Freitag, 24.Januar

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Heute haben
E.T.A. Hoffmann * 1776
Edith Wharton * 1862
Vicki Baum * 1888
Eugen Roth * 1895
Geburtstag
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„Wer wagt, durch das Reich der Träume zu schreiten, gelangt zur Wahrheit.“
E.T.A. Hoffmann
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Vielleicht ist das schon mein Lieblingsbuch des Jahres 2020, ob wir erst Januar haben.

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Patrik Svensson: „Das Evangelium der Aale“
übersetzt aus dem Schwedischen von Hanna Granz
Hanser Verlag € 22,00

Was gehen mich Aale an, dachte ich, als ich das Buch in die Hand genommen habe. Gesehen habe ich noch keinen (außer geräuchert) und gegessen (als Vegetarier) auch nicht. Aber kaum las ich ein paar Seiten, war es um mich geschehen. Und so ging es allen, die das Buch in der Hand hatten. So ganz falsch liegen wir wohl nicht, wenn ich mir die Sonderseite des Hanser Verlages anschaue, die ich erst gestern entdeckt habe. Interview, Gewinnspiel, Leseproben und und und. Also auch der Verlag verspricht sich so einiges.
Warum gehts?
Der schwedische Journalist Svensson erzählt in einer Rahmenhandlung, wie er als Kind mit seinem Vater an den Wochenenden an den Fluss zum Aaleangeln gegangen ist. Diese Vater-Sohn-Beziehung zieht sich durch das Buch. Dann kommen aber die Aale selber dran.
Ich wusste fast gar nichts über deren Leben und war erstaunt und fassungslos, was die Evolution hier eingerichtet hat. Die lange Reise von der Laichstelle in der Saragossasee (dort entstehen ALLE Aale der Welt), bis hin zu einem Tümpel bei uns um die Ecke. Die Mutationen, die ein Aal im Laufe seines Lebens durchmacht sind unglaublich und dazu kommen Svenssons Anektoden und Geschichten.
Denn der Aal hat schon Sokrates beschäftigt. Er behauptet, dass Aale aus Dreck enstehen, die Bibel schreibt, dass Aale nicht zum Essen geeignet sind, da sie keine Flossen haben. Beide liegen falsch. Sigmund Freund nimmt als junger Mann 400 Aale auseinander, um deren Geschlechtsteile zu finden, um Sokrates zu widerlegen. Er scheitert und diese Erfahrung prägt Freuds spätere Arbeiten. Aale habe keine Geschlechtsteile. Diese bilden sie erst, wenn sie auf der Rückreise in die Saragossasee sind.
Wie kann ein Aal 120 Jahre in einem Brunnen überleben? Was macht der Aal in der Weltliteratur, der Psychologie und Philosphie?
Ich mag nicht zu viel verraten.
Schnappen Sie sich bei uns die Leseprobe, lesen Sie diese genau durch und füllen Sie auf der Hanser Seite das Quiz aus ( siehe unten) und gewinnen Sie eine Reise, die nicht so lang ist, wie die der Aale, aber hoch in den Norden führt (wenn Sie aus Ulm kommen).
Ein tolles Buch! 

Zur Themenseite mit dem Gewinnspiel

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Donnerstag, 24.Januar

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Guten Morgen Ulm

Heute haben
E.T.A. Hoffmann * 1776
Edith Wharton * 1862
Vicki Baum * 1888
Eugen Roth * 1895
Geburtstag
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„Wer wagt, durch das Reich der Träume zu schreiten, gelangt zur Wahrheit.“

E.T.A. Hoffmann
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Ganz neu als Taschenbuch:

978-3-498-09463-8

Matthew Weiner: „Alles über Heather„
Aus dem Amerikanischen von Bernhard Robben
Rowohlt Verlag € 10,00

Auf gerade mal 144 Seiten spielt der Roman von Matthew Weiner. Aber die haben es in sich. Dass der Autor vor seinem Erstling weltweit Erfolge mit Serien wie „Mad Men“ und „Die Sopranos“ hatte, wird überall erwähnt. Mehr kann nicht nicht dazu sagen, da ich sie noch nie gesehen habe. Aber: Man merkt dem Roman an, dass Weiner schreiben kann. Knapp, pointiert, präzise und messerscharf.

Eigentlich hatte sie die Hoffnung auf ein normales Familienleben schon aufgegeben. „Karen war schon fast vierzig und jenseits aller Hoffnung, jemanden zu finden, der es mit ihrem Vater aufnehmen konnte.“ Bis Mark kam. Mark, Sohn eines Lehrers und Footballtrainers aus Newton, Massachusetts, kann ihr dank seines lukrativen Jobs im Finanzdistrikt von Manhattan zumindest materielle Sicherheit bieten: eine repräsentative Wohnung (auch wenn es nur die Gegend jenseits der Park Avenue ist, und nicht die 5th Avenue), ein ordentlich gefülltes Bankkonto, ein ruhiges, Leben.

Ein ruhiges Leben könnten die Breakstones in ihrem Appartment in Manhattan haben. Erfolg, eine glückliche Ehe und eine liebreizende Tochter. Heather ist der Mittelpunkt dieses kleinen Kosmos. Karen entwickelt sich zur Helikopter Mutter, beobachtet, bewacht und stellt ihre Tochter auf einen hohen Sockel. Doch diese Vater-Mutter-Kind-Beziehung ist instabil und als Heather in die Pubertät kommt bricht dieses selbst konstruiertes Kartenhaus zusammen.

Als Heather sich von Karens erstickender Liebe zu lösen beginnt, gerät das nach außen aggressiv beschworene Familienglück vollends ins Wanken. Während Karen, radikal desillusioniert von ihrem armseligen Leben, am Rande des Nervenzusammenbruchs wandelt, konzentriert sich Mark in obsessiver Weise auf das Glück und die Unversehrtheit seiner Tochter. Deren unbeschwerte Existenz in Gefahr gerät, als plötzlich ein Fremder vor ihrem Haus steht.

Parallel erzählt Matthew Weiner das Schicksal von Bobby Klasky, Kind einer drogensüchtigen Prostituierten, der den Liebhabern seiner Mutter zur Hand geht, um ihnen einen Schuss zu setzen. Als er wegen Vergewaltigung ins Gefängnis kommt, wird er zerbrochen und verliert den letzten Rest von Menschlichkeit.
Ab dem Moment, als sich die Lebenswege von Heather und Bobby kreuzen, wird uns Lesern klar, dass die Katastrophe vorgegeben ist. Die Frage ist nur, wann, wo und bei wem.

Dass ihm das Zufügen von Schmerzen Lust bereitet, zählt für den Jungen zu den aufregendsten Entdeckungen seines Lebens. „Durch Zufall entdeckte er seine eigene Macht, als er einen Vogel fand, der sich in der Air-Condition am Fenster verfangen hatte. Bobby stellte die Anlage an und sah ehrfürchtig zu, wie das Tier von den Rotoren zerhackt wurde, bis Blut aus dem Ventilator spritzte.“ Den letzten Rest Mitgefühl für andere Lebewesen verliert Bobby, als er nach der brutalen Misshandlung eines mexikanischen Mädchens aus der Nachbarschaft für dreieinhalb Jahre ins Gefängnis muss. Wie es der Zufall will, findet er seinen ersten Job nach dem Knast mitten in New York, bei der Renovierung eines Hauses im Brownstone-Viertel nahe der Park Avenue. Jenem Haus, in dem Heather mit Mark und Karen das Penthouse im zehnten Stock bewohnt.

Als er das schlaksige Mädchen mit den blauen Augen zum ersten Mal sieht, ist es, als habe ihn ein Blitz getroffen. „Bobby würde Heather besitzen, jeden Teil von ihr; sie beide würden in ihm eins werden, und er wäre der Anfang und das Ende von allem.“ Die Kollision zweier Menschen, die sich unter normalen Umständen nie begegnet wären, ist ebenso unausweichlich wie das der beiden Lokomotiven, die auf demselben Gleis aufeinander zurasen. Kein Ausweichen möglich, das Verhängnis nimmt seinen Lauf.

Diese Extreme komponiert Matthew Weiner zu einem beklemmend guten Psycho-Kammerspiel. Wir erkennen Seite für Seite, dass die Breakstones eine Fassade aufgebaut habe, die sie nicht mehr aufrechthalten können. Wir merken, dass Bobby ein Mensch ist, der noch zu Regungen fähig ist. Durch seinen enormen Geruchsinn wird er auf Heather aufmerksam und ihm fällt sein Kaffee aus der Hand. Wie in der griechischen Tragödie gibt es kein Entrinnen mehr.
Matthew Weiners Erstling lebt von diesen engen Verstrickungen, den Verirrungen, Hoffnungen und der Angst vor dem Abgrund. Dazu braucht er nicht die Zutaten eines brutalen Thrillers. Er macht dies viel subtiler und sehr geschickt.
Mehr mag ich nicht verraten.

Mittwoch, 24.Januar

Heute haben
ETA Hoffmann * 1776
Edith Wharton * 1862
Vicki Baum * 1888
Eugen Roth * 1895
Geburtstag
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Wer wagt, durch das Reich der Träume zu schreiten, gelangt zur Wahrheit.
E.T.A. Hoffmann
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Claudia Wiltschek empfiehlt:

Elisabeth Dale:Echte Bären fürchten sich nicht
Mit farbigen Bildern von Paula Metcalf

Aus dem Englischen von Paul Maar
Oetinger Verlag € 14,00
Bilderbuch ab 4 Jahren

Tief in den Wäldern, hell scheint der Mond,
liegen die Bären im Bett wie gewohnt.
Papa und Mama Bär, Lisa und Kai
liegen im Schlaf und träumen dabei.
Auch Baby-Bär Bobo liegt tief in den Kissen,
da wird er ganz jäh aus dem Schlaf gerissen.
Er richtet sich auf, verwirrt und verstört.
Ganz deutlich hat er ein Grunzen gehört.

Ja, und nun ist die Nachtruhe für die gesamte Bärenfamilie vorbei. Baby Bobo lässt sich nicht beruhigen, denn es war doch sicher ein Monstergrunzen da draussen .

Papa Bär sagt : „Na gut. Lasst uns gehen.
Es gibt bestimmt keine Monster zu sehen.

Und so zieht die ganze Familie mit Laterne in die Nacht hinaus, erschrecken die Rehe, die Frösche, landen im Matsch und letztendlich erschrecken sie sich selbst und erkennen, dass es gar nichts Erschreckendes gibt. Erschöpft wird ins Bett gesunken, doch plötzlich …

Auch wenn es sicher das hundertste Bärenbuch ist, es macht riesig Spass mit dieser Familie im Wald durch die Nacht zu stolpern und die wunderbar übersetzten Verse von Paul Maar laut vorzulesen.