Freitag, 7.August

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Heute haben
Nina Berberowa * 1901
Jostein Gaarder * 1952
und
Birgit Vanderbeke * 1956
Geburtstag
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Christian Morgenstern
Hochsommernacht

Es ist schon etwas, so zu liegen,
im Aug der Allnacht bunten Plan,
so durch den Weltraum hinzufliegen
auf seiner Erde dunklem Kahn!

Die Grillen eifern mit den Quellen,
die murmelnd durch die Matten ziehn;
und droben wandern die Gesellen
in unerhörten Harmonien.

Und neben sich ein Kind zu spüren,
das sich an deine Schulter drängt,
und ihr im Kuß das Haar zu rühren,
das über hundert Sterne hängt …

Es ist schon etwas, so zu reisen
im Angesicht der Ewigkeit,
auf seinem Wandler hinzukreisen,
so unaussprechlich eins zu zweit …
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„Aus dem Papierkorb der Weltgeschichte“
Unglaubliche Briefe, gesammelt von Aaron Aachen (Archivar)
Gestaltung von Florian Toperngpong
Verlag Jacoby&Stuart € 24,00

Vor ein paar Tagen habe ich das Bilderbuch „Sommerhaus am See“ von Britta Teckentrup hier auf dem Blog vorgestellt. Über den Autoren kam ich zu seinem gleichnamigen Buch über dieses Haus und auf ein Buch mit mit dem Titel „Future History 2050“. Darin enthalten sind fiktive Briefe, die der Grafiker Florian Toperngpong beigetragen hat. Er widerum hat ein großformatiges Buch mit unveröffentlichten Briefsensationen herausgebracht. Allerdings schon 2018. Egal. Was sind schon zwei Jahre?
Ein unglaublicher Spaß.

Dies habe ich auf dieser Seite https://papierkorb-der-weltgeschichte.de/ gefunden:

Dieses Buch beinhaltet eine bislang unveröffentlichte Sammlung an unglaublichen und kuriosen Originalbriefen, Akten und Zeitdokumenten, zusammengetragen und archiviert von Aaron Aachen, einem Findelkind aus Niederbayern. Von klein auf besessen von Schriftstücken aller Art nutzte Aachen, nach dem Tod des Ziehvaters, das geerbte Vermögen,um weltweit Archive und Privatsammlungen auf der Suche nach Hinweisen zu seiner eigenen Identität zu durchforsten. Dabei entdeckte er erstaunliche, amüsante und teils haarsträubende Korrespondenzen, die den Blick freigeben auf die kleinen Geschichten hinter der großen Weltgeschichte.

Zusammengetragen in diesem Buch finden sich unter anderem Briefe von Franz Kafka an Sigmund Freud, Roland Emmerich an Wolfgang Rademann, Elvis an seine erste Liebe und Tim Mälzer an McDonald‘s ebenso wie die Tanzkarte von Leni Riefenstahl, Fragmente des Bühnenstücks »Mein Kampf«, geschrieben von Adolf Hitler, die abgelehnte Bewerbung von Alice Schwarzer um den Titel als „Schönste Frau Deutschlands“ oder die Anzeige gegen Hermann Hesse wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses durch Nacktwandern.

Ein unglaublicher Spaß. Mit welcher Perfektion diese Briefe gestaltet worden sind und welche lustigen, frechen Ideen dahinterstecken. Dass dann auch noch Otl Aicher drin vorkommt mit einem Stempel des HfG Archivs  ist natürlich ein Volltreffer.

Großartig!

Dienstag, 4.August

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Heute haben
Christian Fürchtegott Gellert * 1715
Nathaniel Hawthorne * 1804
Christine Lavant * 1915
Neil Simon * 1927
Dean Meyer * 1958
Geburtstag
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Christian Fürchtegott Gellert
Der Kuckuck

Der Kuckuck sprach mit einem Star,
der aus der Stadt entflohen war.
„Was spricht man“, fing er an zu schrein,
Was spricht man in der Stadt von unsern Melodein?
Was spricht man von der Nachtigall?“
„Die ganze Stadt lobt ihre Lieder.“ –
„Und von der Lerche?“ rief er wieder.
„Die halbe Stadt lobt ihrer Stimme Schall.“
„Und von der Amsel?“ fuhr er fort.
„Auch diese lobt man hier und dort.“ –
„Ich muß dich doch noch etwas fragen:
Was“, rief er, „spricht man denn von mir,“
„Das“, sprach der Star, „das weiß ich nicht zu sagen;
denn keine Seele red′t von dir.“ –
„So will ich“, fuhr er fort, „mich an dem Undank rächen
und ewig von mir selber sprechen.“
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Alexander Haus 2019

copyright: André Wagner http://www.andrewagner.com

Thomas Harding: „Sommerhaus am See“
Ein Haus, vier Familien und 100 Jahre deutsche Geschichte
Mit Illustrationen von Britta Teckentrup
Ab 8 Jahren und für die ganze Familie
Jacoby&Stuart  € 15,00
und als gleichnamiger Roman von Thomas Harding
dtv € 14,90

Was für eine Entdeckung für mich. Ich halte das neuerschienene Bilderbuch von Britta Teckentrup in der Hand und bin begeistert und tief be/gerührt.
Der eigene, ruhige, der jeweiligen Situation angepasste Ton der Illustrationen sprachen mich sofort an.

Thomas Harding erzählt die Geschichte des Hauses:

Am Rand von Berlin, am Groß Glienicker See, steht ein Haus. Im Laufe vieler Jahre leben dort nacheinander die jüdische Familie Alexander, ein NSDAP-Mitglied mit Familie, ein Paar, das vor den Bombenangriffen aus der Stadt geflohen ist, sowie ein Stasi-Informant. Das Haus erlebt glückliche Zeiten, aber auch, wie über seinem Dach Flugzeuge am brennenden Himmel fliegen, wie Panzer vorbeirollen, wie auf seinem Grundstück eine Mauer gebaut und wieder abgerissen wird. Und immer wieder ist das Haus allein. Bis eines Tages der Autor dieses Buchs den Sandweg herunterspaziert und sieht, dass das Haus Hilfe braucht. Zusammen mit Menschen aus dem Ort macht er sich an die Arbeit.
Heute trägt das kleine Sommerhaus am See den Namen Alexander Haus und ist 2019 als ein Zentrum für Bildung und Versöhnung wiedereröffnet worden. Außerdem hat es Aufnahme in die Denkmalliste des Landes Brandenburg erhalten.

Danach war es um mich geschehen. Ich entdecke einen Filmtrailer zum Roman, blättere durch die Seite von https://alexanderhaus.org/, schaue mir ein Interview mit Thomas Harding an.

Die Geschichte mit Thomas Harding geht jedoch weiter und das ist das Faszinierende an Literatur. Auf unserem Büchertisch liegt seit Monaten ein Buch, um das ich immer herumstreiche:Future History 2050. Ein Buch aus der Zukunft mit gefundenen Briefen aus der Gegenwart. Sehr beeindruckend. Der „Grafiker“ (Der Autor selbst?) des Buches hat mitAus dem Papierkorb der Weltgeschichte“ fingierte nicht veröffentlichte Briefe in einem Buch zusammengefasst. Der Buchtitel taucht ganz beiläufig auch im „Future History 2050„-Buch auf.
Im Strudel der Bücher geht es immer weiter und wir finden kein Ende.
Gut so.

Freitag, 19.Oktober

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Heute haben
Miguel Angel Asturias * 1899 (Nobelpreis 1967)
Hilde Spiel * 1911
John le Carré * 1931
Philip Pullman * 1946
Rudolf Herfurtner * 1947
Geburtstag.
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Am 19.10. im Deutsche Gedichte Kalender 2019:

Johann Wolfgang von Goethe
Türmerlied

Aus Faust II

Zum Sehen geboren,
Zum Schauen bestellt
Dem Turme geschworen
Gefällt mir die Welt

Ich blick in die Ferne,
Ich seh in der Näh
Den Mond und die Sterne,
Den Wald und das Reh.

So seh ich in allen ,
Die ewige Zier,
Und wie mirs gefallen,
Gefall ich auch mir.

Ihr glücklichen Augen,
Was je ihr gesehn,
Es sei, wie es wolle,
Es war doch so schön.
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Britta Teckentrup:Die Schule
Jacoby & Stuart Verlag € 19,00
Ein Buch für Menschen ab 8 Jahren

Britta Teckentrup ist eine Meisterin der genauen Betrachtung. In vielen ihrer Bücher beschäftigt sie sich mit Natur, mit Tieren, dem Wetter. Jetzt hat sie sich Menschen vorgenommen. Menschen in einem ganz speziellen Umfeld. Die Schule. Hier treffen unterschiedliche SchülerInnen aufeinander. Unterschiedliche Charaktere, verschiedenste Länder. Dazu noch Lehrer und Eltern. Es gibt den normalen Alltag mit Unterricht, mit guten und doofen Lehrern, mit Aufgaben und Prüfungen. Es gibt jedoch auch Mobbing und Gewalt, genauso wie feste und neue Freundschaften, Zuspruch und Vertrauen. Somit ist dieser Kosmos ein Spiegelbild unserer Gesellschaft.
Britta Teckentrup zeigt dies in feinen Nuancen, in Körperhaltungen und Blicken.
Kein Bilderbuch zum schnellen Vorlesen, aber ein Buch zum Hinlegen und immer wieder darin blättern und darüber reden.

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