583475

Eric Lindstrom:Wie ich dich sehe
übersetzt von Katarina Ganslandt
Carlsen Verlag € 16.99
Jugendbuch ab 14

Die Regeln
1. Leg mich nicht rein. Niemals. Vor allem nicht, in dem Du meine Blindheit ausnutzt. Und vor allem nicht in der Öffentlichkeit.
2. Fass mich nicht an, ohne mich vorher zu fragen. Ich bin blind. Für mich kommt jede Berührung unerwartet, weshalb ich möglicherweise zuschlage.
3. Finger weg von meinem Blindenstock und dem Rest meiner Sachen. Alles muss genau dort bleiben, wo ich es liegen gelassen habe. Logisch, oder?
4. Komm nicht auf die Idee, mir helfen zu wollen, wenn ich dich nicht darum gebeten habe. Dann bist du mir bloß im Weg und nervst.
5. Es gibt keine Grund, lauter zu sprechen, wenn du mit mir redest. Ich bin nicht taub. Du würdest dich wundern wie viele Leute das machen.
6. Wenn du etwas über mich wissen willst, dann rede mit mir und nicht mit den Leuten, die neben mir stehen. Ich habe keine Betreuer. Ja, auch das passiert ständig.

Das sind Parkers Regeln. Parker ist seit ihrem 7. Lebensjahr blind, durch eine Autounfall, den ihre Mutter betrunken verursacht hat und dabei ums Leben kam. Seitdem lebt sie mit ihrem Vater, joggt durch den Park, lässt sich, so wenig wie möglich durch ihre Blindheit einschränken und stösst einige Menschen durch ihr manchmal ruppiges Auftreten vor den Kopf. Auch mit ihrer ungeschminkten Ehrlichkeit, mit der sie ihren Mitmenschen Ratschläge gibt oder ihnen ihre Meinung sagt, können viele nicht umgehen. Ihren Freundinnen, erklärt sie, dass sie das eben kann, weil sie die Reaktionen der Betroffenen nicht sieht und somit keine Furcht davor hat.
Nun stirbt auch noch ihr Vater, ihre Tante mit Familie zieht zu ihr ins Haus und Parker muss sich nun wieder mit Trauer, Verlust und einem Leben mit ihr eigenlich fremden Menschen auseinandersetzen. Menschen, die es nur gut meinen, aber mit dem selbstbewussten, selbstständigen Leben Carters nicht so recht klarkommen. Dann taucht noch ihre alte Liebe Scott auf, der sie damals tief verletzt und enttäuscht hat und danngibt es noch Jason, auch ein Läufer, der sich durch sein entspanntes Umgehen mit ihrer Blindheit in ihr Herz schleicht.
Das hört sich sehr dramatisch an, ist aber mit viel Witz geschrieben und die Mädels und Jungs sind alle so gut drauf. Deswegen liebe Eltern und Onkels und Tanten: Steckt es in den Nikolausstiefel oder legt es unter den Baum.

Dienstag, 27.September

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Heute haben
Grazia Deledda * 1871 (Nobelpreis 1926)
Tanja Kinkel * 1969
Geburtstag.
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Barthold Hinrich Brockes
Die Welt ist allezeit schön

Im Frühling prangt die schöne Welt
In einem fast smaragdnen Schein.
Im Sommer glänzt das reife Feld
Und scheint dem Golde gleich zu sein.

Im Herbste sieht man als Opalen
Der Bäume bunte Blätter strahlen.

Im Winter schmückt ein Schein, wie Diamant
Und reines Silber, Flut und Land.

Ja kurz, wenn wir die Welt aufmerksam sehn,
Ist sie zu allen Zeiten schön.
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Claudia Wiltschek empfiehlt:

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Steven Herrick: „Wir beide wussten, es war was passiert
Übersetzt von Uwe-Michael Gutzschhahn
Thienemann Verlag € 14,99
ab 13 Jahren

Billy hält es mit seinem immer betrunkenen, gewalttätigen Vater nicht mehr aus und geht. Mit seinen 16 Jahren macht er sich mutig, ohne Geld und Perspektive auf den Weg. Nach ziellosem Umherfahren findet er eine Bleibe im Waggon eines verlassenen Güterzuges, wo er auf Old Bill trifft, der schon länger im Waggon nebenan lebt und seine traurige Vergangenheit mit Alkohol zu vergessen glaubt. Die beiden Heimatlosen finden zueinander und helfen sich gegenseitig das Leben zu bewältigen. Als Billy wieder einmal hungrig Essensreste bei McDonald’s von den Tischen klaut, lernt er Caitlin, die dort arbeitet, kennen. Caitlin wiederum stammt aus reichem Hause, möchte aber von Ihren Eltern unabhängig sein und neben der Schule selbst Geld verdienen. Erst ist sie irritert über sein Verhalten, verrachtet ihn aber nicht und, wir ahnen es schon , Billy verliebt sich in sie. Caitlin besucht unsere zwei Gestrandeten immer wieder, versorgt sie mit Essen und es entwickelt sich eine wunderschöne ungewöhnliche Freundschaft zwischen den Dreien.
Der Stil des Buches ist fremd für ein Jugendbuch. Die Geschichte wird in Strophen erzählt (gut für Lesemuffel, denen viel Text Mühe macht ). Anfangs gewöhnungs-bedürftig, löst sich aber nach den ersten Seiten in Wohlgefallen auf.
Für mich eines der schönsten Jugendbücher bei den Neuerscheinungen, ein modernes Märchen,von liebevollen ungewöhnlichen Menschen, die uns ans Herz wachsen und uns über etliche Vorurteile stolpern lässt.

Leseprobe

Auf der Empfehlungsliste „Die 7 besten Bücher für junge Leser“ im August 2016, Jugendbuch des Monats.
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Werner Färbers Ungereimtheit der Woche
Der Wiedehopf CXCIII

Der Wiedehopf, der Wiedehopf,
trägt seinen Schnabel vorn am Kopf.
Trüg er den Schnabel am Gesäße,
blieb ihm verborgen, was er fräße.
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Heute abend um 19 Uhr „Shortlistlesen„.
Das nur als kleine Erinnerung.