Dienstag, 15.September

Heute haben
Ferdinand von Saar * 1833
Truman Capote * 1924
Élie Wiesel 1928
Jurek Becker * 1937
Werner Schmidli * 1939
Cecilia Ahern * 1981
Geburtstag.
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Georg Trakl
Verklärter Herbst


Gewaltig endet so das Jahr
Mit goldnem Wein und Frucht der Gärten.
Rund schweigen Wälder wunderbar
Und sind des Einsamen Gefährten.

Da sagt der Landmann: Es ist gut.
Ihr Abendglocken lang und leise
Gebt noch zum Ende frohen Mut.
Ein Vogelzug grüßt auf der Reise.

Es ist der Liebe milde Zeit.
Im Kahn den blauen Fluß hinunter
Wie schön sich Bild an Bildchen reiht –
Das geht in Ruh und Schweigen unter.
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Claudia Wiltschek empfiehlt:

Fabio Andina: „Tage mit Felice“
Aus dem Italienischen von Karin Diemerlin
Rotpunktverlag  € 24,00

„Er ist es, der klopft und mich weckt. Es ist noch nicht einmal halb sechs. Ich steige die Treppe herunter, mache die Türe auf und sehe ihn dort im Dunkeln unter einem Schirm, das Hemd offen, kurze Hose, barfuß. Ich ziehe mich an und gehe hinaus. An einem Nagel in der Hauswand hängt das Thermometer das Vittoria mir geschenkt hat. Fünf Grad .“
Ein Bergdorf im Tessin. Jeden Morgen, egal ob Regen oder Schnee, zieht Felice los, läuft steil aufwärts durch den Wald um sein tägliches Bad in einer Felsgumpe zu nehmen. Getrocknet wird sich stehend im Wind, dann geht es wieder abwärts, durch das nun langsam erwachende Dorf. Kräuter für den Tee werden gepflückt. Danach hackt Felice Holz, pflückt im Garten, was es gerade so gibt, geht Pilze sammeln, die er verschenkt oder für Käse tauscht. In seinem Haus gibt es nur das, was wirklich gebraucht wird und Spinnweben werden zur Blutstillung einer Wunde im Keller von der Decke geholt. Kaum zu glauben, steigen doch auch hier im Dorf die Jugendlichen mit ihren verkabelten Ohren in den Schulbus.
Viel passiert nicht oder doch vielleicht auch gerade sehr viel und das ist genau das, was mich dieses Buch so fasziniert lesen lässt. Tage eines alten Mannes, dessen Zufriedenheit soo gut tut und wir herzerfrischend mit ihm aus der Gumpe steigen.
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Mittwoch, 10.Oktober

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Heute haben
Ivo Andric * 1892
Mercé Rodoreda * 1908
Claude Simon * 1913
James Clavell * 1925
Harold Pinter * 1930
Jonathan Littell * 1967
Geburtstag.
Wow! Drei Literatur Nobelpreisträger!
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Heute auf dem Gedichte-Kalender:

Detlev von Liliencron
Herbst

Astern blühen schon im Garten;
Schwächer trifft der Sonnenpfeil
Blumen die den Tod erwarten
Durch des Frostes Henkerbeil.

Brauner dunkelt längst die Haide,
Blätter zittern durch die Luft.
Und es liegen Wald und Weide
Unbewegt im blauen Duft.

Pfirsich an der Gartenmauer,
Kranich auf der Winterflucht.
Herbstes Freuden, Herbstes Trauer,
Welke Rosen, reife Frucht.
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Sarah Wiltschek empfiehlt:

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Mark Thompson: „El Greco und ich
Aus dem Englischen von Katja Scholtz
mare Verlag € 20,00

Mark Thompson hat einen tollen Debütroman geschrieben über eine besondere Freundschaft zweier Jungs im Amerika der späten sechziger Jahre. Vietnamkrieg, Woodstock und die Mondlandung sind der Hintergrund, vor dem Tony Papadakis und J.J. Walsh ihre Abenteuerjahre zwischen Kindheit und Jugend verbringen, immer auf der Suche nach der nächsten Gelegenheit, die Erwachsenenwelt auf den Kopf zu stellen. J.J. nennt Tony El Greco, den Griechen, der alles weiß und mit seinen zehn Jahren schon ein weiser Mann ist. Tonys größte Sehnsucht ist der Pazifik, dessen schiere Größe ihn immer wieder ruft. Tony leidet unter seinem strengen, bisweilen brutalen Vater, J.J. unter seinem nicht minder brutalen Bruder, den er bloß Adolf nennt.
Doch dann bricht ein Unglück über sie herein, das so unvorhersehbar und übermächtig ist und sie vor die erste große Probe stellt. Beide kämpfen ums Überleben. Die größte Angst – den andern zu verlieren. Schließlich nimmt J.J.s Vater sie mit auf einen Roadtrip in den Süden. Die beiden Teenager saugen alles auf, was ihre jungen, lebenshungrigen Augen zu sehen bekommen: Landschaft, Wetter, Farben, Menschen, aber auch die Ungleichheit zwischen Schwarz und Weiß, die ihnen auf dieser Reise erstmals brutal begegnet. Angefüllt von dieser Reise, kehren sie zurück nach Oceanside, froh wieder ohne väterliche Aufsicht durch die vertrauten Straßen zu ziehen. Doch dann stellt sie das Leben vor die zweite große Probe und es ist, als hätte Tony das vorausgesehen.
Der Autor erzählt in ausladenden Bildern voll Farben und Stimmung von den großen Fragen, die schon Kinder mit sich herumtragen, erschüttert von Tod und Ungerechtigkeit, von Angst und Ungewissheit, aber auch von der kindlichen Gabe, alles zu einem großen Abenteuer zu machen – mit der bloßen Neugier als Kompass durchs Leben.

Mittwoch, 11.Oktober

Heute haben
Conrad Ferdinand Meyer * 1825
Gertrud von Le Fort * 1876
Francois Mauriac * 1885 (Nobelpreis 1952)
Boris Pilnjak * 1876
Anne Enright * 1962
Geburtstag.
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Conrad Ferdinand Meyer
Fülle

Genug ist nicht genug! Gepriesen werde
Der Herbst! Kein Ast, der seiner Frucht entbehrte!
Tief beugt sich mancher allzureich beschwerte,
Der Apfel fällt mit dumpfem Laut zu Erde.

Genug ist nicht genug! Es lacht im Laube!
Die saftge Pfirsche winkt dem durstgen Munde!
Die trunknen Wespen summen in die Runde:
„Genug ist nicht genug!“ um eine Traube.

Genug ist nicht genug! Mit vollen Zügen
Schlürft Dichtergeist am Borne des Genusses,
Das Herz, auch es bedarf des Überflusses,
Genug kann nie und nimmermehr genügen!
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Antonio Manzini:Spitzentitel
Aus dem Italienischen von Antje Peter
Wagenbach Verlag  €15

„Er schaut auf den Monitor seines Computers und schreibt ENDE auf das weiße Blatt. Es ist 23:30 Uhr an einem Oktoberabend, als der berühmte Schriftsteller Giorgio Volpe seinen neuen Roman abschließt. Am folgenden Morgen ruft er gutgelaunt im Verlag an, um die frohe Botschaft zu verkünden.“

Dort aber ist nichts mehr wie zuvor: Der Verlag wurde von einem Großkonzern geschluckt, nun haben windige Investoren das Sagen. Statt der vertrauten Stimme seiner Lektorin hört Volpe einen Anrufbeantworter in sieben Sprachen, und wenig später stehen zwei dubiose Typen vor der Tür, die sein Buch publikumstauglich umschreiben wollen. Doch damit fängt das Unheil erst an …

Was zuerst wie ein Alptraum, ein Wachtraum aussieht, entwickelt sich zur Realität. Große, wichtige, dicke Romane sind nicht mehr gefragt. Aber nicht nur daß gestrichen und gekürzt wird – weg mit den langatmigen Szenen – auch politisch korrekt sollte es sein. Keine zu schlechten Botschaften in dieser schlimmen Zeit dürfen in den Bücher stecken. So wird aus „Krieg und Frieden“ einfach nur „Frieden“. Das nur als kleines Beispiel. Romane werden auf ein Happy End hin umgeschrieben und SchriftstellerInnen geknebelt, zu einer bestimmten Zeit ein genaue Anzahl von Seiten abgeliefert zu haben. Und zwar nach den vorgebenen neuen Regeln.
Antonio Manzini ist hier eine messerscharfe und urkomische Persiflage gelungen, die nicht nur auf die Welt der Bücher zutrifft.
Lustig ist zusätzlich, daß im neuen Roman von Marc-Uwe Kling (der mit dem Känguru) genau das gleiche Thema aufgegriffen wird. Auch in „Qualityland“ wird alles glattgebügelt und gemainstreamt (schreibt sich das so?).
Beides sehr lustig und gleichzeitig bleibt mir das Lachen im Hals stecken.