Dienstag, 22.Dezember


Hans Leifhelm
Winterwald

Ich geh‘ in einen Winterwald hinein,
der Winterwald muss voller Wunder sein.

Die Tannen stehen enge angeschmiegt,
soweit das Land in tiefer Schneelast liegt.

Und keine Spuren gehen durch den Wald
als vom Getier – und die verwehen bald.

Und manchmal ist ein Seufzen in den Bäumen,
wie Kinder seufzen unter tiefen Träumen.

Der Schnee liegt weiß, so weit ich wandern will;
Da werden alle Menschenwünsche still.
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Gestern frisch eingetrudelt:

Georg Patzer: „Arno Schmidt und Ulm“
Spuren 121
Deutsche Schillergesellschaft € 4,50

Ein kleines Heftchen mit 16 Seiten über eine kleine Geschichte, die schon so oft erzählt worden ist. Fast wäre Arno Schmidt an der HfG angestellt worden. Aus vielen Gründen hat dies allerdings nicht geklappt.
Schmidt war auf der Flucht in ein anderes Bundesland, da er ein Gerichtsverfahren in Trier am Hals hatte. Kein Geld, keine großen Perspektiven. Dann der Ruf nach Ulm.
Aber die Chemie stimmte nicht. Ein paar Jahre später bekommt er nochmals ein Angebot, das er erneut ablehnt.
Es hätte wohl auch nicht gepasst.
Sehr fein gestaltet, mit vielen Fotos, macht diese kleine Arbeit von Georg Patzer viel Vergnügen.
Demnächst soll noch etwas zu diesem Thema erscheinen. Ich bin gespannt.

Vor ein paar Wochen erschien dieses Lesebuch:

Arno Schmidts Zettel´s Traum. Ein Lesebuch

„Arno Schmidts Zettel’s Traum“
Herausgegeben von Bernd Rauschenbach.
Mit einführenden Texten von Susanne Fischer.
Eine Edition der Arno Schmidt Stiftung im Suhrkamp Verlag.
Gestaltung und Satz Friedrich Forssman
Suhrkamp Verlag € 25,00

Zettel’s Traum – ein großformatiges Buch mit 1300 Seiten und 10 Kilo Gewicht.
Alle kennen wir es. Aber wer hat es gelesen? Innerhalb von 50 Jahren wurde es immerhin 25.000 Mal verkauft.
Bernd Rauschenbach hat hier eine Best-Of Version zusammengestellt und führt uns durch die einzelnen Kapitel dieses Mythos-Werkes.
Spannend auch, dass wir hier nicht in drei Spalten lesen, sondern in einer leicht lesbaren Form.
Ja, es stimmt, durch die Einführungstexte von Susanne Fischer, bekommt man Lust, wieder reinzublättern. Das Format (als größeres Taschenbuch mit Fadenheftung) lässt sich überall mitnehmen.
Hier also die Möglichkeit, aus einem „unlesbaren“ Buch eine spannende Lektüre zu machen.


Mittwoch, 15.Juli

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Heute hat Jörg Fauser (* 1944) Geburtstag
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Annette von Droste-Hülshoff
Sommer

Du gute Linde, schüttle dich!
Ein wenig Luft, ein schwacher West!
Wo nicht, dann schließe dein Gezweig
So recht, dass Blatt an Blatt sich presst.

Kein Vogel zirpt, es bellt kein Hund;
Allein die bunte Fliegenbrut
Summt auf und nieder übern Rain
Und lässt sich rösten in der Glut.

Sogar der Bäume dunkles Laub
Erscheint verdickt und atmet Staub.
Ich liege hier wie ausgedorrt
Und scheuche kaum die Mücken fort.

O Säntis, Säntis! läg‘ ich doch
Dort, – grad‘ an deinem Felsenjoch,
Wo sich die kalten, weißen Decken
So frisch und saftig drüben strecken,
Viel tausend blanker Tropfen Spiel;
Glücksel’ger Säntis, dir ist kühl!
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Buchvorstellung am Donnerstag, 16. Juli 2020

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hans gugelot. die architektur des design
Ein Katalogbuch voller Geschichte und Geschichten

Oben auf dem Ulmer Kuhberg, einem Ausläufer der Schwäbischen Alb zur Donauebene hin, siedelte in den 1950er und 1960er Jahren ein ganz besonderes Völkchen: Die Mitglieder der Hochschule für Gestaltung. Sie schufen sich hier ein ganz eigenes Lebensumfeld, in dem sie das Zusammenleben im Sinne der zweiten Moderne probten und beispielhaft ihre Ideale in die Realität umsetzten.
Vielen Ulmern, vor allem den traditionell gesinnten, blieben sie fremd. Doch für alle, die mit der Aufbruchsstimmung und Experimentierlust dieser jungen Menschen nach dem Zweiten Weltkrieg zu schätzen wussten, bot die HfG in dieser Zeit Vorbilder und Diskussionsstoff.
Der holländische Architekt Hans Gugelot kam 1954 aus der Schweiz an die HfG, wo er bis zu seinem frühen Tod 1965 unterrichtete. Mit seinen Entwürfen im Bereich des Industriedesign trug er wesentlich zum Erfolg der Hochschule für Gestaltung bei.
In diesem Katalogbuch kommen Lebensumstände und Lebensgefühl der gestalterischen Avantgarde dieser Zeit genauso zur Geltung wie das Lebenswerk Hans Gugelots. Beides ist untrennbar miteinander verbunden: Die kühle Gestaltung etwa des „SK 4“, eines Radiogerätes für die Firma Braun, das unter dem Namen „Schneewittchensarg“ Furore machte und auf dem bevorzugt der cool jazz dieser Zeit abgespielt wurde, mit der Lebenslust und Zuversicht dieser Menschen, die sich so bewusst von jeder Tradition abwandten und doch – beispielsweise in Bezug auf die gleichberechtigte Berufsarbeit von Männern und Frauen – noch vieles als selbstverständlich nahmen, was wir heute kritisch sehen. Vieles, was damals angelegt wurde, etwa die häufige Verwendung von Kunststoffen oder die Systematisierung der industriellen Produktion, prägt bis heute unseren Alltag.

Die Journalistin und Kulturwissenschaftlerin Christiane Wachsmann ist Herausgeberin des Katalogbuches und Kuratorin der zugehörigen Ausstellung im HfG-Archiv; Dr. Martin Mäntele ist Leiter des HfG-Archivs.
Im Gespräch werden die beiden die einzelnen Themen des Buches und des Rahmens beleuchten, in dem die Entwürfe von Hans Gugelot entstanden.
Samy Wiltschek von der Buchhandlung Jastram baut einen Büchertisch zum Thema auf.

Der Eintritt ist frei
Ort der Veranstaltung
Gebäude der ehemalige Hochschule für Gestaltung Ulm
Am Hochsträss 8, 89081 Ulm, Großer Hörsaal

Zeit
Donnerstag, den 16. Juli 2020, 19 Uhr
Vorsichtsmaßnahmen im Rahmen der Corona-Prävention
Bitte tragen sie einen Mundschutz und halten Sie den Mindestabstand ein.
Zu dieser Veranstaltung sind bis zu 20 Teilnehmer nach telefonischer Voranmeldung zugelassen.
Bitte melden Sie sich ausschließlich telefonisch an,
zwischen Montag und Freitag (von 9 bis 12 Uhr)
unter der Nummer 0731 161-4307.

Ein Blick ins Buch

Donnerstag, 23.Januar

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Heute haben
Stendhal * 1783
Sergej Eisenstein * 1898
Derek Walcott * 1930 (Nobelpreis 1992)
Geburtstag
Aber auch Jeanne Moreau, Humphrey Bogart und Éduard Monet.
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Rok
keine schonzeit für feige zwerge

ist der schatten der bäume
der gleiche
wie der schatten der
hochhäuser die an
wolken kratzen
vielleicht ist der vergleich
abhängig von einem
sommer oder wintertag
oder nacht
dein heißer schweiß
auf meiner zunge
kühlt meine angst
macht mich betrunken
im schatten der bäume
lass uns giftige pilze
suchen unter
aufgerissenen wolken
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Jean Ziegler: „Die Schande Europas“
Von Flüchtlingen und Menschenrechten
Aus dem Französischen von Hainer Kober
Bertelsmann Verlag € 15,00

Jean Ziegler hat als Vizepräsident des Beratenden Ausschusses des UN-Menschenrechtsrats im Mai 2019 das EU-Flüchtlingslager Moria auf Lesbos besucht. Anhand vieler, oft erschütternder Einzelfälle schildert er seine Begegnungen mit Flüchtlingen, Hilfsorganisationen, einzelnen Menschen die helfen. Er berichtet über den Alltag in diesen restlos überfüllten Lagern, diesen sogenannten Hotspots, in denen es fast nichts gibt. Täglich 1,5 Liter Wasser und Essen aus Plastikschalen, das oft nicht mehr genießbar ist. Von schützenden Behausungen ist gar nicht die Rede. Es ist eine Schande, wie mit diesen Menschen umgegangen wird. Es ist eine Schande, wie wir in Europa die Augen verschließen. Jean Ziegler will uns mit seiner Streitschrift die Augen öffnen für diesen Skandal vor unserer Haustür. Hier, wo wir in Wohlstand leben und dort auf dieser Insel, wo es Armut, Hunger, Verzweiflung und Not in verschiedenen Varianten gibt. Durch seine vielen Biografien, die wir in diesem Buch finden, ergibt sich ein großes Szenario, das sich durch die Globalisierung und die Klimakatastrophe ergeben hat. Wegschauen geht nicht mehr.
Das Buch endet mit folgenden Sätzen:
„Wir, die Völker Europas, müssen dafür sorgen, dass die europäischen Zahlungern an die flüchtlingsfeindlichen Staaten sofort beendet werden.
Überall auf dem Kontinent müssen wir für die strikte Einhaltung des universellen Menschenrechts auf Asyl kämpfen.
Wir müssen die sofortige und endgültige Schließung aller Hotspots durchsetzen, wo immer sie sich befinden.
Denn sie sind die Schande Europas.“

Hier geht es zur Leseprobe.

Heute auf tagesschau.de:
https://www.tagesschau.de/investigativ/panorama/fluechtlingslager-libyen-105.html
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Heute abend in der HfG um 19.00 Uhr
Winfried Nerdinger: „Walter Gropius: Architekt der Moderne“

Walter Gropius ist der Gegenstand einer umfassenden und gründlich recherchierten Biografie, die der renommierte Architekturhistoriker und langjährige Leiter des Architekturmuseums der Technischen Universität München, Prof. Dr. Winfried Nerdinger, verfasst hat und persönlich in Ulm vorstellen wir.

Ort: Großer Hörsaal, 1. OG (Mensa-Ebene)
Gebäude der ehemaligen HfG, Am Hochsträß 8, 89081 Ulm
Eintritt: frei