Donnerstag, 15.März

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Heute haben
Paul Heyse * 1830
Elisabeth Plessen * 1944
Franz Schuh * 1947
Kurt Drawert * 1956
Geburtstag
und auch Zarah Leander.
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Paul Heyse
Vorfrühling

Stürme brausten über Nacht,
und die kahlen Wipfel troffen.
Frühe war mein Herz erwacht,
schüchtern zwischen Furcht und Hoffen.

Horch, ein trautgeschwätz’ger Ton
dringt zu mir vom Wald hernieder.
Nisten in den Zweigen schon
die geliebten Amseln wieder?

Dort am Weg der weiße Streif–
Zweifelnd frag‘ ich mein Gemüte:
Ist’s ein später Winterreif
oder erste Schlehenblüte?
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Sayaka Murata:Die Ladenhüterin
Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe
Aufbau Verlag € 18,00
Sayaka Muratas Hauptperson Keiko Furukura ist Ende 30 und seit fast 20 Jahren in einem Supermarkt beschäftigt. Ein Markt, der rund um die Uhr auf hat und alles für den täglichen Bedarf vorrätig hält. Ein Laden, der in Japan Konbini, oder Kombini genannt wird. Keiko Furukura hat zu studieren angefangen und aus einem Aushilfsjob ist eine Daueranstellung geworden. Mehr noch: Eine Lebenseinstellung.
Hier herrschen strenge, klare Regeln und Normen, mit denen sie als Kind und als junge Frau nicht immer klar gekommen ist. So wie für uns westlichen Leser diese morgendlichen Riten und Zeremonien verstörend sind, so verstörend ist für Keiko Furukura manchmal der normale Alltag. Sie passt sich hier an, möchte möglichst nicht auffallen und gleichzeitig auch als perfekte Verkäuferin glänzen.
Sie ist eine Ladenhüterin im doppelten Sinne.
Dies alles kommt ins Wanken, als ein neuer Mitarbeiter auftaucht, der die Regeln in Frage stellt, unordentlich und unpünktlich ist. Damit stellt er auch das festgeformte Weltbild von Keiko Furukura in Frage. Wenn auch nur kurzfristig.
Wie es allerdings kommt, dass dieser Mann in ihrer Badewanne schläft und bei ihr einzieht, verrate ich hier nicht.
Ein liebenswertes Buch, eine tröstliche Geschichte, die in Japan mehr als eine halbe Million mal verkauft worden ist und hier auch schon flott über den Ladentisch geht.
Ach übrigens: Keiko Furukura arbeitet selbst in einem Konbini und möchte dort auch weiterhin bleiben. Trotz der vielen Preise, die sie erhalten hat. Aus dieser speziellen Welt zieht so viel Ideen für weitere Bücher.

Leseprobe

 

Donnerstag, 30.März

Heute haben
Paul Verlaine * 1844
Sean O`Casey * 1880
Jean Giono * 1895
Tom Sharpe * 1928
Uwe Timm * 1940
Gert Heidenreich * 1944
Geburtstag
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Paul Heyse

Das Leben ist ein genauer Wirt,
Läßt pünktlich zahlen Lust und Leide.
Kommt einer mit vieren ankutschiert,
Den bedient es mit doppelter Kreide.
Wer glaubt, daß er frei ausgehen wird,
Der macht die Rechnung ohne den Wirt.
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Frueher war alles schlechter von Guido Mingels

Guido Mingels:Früher war alles schlechter
Warum es uns trotz Kriegen, Krankheiten und Katastrophen immer besser geht
DVA € 14,99

Was würden Sie denken: Sterben heute mehr Menschen bei Flugzeugabstürzen als früher oder weniger? Gibt es heute mehr Kriege und Kriegstote als vor 30 Jahren oder weniger? Arbeiten wir wirklich immer mehr? Müssen heute mehr Kinder unter Kinderarbeit und Gewalt leiden, oder sind es weniger geworden? Steigt die Kriminalität in Deutschland oder sinkt sie?
Suizide in Deutschland, Aids, Terror in Westeuropa, Tote durch Schusswaffen sind weitere Themen, denen sich die SPIEGEL-Redaktion angenommen hat. Gab es früher mehr weiße Weihnachten? Wieviel mehr wird uns in unseren Supermärkten angeboten? Und wie steht es mit dem Rauchen in Deutschland? Sind Wetterprognosen besser oder schlechter geworden? Wie geht es dem deutschen Wald und wie sieht es mit der Anzahl der jährlichen Verkehrstoten aus? Arbeiten wir zuviel und wie alt werden wir im Gegensatz zu früher?
Sie merken: Die Bandbreite ist groß und das Team hat sich jeweils eine pfiffige Grafik für die rechte Seite ausgedacht. Links finden wir einen knappen, prägnanten Text, der die Grafik noch unterfüttert.

Unbedingt die Leseprobe anschauen.
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Dienstag, 4.April um 19 Uhr
„Die erste Seite“

Wir stellen vier neue Bücher vor.
Es liest Clemens Grote

Vier neue Bücher, 15 Minuten pro Buch = eine Stunde, ein Vorleser und kein Eintritt.
Dieses Mal mit:

Paolo Rumiz: Der Leuchtturm
André Heller: Uhren gibt es nicht mehr
David Garnett: Mann im Zoo
Mikael Engström: Kaspar, Opa und der Feuerteufel

Bei uns in der Buchhandlung

Samstag

Heute haben
Paul Heyse * 1830
Elisabeth Plessen * 1944
Kurt Drawert * 1944
Geburtstag
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Markus Gasser, geboren 1967, studierte Germanistik und Anglistik in Innsbruck, wo er heute als Privatdozent lehrt. Er lebt als Essayist und Kritiker in Zürich. Zuletzt erschien 2010: „Das Königreich im Meer. Daniel Kehlmanns Geheimnis.“
Um diesen Autoren geht es heute und es schließt sich mal wieder ein literarischer Kreis. Vor ein paar Tagen haben wir den „Modernen Spießer“ vorgestellt und auf einer der Listen im Buch steht Daniel Kehlmanns Buch „Die Entdeckung der Welt“ auf Platz 1 der must have im Spießerregal. Markus Gasser hat sich also diesem Buch angenommen.
Hier macht er sich allerdings Gedanken, welche Bücher wir auf eine einsame Insel mitnehmen würden, sollen, können, wollen dürfen……

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Markus Gasser: „Das Buch der Bücher für die Insel
Hanser Verlag € 21,90

„Fang du an.“
„Nein, zuerst du.“
Kaum wendet sich ein Gespräch unter Literaturenthusiasten kurz vor der Sperrstunde der Frage zu, welche Bücher
man auf eine einsame Insel mitnehmen würde, herrscht gebannte Stille am Tisch; man gibt sich feurigem Grübeln
hin. Dann wirft einer seine Liste der persönlichen Lieblingsgrößen in die Runde, und schon fällt ein anderer ihm
ins Wort: Weshalb dieser Roman fehle, während es jene Erzählung auf Platz drei geschafft habe. Und eine endlose
Debatte bricht los, als könnte die perfekte Liste die Weltgeschichte verändern. Die Kellner werden nervös.

Markus Gasser stellt uns in 50 Kapiteln Romane und Erzählungen aus unterschiedlichen Ländern und Epochen vor. Und wie er das macht, ist so geschrieben, dass ich gleich meine Liste vergrößern will, oder noch besser, dass ich meine Liste im Hinterkopf endlich in die Tat umsetzen will. Es schwirren so viele Bücher in meiner persönlichen Literaturcloud herum und oft traue ich mich, eines davon rauszupicken. Es kommen ja auch täglich immer neue Bücher auf unseren Büchertisch. Aber hier, durch den Schweizer Privatgelehrten, bin ich wieder aufs Neue angefixt auf diverse Bücher. Toll auch, wenn auf seiner Vorschlagsliste einige zu finden sind, die längst gelesen worden sind und auch Bücher einfach nicht auftauchen, obwohl die doch optimal für die Insel wären. Markus Gasser nimmt uns also an die Hand wie damals Herr Vollmann und hat eine Schreibe, die so angenehm süffig ist, dass diese 50 Vorschläge eigentlich alle in den Koffer passen sollten. Aber warum eigentlich auf ne Insel ausweichen, wenn wir die Bücher auch daheim lesen können und uns in ferne Welten denken? Ob auf hohe See mit dem weissen Wal, oder nach Frankreich mit Herrn Proust, oder nach Südamerika zu Signor Marquez (das war der mit den Beatles-Liedern, während er deine „100 Jahre Einsamkeit“ geschrieben hat. So Herr Gasser). Tolkien und Borges, dürfen nicht fehlen, wie auch Nabokov und Homer. Flaubert, Franzen, stehen vor Dickens und Tolstoi. Abenteuerbücher von Stevenson tauchen genauso auf, wie David Mitchells „Wolkenatlas“, den Herr Gasser unter die Rubrik „Die Archive der Finsternis“ packt, genausowie Mo Yan, Poe, Rushdie, Twain und Victor Hugo.
Sie merken schon, es ist ein weiter Bogen und kann und will nicht vollständig sein.
Aber: Es dürfte nur mit Rezept ausgegeben werden, da die Lektüre süchtig macht. Ganz zu schweigen von der Originallektüre danach.
Aber (2): Meine aktuelle Tageslektüre fehlt. Auch schön, dass er sie nicht drin hat, oder womöglich gar nicht kennt, obwohl es doch gerade ein Insel-Buch ist (Mallorca).
Albert Vigoleis Thelen: „Die Insel des zweiten Gesichts“. Aber (3) davon dann ein ander Mal, wenn durch die 900 Seiten durch bin. Eines jedoch dazu: So etwas Frech-Witziges habe ich schon lange nicht mehr gelesen.

Leseprobe
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Wenn Sie dann auf der einsamen Insel festsitzen, dann fällt es Ihnen sicherlich nicht schwer „Not Going Anywhere“ zu singen. Zu Ihrer Beruhigung: unsere Buchhandlung auch wo sie ist.

Karen Ann
Not Going Anywhere

Tide will rise and fall along the bay
And I’m not going anywhere, I’m not going anywhere
People come and go and walk away
But I’m not going anywhere, I’m not going anywhere