Heute haben Gudrun Pausewang * 1928 Josef Winkler * 1953 Nicholas Shakespeare * 1957 Isabel Abedi * 1967 Geburtstag. Aber auch Jan Garbarek, Miriam Makeba, Antonio Vivaldi und Gesine Cresspahl.
Die Liebste sprach: „Ich halt dich nicht, du hast mir nichts geschworen. Die Menschen soll man halten nicht, sind nicht zur Treu geboren.
Ziehe deine Straßen hin, mein Freund, beschau dir Land um Land, in vielen Betten ruh dich aus viel Frauen nimm bei der Hand.
Wo dir der Wein zu sauer ist, da trink du Malvasier, und wenn mein Mund dir süßer ist, so komm nur wieder zu mir!“ ________________________________________
Globaler Klimastreik – 3. März 2023 #TomorrowIsTooLate
Am Freitag, den 3. März, gehen wir im ganzen Land und weltweit auf die Straße. Nur unser gemeinsamer Druck kann den Klima-Stillstand in der Koalition noch beenden.
In den letzten Jahren haben wir mehr bewegt, als viele je gedacht hätten. Es gibt heute eine breite gesellschaftliche Mehrheit für mehr Klimaschutz – doch auf den großen Durchbruch warten wir bis heute. Weder an die Vereinbarungen aus dem Koalitionsvertrag noch an das Klimaschutzgesetz hält sich die Politik. Anfang März treffen sich die Ampel-Parteien zum Koalitionsgipfel. Kurz zuvor findet unser Klimastreik statt – auch in Deiner Nähe. Damit er sich auf die richtige Seite stellt, darf Scholz keine Sekunde lang glauben, die Menschen in diesem Land interessieren sich nicht mehr für das Klima. Dafür müssen die Demos wieder richtig groß werden. Gemeinsam machen wir klar: unsere Zukunft darf nicht an einer bockigen Politik scheitern.
Mehr als 250 Demos sind bereits im ganzen Land angemeldet – schau am besten gleich nach, wo Du am 3. März dabei sein kannst!
Warum streiken wir?
Weil wir dringend eine Mobilitätswende brauchen. Während der ÖPNV unzuverlässig, teuer und schlecht ausgebaut ist, wird immer noch auf Autobahnen als Lösung gesetzt (Das ist längst nicht mehr tragbar!). Wir brauchen einen Ausbaustopp für Autobahnen und bessere Arbeitsbedingungen im ÖPNV. Dafür gehen wir heute bundesweit gemeinsam mit den ÖPNV-Beschäftigten auf die Straße. Denn Mobilität ist ein Grundrecht – und muss für alle bezahlbar sein. Deshalb streiken wir am Freitag in Kooperation mit der Gewerkschaft ver.di!
Weil der Ausbau Erneuerbarer Energien immer noch viel zu langsam passiert. Dörfer werden für den Kohleabbau abgebaggert und neue LNG-Terminals im Schnellverfahren genehmigt, während die Klimakrise überall auf der Welt sichtbar eskaliert. Deutschland muss bis 2035 zu 100% mit Erneuerbaren Energien versorgt sein.
Weil wir auch nach vier Jahren Klimastreik immer noch fordern, dass sich Regierungen an das Pariser Klimaabkommen halten. Aktuell beobachten wir das Gegenteil: Dörfer werden abgebaggert, Wälder gerodet und fossile Infrastruktur gebaut. Überall wird für Kompromisse geworben – doch das Pariser Klimaabkommen ist bereits der Kompromiss. Sich daran zu halten ist das Mindeste und überlebensnotwendig für alle, die bereits heute am stärksten unter den Folgen der Klimakrise leiden.
Heute haben Erich Loest * 1926 Ferit Edgü * 1936 Keto von Waberer * 1942 Leon de Winter * 1954 Geburtstag und es ist der Todestag von Uwe Johnson. __________________________________________
Lange Wellen treiben schräg gegen den Strand, wölben Buckel mit Muskelsträngen, heben zitternde Kämme, die im grünsten Stand kippen. Der straffe Überschlag, schon weißlich gestriemt, umwik- kelt einen runden Hohlraum Luft, der von der klaren Masse zer- drückt wird, als sei da ein Geheimnis gemacht und zerstört worden. Die zerplatzende Woge stößt Kinder von den Füßen, wirbelt sie rundum, zerrt sie flach über den graupligen Grund. Jenseits der Brandung ziehen die Wellen die Schwimmende an ausgestreckten Händen über ihren Rücken. Der Wind ist flatterig, bei solchem drucklosen Wind ist die Ostsee in ein Plätschern ausgelaufen. Das Wort für die kurzen Wellen der Ostsee ist kabbelig gewesen. Uwe Johnson aus „Jahrestage“ (Der erste Abschnitt) ___________________________________________
Nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse 2022 / Sachbuch
Ein faszinierendes, sehr kluges, privates, ehrliches und erhellendes Buch über das Erinnern, über die Flucht ihres Vaters, über Heimat, Vertreibung, Trauma, Fremdenhass und Antisemitismus. Aber auch über Familie, Erzählen und mit einem offenen Blick durch die Welt gehen und so auch anderen Menschen begegnen.
Was soll ihnen noch erzählen, wo ich auf der Beck-Homepage dieses Interview gefunden habe:
Es gibt viel Literatur zu Flucht und Vertreibung. Was macht Ihr Buch besonders?
Mein Buch spielt nicht nur in der Vergangenheit. Es ist zugleich Reisebericht, Familiengeschichte und die Erzählung einer Vater-Tochter-Beziehung. Es schneidet die verschiedenen Erzählstränge und historischen Ebenen ineinander, und bewegt sich dabei an der Grenze zwischen Literatur und Sachbuch. Ich habe die Familiengeschichte in die Gegenwart geholt, indem ich den Fluchtweg meines Vaters noch einmal gegangen bin.
Wie kamen Sie auf die Idee, die Flucht Ihres Vaters nachzuwandern?
Mein Vater ging im Winter 1945 mit dem Treck seines Dorfes Rosenthal in Schlesien 550 Kilometer nach Westen, von der Oder bis fast nach Bayern. Seine Flucht, die Herkunft aus einem Ort, den es für uns nicht mehr gibt, war für mich seit der Kindheit ein Lebensthema. Ich habe mich immer wieder damit beschäftigt, bin nach Rosenthal gereist, mit meinem Vater, meinen Kindern. Und nach dem Tod meines Vaters auch allein. Ich habe darüber gar nicht so viel nachgedacht. Ich habe wohl, ohne es zu wissen, nach Wegen gesucht, sein Schicksal zu verarbeiten. Und irgendwann habe ich verstanden, dass es nicht nur um Rosenthal geht, um den Ort, sondern auch um den Weg, den er gegangen ist. Zugleich wollte ich auch etwas über die Länder erfahren, durch die seine Fluchtroute führte, über das heutige Polen und Tschechien, darüber, wie die Menschen dort jetzt mit der Vergangenheit leben, was sie für ihr Verhältnis zu Deutschland und zur EU bedeutet.
Haben Sie auf Ihrer Wanderung etwas Neues über Ihren Vater gelernt? Sehen Sie ihn jetzt anders als vorher?
Das war nicht das Ziel. Jedenfalls nicht in einem vordergründigen Sinn. Aber am Ende konnte ich etwas besser erfassen, was mein Vater durchgemacht hat, und zwar vor allem körperlich. Ich kann jetzt nachfühlen, was es heißt 550 Kilometer zu Fuß zu gehen, welche Schmerzen man dabei hat, wie leer und apathisch man wird. Und dabei ging es mir ja viel besser als meinem Vater: Damals herrschte Krieg, die Menschen waren in Lebensgefahr und Angst, und der Winter 1945 war viel kälter als der Winter 2020.
1945 blieb der Treck Ihres Vaters innerhalb der Grenzen des Deutschen Reiches. Ihre Wanderung führte dagegen durch drei Länder: Polen, Tschechien und Deutschland. Ist die Vergangenheit dort noch präsent?
Vor allem in Polen sind es Gebiete, deren Bevölkerung fast komplett ausgetauscht wurde. Alte Menschen, mit denen ich sprechen konnte, erinnerten sich noch daran, wie sie in die schlesischen Dörfer gekommen waren. Vertreibung, Heimatverlust, Neubeginn – sie hatten dasselbe Schicksal wie meine Eltern und Großeltern. Zugleich war es sehr interessant zu sehen, wie lange es dauert und wie schwierig es ist, sich Orte anzueignen. Das hat eigentlich erst vor wenigen Jahren so richtig begonnen mit der Generation der Enkel. Ich bin in den Provinzstädten in Museen gegangen, wo man sehr gut sehen konnte, wie man sich die Geschichte der ehemals deutschen Orte aneignet, was gesagt wird und was verschwiegen. Es gibt noch immer vieles, was sehr schwierig ist, aber die deutsche Geschichte dieser Gebiete ist nicht mehr Tabu.
Eine Wanderung wirft einen stark auf einen selbst zurück. Gleichzeitig wollten Sie Eindrücke sammeln, mit Menschen reden. Wie sind Sie mit diesem Spannungsverhältnis umgegangen?
Das war schwierig. Ich war sehr viel allein auf der Landstraße oder auf Feldwegen unterwegs. Manchmal war ich dann kaum in der Lage, einen klaren Gedanken zu fassen, geschweige denn auf Menschen zuzugehen. Trotzdem hatte ich viele tolle, wertvolle Begegnungen. Die Leute hielten mich für ein bisschen verrückt. Zu Fuß? Allein? Das wurde ich immer wieder gefragt. Aber sie luden mich in ihre Küchen ein auf einen Tee, ein Bier, einen Schnaps. Manche ließen mich sogar bei sich übernachten. Wir sprachen über die Vergangenheit, die Macht der Geschichte, aber auch über das heutige Europa und die EU.
Von Sabine Bode stammen die Begriffe «Kriegskinder» und «Kriegsenkel». Gibt es auch «Fluchtkinder» und «Fluchtenkel»?
Die «Fluchtkinder» teilen mit den «Kriegskindern» traumatische Erfahrungen: die existentielle Bedrohung, den Verlust der vertrauten Ordnung und die verstörende Hilflosigkeit der Erwachsenen. Aber die Fluchtkinder sind eine besondere Gruppe innerhalb der Kriegskinder, weil sie zudem noch den lebensbedrohlichen Fluchtweg, oft über Wochen – mein Vater war fast sieben Wochen lang unterwegs – , gemacht haben, weil ihre Familien entwurzelt wurden, sie verloren ihre Heimat. Mein Vater hat im Jahr 1945 seinen Bruder, seine Großmutter, seinen Onkel, seine Heimat, den Hof, das Erbe und für lange Zeit auch seinen Vater verloren, der erst Jahre später aus sowjetischer Gefangenschaft zurückkehrte. Er verlor auch einen Teil seiner Erinnerung. Dieser Bruch wirkte, wie bei anderen Kriegskindern, auch noch auf die nachfolgenden Generationen. _________________________________________
tagesschau.de am 23.Februar Bericht des UN-Umweltprogramms Weltweite Zunahme von Waldbränden
Verheerende Waldbrände wie in jüngster Zeit in Australien und Kalifornien werden laut einem UN-Bericht wegen des Klimawandels deutlich zunehmen – auch zum Beispiel in der Arktis. Und die Welt sei nicht gut auf diese Katastrophen vorbereitet.
Die Vereinten Nationen haben vor einer Häufung von Waldbränden gewarnt. „Selbst bei den ehrgeizigsten Anstrengungen zur Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen wird der Planet eine dramatische Zunahme der Häufigkeit von Bedingungen erleben, die extreme Brände begünstigen“, heißt es in einem Bericht des UN-Umweltprogramms (UNEP). Die globale Erwärmung und Veränderungen bei der Landnutzung brächten es mit sich, dass sich das Phänomen in den kommenden Jahrzehnten in großen Teilen der Welt verschlimmern werde. …
Heute haben Gudrun Pausewang * 1928 Josef Winkler * 1953 Nicholas Shakespeare * 1957 Isabel Abedi * 1967 Geburtstag. Aber auch Jan Garbarek, Miriam Makeba, Antonio Vivaldi und Gesine Cresspahl, die von D.E. einen handgeschriebenen Brief bekommt.
„Du sollst nicht mich heiraten, du sollst mit mir leben. Von Sollen sprichst du; ich meinte Wünschen.“ aus: Uwe Johnson: Jahrestage ______________________________
Claudia Wiltschek empfiehlt:
Isabelle Autissier: „Klara Vergessen“ Aus dem Französischen von Kirsten Gleinig mare Verlag € 24,00
Murmansk, nördlich des Polarkreises. Juri kehrt nach langer langer Zeit in seine Heimatstadt zurück. Sein Vater liegt im Sterben und er hat gebeten, seinen Sohn zu sehen, der damals vor ihm, einem herrischen und hartherzigem Vater nach Nordamerika geflüchtet ist. Juri, mittlerweile ein ambitionierter Ornithologe, betritt mit gemischten Gefühlen das Krankenzimmer. Sein Vater, ein immer noch verbitterter alter Mann, bittet ihn das Rätsel um seine damals verhaftete Mutter zu lösen. Als vierjähriges Kind wurde sie vor seinen Augen mitgenommen. Er blieb mit seinem Vater allein. Sie kam niemals mehr zurück. Juri sperrt sich, er möchte sich nicht mit seiner Vergangenheit auseinandersetzen, verspricht es aber dann doch und macht sich auf die Suche nach alten Akten. Vor Juri öffnet sich allmählich eine Welt voller Entbehrungen, Unterdrückung und Verbannung. Seine Großmutter war zur Zeit Stalins eine Geologin. Sie wird als Spionin verdächtigt und verhaftet. Russland sucht fieberhaft nach Uranvorkommen und sie wird auf eine Insel im höchsten Norden gebracht, um dort Bodenproben zu entnehmen und zu analysieren. Juri wird in den Bann der Geschichte seiner Vorfahren gezogen und stößt schließlich auf eine Wahrheit, die ihm vor Augen führt, wie eng alle Schicksale seiner Familie miteinander verbunden sind. Ein fesselnder Roman, der den hohen Norden in seiner Naturgewalt leuchten lässt, uns mitnimmt hinaus aufs kalte Meer und über einen Jungen, den die Liebe zu den Vögeln vieles ertragen lässt. Ein Buch, das ich angefangen habe und nicht mehr aus der Hand legen konnte.
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Dienstag, 3.März um 19 Uhr „Die 1.Seite“ Clemens Grote liest aus folgenden Büchern: Marina Frenk: ewig her und gar nicht wahr Sasha Filipenko: Rote Kreuze Valerie Fritsch: Herzklappen von Johnson & Johnson Verena Güntner: Power Bei uns in der Buchhandlung Eintritt frei
Heute haben Pavel Kohout * 1928 Uwe Johnson * 1934 Geburtstag ______________________
20.Juli, 1968 Saturday South Ferry Day
Am ausführlich gedeckten Tisch des Frühstücks (für D.E. die amerikanische Fassung), gegenüber dem festtäglich beschienenen Park, ist uns die New York Times in die Quere gekommen; fast wären wir abgerutscht in einen Streit.
Uwe Johnson: Jahrestage Beginn des Eintrages zum 20.Juli
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Claudia Wiltschek empfiehlt:
Susanne Straßer: „Der Wal nimmt ein Bad“ Peter Hammer Verlag € 14,90 Bilderbuch mit dicker Pappe ab 2 Jahren
Der Wal liegt genüsslich in der Wanne und möchte in Ruhe ein Bad nehmen. Da steht die Schildkröte in der Tür. „Mein Rücken tut weh“, jammert sie. „Kann ich auch in die Wanne?“.“Na gut“ sagt der Wal, „Komm rein und entspann dich“ Dann kommt der Biber, der Flamingo, der Eisbär und das Kind mit dem grossen Schiff will auch noch rein. Von Entspannung keine Spur mehr, da taucht der Wal ab und …….. Ein herzerfrischendes, nasses Bilderbuch für die Kleinsten und auch wir Grossen haben unseren Spass! Ins Buch spickeln.
Heute haben Erich Loest * 1926 Ferit Edgü * 1936 Keto von Waberer * 1942 Leon de Winter * 1954 Geburtstag und es ist der Todestag von Uwe Johnson. _________________________
„August 1967
Lange Wellen treiben schräg gegen den Strand, wölben Buckel mit
Muskelsträngen, heben zitternde Kämme, die im grünsten Stand
kippen. Der straffe Überschlag, schon weißlich gestriemt, umwik-
kelt einen runden Hohlraum Luft, der von der klaren Masse zer-
drückt wird, als sei da ein Geheimnis gemacht und zerstört worden.
Die zerplatzende Woge stößt Kinder von den Füßen, wirbelt sie
rundum, zerrt sie flach über den graupligen Grund. Jenseits der
Brandung ziehen die Wellen die Schwimmende an ausgestreckten
Händen über ihren Rücken. Der Wind ist flatterig, bei solchem
drucklosen Wind ist die Ostsee in ein Plätschern ausgelaufen. Das
Wort für die kurzen Wellen der Ostsee ist kabbelig gewesen.“
So beginnen die 1.700 Seiten der „Jahrestage“ von Uwe Johnson
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„Was fangen wir noch an mit diesem Leben, jetzt, nachdem wir die halbe Strecke schon gegangen sind?“
Lange haben wir auf einen neuen Roman von Zuszsa Bánk gewartet. Daß er jetzt gleich mal mit 700 Seiten daherkommt, ist ein Wort. Und dann auch noch ein Briefroman. Besser ein Roman in Emails, denn das ist es, was sich beiden Freundinnen schreiben. Die eine oft spät in der Nacht, die andere manchmal in aller Frühe. Drei Jahre lang lesen wir die sehr persönlichen Briefe, die vom schwarzen Wald nach Frankfurt und wieder zurück geschickt werden. Briefe, in denen sich die Freundinnen in aller Gänze anvertrauen. Die eine, Márta, ist dauermüde mit ihren drei Kindern, will endlich ihr neues Buch veröffentlichen. Johanna, aus dem schwarzen Wald ist Lehrerin und muß die Leere ihres Häuschens füllen, nachdem ihr Partner nicht mehr dort wohnt und sie Angst hat, daß der Krebs wieder an die Tür klopft.
„Simon und ich, wir haben keinen Augenblick für uns, nachts tragen wir Mia und Franz in ihre Betten, Füße, Arme, Kopf baumelnd, zu jeder Stunde ein anderes Kind, das zwischen uns, in unsere Mitte gekrochen ist, in die Mulde aus Kissen, Mártaschulter und Simonduft, oder ich taste mich durch die Dunkelheit, um den weinenden Henri aus der Wiege zu heben, so benommen, als hätte er mich aus tiefstem ruhigen Schlaf gerissen, obwohl ich den schon lange nicht mehr kenne, diesen tiefruhigen Schlaf, von dem ich erholt aufwache. Schlafen werde ich später einmal, wenn ich alt bin, werde ich schlafen, Johanna, Nacht und Tag, soviel ich will.“
„Liebste Márta, vergib mir, dass ich Dich letzte Nacht ans Telefon geholt habe. Vergib mir die frischen Tränen. Nachdem der Krebs so heftig an meine Schlaftür gehämmert hatte. Der Panikvogel zurückgekehrt war. Obwohl ich Dir versprochen hatte aufzupassen. Ihn nicht mehr hereinzulassen. Dazu mein blöder, tausendfach durchgekauter öder Kram. (…) Es ist die Zeit, die ich beschuldige Márti. Die Zeit hat Schuld. Die Zeit hat mir alles weggefressen. Selbst die Orte meines Lebens hat sie geschluckt.“
Ein Buch voller Sehnsucht und Hoffnungen, mit Fluchten in die Literatur, die beide aus dem Grau des Alltags rettet. Es ist die Suche nach dem Glück und der Zufriedenheit in einer unüberschaubaren Welt, die einen mitreisst und zu verschlingen droht. Ein Buch über eine große, feste Freundschaft, die nie in Frage gestellt wird. Das Leben drumherum schon. Dies schreibt Zsuzsa Bánk in einem melancholischen, zuversichtlichen Ton, der die Geschichte nach vorne treibt und keinen rückwärtigen Blick zuläßt.
Zsuzsa Bánk schafft es auch hier wieder, daß wir uns in ihrem Roman wiederfinden, daß wir meinen, woher sie das nur über uns weiß. Ein Roman, der mit solch einer Liebe mit ihren Figuren spielt, daß die 700 Seiten zu kurz sind. Man möchte noch mehr über Johanna und Márta wissen, sie noch ein paar Jahre begleiten dürfen. Und da sind wir wieder bei den „Jahrestagen“. Auch hier war ich als Leser traurig, als das gemeinsame Jahr mit Gesine und Marie zu Ende war. Die Geburtstage der beiden stehen in meinem Kalender und somit denke ich zumindest zwei Mal im Jahr an sie.
Heute haben Gudrun Pausewang * 1928 Josef Winkler * 1953 Nicholas Shakespeare * 1957 Isabel Abedi * 1967 Geburtstag. Aber auch Jan Garbarek, Miriam Makeba, Antonio Vivaldi und Gesine Cresspahl, die von D.E. einen handgeschriebenen Brief bekommt.
„Du sollst nicht mich heiraten, du sollst mit mir leben. Von Sollen sprichst du; ich meinte Wünschen.“ aus: Uwe Johnson: Jahrestage
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Bill Frisell: „When You Wish Upon A Star“ OKeh CD € 19,99
Irgendwie komme ich um die CDs von Bill Frisell nicht herum. Ich denke, wir haben sie jedes Mal hier auf dem Blog vorgestellt. Nicht, dass dies ein Muss ist. Die Scheiben sind einfach immer gut, besonders und laden zum Entdecken ein. Seine Wanderungen zwischen Jazz, Folk, Klassik, Country bis hin zur Filmmusik zeigen seine große Wandlungsfähigkeit. Und doch bleibt er seinem Stil treu. Auf seinem neusten Album befasst er sich mit den bekannten Melodien aus alten Fernsehserien. „Ich habe mein ganzes Leben lang TV und Spielfilme gesehen. Was ich da gesehen und gehört habe, ist ein großer Teil von dem, was meine musikalische Fantasie anregt“. Mit dabei sind Charlie Hadens Tochter Petra, mit welcher er bereits 2003 erfolgreich zusammen gearbeitet hat, sowie durch Eyvind Kang (Viola), Rudy Royston (Schlagzeug) und Thomas Morgan (Bass). Und im Studio waren wohl Geister, wie Paul Motian war da. Mit dem Drummer teilte Frisell sich die Liebe zum Broadway und den Filmsongs. Und dann die Cartwrights, Don Corleone, Norman Bates und Cheyenne. Bekannte Melodien aus „Psycho“, „Spiel mir das Lied vom Tod“, „Der Pate“ oder auch „Bonanza“ hören wir in seinem unverwechselbaren Stil. Aber auch Melodien aus Disneyfilmen und den Bond-Klassiker „You Only Live Twice“. Petra Haden singt „Moon River“ und uns kommen plötzlich ganze andere Erinnerungen hoch. Aber was schreibe ich hier um den heissen Brei herum. Schauen Sie sich doch gleich ein komplettes Konzert an. Bitte schön:
Heute haben Jules Romains * 1885 Christopher Isherwood * 1904 Julio Cortázar * 1914 Walter Helmut Fritz * 1929 Angelika Mechtel * 1943 Geburtstag ____________________
Max Dauthendey
Der Regen scheint besessen
Ich hör‘ den Regen dreschen Und übers Pflaster fegen. Der Regen scheint besessen Und will die Welt auffressen.
Ich muss mich näher legen Ins Bett zu meiner Frauen. Wird sich ihr Äuglein regen, Kann ich ins Blaue schauen.
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Das wird wohl nichts mit wieder ins Bett liegen. Es ist noch stockdunkel draussen, der Wind rüttelt am Geäst und Regen prasselt auf die Blätter am Haus. Und wenn ich Khatia Buniatishvili im Sommerkleid am Flügel sitzen sehe und das mitten im Wald, dann vermisse ich jetzt schon den Sommer.
Khatia Buniatishvili: „Motherland“ SONY CD 19,99
Hatten wir letzte Woche die neue CD von Anna Prohaska „behind The Lines“ vorgestellt und gelobt, dass diese junge Sängerin ein solch engagiertes, sehr persönliches Album aufgenommen hat, so loben wir heute die neue Einspielung der georgischen Pianistin Khatia Buniatishvili. Ihre neue CD hat viel mit ihrem Leben und dem Leben ihrer Mutter zu tun. Die Musik auf der CD ist die Verbindung zwischen den beiden. Das was die Mutter begonnen hat, wird durch sie weitergeführt. Die junge Musikerin ist seit dem 10.Lebensjahr auf Tour und galt damals als Wunderkind. Mit ihrer dritten CD hat sie ihr Können wieder einmal gezeigt. Dieser Querschnitt an Lieblingsstücken zeigt ihre ganze Spannweite und passt auch zu den verrückten Ideen, die ihr immer wieder vorschweben. Wie zum Beispiel dieses Konzert im Wald. Auf dem Video bekommen Sie einen kleinen Einblick ins Konzert, zur Entstehung und kurze Interviews mit ihr.
Am Samstagabend lief auf 3sat das komplette Waldkonzert mit ihr und zwei Stücke mit ihrer Schwester zu zweit am Flügel. Im Freien vor wenig Publikum, sehr intim und ganz nah, spielte sie Stücke aus ihrem aktuellen Album. Mitten zwischen den Bäumen sitzend durften wir eintauchen in ihre musikalische Welt, in Musikstücke, die sie ein Leben lang begleitet haben. Dies reicht von Bach, Händel, über Tschaikovsky, Chopin, bis hin zu Ligeti und Pärt. Im Konzert spielten die beiden Schwestern noch einen Tango von Astor Piazzolla, der auf der CD nicht zu hören ist. In den Stücken spielt Heimweh immer wieder eine große Rolle und schwankt zwischen Heiterkeit und Melancholie quer durch die Jahrhunderte.
Inhalt:
Bach: Schafe können sicher weiden
Tschaikowsky: Oktober aus Die Jahreszeiten op. 37b
Mendelssohn: Lied ohne Worte op. 67 Nr. 2
Debussy: Clair de lune
Kancheli: When Almond blossomed
Ligeti: Musica ricercata Nr. 7
Brahms: Intermezzo op. 117 Nr. 2
Liszt: Wiegenlied
Dvorak: Slawischer Tanz op. 72 Nr. 2 „Dumka“ für Klavier 4-händig
Ravel: Pavane pour une infante defunte
Chopin: Etüde Nr. 19
Scriabin: Etüde cis-moll op-2 Nr. 1
Scarlatti: Klaviersonate K. 380
Grieg: Lyrisches Stück „Heimweh“ op. 57 Nr. 6
Traditional / Buniatishvili: Don’t you love me?
Händel: Menuett g-moll
Pärt: Für Alina
Ein kleiner Nachtrag zu unserer langen „Jahrestage“-Lesung. Ich bekam Post aus Rostock mit der Frage, wie weit wir denn mit Lesen gekommen seien. Dort hätten sie intern eine Wette laufen. Dann wurde mir erst klar, was die Rostocker sich ausgedacht haben. Im Vorfeld haben sie alle 365 Tage der „Jahrestage“ lesen und professionell aufnehmen lassen und wir können nun täglich das passende Tageskapitel im lokalen Radio Rostock anhören. Sehr pfiffig. Großes Lob. Hier geht es zu websiteRostock-liest.de Und hier gibt es die „Jahrestage“ auf Radio LOHRO
Heute haben Mary Kaye * 1908 Ali Mitgutsch * 1935 Cécile Wajsbrot * 1954 Geburtstag. _____________________
Wir verschenken diese „Sinn und Form“-Ausgaben, die wir vom Verlag bekommen haben. Wer möchte? Wer hat Interesse? Einfach bei uns melden. Durs Grünbein, Michael Maar, Martin Mosebach, Imre Kertész, Henning Ritter, Gadda, Strittmatter, Viginia Woolf und einfach ganz viele andere tolle Autoren mit interessanten Themen und Texten versammeln sich in diesen Heften. Literarische Texte, Erzählungen, Gedichte und Essays – alles dabei. Achtung: Grosse Suchtgefahr. Aber: Wir bekommen die neuen Hefte aktuell in den Laden. __________________
Florian Heine: „13 Architekten, die du kennen solltest“ Aus der Reihe: Kunst für Kids Prestel Verlag € 12,99 ab 8 Jahren
In dieser „13“-Reihe für Kinder ist aktuell dieses Buch erschienen. 13 Bauwerke hat uns der Verlag schon vorgestellt. Nun kommen wir zu 13 Architekten der Weltgeschichte. Gebäude in allen Formen, Farben und Größen und von allen Enden dieser Erde zeigt dieser Band. Doch geht es nicht um die Gebäude allein! In 13 spannenden Kapiteln werden die Genies, die hinter den Bauwerken stehen, vorgestellt. Kinder finden heraus, wie Christopher Wren nach dem verheerenden Londoner Stadtbrand 1666 die St. Paul’s Cathedral wieder errichtete, was der amerikanische Präsident Thomas Jefferson sonst noch machte, außer die Unabhängigkeitserklärung zu formulieren, und wie Frank Lloyd Wright und Zaha Hadid die Grenzen der modernen Architektur sprengen. Die Mischung aus grossformatigen Fotografien und Detailzeichnungen, den angehängten Biografien machen dieses Kinder- und Jugendsachbuch zu einem informativen Nachschlagewerk, zumal immer wieder auf Weiterführendes und Tipps zum Selbermachen hingewiesen wird. Hier können Sieins Buch schauen.
Anders präsentiert sich das folgende Buch:
Stephen Biesty und Patrick Dillon: „Große Bauwerke“ Die Geschichte der Architektur Gerstenberg Verlag € 19,95 ab 9 Jahren
Stephen Biesty, der Großmeister der technischen Illustration, hat sich nach seinen viel beachteten Erfolgstiteln „Große Entdecker“ und „Das Superbuch der technischen Wunderwerke“, einem neuen Thema zugewandt: Gemeinsam mit Autor Patrick Dillon, Architekt und Historiker, stellt er die schönsten Bauwerke in aller Welt vor und zeichnet zugleich eine Geschichte der Architektur von den Anfängen bis heute. In seinen fulminanten Aufrissen sind auch kleinste Details ins Bild gesetzt und laden dazu ein, die Gebäude bis in den hintersten Winkel zu erkunden. Autor und Zeichner beginnen mit der Höhle, gehen von den Pyramiden, den Griechen und Römern weiter zur Hagia Sophia. Notre-Dame, die verbotene Stadt, Tadsch Mahal, Sankt Petersburg und der Kristallpalast sind genauso dabei, die das Bauhaus, das Chrysler Buildung, das Opernhaus von Sydney, das Centre Pomidoi und zum Schluss das Strohballenhaus in London. Eine Zeitleiste, Erläuterungen und ein Register schließen dieses große Sachbilderbuch ab, in dem wir auf fast 100 Seiten, die zum Teil zum Aufklappen sind, einen Querschnitt der Weltarchitektur finden. Auf der amerikanischen Verlagsseite können Sie unter dem angezeigten Link „Look inside“ (unterhalb des Chrysler Buildings)einige Illustrationen betrachten. ______________________
Heute abend geht es nun endlich los mit der langen Lesenacht. Wir beginnen um 19 Uhr mit der ersten Seite aus Uwe Johnsons „Jahrestage“ und schauen, wie lange wir durchhalten.
Ein wahnsinnig schöner Abendhimmel. Mehr Sonnenuntergänge auf: jastram.tumblr.com
Heute haben H.P:Lovecraft * 1890 Salvatore Quasimodo * 1901 Robert Merle * 1908 Luciano De Crescenzo * 1928 Arno Surminski *1934 Geburtstag ____________________
Jetzt wird es sehr sehr frech:
Daniel Miyares: „Verzeihung!“ Aus dem Englischen von Salah Naoura Ellermann Verlag € 12,99 Bilderbuch ab 5 Jahren
Alles könnte soooo schön sein. Die perfekte Ruhe, das perfekte Wetter, der perfekte See, die perfekte kleine Insel. Gerade richtig für so einen kleinen gelben Vogel wie auf dem Umschlagsbild. Ach, er genießt es sichtlich. Plötzlich ein dunkler Schatten und ein Pelikan stürzt auf den kleinen gelben Vogel zu. Aber keine Angst. „Verzeihung“, sagt er nur und will einfach auch auf der kleinen Sandbank ausruhen. Übrigens wie auch der Frosch, der gleich darauf angesprungen kommt. Sagt der kleine gelbe Vogel auf die Verzeihung des Pelikans noch: „Na, das ändert ja wohl auch nichts.“, schaut er schon sehr ärgerlich beim Frosch: „Ist etwas eng hier, oder?“. Als die Schildkröte noch angerudert kommt und sich neben die bei glücklichen Zugereisten setzt, ist der kleine gelbe Vogel schon sehr angesäuert: „Klar, fast der ganze Sumpf ist hier, du hast ja gerade noch gefehlt.“ Als der Fuchs auch noch um ein Plätzchen bittet, rastet der kleine gelbe Vogel aus: „Selber Verzeihung! Aber das hier ist mein Nest! Und was ihr sagen wollt, ist mir egal! Haut endlich ab!“ Und in was für großen Buchstaben das abgedruckt ist. Nun ist er wieder zufrieden auf seinem kleinen Hügel mitten im See. Die Sonne ist glutrot untergegangen. Und es herrscht Stille. Herrliche Stille. Obwohl? Was sind das für Augen? Wieso bewegt sich die Sandbank? Herrliche Bilder, eine witzige Geschichte mit einer ordentlichen Prise schwarzen Humor, die am Ende vom Autoren eingestreut wurde.
Die 1983 in Neu-Ulm geborene Sopranistin Anna Prohaska zeigt auf ihrer aktuellen CD eine noch nie dagewesene Zusammenstellung von Liedern, die mit Krieg zusammenhängen. Wir gedenken schon seit geraumer Zeit dem 100.Jahrestag des Ausbruches des Ersten Weltkrieges. Dieser Große Krieg, wie ihn die Engländer bezeichnen, beschäftigt Anna Prohaska seit ijhrer Jugend. Sie meint auch, dass es eigentlich kein Gedenken an einem bestimmten Tag (z.B. den 1.August 1014) geben sollte. Der Krieg dauerte nun mal vier Jahre. Im Programm sind nun aber nicht nurLieder von Eisler, Rihm und Weil, sondern auch Kompositionen von Schubert, Liszt, Beethoven, Poulenc und einigen anderen Komponisten zu hören. Über 75 Minuten sind auf die CD gepresst. Da zeigt sich vielleicht, dass diese junge Sängerin weiss, sich durchzusetzen. Erstmal diese Zusammenstellung und dann noch in dieser Länge. Dass dies zum Teil keine leichte Kost ist, können wir leicht erahnen. Tod, Verlust, Wahnsinn, zieht sich durch die Liedkunst aller Zeiten. Und doch schafft die es mit ihrem warmen Sopran auch Liebesgeschichten zu erzählen, wie in dem traurigen schottischen Lied „My Luve’s in Germanie“ aus dem 18.Jahrhundert. „Behind The Lines“ braucht seine Zeit, bis man sich hineinhört, aber dann merken wir, was das für starke Lieder sind und welch passende Stimme Anna Prohaska dazu hat.